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Die Genesung unseres Kaisers schreitet nach den. täg- ärztlichen Mittheilungen bisher langsam doch unun­rochen fort und bereits seit acht Tagen hat der ehrwür- Krauke sein Krankenlager verlassen und für den Ta- >^«,Gwlfenthalt ein besser zu lüftendes Zimmer benutzen “ *““t. Doch sind — namentlich an den noch immer

3st das Freiheit: alles Heil'gc schmähen? Hohes treten in den Koth, Älgestraft in Sünden sich ergehen, Höhnen Gottes hoch Gebot?

Dann fahr' hin du Freiheit ohne Gleichen! Hin, du Schande über Schänd'!

Dadurch magst das Glück du nie erreichen, "ie wird Friede sein im Land!

innere Lage bezüglichen Fragen. Der Bundesrath und die vereinigten Ausschüsse desselben für Justiz, Elsaß-Lothringen und Handel und Verkehr hielten heute Sitzungen. Dem Personale des Congresses sind der österreichische Oberlieute­nant Thömmel, der türkische Escadron-Chef Husiein Nazim Bey und der Attache Riza Bey hinzugetreten.

— Heute findet keine Congreß-Sitzung statt. Es ge­schieht dies auf Wunsch der Vertreter der vorzugsweise beteiligten Staaten, welche ihre Besprechungen über die bulgarische Frage heute fortschen. Die nächste Sitzung des Congresses ist auf morgen 2 Uhr anberaumt.

— Die Meldung des „Bert. Tagblatt", daß Herr v. Oubril nach Petersburg gereist sei, ist unrichttg. Herr v. yubril hat Berlin nicht verlassen. Graf Schuwaloff begab sich gestern nach der Rückkehr von Potsdam zum Fürsten Gortschakoff, dann zum Fürsten Bismarck, wo er etwa eine Stunde verweilte.

vorläufig der Reichskanzleramts - Präsident Minister t bestellt worden. Die Beisetzung der Leiche des 12. Juni in Paris verstorbenen Königs Georg V. Hannover wird nach Beschluß der Familie in Windsor !lgen obgleich Preußen auf Anfrage der Königin Vic- die Beisetzung im Begräbniß zu Herrenhausen gern standen hatte. In Dresden fand seit Sonntag bis nerftag eine glänzende fünftägige Feier der silbernen Hoch- des königlichen Herrscherpaares statt.

Nachdem das österreichische Abgeordnetenhaus daS ngsgesetz zu den Ausgleichsgesetzen in dritter Le- rngeuommen hat, ist der Ausgleich zwischen den beiden hälften endgültig von den betteffenden gesetzgeberischen Herschaften gebilligt worden. Die cisleithanische Re­nz hat beschlossen, den von der nordamerikanischen berufene» internationalen Münzcongreß zu beschicken.

Zustimmung Frankreichs zur Verlängerung des öster-

Drum, mein Volk, soll Segen auf dich füeßen: Jesu Christi eigen sei!

reichisch-ftanzösischen Handelsvertrages bis 31. December ist eingetrofien.

Die französischen Kammern vertagten sich selber am 11. Juni bis zum 28. October ohne Sang und Klang. Am 30. Juni wird Paris das längst geplante „öffentliche Fest" begehen; der Minister des Innern forderte den Seine-Präfecten in einem vom 9. datirten Schreiben auf, die Ultterstützung aller Einwohner zn veranlassen, damit jedes Stadtviertel sein besonderes Fest habe und die Ge- sammtheit der Feier „jenen Charakter der Größe erhalte, welcher am Tage der Eröffnung der Ausstellung einen so lebhaften Eindruck machte", Wenn Paris Frankreich ist, so kann man sagen, Paris und Frankreich sind ganz uud gar Ausstellung. Es dreht sich Alles um den Ge­winn an Geld und Ansehen, den die aufgestandene große " Nation von diesem Unternehmen erwarten zu können glaubt.

Das neue belgische Ministerium wird in folgender Weise zusammengesetzt werden; Frere-Orban Präsident und Minister des Auswärttgen, van Humbeeck Minister des öffentlichen Unterrichts, Bara Justiz, Sainctelette öffentliche Arbeiten, Graux Finanzen, Rolin-Jacquemyns Inneres und Gmeral Renard Kriegsmiuister.

Als vor einigen Wochen ein englisches Blatt, der Globe, die Grundlage eines den Frieden von San Ste­fano betreffenden Abkommens zwischen Schuwalow und Salisbury veröffentlichte, erfuhr eS im Parlament durch den Staatssekretär des Auswärtigen ein allerdings auf Schrauben gestelltes Dementi. Nach Eröffnung deS Con­gresses tritt nun dasselbe Blatt mit dem Wortlaut jenes anfangs abgeleugneteu Uebereinkommens hervor, und die Minister sahen sich nunmehr auf erneute Anfragen im Parlament hin genöthigt, die Echtheit desselben zuzugestehen, bemerkten jedoch, daß die Veröffentlichung ohne Wissen und Willen der Regierung geschehen.

Der rumelische Ausstand gewinnt immer mehr und mehr an Ausdehnung und erstreckt sich bereits bis in daS Gebiet des eigentlichen Balkans. Ju den von den Mon- tenegriitent besetzten Laudestheilen ist es zu Zusammen­stößen zwischen diesen uud den Albanesen gekommen, die jedoch nur örtliche Bedeutung zu haben scheinen. Die Lage in Konstantinopel selbst kann nur trübe erscheinen. Hamidistcn, Muradisten und Midhaiisten befeinden sich ge­genseitig, uud eS scheint, als ob man dort auf plötzliche Ereignisse gefaßt sein darf. .

Tagesbericht.

Aus Berlin wird vom 21. d. telegraphisch gemeldet:

— Das Staatsministerium beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Erörterung allgemeiner auf die

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Auf eigene» Wege«. /

J?t#‘ Novelle von E. Bendhaus.

(Schluß.)

„So bin ich Ihnen nicht nur ein annes bemitleidens- wertheS Geschöpf, dem Sie aus Barmherzigkeit beistanden," sagte Mary stockend.

„Sie sind mir mehr als Alles, mein höchstes, mein heiligstes Gut." Er schob seinen Arrk» unter ihren Kopf daß die goldene Haarfülle glänzend darüber hinwogte und sagte, sie auf den Mund küssend. „Nicht sterben, meine süße Mary, nein leben, vereint leben im Glanze eines se­ligen Glücks!"

Während dieser Unterredung befand sich Hermine in ihrem Zimmer, mit einem Brief an ihre Eltern beschäftigt. Jetzt klopfte es an uud herein trat, nein stürmte der Assessor. „Viktoria" rief er schon unter der Thüre. „Laß Dich umarmen, Herzensschatz" und er preßte seine Braut so stürmisch an seine Brust, daß Hermine sagte: „Was ist Dir denn wiederfahren, was hast Du?

Plümer stellte sich mit Grandezza vor sie hin. Du siehst in mir" begann er feierlich, „Du siehst in mir den wohlbestallten, königlichen Amtsrichter Eduard Plümer, zugleich Sclave der schönsten Augen, die auf Erden leuchten. Geruhen Euer Liebden Ihren demüthigsten Diener in Gnaden zu beglückwünschen."

Hermine lachte und ihm an den Hals fliegend rief sie freudig: „Welch fröhliche Botschaft, aber nun bleibe ich keine acht Tage länger hier, wir reisen nach Hause zu den Eltern, nicht wahr Schatz — Ich glaube,

leidenden Armen — nicht unerhebliche Schwierigkeiten verwinden und es ist au eine ganz baldige Ueberstede- W sg, etwa nach Babelsberg, wohl noch nicht zu denken.

i 18# Hast du ihn verschmäht? O kehre wieder! Ach« wieder, deutsches Land!

Kl« ; Beug' vor ihm dich demuthvoll darnieder, reicht rettend dir die Hand.

Der nur kann der Freiheit Glück genießen, .Der von Sündenknechtschast frei.

Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den Wahl­aufruf der Deutsch-Conservativen. Danach stellen sich die­selben offen auf die Seite der Reichsregierung und find bereit, der Regierung diejenigen besonderen Vollmachten zu gewähren, welche geeignet sind, den auf Umsturz gerichteten Bestrebungen der Socialdemokraten erfolgreich entgegen zu treten, sind indeß nicht der Ansicht, daß durch diese Voll­machten allein die Socialdemokratie zu überwinden fein werde. Vielmehr fei cs nothweudig, daß alle erhaltenden Elemente sich bereinigten, um die politische und sociale Ordnung durch Stärkung und Neubelebung der konserva­tiven Grundlagen zu bewahren. Die deutsch - conservative Partei wolle daS deutsche Kaiserthum und die monarchischen Institutionen vertheidigen gegen alle Gelüste, die dahin gingen, die Autorität immer mehr durch die Herrschaft der Majorität za ersetzen. — Als fernere Punkte des Partei- Programms werden aufgeführt: Erhaltung der deutschen Wehrkraft, keine Schwächung derstlden, Besserung der zer­rütteten wirthschastlichen Verhältnisse, Befolgung einer weisen Handelspolitik, wie sie dem Zollverein zur Blüthe verhelfen, Steuer-Reform mittelst Eröffnung von ausgiebigen Quellen indirekter Steuern unter Entlastung deö Volkes von diretten Steuern. Bezüglich des Tabaks als Steuer-Objekt werde das Resultat der angestellten Enquete eine weitere Grund­lage bieten. Vor Allem betont wird die Pflege des reli­giösen gebens des Volkes und Erziehung der Jugend zur Frömmigkeit und Gottesfurcht. Der Aufruf schließt: Wir brauchen Vertreter, die dem Wohl des Ganzen dienen, nicht von Fraktionspolitik und einteiligen Theorien sich leiten lassen.

Die „Post" verösientllcht dm Wahlaufruf der „deutschen Reichspartei". Damach will dieselbe die Grundlagen deS setzte sie schelmisch hinzu, wir werdet» noch ein anderes Brautpaar mitnehmen müffen.

An einem Abend in den letztm Tagm deS Monats Mai, saßen in dem kleinen Landstädtchen, das wir zu An­fang unserer Erzählung erwähnten, Herr und Frau Rührig an den geöffneten Fenstem der Wohnstube. Die laue Früh- lingSluft quillt erquickend herein; die lärmendm, jauchzen­den Töne der spielenden Kinderschaar des Städtchens drin- gen bis zu den beiden erwähnten Personen.

Die Zeit ist an Beiden nicht spurlos vorübergegangen; sie erscheinen uns, seit jenen Tagen, da wir sie zuletzt sahen, bedeutend gealtert. „Ich wundere mich, begann Frau Rüh­rig, daß Hermine noch nicht geantwortet hat, ihr letzter Brief klang recht unverständlich; was meinst Du, daß sie damit hat sagen wollen? Ich glaube," — und sie trat auf ihren Gatten zu, indem sie ihre Hand auf feine Schul­ter legte — ich glaube, es steht uns eine Ueberraschung bevor."

Der Angeredete wollte antworten, in diesem Moment aber verstummte das laute Spiel der Kinder, eine Extra­post raffelte über den Platz, der Postillon im Staatsornat bläst eine luftige Fanfare, begleitet von dem jetzt johlenden Geschrei der Kinder, welche die merkwürdige Extrapost umzingeln, denn sie hält vor dem Rührig'fchen Hause.

Ohne recht zu wissen warum, erhebt sich daö Rüh- rig'sche Ehepaar, es eilt in den Hausflur und liegt im nächsten Augenblick in den Armen ihrer Kinder.

„Mein Sohn, mein Sohn," jauchzt Herr Rührig weinend.

„Adolf, »nein Kind," schluchzt auch die Mutter. Die Scene des Wiedersehns vollständig zu beschreiben, wäre unmöglich. Nach dem sich das erste Entzücke»» gelegt hatte, führte Plümer Hermine vor die Elten», indem er um

Frankfurt a. M.; Jägcr'sch«

Buchhandlung daselbst;

Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Invalidendank in

Berlin; W. Thienes in

Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Ist das Freiheit 1

(Melodie: Herz, mein Herz, warum so traurig.) Schau, mein Volk, soweit ist es gekommen, _ ß dein König bluten muß, Sv hat dich der Freiheitsrausch benommen, v ■,« Darum fiel des Mörders Schuß.

Frei zu sein, daS war nur dein Bestreben, Hattest Freiheit nie genug;

Doch die Freiheit führt dich nicht zum gebend titi Diese Freiheit bringt dir Fluch. toc

TWft dich frei und bist doch gar gebunden

Zn der Leidenschaften Macht;

®laub’8, mein Volk, du kannst nur dann gesunden, v Wenn dir Gott die Hülf gebracht!

iii!■*' Hst bann frei und wärst du auch in Ketten, (jiuf 3Btun du bist ein Gottes Kind.

Hör' es doch! denn dich kann nur erretten

Gottes Sohn aus Noch und Sünd'!

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS SomttagSSlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

s Congreß der vor acht Tagen eröffnet worden, hat 3| j“ hrcre Sitzungen gehalten, ohne aber den Gegenstand der chmdlung, die Abgrenzung der Bulgarei zu erledigen. Es gilt idm Mitgliedern des Congresses strenge Geheimhaltung; doch dankt, daß der Kongreß wohl noch an sechs Wochen Mn dürfte. In Deutschland wendet sich die öffentliche qmerksamkeit besonders den auf den 30. Juli anberaumten rikas chstagswahlen zu. Zum Stellvertreter des Reichskanz- piembe I in Bezug auf die Ängelegenheiteu des Reichsschatzamts

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Marburg, Sonntag, 23. Juni 1878