Marburg, Sonnabend, 22. Juni 1878
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Auf eigenen Wegen
Novelle von 6. Bendhaus.
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^ed Ännoncen-Bureaux । Ttz. Dietrich & Co. in , kl imd Hannover; Th.
Mich in Frankfurt a.M.; I Ernstem & Vogler in uffurt a. M., Berlin, ^zig, Cöln ic.; Rudolf
ihre Agenten aus den großen Mittelpunkten der Arbeiterbevölkerung ausweist. Diese Menschen trotzen auf die Gewalt der Fäuste und sie verstehen nur die Sprache der Gewalt.--
Niemand wähnt, ein strenges Eingreifen des Staats werde den Sozialismus sofort vernichten; vielmehr sind wir darauf gefaßt, daß gerade diese Strenge einige neue Wuthausbrüche des rothen Terrorismus herbeiführen kann. Doch ein großer Erfolg wäre schon erreicht, wenn das weite Netz der organisirten Verschwörung mit einem Hiebe zerrissen, die sozialdemokratische Bureaukralie zersprengt und ihre Führer vertrieben würden. Diese Demagogen leben von den Sparpfennigm der mißleiteten Massen; sie werden brodlos, wenn die Vereinsbeiträge und die Zeitungseinnahmen Hinwegfallen.--Es wäre ein offenbarer Ge
winn für die Kultur, wenn ei» strenges Verbot der sozialistischen Vereine und Schriften den ehrlichen und denkenden Freunden des Volks wieder den Zugang verschaffte zu dem Ohre der Massen, das ihnen heute fast ganz verschlossen ist.--
Wohl oder übel muß man vorläufig mit den bestehenden Gesetzen sich behelfen. Gegen die Versammlungen der Sozialisten reichen sie vielleicht aus, gegen die Presse nicht; sie wird leider den gewerbmäßigen Betrieb der Gotteslästerung, der Aufwiegelung, des Landesverrathes noch eine Zeit lang ziemlich ungestört fortsetzen. —
Ich habe (bei der Berathung der letzten Vorlage gegen die Sozialisten) anders gestimmt, als die große Mehrheit der Fraktion, und nicht verfehlt, daß ich die einfache Verwerfung dieses Gesetzes für den verhängnißvollsten poli- ttschen Fehler hielte, der unter den gegenwärtigen Umständen nur irgend begangen werden könne. Ich meinte die Stunde gekommen für den offenen Kampf gegen die Anarchie, und wollte lieber ein mannigfach anfechtbares Gesetz annehmen, als der Sozialdemokratie einen Triumph bereiten. Jedoch die Mehrzahl sah in jener Mordthat nur das vereinzelte Verbrechen eines verkommenen Menschen. Andere .nahmen Anstoß an der maugelhaften Fassung des Gesetzes; und doch lagen verständige Verbesserungöanlräge vor, von Liberalen entworfen. — — Wieder Andere waren gegen jedes Ausnahmegesetz — als ob wir nicht leider in Ausnahmezuständen lebten! Nur eine kleine Minderheit nahm an der Abstimmung der Fraktion nicht Theil, und sie bestand, bezeichnend genug — bis auf einen Einzigen — durchweg aus namhaften Juristen, aus Männern also, die nach Charakter und Lebensstellung natürliche Gegner feder Willkür sein müssen.
Die Mehrheit des Reichstags hatte der Krone in einem Augenblicke dringender, schwerer Gefahr nichts zu bieten, als Versprechungen für die Zukunft — Versprechen, die
We Sozialdemokratie und die nationalliberale Partei.
Zu den „preußischen Jahrbüchern" veröffentlicht Heiu- ven Trettschke, anerkannt einer der bedeutendsten der jmnigen Gelehrten und Schriftsteller Deutschlands, unter Ueberschrist: „der Sozialismus und der Meuchelmord" Aufsatz, welcher in scharfen Zügen die der Gesell- it drohenden Gefahren und die Stellung der national? alen Partei zu denselben schildert schreibt die neueste mer der „Prov.-Corresp." und theilt dann den wesmt- n Inhalt der beachtungswerthen Kundgebung wie mit:
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rwit Todesverachtung — ich sehe eben er hat mir den ßen Ann und dir Hand mit einer kurzen Waffe, die M)vrzog, beschädigt. Thut aber nichts, mein Zweck Erreicht. Ich hätte de« Menschen nicht losgelösten, um ^Preis. Aus mein Schreien und Hüfferufen kamen ^Schutzleute, die zufällig vorbei gingen dazu, denen ?ich den sauberen Bogel überliefert. Denn die Hausen, die eben die Trchpe herab gestürzt kam, um Sie d Doktor zu hole», sagte uns, daß eben ein Unglück Ml sei." — .„.1 ",
Hermine stand am Bett ihres Bruders, sie hatte mit ^nung der Erzählung des Bedienten gelauscht, jetzt kam plötzlich zum Bewußtsein, daß im Nebenzimmer noch jenes arme unglückliche Wesen liege, das bei der gehabten Katastrophe so plötzlich zusammcngesunken war. pachte den Arzt darauf aufmerksam und bat ihn, auch" h Hülfe zu schaffen. ~ -<i •. ■ <
^me ruhelose, schlaflose Nacht verbrachte Hermine nach 011 ereignißvollen Tag.
t er Schein der Nachtlampe beleuchtete düster das bleiche W des Malers. Hermine wich nicht von seinem Lager, sie eine barmherzige Schwester zur Nachtwache
Mt angstvollen Zügen betrachtete sie unausgesetzt Bruder; ihr Mund bewegte sich in leisem Gebet für
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„Nie, nie" betheuerte er, indem er einen innigen Kuß auf ihre Lippen drückte. Armes, liebes Kind, was hast Du gelitten, ich weiß bereits Alles — wie beklage ich Dich." Er strich ihr zärtlich die Locken aus der Stirn. „Wie bleich Du aussiehst Herz, und ich war die ganze Zeit fern von Dir —" ö 3
„O, jetzt ist Alles gut" hauchte Hermine. „Aber sage mir, wie kommt es, daß ich die ganze Zeit Nichts von Dir hörte?"
»Ich hatte einen Auftrag von meinen Vorgesetzten erhalten, der mich ohne Aufschub forteilen ließ," erzählte Plümer. „Ich dachte nicht, daß ich so lange auswärts zu thun haben würde; meine Sehnsucht zu Dir wuchs mit jeder Minute; ich suchte so rasch wie möglich die mir aufgetragenen Geschäfte zu erledigen; als ich gestern Abend spät hierankoinme, erzählt man mir den Mordanfall. Es war zu spät als daß ich noch hätte zu Dir eilen können. — Vorhin führte mich die Haushälterin, die mir begegnete und die ich nach Dir fragte, vor dieses Zimmer. Da ich auf mein wiederholtes Anklopfen keine Antwort erhielt, so wagte ich, die Thüre ein klein wenig zu öffnen. Als ich nun Dich, mein Engel, so bleich und angegriffenem Sessel sitzen sah, ging ich leise auf Dich zu und rief Deinen Namen" Hermine gab sich ganz der Seligkeit dieser Stunde hin, ste vergaß auf Momente den kranken Bruder. Ehe sich der Assessor von ihr verabschiedete, sagte er noch. „Jenen Warton, oder wie er heißt, hat man heute Morgen in seiner Zelle erhängt gefunden; er hat seinem verbrecherischen Dasein ein Ende gemacht'"
Hermine faltete still die Hände; Gott war gerecht, die verdiente Strafe hatte jenen Bösewicht endlich erreicht.
Wochen waren vergangen; die Besserung Bernhard« ging jetzt, Dank seiner elastischen Natur, und der sorgfältigen Pflege, welche ihm seine Schwester angrdeihen ließ
ie Bestellungen aus das -ritte vuartnl
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Dberhefstschen Zeitung
soll ? Und dies in einem Augenblicke, da die weite 6 dankbar die Weisheit und Gerechtigkeit der deutschen «e bewundert, da die Bevollmächtigten der großen te sich eben anschicken, den Friedenskongreß zu be-
der allein durch die Mäßigung der deutschen Poli- nöglich wurde. Wohin ist es mit uns gekommen! Wer in einer solchen Stunde des Aufruhrs aller Ge- r über die politischen Aufgaben der nächsten Zukunft «den unternimmt, bedarf eines kalten Kopfes und fester
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von G. L. Daube & Co. in
Frankfurt a. M.; Jüger'sche
Buchhandlung daselbst;
Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thiene- in ölbetfelb: 6. Schlotte in
Bremen.
igen nimmt entgegen: * *
Expedition b.Blatte-,
„Das Leben ist oft grausiger als die wildesten Gebilde Ke TM Phantasie. Wer hätte vor einem Monat nur für mt. 11 Mr gehalten, daß heute ein französisches Blatt uns zu- w l. • Mtt darf: „warum hassen die Deutschen ihren Kaiser? || h unter uns, die sein Schwert so schwer getroffen hat, |jjM ihn Niemand! ?" Schmach über Schmach ist binnen
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.vlatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux
Schmach über Schmach ist binnen niigcti Wochen auf den guten Namen des deutschen treuen jfe gefallen. — Millionen zerknirschter und beschämter JT Ascher Herzen blicken fragend zu Gott empor: ob es wirklich in seinem unerforschlichen Rathschluß beschlossen Nß uuL auch noch die letzte Schänd« treffen, daß der * deutsche Kaiser, wie einst Frankreichs Frtrdensbringer ' rich IV. durch die Hand eines Landsmannes den Tod
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erwogene, seit Monaten in schmerzlichem Nachdenken gereifte Ueberzeugiing, wenn wir die Meinung aussprechen, daß die heutigen Gesetze nicht mehr ausreichen, um den Bestand der ^Gesellschaft und der Kultur gegen die große Verschwörung "der Soeialdemokratte zu sichern. Aus dem Pfuhle der
Sozialdemokratie ist alle die unauslöschliche Schande der jüngsten Tage emporgestiegen.
Eine allmälige Läuterung der Sozialdemokratie von innen heraus haben wir nie erwartet, denn der Unsinn und die Niedertracht können sich nicht abklären. Was von ■ berechtigten Gedanken in den Lehren tiefer Sekte liegen mag, ist ihr gemein mit anderen Parteien; was ihr eigen angehört und ihr Wesen ausmacht, ist das Evangelium der sinnlichen Gier, des Haffes und des Neides, die Verhöhnung alles Heiligen. — — — Die Verwilderung wuchs und wuchs. Mit den gotteslästerlichen Reden dieses Winters erreichte die Unzucht des Wortes einen Gipfel, der nicht mchr überschritten werden konnte; die Versammlungen der Berliner Weiber — sicher das unheimlichste unter allen Symptomen der argen Krankheit — ließen erkennen, wie tief bereits die Grundlagen unseres sittlichen Lebens untergraben sind; nachher, bei den beiden großen Leicheubegäng- niffen im Frühjahr, musterte die Revolution schon prahlerisch beim hellen Tage ihre Heerschaareu.--
Der unvermeidliche Ausbruch ist erfolgt, scheußlicher als sich'S das Hirn eines ehrlichen Mannes je erträumen konnte. Der Mord, der feige Mord schleicht um unser Herrscherhaus. Nicht umsonst hat die sozialdemokratische Presse die Mörder „Ludwig CapetS" verherrlicht und ihre vergifteten Pfeile immer geradeswegs gegen die Personen deS Königlichen Hauses gerichtet.
Wir können unS nicht mehr darüber täuschen, die Sozialdemokratie ist der Ruthe entwachsen, sie ist zu einer Schule des Verbrechens geworden. Ein großer Theil der Nation ist wehrlos geworden gegen die Phrase, wehrlos gegen den Unglauben, wehrlos gegen den Kitzel der sinnlichen Begierde. Wir müssend ei» für allemal brechen mit jener schwachmüthigen Begönnerung und Beschönigung der rohen Begehrlichkeit, die unter uns allzu lange für geistreich galt, und in jedem Hause mit jedem erlaubten Mittel bot Kampf führen gegen die Feide der Gesellschaft.--
Doch die langsam wirkenden Mittel der sozialen Gegenwehr reichen längst nicht mehr aus gegen die Gefahren des Augenblicks. Eine Million deutscher Mämter und Burschen — und wie viele Frauen dazu! — wird durch eine organifirte Verschwörung dem Leben der Nation entfrembet, nimmt gar feinen Antheil an bem Gefühl der Scham und Neue, die in den gebildeten Klassen erwacht sind. Es wird die höchste Zeit, baß der Staat für längere Zeit die Vereine der Sozialdemokratie schließt, ihre Zeitungen verbietet, seine Rettung. Zuweilen erhob sie sich geräuschlos, um in das angrenzende Zimmer an das Bett der jungen Frau zu eilen, welche dort in heftigen Phantasien lag. Mit unendlichem Mitleid betrachtete sie dieselbe. So jung, so schön und schon so^unglücklich, dachte Hermine, die Frau eines Verbrechers. Sie schauderte; aber bas gelobte sie sich an bem Lager der jungen Frau, daß ste ihr eine treue, unermüdliche Krankenpflegerin und später eine theilnehmende Freundin sein wolle. Dan» irrten die Gedanken Hermineus zu bem Geliebten. Er ließ sie allein, allein in ihrem Jammer. Nur mit aller Selbstüberwindung gelang es bem Willensstärken Mädchen, unter der Last ihres Kummers' nicht zusammenzu- brechen, ihre Fassung, bie sie für die nächste schwere Zeit so nvthig hatte zu bewahren. —
Am anderen Vormittag hatte sich Hermine auf eine halbe Stunde aus den Kraickenzimmern entfernt; am Morgen war der Arzt erschienen, er hatte eine zufriedenere Miene gezeigt, als am gestrigen Abend und Hermine gab sich der leisen Hoffnung hin, daß noch Alles gut werden könne. Während sie sich mit diesen Gedanken beschäftigte, machte die Statur ihre Rechte geltend, ihre Augen schlossen sich im Schlafe. Aber kein angenehmer Traum umgaufelte sie, um die Schrecknisse der Gegenwart zu verscheuchen.
Sie träumte, daß Flaus, jener Verbrecher, sie verfolge, sie suchte ihm zu entflichn, aber vergebens strengte sie sich an, keine Bewegung gelang ihr, sie mußte verzweiflungsvoll ihn immer näher und näher kommen sehn. Ein Schrei entfuhr ihren Lippen, da fühlte ste eine wohlbekannte Stimme ihren Namen rufen. Sie erwachte. Plümer stand vor ihr. „Hermine," rief er zärtlich feine Anne ausbreitend, mit einem seligen Lächeln lag sie an seiner Brust und sich an ihn schmiegend, flüsterte sie: „Bist Du es wirklich Geliebter, kein Traumbild? Doch jetzt bist Du da, , nicht wahr, Du verläßt mich nicht?"
L—- -Halt dachte ich das ist nicht geheuer, ich bin wie der ' j $ hinter ihm her, aber erst in der Hauöthüre erwische tiRS -n' und suche ihn, der sich wahrscheinlich mit Hüffe f) 92,i noch vor dem Hause stehenden Equipage flüchten wollte,
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