Nach einem Rescript des Justizministers soll fernerhin bei den Reftrendarm die Zeil ihres einjährig-freiwilligen Militärdienstes in Bezug auf ihre Dienstzeit als Referendare nur in so weit in Anrechnung gebracht werden, als sie thatsächlich während der Militärzeit in dem Bureau thättg gewesen sind. Bisher war stets das Militärjahr vollMndig bei der Berechnung der Dienstzeit als Referen- d« i.--b,°ch.
Die Mittwoch-Sitzung des CongresfeS war auf 2 Uhr angesetzt und soll der Fortsetzung der Berathung Wer die bulgarischen AngAegenheiten gewidmet sein. Die gestrigen Vorbesprechungen zwischen den Bevollmächtigten Oesterreichs, Englands und Schuwaloff werden morgen fortgesetzt werden. Die Sitzung dauerte bis gegen 33/< Uhr. Wahrscheinlich findet Freitag die nächste Congreßsitzung statt. -
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Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt: Nächst der bulgarischen Frage dürfte die besiarabische zu eingehenden Erör- temngen Anlaß geben. Die Berufung Rumäniens auf dm Vertrag von 1856 wecke russischerseits nicht anerkannt, da dieser Vertrag nicht mit Rumänien, sondem mit der Türkei abgeschlossen wordm sei. Die Türkei, komme somit, da Rumänim als selbstständiger Staat noch'nicht anerkannt sei, dabei in erster Linie in Betracht, ganz ebenso wie im vorigm Jahrhundert das deutsche Reich Gebietsabtretungen zugestand, unbekümmert um die dabei unmittelbar betroffenm Territorialherren. Rumänim werde aber auch mit sich zu Rathe gehen müsien, ob eS lieber Bessarabien und sich dafür dm fortdauemdm Revindikations - Ansprüchm eines mächtigm Nachbars ausgesetzt sehen wolle, dem jenes Gebiet doch nun einmal thatsächlich entrissen wordm sei.
Der Redactmr der „Berliner Freien Presse", Schapira, wurde Mittwoch früh polizeilich sistirt und dann in Haft behalten.
In dem Zustande des Verbrechers Noblling ist eine Besserung nicht eingetreten. Es ist ihm zwar am Montag ein Stückchen Blei des in den Kopf eingedrungen Geschosses von der Größe einer Erbse entfernt wordm, doch ist die Gefahr für das Leben des Verbrechers hierdurch durchaus nicht beseitigt. Die Aerzte sind vielmehr der Ansicht, daß trotz deS im Allgemeinen recht günstigen Krankheitsverlaufes, bei der Schwere der Verwundung der Tod unter Umständm sehr schnell eintreten kann. Die Untersuchung über das Verbrechen vom 2. Juni nimmt einen immer bedeutenderen Umfang an. Die Verhaftungen von Personen, welche im Verdacht stehen, mit im Complott gestanden zu habm, dauern fort. Die Cri- rninal-Polizei ist in dm Besitz von Schriftstücken gelangt, die einen Anhalt dafür bieten, ja ihr die Gewißheit verschafft haben, daß der Verbrecher wirtlich die Thal unter Mitwissenschaft mehrerer Personen ansgeführt hat. Bei einer polizeilichen Durchsuchung der Wohnung eines Studenten fanden sich Papiere eines stud. med. Abraham Blumenthal vor, welche diesen arg verdächtigen. Letztgenannter, dessen Eltem in Rumänien ihren Wohnsitz haben, war seit dem 2. Juni aus seiner bisherigeil Wohnung verschwunden. Man vermuthete, daß er Berlin dm Rücken gekehrt hatte. Diese Annahme erwies sich aber als unrichtig. Blumenthal, unter dessen Papieren mehrere sehr gut gelungene Photographien seiner Person sich vorfanden, ist mit Hülfe derselben am Montag im Universitätsgebäude aufgefun- den und durch einen Kriminalbeamten verhaftet worden. Er leugnet, Mitschuldiger des Verbrechers zu fein, und will denselben nur vorübergehend kennen gelernt, sonst aber mit demselbm nie über Plane, am allerwenigstm aber über eine Ermordung des Kaisers gesprochm haben. Er räumt aber ein, sich dm socialdemokratischen Bestrebungen hingeneigt zu habm, was auch daraus hervorgeht, daß bei ihm ab- lehnmde Briefe von verschiedenen Zeitungen vorgefundm wuckm, die alle seine blutroth gehaltenen Artikel zurück- gewiesm hatten. (Sin anderer ebmwohl verhafteter Stu- dmt, führt den Namen Freudenthal; er hat sich ebenfalls
rang sich seiner Brust. Doch die Kraft ihrer Arme reichte nicht aus. Aber er mußte von hier fortgeschafft werden, in eine bequemere Lage kommen. Mit fast Übermmschlicher Ansttengung gelang es ihr endlich nach verzweifeltm Ver- suchm dm schweren Körper ihres Bruders in das Nebenzimmer zu bringm. Sie hob ihn auf einen Divan, riß seine Kleider auf und preßte ihr Taschentuch, das sie aus einer auf dem Tisch stehenden Wasserkaraffe getränkt hatte, auf die Wunde. Erst jetzt überwältigte sie der Schmerz, dm sie im erstm Augenblick so tapfer zurückgedrängt. Heiße Thränm entstürzten ihren Augen, währmd sie an der S^t- des Bruders in die Kniee sank. Er durfte ja nicht sterbm, ehe die Eltem dm Derlormgeglanbtm in die Arme geschlossen. Nein, Gott würde barmherzig fein; sie rief den geliebten Bruder mit dm süßestm Schmeichelnamen, währmd sie seine herabhängende Hand mit leidenschaftlichen Küssen bedeckte. So fand sie der alsbald herbeigeellte Arzt. Hermine machte ihm schm an dem Lager des Verwnndetm Platz und währmd der Arzt die Wunde untersuchte, sah sie ihm angstvoll ans einiger Entfernung zu.
„Ist er lebensgefährlich verwundet?" bebte es jetzt von ihren Lippm. Der Arzt trat ihr theilnahmSvoll näher, indem er sagte: „Ich hoffe nicht, indeß kann ich für dm Ausgang nicht bürgm; vor allen Dingen ist bei dem Ver- wundetm die größte Vorsicht nvthig."
Die Dimerschast hatte sich jetzt sämmüich mit erhitzten
literarisch beschäftigt und ist durch Schriftstücke verdächttgt, die ihn mehr als alle anderen bisher verhafteten Personm belasten. Diese Papiere sind nun allerdings nicht bei ihm selbst, sondem int Besitze eines anderen schon früher ver- haftetm Mannes vorgefunden worden; sie mthalteu die thatsächlichen Beweise, daß der Plan, den Kaiser zu ermorden, schon ftüher bestandm, ehe der Verbrecher vom 2. Juni das Attentat ausführte. Was die Untersuchung gegen den Verbrecher selbst anlangt, so ist ermittelt worden, daß derselbe in Dresden vor einem Jahr bei einem dortigen Büchsenmacher einen Lefauchenx-Revolver nebst 100 Patronen angekauft hat. Er überzeugte sich auch von der Güte der Waffe, insofem er mit derselben geschossen und darauf seine Befriedigung mit derselben erklärt hat. Später brachte er dem Büchsenmacher auch sein Zündnadelgewehr zur Reinigung. Ob diese Waffen aber dieselben sind', die er am 2. Juni gebraucht, das wird erst die Untersuchung feststellen. Die bei ihm mit Beschlag belegten Waffen stammen sämmtlich aus Sömmerda und tragen die Fabriknummer.
j m Deutsches Reich. - b
" ' Berlin, 19. Juni. Wir sind heute in der seltenen Lage, die „Provinzial-Correspondenz" thatsächlich berichtigen zu muffen. Dieselbe bringt eine Notiz, in welcher sie die Beisetzung der Leiche des früheren Königs von Hannover in Herrenhansen meldet. Der König hat den letztwilligm Wunsch hinterlaffen, daß die Beisetzung in Hannover stattfinde, und die Königin Victoria von England hatte diesm Wunsch dem deutschen Kronprinzen übermittelt, welcher die Erfüllung unverweilt zusagte. Trotz dieser Thatsachen hat nach einer bei unserer Regierung soeben eingetroffenen te- legraphischen Meldung der englischen Regierung die hannoversche Königsfamilie sich für die Beisetzung der Leiche in Windsor entschieden. Der Eingang dieser amtlichen Meldung konnte der „Prov. - Corrcsp." noch nicht bekannt sein. — Die ausführliche Erklärung der Leibärzte des Kaisers über das Befinden des hohen Patienten war, wie schon ans ihrem Wortlaute hervorgeht, dazu bestimmt, allzu hoffnungsvollen Auffassungen über die baldige Wiederherstellung des Kaisers entgegenzutreten, besonders wohl dm Notizen, welche von einem bevorstehenden Residenzwechsel und sogar von einer Badereise sprechen. Die Veröffentlichung hat nun, wie es in solchem Falle zu gehen pflegt, die Meinung nach der entgegengesetzten Seite geworfen und an verschiedenen Stellen einen Pessimismus hervorgerufm, der in den vorhandenen Umständen keinen Anhalt findet. Wir können auf Grund zuverlässiger Erkundigungen versichern, daß der Kronprinz sich gestern gegenüber den sich meldenden Offizieren dahin ausgesprochen hat, daß die Hosi- nung auf die Wiederherstellung des Kaisers nur nicht in einer so kurzen Zeit, wie vielfach angenommen wordm, ebenso gern als zuversichtlich gehegt wird. — Die „Prov.- Corresp." veröffentlicht heute einen Artikel über den nationalliberalen Wahlauftuf, worin sie nachweist, daß die Zusage einer Unterstützung der Regierung abgesehen von der verklansulttten Ausdrucksweise des Entwurfs selbst noch weit mehr abgeschwächt wird durch den gleichzeitig behaupteten Standpunkt, welcher in bestimmtester Weise die Nothwen- digkeit der Auflösung bestreitet und der Regiemng die Verantwortlichkeit für dieselbe zuschiebt. Die „Nationalzeitung" ist indeß so unvorsichttg gewesen, sich auf einen von ihr unmittelbar vor dem Auflöfungsbeschluß veröffmtlichtm Artikel zu beziehen. Darauf wird ihr von der „Prov.- Corresp." durch ganz unwiderlegliche und durch Nichts ab- zuschwächende Citate nachgewiesen, daß gerade ihre Aeuße- rungen das Staatsministerium vor der Ergreifung des be- tteffmden Beschlusses in der Ueberzeugung bestärken mußten, daß vor der Auflösung eine wirksame Unterstützung auf keine Weise zu erlangen sein werde. — Eine Verfügung des Oberkirchmrathö erklärt, daß Kandidatm der Theologie, welche eine Lehramtsprüfung bestandm und wmigftens ein Jahr lang ein Schulamt verwaltet habm, von der Verpflichtung mtbunden sein sollm, durch Absolvirung eines
Gesichtem eingefunden und starrten mit traurigen Blicken auf ihren scheinbar leblos daliegenden Herrn. Der Arzt traf jetzt feine Anordnungm, er ließ dem Kranken ein anderes Lager anweisen und begann vorsichtig ihm einen Verband anzulegen. Alle seine Befehle wurden von der Dienerschaft mit der größten Aufmerksamkeit befolgt, beim sie liebten den Maler über Alles.
. „Zeigen Sie her, was haben Sie denn gemacht," sagte jetzt der Arzt, indem er Jean, jenen Bedienten, welcher heute Nachmittag Herm und Frau Warton ins Haus geführt hatte, ansah. „Sie bluten ja."
„O," rief der Angeredete, „es ist nichts, der Kerl wehrte sich wie ein Verzweifelter, da kanns fein, daß ich etwas abgekriegt habe." Da er dem erstaunten Blick des Arztes begegnete, fuhr er fort: „Ja so, ich muß es Ihnen deutlich erzählen. Also ich stehe hier auf dem Corridor, zufällig hatte ich da Etwas zu schaffen. Da höre ich hier in den Zimmern plötzlich einen heftigen Wortwechsel, ich achte nicht sonderlich drauf, denn Horchen ist meine Sache nicht, Herr Doktor. ES wird aber drinnen immer schlimmer, ich höre einen lauten schrecklichen Schrei, in demselben Moment geht die Thüre auf, und der Herr, der vor einer Stunde mit einer jungen Dame gekommen, stürzt heraus, an mir vorbei, die Treppe hinunter.
(Fortsetzung folgt.)
Dre-sdr«, 18. Juni. Der gestern Abera» von 3 Bergleuten zu Ehren der silbernen Hockett unseres Kon Paares veranstaltete Festzug ist in Gegenwart einer hei geftrömten unabsehbaren Zuschanermeng, prachtvoll ohne jede Störung verlaufen. Heute Vormittag fand Empfang der anwesenden Fürstlichkeiten statt, in der k« lischm Hoftirche wurde em Hochamt celebrirt. Nachnst ist Empfang des diplomatischen Corps, sowie der Abges, ten der auswärtigen Höft, der Mikitärdeputattonen ehemaligen MaaS-Armee, und bet preußischen und bar scheu Regimenter, beten Chef ber König Albert ist. < König hat den Kriegsminister v. Fabtice & la suite Königlichen Gardereiter - Regiments gestellt, den Mini Abeken in den Adelstand erhoben und dem Minister Gerber statt des persönlichen AdelS den erblichen Adel c liehen. Der Gesandte am Berliner Hofe v. Rostiz-Walln ist zum Wirklichen Geheimen Rath ernannt worden. Heute Abend ist im Hoftheater Galavorstellung, die Ei wohnerschaft bringt ihre öffentllche Huldigung durch ei Serenade und eine festliche Beleuchtung des Theaterplatzes I
Stuttgart, 19. Juni. In einem von dem langjL bestehenden Stuttgarter Ackeiterbildungsvereine erlasst Aufrufe wird das Gefühl ttefsten AbscheueS über die tentate auf den Kaiser ausgesprochen und daraus hii wiesen, daß der Verein stets die Hebung des Arbeiters des durch Förderung der Bildung und Hebung des Pfi gefühls erstrebt und demgemäß die 1868 auf dem Arbri tage zu Nürnberg durch Bebel und Liebknecht vech Herüberziehung der Bildungsvereine zur Socialdemokr verhindert habe. Schließlich werden die wahren Arbei freunde aufgeforbert, den Verein zu unterstützen, bie sociale Bewegung auf dem Wege zu halten, der Gesellschaft vor ernsteren Gefahren bewahre und für Arbeiterstand auf bie Dauer allein segensreich wu könne.
München, 18. Juni. Die Vertretung Bayerns Reichstag scheint durch bie bevorstehende Wahl wenigst ans liberaler Seite große Veränderungen erleibeu zu fei Man hört von acht bis zehn Abgeordneten, welche. neues Mandat nicht mehr amiehmen wollen. Es r entartet werden dürfen, daß die betreffenden Herren i bie Grünbe ihrer Weigerung ihren Wohlern Mittheili nicht vorenthalten. Auf utiramontaner Seite vcrlai nur von ber bereit« erwähnten Verzichtleistung des He Jörg. Bayenr war seither bekannllich durch 32 nltram tone und nur 16 liberale Abgeordnete im Reichstag i treten. — In Augsburg haben bie 40 bortigen grös FabriketablissementS an ihre Arbeiter ein Sirfular erlas an besten Schluß tä heißt: Wir stub beshalb übereil kommen, fortan Niemanden zu beschäftigen, der sich der sorialdemokratischeir Agitation betheiligt, und we> m Ausführung dieses Beschlusses vom 15. Juli au st Arbeiter entlassen, welcher alsdann noch einem socialdc kratischen Vereine angehört, eine socialdemokratische Hell verbreitet oder in anderer Weise die Zwecke ber fori! mokratischen Partei zu förbern sucht.
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ffiie«, 19. Juni. Die „Presse" folgert au» Den ( Hüllungen des „Globe", Rnßlanb habe einen englil Freibrief für alle biejenigen Friedenspunkte in ber D> welche nicht unmittelbar bie englischen Interessen berüt Der Vorgang Englands sei ein ungeheuerlicher; dem genüber werde Oesterreich auf seinem bisherigen St punkte ber Loyalität, ber offenen DiScufston und < ftstm Lösung beharren. — Das „Fremdenblatt" Im gleichfalls, für Oesterreich handle es sich nicht um - Rothbau sondern um eine auf festen natürlichen Gr lagen beruhende Neugestaltung, welche an Oesterr Grenzen den Fricken verbürge. — Das „Tagblatt" m gegen Oesterreich hätte man maßlose Anklagen erh« wenn es getrennt von Europa auf Wahrung feiner tereffen bedacht gewesen wäre. Es sei gewiß, daß Oe reich eine Bedrückung seiner Interessen nicht ruhig hin men würbe. , .... . . ; .
Paris, 17. Juni. Trotz bet langen Dauer ber Hungen des internationalen landwirthschaftlichen gongt unb der vielfachen Zerstreuungen, welche Paris und Ausstellung bieten, vereinigt derselbe immer noch große Anzahl der Mitglieder der ftanzöfischen Ackerba sellschaft unb ber fremden Delegirten. Von offyi Persönlichkeiten nehmen ber Herzog von Anmale und Graf von Paris ben regsten Antheil unb sitzen in Generalsitzungen fast regelmäßig zu Seiten des Präfib«
echswöchentlichm Cursus in einem Schullehrerseminar ür bie Bekleidung des Postens als Schulinspektor zu ahigen. — Im Einverständniß mit dem Kultusminister bie Verwaltung des Agendafonds auf Grund des Gest vom 3. Juni 1876 unb der Allerhöchsten Ordre oem September 1877 auf den Oberkirchenrath äbergegas, i— Nach einer Mitthellung der statistischen Corresponi haben in P«ußen im Jahre 1877 die Reichs- und Sta angehörigkeit erworben 4513 Personen, verloren daa, 18472 Personen, t- Der Avis» „Loreley" ist unter ß mando des Corvettenkapitäns v. ßinbequift nach Folkesi in See gegangen. Demselben sind ein Ingenieur Taucherpersonal beigegeben, um zu prüfen, ob eine Heb des „Großer Kurfürst" möglich ist. Die „Loreley" bie Repräsentation übernehmen bei ben in Folge des falls nothwendig gewordenen.Verhandlungen mit ben । lischm Behörden. ;: ‘ ‘