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Marburg, Freitag, 28. Juni 1878
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tzruch der Ratioualliberale« mit dem Reichs- kauzler.
ILeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). — ^Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Psg. berechnet.
arbeitete mich wieder an die Oberfläche, gerieth dann in den Strudel unseres untergegangenen LchiffeS, so daß öfter statt des KopfeS die Füße oben waren. Ich schluckte hierbei ziemlich viel Wasser, welches das Athmen sehr erschwerte. Nach einigen Anstrengungen gelang es mir, einen treibenden Bootsriemen zu ergreifen, auf welchem ich so lange trieb, bis ich von einem Boote Seiner Majestät „König Wilhelm" ausgenommen wurde. Die ganze Periode vom Zusammenstöße bis zum Untergange Seiner Majestät „Großer Kurfürst" währte ungefähr 6 Minuten, dann sah man weiter nichts, als einige Holztrümmer, sowie einige Hnndert mit Tod und Wasser ringende Menschen und hörte das herzzerreißendste Geschrei; einer rief nach Vater und Mutter, der andere nach Bruder und Schwester und doch trotz der größten Anstrengungen war es nur möglich, etwas über 200 Menschenleben dem Tode zu entreißen. Auch Seiner Majestät „König Wilhelm" hatte einm bedeutenden Leck erhalten, so daß derselbe auch anfangs eine bedenkliche Lage annahm. Dank der vortrefflichen Maßregeln, wurde doch die Gefahr für denselben beseittgt, so daß derselbe, sowie Seiner Majestät „Preußen" seinen Kurs nach Portsmouth nehmen konnten, woselbst wir denn am 1. Juni Morgens eintrafen. Die von S. M. „König Wilhelm" geretteten Leute wurden bann an Bord S. M. „Preußen" gebracht und der erstere, nachdem daö Pulver rc. gelöscht, ins Dock. Am Montag verließ S. M. „Preußen" mit sämmtlichen Geretteten, wovon jedoch noch 3 gestorben und in Portsmouth beerdigt waren, den Hafen und langte am Mittwoch, 5. Juni, in Wilhelmshafen an. Am Freitag Mittag erhielten fämmt- liche Geretteten Urlaub, um sich von den auSgestandenen Aengsten zu erholen."
WIlierhessischen Zeitung
t in der lieberfenbung feine Unterbrechung mbet.
85,-, :en
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ta nimmt entgegen: Ctitien d.Blattes, Alnoncen-Bureaux Dietrich & Eo. in ^Hannover; Th. Hin Frankfurt a.M.; -»ein & Vogler in tat a. M., Berlin, I, LSln k.; Rudolf in Berlin, Frank-
tat -. M. K.
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lchial- ine der bedeutsamsten Erscheinungen in der fetzigen »sucht, schm Bewegung ist die scharfe oppositionelle Stellung, h nach ! die nattonalliberale Presse gegenüber dem Reichö- 1 M x annimmt. Ein Berliner liberales Blatt, die „Dent- unq» Inien", forderte schon vor Wochen, vor Auflösung des Die Stages, den Rücktritt deS Reichskanzlers, derselbe sei
und daS Hinderniß, daß Deutschland und Europa zu Ruhe und Frieden kommen können. Man meint, „ me auS einem französischen Blatte abgeschrieben.
chings nehmen aber Blatter, wie die „Rat. Ztg." und 17 Magdeb. Ztg.", welche sonst den Namen Bismarck = icht anführten ohne den Zusatz „der große Staats- — ", ebenfalls Stellung gegen den Reichskanzler. Jetzt
such die „Magdeburger Zeitung" dem RechÄanzler
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoneen-Bureanx von @. L. Daube & 6o. in Frankfurt a. M.; Jäger^che Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; 6. Schlotte in
wieder aufzuhelfen. In allgemeinen Umrissen dürste der Reformplan, mit welchem zunächst das preußische Staatsministerium vor den Bundesrath treten wird, bereits festgestellt sein, und für den sodann vereinbarten Plan wird die Mitwirkung des neu zu erwählenden Reichstages erfordert werden, lieber bestimmt zu machende Vorlagen verlautet augenblicklich noch nichts; doch läßt sich annehmen, daß die Grundzüge der angestrebten Reform nächstens schon werden der Oesfentlichkeit übergeben werden. Die Klärung der Situation steht also bevor. So viel jedoch können wir heute schon mittheilen, daß sich die Maßnahmen der Regierung in sehr vielen und wesentlichen Punkten mit den seit Jahren von agrarischer und eonservativer Seite aufgestellten wirthschaftlichen Forderungen decken werden. Aufgabe dieser Kreise wird es um so mehr sei», bei den nächsten Wahlen Alles aufzubieten, um eine möglichst starke Partei zu schaffen, die bereit ist, die Regierung in ihren Absichten triftig zu unterstützen. Die Regierung wird die Wähler nicht im Zweifel darüber lassen was sie will, und es wird sich dann zeigen, daß keine Aussicht war, ihre Ziele mit dem nunmehr aufgelösten Reichstage zu erreichen.
Wir haben uns früher schon dahin ausgesprochen, daß jetzt der Zeitpunkt da ist, wo es sehr leicht wäre, den Staatswagen wieder in die richtigen Geleise zu bringen, beim bie große Mehrheit des Volkes hat eingesehen, baß bie liberale Politik zum Verberben führt.. Würbe bie Regierung jetzt mit einem klaren durchsichtigen Programm, wie es die Zeit erfordert, hervortreten und mit der liberalen Wirthschafts- und Culturkampfpolitik brechen, so brauchte die Regierung gar keine Mciellen Candidaten aufzustellen, denn das Volk würde aus freien Stücken Männer wähle«, welche bie RegieruiH in einer gesunden conservativen Politik unterstützen- würden.
Möchte der Reichskanzler es als ein gutes Omen und als Beweis, daß er wieder auf rechtem Wege ist, ansehen, wenn dir liberalen Blätter jetzt wieder Front gegen ihn machen, wie in der Conflictszeit. Die letzten 10 Jahre haben es bewiesen, daß eine gute gesunde innere Politik nur möglich ist im Widerspruch und nicht in Ueberein- stimmung mit dem Liberalismus. Was Bismarck im Widerspruch und ohne den Liberalismus gemacht hat, ist ihm ge- rathen; Alles aber was er in Uebereinstimmung und mit Unterstützung der Liberalen angefangen hat, wie die liberale Wirthschafts- und Kulturkampfpolitik, ist mißrathen. Bismarck hat sich nie gescheut, auch im Alter noch etwas zu lernen; hoffentlich fcheut er sich auch jetzt nicht, mit einem solchen Bekenntnisse vor das Volk zu treten. Es würde seinen Ruhm nicht vermindem, sondern erhöhen. Auf dem ehr- lichen Bekenntniß der Wahrheit liegt immer ein Segen.
d04g vn ich es nicht unterlassen, Ihnen einige kurze Mit- 9599 eigen über die schreckliche Katastrophe vom 31. Mai
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240,- t bekannt sein robb'. Mir war es leider nicht mög- 99,60 f * - -x - • *
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, . - Folgender Brief eines Geretteten vom „Großer
heiter. ung mitgetheilt: „Da ich so zu sagen dem
zum zweitm Male wieder gegeben und seit einigen hier bei den lieben Eltern und Geschwistern bin,
Zweit der Parteien diplomatisch auSzunntzen"; sie die Unruhe, welche durch diese nervöse Thätigkeit in ße Staatsmaschine gekommen sei, geradezu „gefähr- Bismarck „staatsgefährlich"! Das sagen nattonalli- Blätter! Wie ändern sich doch die Zeiten und wie Verlaß ist auf das Unheil der Menschen. Das imah, mit welchem so lange die liberalen Blätter den kanzler angesungen haben, verwandelt sich bereits in euzige!" Und warum? Bismarck hat der na- iberalen Partei durch die Auflösung des Reichstages, vorzugsweise sein Werk ist, erklärt: Ich kann mit Vicht mehr regieren, ich muß eine andere Parlaments- Mehrheit haben. Das' ist allerdings bitter. Aber ter Reichskanzler nicht recht? Die nattonalliberale hat sich bisher gegen alle Reformanträge bezüglich 1878. Wirthschafts- und Steuerreform, welche von der deutsch- cvstiven Partei gemacht wurden, ablehnend verhalten, Mitt. « «wch das Socialistengesetz hat sie abgelehnt. Nach
träglich hat man zwar in der „Nat.-Ztg." zu verstehen gegeben, daö sie bei einer nochmaligen Einberufung des Reichstages für ein solches Ausnahmegesetz gestimmt haben würde. Allein die Regierung hat Recht, wenn sie sagt: Nein, ein solches Opfer der Gesinnung will ich nicht; einen Reichstag, der etwa dasselbe Gesetz, welches am 24. Mai mit 251 gegen 67 Stimmen verwirft, am 24. Juni vielleicht mit 251 gegen 57 Stimmen angenommen hätte, bloß um sich vor dem Tode der Auflösung zu retten, kann ich in dieser ernsten Zeit, wo es sich um so schwere Entscheidungen handelt, nicht gebrauchen. Gegen die Socialdemokraten möchten die Liberalen jetzt jedes Ausnahmegesetz bewilligen; aber bei Leibe soll Niemand an den Liberalismus rühren! Die Regierung hat sich aber ja mehr und mehr überzeugt, daß mit der Socialiften-Verfolgung allein unsere wirthschaftlichen Nothstände nicht entfernt werden können. Sie sieht ein, was ja jeder Mensch, der die Welt nicht durch die gefärbte Brille des Liberalismus ansieht — erkennt, daß bie Socialdemokratie aus bem Mistbeete ber Grünberei unb aus ben auf jene Gründerei folgenden wirthschaftlichen Nothstanden aufgewachsen ist und daß sie am wirksamsten durch möglichste Beseitigung jener Nothstände bekämpft werden kann. Sobald man aber an diese Frage der Beseitigung jener Nothstände herantritt, so erkennt man, daß diese Frage gar nicht in Angriff zu nehmen ist, ohne eine gründliche Reform der liberalen wirthschaft- lichen Gesetze. Wie will man der Grünberei, bem Wucher steuern ohne Aenberung der Wucher- und Aktiengesetze; wie will man der Verlotterung ber Gewerbe wehren ohne bie Reform ber liberalen Gesetze, welche Lehrlingsverträge, Gesellen- unb MeisterprüfuHen abgeschafft haben; wie will man ber gefährlichen und verderblichen Anhäufung des Proletariats in ben großen Städten wehren ohne Aenberung des Freizügigkeits-Gesetzes? Wie will man unsere Industrie und Landwirthschaft gegen bie ihr so gefährliche Concnrrenz des Auslandes schützen, ohne baß man bie radikale Freihandelspolitik verläßt unb von ben ausländischen Maaren einen Zoll erhebt, welcher die günstigeren Produktionsverhältnisse des Auslandes mit denen unserer Industrie einigermaßen ausgleicht. Die Regierung soll sich deshalb in den letzten Sitzungen des Staatsministeriums entschlossen haben, mit dem liberalen laisser faire (Gehenlassen) zu brechen unb eine umfassende Reform der Gewerbeordnung vorzunehmen, um dieselbe von den falschen liberalen Gnmdsätzen, welche einen so zerstörenden Einfluß auf das wirthschaftliche und sociale Leben auSgeübt haben, zu befreien. Es wird darüber Folgendes mitgetheilt:
„Man ist dabei zu der Ueberzeugung gekommen, daß toeitgreifenbe Reformen ans wirthschastlichem wie auf sinan- ziellem Gebiet erforberlich sein werben, um sowohl ben Klagen einzelner Arbeits- unb Erwerbszweige abzuhelfen, wie auch bem Nationalwohlstanbe int Großen unb Ganzen nachdem dies Letztere geschehen, wurde von Bord unseres Schiffes aus bemerkt, daß S. M. „König Wilhelm" dasselbe von uns schon ausgeführte Manöver machte. Sofort wurde bei uns der Befehl gegeben, das Ruder hart Backbord zu legen und wurde dasselbe auch sofott ausgeführt. Unser Schiff konnte jedoch dem Ruder nicht so schnell folgen und war S. M. „König Wilhelm" auch bereits in solche Nähe gekommen, daß eine Kollision vorauszusehen war; dieselbe erfolgte denn auch sehr bald, indem der Sporn von S. M. „König Wilhelm" 'beim Groß-Want einrannte, dabei die Groß - Ranzer brach und die Groß- Bram-Stange stückweise an Deck beförderte. Weiter nach hinten kommend nahm das Bugsprit desselben unser Backbords - Kreuz - Want, sowie beide daselbst hängenden Boote in Stücken mit sott. S. M. „Großer Kurfürst" legte sich sofort nach dem Zusammenstöße stark nach Back-Bord über und nahm eine immer mehr bedenklich werdendeLage an. Allemögliche Anstrengungen wurden gemacht, um ein Eindringen des Wassers zu verhindern und alle Pumpen wurden auf Commando in Thätigkeit gesetzt. Aber leider waren alle Bemühungen vergebens, unter andern auch bie, das Schiff dem Lande zu- zubringen, denn daffelbe sank schon sehr rasch, so daß es voraussichtlich nur noch wenige Minuten über Wasser bleiben konnte. Es wurden demnach alle Mann aufgerufen zur Selbstrettung. Die jetzt folgenden Augenblicke sind kaum einer Schilderung möglich, denn überall sah man die Besatzung nach und nach über Bord springen, oder eine Rutsch- parthie über Steuerbordseite machen. Jetzt schien es auch mir räthlich, an ein Entkommen zu denken und vertraute ich mich denn auch, so wie ich eben war, dem nassen Elemente an. Da ich aber ein schlechter Schwimmer bin, wie viele andere auch, so kam ich ziemlich tief unter Wasser,
_tf>er zu schreiben, da ich auch eine Verstauchung der 8o'_ S Hand davon getragen habe; doch ist das Nebel jetzt wieder beseitigt. Am 29. Mai d. I. verließ das lo,7a »aber, nachdem wir mit Sr. Mas. Schiff „Großer nXdWrft" schon eine mehrtägige Probefahtt gemacht hatten, 74, »lmöbafen, bestehend aus ben drei Schiffen S. M.
» Wilhelm", „Großer Kurfürst" und „Preußen". __ hatten zu Anfang westliche Winde und etwas un- 84,75 t See, welche jedoch beide im Laufe des folgenden *w.» 8, am 30. Mai, gänzlich nachließen, indem der Wind • I -< s lief, und war unsere Fahrt vom schönsten Wetter Mtz «Agt. Wir, mit S. M. „Großer Kurfürst", fteuerten 10311 $ wir quer (dwars) von S. M. „König Wilhelm" 7.1010« «rca 150 Meter Entfernung blieben, S. M. „Preußen" ,92,75 it im Kielwasser von S. M. „König Wilhelm". Am tn »8, den 31. Morgens, passirten wir Dover und warm । 10 Uhr Vormittags in der Höhe von Folkestone, 3 Seemeilen vom Lande entfernt, aU am Steuerbord K zwei unfern Curs kreuzende Schiffe in Sicht tarnen, erste derselben, eine vom Lande abliegende Barke, war auch bald in solcher Nähe von uns, daß wir vor Iben abhalten mußten, welches beim auch auf Commando k 3860' Nachdem wir von derselben frei warm, steuerten --- lieber unfern vorigen Kurs. Einige Augenblicke spater,