Marburg, Donnerstag, 20. Juni 1878
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Congreß - Nachrichten vom 18. d.:
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t — Heute findet zwischen den englischen und österreichischen Congrrß-Bevollmächtigten und dem Grafen Schnwa- loff eine gemeinsame Besprechung statt, die sich auf die bulgarische Angelegenheit beziehen dürfte. Es wird dieser gemeinsamen Vorbesprechung Bedeutung beigelegt. Die nächste Sitzung des Congresses, die in der Beschäftigung mit der bulgarischen Angelegenheit sortfahren wird, ist morgen Nachmittag 2 Uhr.
— Englischer- und französischer Seils treten Anschauungen zu Tage, welche der Zulassung Griechenlands zum Congresfe auf dem Fuße, der seiner Machtstellung entspricht, zur Consultation in den die christliche Bevölkerung der Balkanhalbinsel betreffenden Fragen günstig sind.
— Die Staaten zweiten Ranges verfolgen die Verhandlungen des Congresses in weiterer Hoffnung, consul- tativ gehört zu werden. Man nimmt seitens dieser Staaten an, daß Beschlüsse in der bulgarischen Frage noch nicht vorliegen und daß erst in der nächsten Cvngreßsitzung die eigentlichen Grenz« und sonstigen Festsetzungen für das zu etabürcnde Fürstenthum Bulgarien und den zu etabliren- den autonomen Thril Bulgariens getroffen werden. Für diesen zweiten Theil Bulgariens intereffirt die hervorgehobene Rücksichtsnahme auf das griechische Element. Man wünscht wenigstens, daß dieses nicht präjudicirt werde, und möchte dem auch in dem Namen dieses Landestheiles Ausdruck geben. In dieser Richtung ist der Name „Rumelin" genannt worden.
Hard. „Wäre eS möglich, daß seine verbrecherischen Absichten so weit gingen? Sagen Sie nein, denn ich ertrüge es nicht, Sie länger in seinen Händen zu wissen, lieber zehnfachen Tod erleiden, als die« zu wissen.*'-"
„Aber waS soll ich thun?" begann sie. nß
„Was Sie thun sollen," rief leidenschaftlich der Maker. Ich werde sofort zur Polizei eilen, werde Alle« entdecken, den Mord ihres Vormunds; seine Verhaftung muß sofort vorgenommen werden; ich werde nicht früher Ruhe haben, bis ich Sie geborgen weiß, bis ich mir sagen kann, daß Ihr kostbares, theueres Leben nicht mehr in Gefahr ist."
„Sie vergessen," sagte Mary Marion trübe, „daß ich keine Beweise gegen ihn besitze, der Arm der Gerechtigkeit wird ihn schwerlich erreichen. Wir befinden uns zudem nicht auf dem Schauplatz jener That, wir stnd in einem fremden Welttheil."
Bernhard sank verzweiflungsvoll in einen Seffel. Was thun? Das junge reizende Geschöpf ihrem Schicksal überlasten? Nimmermehr! Aber was konnte er für ihre Rettung thun, nichts, gar nichts, er hatte keine Rechte auf sie — aber es mußte etwas geschehen, ehe eS vielleicht zu spät war.
„Wissm Sie einen Ausweg?" flüsterte Mary. „Ach, ich sehe, auch Sie können mir nicht helfen, kein Mensch kann es, was liegt eigentlich auch daran, es wird mich keine Seele betrauern, an meinem Sarg wird keine Thräne fließen." —
„Erbarmen," stöhnte der Maler, „Sie wissen nicht, wie Ihre Worte mein Herz zerfleischen. — Ha," rief er plötzlich aufspringend, ein rettender Gedanke kommt mir, nur so ist seine Entlarvung möglich! Freilich »llch nur in dem Fall, wenn er noch ein anderes Verbrechen begangen. — Za, so würde es vielleicht geling««." ■
Einer Analyse des Artikels des Herrn von Treitschke über den Sozialismus und die Sozial-Demokratte fügt die Emder Zeitung bei, daß namentlich für die nationalliberale Partei die Ablehnung der Svzialistenvorlage der verhäng- nißvollste politische Fehler gewesen sei, den dieselbe hätte begehen können. „Ab« freilich mußte sie ihn begehen, nachdem sie sich einmal unter den maßgebenden Einfluß der Herren Lasker und Bamberger gestellt hatte. Den Tendenzen und Absichten, welche diese Herren verfolgen, entspricht die besagte verhäugnchvolle Abstimmung vollständig. Sie hängt auch genau mit den von ihnen verfolgten wirthschaftlichen Ideen und Interessen zusammen, welche wir ost genug gekennzeichnet haben, welche aber gerade Herr von Treitschke weniger durchschaut, da ihm dies Gebiet sehr ferne liegt. Sollten deßhalb diese Herren,
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beschäftigt. Wie wir hören, ist- ein Einv«ständniß über s das Gesetz erzielt worden. £3^ f ~ ?
[1| Die Aerzte des Kaisers veröffentlichen heute folgende lljlkMhkilung: Die Unterzeichneten halten sich zur Ergän- der von ihnen über das Befinden Sr. Maj. des BsSäEtrS und Königs ausgegebenen Bulletins zu folgender
— Der „Nordd. Mg. Ztg." zufolge ist die altf«bische Jnsurrcktton hier gleichfalls vertreten und zwar durch den Archimandriten Save, das bekannte Haupt des Aufftaudes. Die Wünsche der Altserben sollen dem Congresse in einer Petition übermittelt werden.
—17. Juni. Die Congreßmitglieder kamen mit dem akademischen Viertel zur Sitzung und blieben 2 V2 Stunden bis ungefähr 5 Uhr beisammen. Der Militär-Compromiß wurde nur vorübergehend erwähnt; den Hauptgegenstand der V«- handlungen bildete die bulgarische Grenzfrage, die indessen noch nicht vollständig erledigt wurde. Beaconsfield hielt üb« diesen Punkt eine versöhnliche Rede, die beifällig auf- i genommen wurde. Die von England vorgeschlagene Zulassung Griechenlands wurde französischerseits unt«stützt, die Zulassung der übrigen Kleinstaaten dagegen ist sehr unwahrscheinlich geworden, ein Beschluß ab« noch nach keiner Richtung hin gefaßt. In der dritten Sitzung, die ! am Mittwoch um 2 Uhr beginnt, sollen, falls die bulgarische Frage erledigt würde, die serbischen und mvntrnegri- , Nischen Grenzen an die Reihe kommen. Mehemed Ali conferirte heute Morgen mit General Lintorn-Simmons und dem österreichischen Militärbevollmächtigten über die : zukünftige Gestaltung Montenegro'S.
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Neben dem Wahlaufruf der Nationallibcralen ist der i Wahlaufruf der Fortschrittspartei nunmehr auch veröffentlicht; es heißt darin: die Partei erwartet den bleibenden Sieg der staatserhaltenden Kräfte nur auf dem Boden des gemeinsamen Rechtes und erklärt sich bereit, jede Vorlage der Regiemng vorurtheilsfrei zu prüfen, welche Verbesserungen der bestehenden Gesetzgebung in dieser Richtung erstrebt. Die Partei lehnt es ab, den Gegensatz der Klassen, wie ihn die Socialdemokratie thatsächlich aufreizt, gesetzlich anzuerkennen. •*' ’ **—~
sie. „Aber sagen Sie mir doch, was Sie dabei finden, was hat seine Vergangenheit mit Ihren Fragen zu schaffen? Spannen Sie mich nicht länger auf die Folter, sagen,Sie mir, was Sie denken." ■
„Unmöglich," erwiderte er ernst; ich hatte allerdings eine Vermuthung; doch Sie find mit Ihrer Erzählung noch nicht zu Ende, lassen Sie mich Alles wissen."
„Ich habe nicht mehr viel hinzu zu setzen," begann mit umflorten Augen Madam« Warton. „Unsere Ehe wurde keine glückliche, schon nach kurzer Zeit wurde es mir klar, daß mein Mann in mir nur die reiche Erbin gewählt. Wir lebten auf ziemlich luxuriöse Weise. Wenn ich aber früh« geglaubt hätte, daß ich nach meiner Verheirathuug jenes glänzende, rauschende Leben kennen lernen sollte, von dem mir mein Gatte früher immer gesagt, so fand ich mich arg getäuscht. Auf eine wahrhaft tyraimische Weise wurde ich an daS Zimmer gefesselt, oft saß ich tagelang bei verschlossenen Thüren, einsam meinen Gedanken nachhäugend, daS harmloseste Vergnügen, ein Spaziergang im Freien, wurde mir untersagt. Abgeschnitten von allem geselligen Verkchr, vom Umgang mit Menschen, denen ich hätte v«- trauen können, lebte ich an der Seite des kalten, egoistischen Mannes dahin. Kein Wunder, daß der alte B«dacht wieder von Neuem in mir erwacht. Gestern hatte ich die Unvorsichtigkeit, ihn meinem Gatten in's Gesicht zu sagen, weil ich dieses Leben nicht läng« mehr ertragen zu können glaubte. O hätte ich es unterlasten! Er sagte kein Wort, aber einen Blick warf er mir zu — einen Blick! Ich schaudere, wenn ich daran zurückdenke! Seit dieser Stunde habe ich keine Ruhe mehr. Retten Sie mich! Er wird auch mich vergiften; er wird mich aus der Welt zu schaffen suchen, wie meinen Vormund, denn" — ihre Stimme sank zum Flüstern — „er fürchtet mich, meinen Verrath" —
,Um des Himmels Willen schweigen Sie," rief Bern-
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dwungSgesetzeS nur dem Präsidenten dieser Bchörde 's Klagen werden.
Der Justiz-Ausschuß des Bundesrachs hat sich in sein«
27(Mm>g am Donnerstag mit der Rechtsanwalts - Ordnung
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i, daß die Genesung Sr. Maj. in nächster Nähe be- Kche. Unter den obwaltenden Umständen ist die Ersül- Jebel । dieses gewiß in aller Herzen lebenden Wunsches je- bung voraussichtlich leider nicht zu erwarten. Se. Maj.
«jaen nimmt entgegen: «Spedition d.vlatteS, «t-Ännoncen-Suter- । Ö), Dietrich & Co. ju und Hannover; ! Irchin Frankfurt«.!!
^enstnn & Bögler yfurt a. M., Berl taig, Köln ic.; Rud...
,ße in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die Ernemnmg des fibenten des Reichskanzleramtes zum Stellvertreter des •t lhÄanzlers in Finanzangelegenheiten hat Zweifel ver- cht, ob e Errichtung eines Reichsschatzamtes und die in, kunung eines Unt«staatsfecretärs für dasselbe überhaupt in der Absicht der kaiserlichen Regierung liegen. Diese ifel sind unbegründet. Die bezeichneten Maßregeln f dm ins Leben treten, sobald die dazu nöthigen und 4 iti im Gange befindlichen Vorbereitungen vollständig »ffen sein werden. Bis dahin war die Anordnung einer Vertretung in der Finanzverwaltung um so uöthiger der Reichskanzler während des Congresses noch mehr I sonst durch andere Geschäfte in Anspruch genommen öle Die einstweilige Vertretung konnte, da allgemein die ** uzverwaltung zur Zeit noch zum Geschäftskreise des hskanzleramteS gehört, nach dem Wortlaut des Stell-
en außer zeitweiligen Schmerzempfindungen nicht nur tr der durch die GebrauchSunsähigkeit beider Arme be- M Unbehülflichkeit viel zu leiden, sondern daS Ziel gänzlichen Wied«herstellung kann auch nur nach längerer l i erreicht werden und auf dem Wege dazu können
«che Schwierigkeiten liegen, welche unter Gottes Beistand Mich wie die bisherigen, glücklich aber nicht ohne Be-
Residenz und" —
sind haben Sie nie etwas über die Vergangeuhett von Warton gehört, hat er Ihnen gegenüber nie erwähnt, die Jahre vor seiner Verbindung mit Ihnen verlebte?" »Er war hinsichtlich seines früheren Lebens sehr zurück- Rb gegen mich, nur sehr selten äußerte « auf mein “ etwas von seinen früheren Verhältnissen."
-Eie habm demnach gar keine Vermuthung, welch« die Vergangenheit ihres ©arten war? Lebte « in Ame- l’* fragte Bernhard hastig.
»So viel ich erfuhr," sagte mit einem etwas erstaunten 1 die junge Frau, „hat er stets in Deutschland gelebt, 4 ich nicht irre, war er in ein« kleinen Stadt in einem „q W thätig. Aber warum fragen Sie danach? Ich. ** es nicht!"
g Der Maler athmete schwer. Jetzt fuhr « auf: „In f kleinen Stadt, in einem Geschäft war « thätig," J kr, „wisten Sie das ganz gewiß?"
___ -»Eianz gewiß, « hat es mir selb« «zählt," versicherte
Ingeigcn nimmt entgegen: die Srpedttton ».Blattes, sowie d Annoncen-Bureanx von S- L. Daube & So. in Stanffurt a. M.; Jüger'fche Buchhandlung daselbst; Hennann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Aberfeld; S. Schlotte in Bremen.
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- Der gestern erwähnte Erlaß des Cultusministers betr. die Verlegung der Ferien lautet im Wesentlichen wie folgt: „Da ich großen Werth darauf lege, daß die Theilnahme an der auf den 30. Juli. d. I. festgesetzten Wahl zum deutschen SKichstag durch die Sage der Ferien an höheren Schulen keine Beinträchtigung erfahre, so bestimme ich hierdurch, daß an allen denjenigen Anstalten, an welchen nach der für dieses Jahr geltenden Ferienordnung der 30. Juli in die Sommerferien fallen würde, der Unterricht am 29. Juni geschlossen und ~29. Juli wieder eröffnet wird. Sollten die Verhältnisse einzelner Anstalten d« dortigen Provinz, insbesondere an Alumnaten, eine Ausnahme von dieser Bestimmung dringend nothwendig «- scheinen lassen, so ermächtige ich daS königliche Provinzial- Schulkvlleginm, das Geeignete zu verfügen. Zugleich beauftrage ich dasselbe, auch an den Seminarien seines Ressorts die Sommerferien im Sinne dieser Verfügung zu regeln". ■** 42
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Srlchcint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrtrleS SomttagStlatt" durch die Expedition (K och'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mart 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.
chenmg verpflichtet, um mancherlei umgehenden, unrich- ffi Auffassungen entgegenzutreten. Durch Gottes gnä- Ij') t Hülfe ist der Verlauf der Verletzung des gejammten • ch das tief beklagenSwerthe Ereigniß hervorgerufenen . s vikheitszustandes Sr. Maj. bisher ein fast üb« Erwar- günsttger gewesen. Die einzelnen Momente dieses Ver- K st sind in den mitgetheilten Bullettns verzeichnet. Hie- < ward nun in hoffnungsvoller Freude vielfach gefol-
steti jbte .3.^,1 Ä#ntöe von E. BendhauS.
(Fortsetzung.) " fror >
•- — Der Maler saß schon längst nicht mehr auf
-s Platz; mit unruhigen Schritten durchmaß « eleganten Salon, dessen dicke Teppiche feine Fuß- I, 1 unhörbar machten. Bernhard» Augen brannten bei Erzählung der jiptgen Frau in fieberischem Glanz, - •= tien machte er eine heftige Bewegung mit der Hand, - sie zu mtterbrechen, bezwang sich aber jedesmal bald »ff % um von Neuem seinen Gang fortzusetzen. Die Erik k- >rin fuhr fort: „Wenige Wochen spät« verließ ich mit Gatten Amerika, seit einem halben Jahre bewohnen