W Marburg, Sonntag, 16. Juni 1878 üiU i .WMjllU Zutzaaml ' ----- ... .- — -f !N»chfv< "irihT 17Ü? .KvS-itz^T ;
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Th. Dietrich & Co. in [ei und Hannover; Th.
chie, meist hie ersten Minister derselben an ihrer Spitze, Berlin eingetroffen und vom Kronprinzen als Stellver-
Me lang getrennt gewesenes Geschwisterpaar; dies ist mein h* vermißter einziger Bruder, den ich heute, ohne es zu *8, wieder finden sollte." Die Wirkung, die diese Worte •w« Angeredeteu hervorbrachten, war eine unbeschreibliche. * hatte früher gehört, daß ein Sohn, des Rührig'fchen Ur« einst, um dem unwiderstehlichen Drang zur Malerei seine Heimath heimlich verlassen; daß er ihn aber 'kisem Freunde, dem gefeierten Künstler Bernhard wieder £tn sollt« — daS hatte er nie geahnt, denn er hatte nie von feinen Familien-Verhältnissen erfahren können;
Erhard wurde einstlbig und Melancholisch, wenn die Rede M kam. — Jetzt aber kam Leben in den Assessor, er Stinte seinen Freund mit einem Feuer und einer Leiden- tit, die denselben fast zu ersttcken drohte, um sich dann 7 den innigste» Beglückwünschungen an Hermine zu wenden. ^»Wie geschieht mir damit?" rief plötzlich der Maler, & Beide kennt Euch ja schon von früher, nicht wahr?"
Unterredung mit dem Assessor, worin derselbe die Michkeit deS Bilde- der Gräfin X. mit Hennin« ge- fiel ihm ein. Er führte da- erröthende Paar zu
«ren Fried« und als ein Schutz gegen Staatsftreichs- suche betrachtet und belobt, obgleich es kein gutes Zeichen , daß überhaupt solche Besorgnisse noch immer wieder
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X* Politische Wocheu-Urberficht. ,
Der Kronprinz hat die Stellvertretung des Kaisers und ' dessm Genesung einen günstigen Fortgang nimmt, ff hochwichtiger Aufgaben des Tags thatsächlich ge- Zu dem lange vorbereiteten europäischen Congresse, tag Mittag-« -den glänzend hergeftMen Räu- n des für den deutsch« Reichskanzler erworbenen und i ausgestatteten ehemals Radziwill'schen Palais eröffnet wen ist und von bem die Besiegelung eine« dauernd« mtalischen Friedms gehofft wird, waren bis zu ittwoch Abend nach und nach die Vertreter der Groß-
zum Vorschein komm«. Der Senat ließ schließlich die zu den Gesetzentwürfen über die OffizierSpensionm und über die direkten Steuern beschlossenen Abänderungen fallen. Der Postkongreß wurde nach einer Reihe sehr ersprießlicher und : gemächlicher Verhandlungen geschlossen. Am 11. wurde der literarische Congreß eröffnet, der jedoch wenig Bechei- ligung fand und ungleich wmiger Bedeutung hat, als seine Betreiber ihm zuschreiben möcht«. Die am 11. Juni im Amtsblatt erschienene Liste der Preisgeschworenen enthält 400 französische und 350 ausländische Mitglieder.
Die englische Regierung hat den Plan einer Mobi- lisirung des zu Aldershot liegend« ersten Armeecorps gänzlich aufgegeben und auch die indische benachrichtigt, daß zur Zeit jede Rothwendigkett, ein zweites Contingent ein- gebormer Truppen nach Europa zu entsend«, geschwun- dm sei. \
Tie legislativen Wahlen in Belgien am 11. Juni sind liberal ausgefallen und haben die Mehrheit in der Repräsentantmkammer sowohl wie im Senat gänzlich verschoben. In der Repräs«tant«kammer, wo die klerikale Partei bisher eine Mehrheit von zwölf Stimmen hatte, wird demnächst die liberale Partei eine Mehrheit von zehn Stimm« zähl«. Im Senat, wo bisher die klerikale Partei eine Mehrheit von vier Stimmen hatte, wird die liberale eine solche von sechs Stimm« haben. Das Ministerium ist zurückgetreten und Frere-Orban vom Könige mit der Neubildung des Cabinets beauftragt.
DaS Friedmsbedürfniß tritt täglich bei Rußland stärker hervor und von Aufrechterhaltung der Bedingungen von San Stefano ist selbst in dm epaltirtestm russischen Blättern nicht mehr die Rede. Auf den von den Russen besetzten türksschen Gebieten ist Alles beim Alt« geblieben; die Türken sind zur Räumung der Festungen nicht zu bewegen und die Rufs« halten nach wie vor ihre Stellungen bei Konstantinopel inne und befestigen dieselben. Wahrend ihnen bis jetzt die Unterdrückung des rumelischm Aufstandes noch immer nicht gelungen ist, drängen sie die rumänische Armee in der kleinen Wallachei immer mehr zusammen, ohne sich an den Einspruch der «manischen Regierung zu xehrm. »■ - - ■
ter des Kaisers empfang« worden, lieber die zu erwarte Dauer des CongresseS kann man bis jetzt nur noch sichere Vermuthungen haben; man hört eine Dauer von »a 20 Tagen nennen. Bezüglich der deutschen innern ilitit hat das preußische Staatsministerium nach wieder- ltm Berathungen am vorigen Donnerstag Nachmittag i Beschluß gefaßt, beim deutsch« Bimdesrath die Auf- L wg des deutschen Reichstags zu beantrag«, weil derbe dm ihm vorgelegten bundeöräthlichen Entwurf eines «nahmegesetzes wider die Sozialdemokrat« abgelehnt be und auch noch nach dem 2. Juni gegen einen ähn- tn neuen Entwurf sich ablehnend verhalten dürfte. Der mdesrath hat in einer Plenarsitzung am Dienstag ein-
mig die Annahme de« preußischen Antrags beschlossen >708 ' schon ist die Auflösung des Reichstags durch kaiser- ' m Erlaß verkündet werd« unter Anberaumung der lk* Avahlen auf den 30. Juli.
Die österreichische Regierung hat es für nothwm- .. | erachtet, die Mobilisirung des siebmbürgisch« und dal- 8 tmischm Corps anzuordnen. Das Gesetz über die Be- 6mg de« 60-MillionmcreditS ist endgültig angenommen d bereits amtlich veröffentlicht wordm. Die Delegation Kbe am 8. Juni geschlossen, nachdem das gemeinsame ldget in der Höhe von 106,673,466 Gld. gmehmigt
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Die in Bern abgehaltene Conferenz füv Aufstellung gemeinsam« Eisenbahntranspvrtrecht« hat einen Ver- Pmtwurf in 12 Artikeln zu Stande gebracht.
Zn Versailles vertagten sich die Kammmr am 11. Hl« »i bis zum 28. Octvber; die Session gilt als fort«
eigtattt Wege«.
■fa- ■ Novell» von 8. Bendhaus.
(Fortsetzung.)
Wenige Minuten später wurd« Bernhard und Her- »r in dem gegenseitigen Erzählen chrer Erlebnisse durch en tiefen qualvollen Seufzer in ihrer Nähe aufgeschreckt, 1 sich umwendend erblickten sie den Assessor, bleich und
‘ Telegraphische Mittherluugm ans Berlin vom 14. d.: — Bullettiu von 1072 Uhr Vormitt. Im Verlaufe de- gestrig« Tages war das Befinden de» Kaisers im Ganz« ein recht befriedigendes. Allerhöchstderselbe war noch länger als vorgestern außer Bett; auch der Appetit war etwas besser. Durch sehr guten Schlaf in der vergangenen Nacht fühl« sich Se. Maj. gut au-geruht. Di« dem jetzt fertig gestellt« Bild, indem er mit einem heiteren Lächeln sagtet „Dieses Bild war mir einst Zeuge einer > trüben Stunde, es soll auch aus diese fröhliche herabsehen." — Der kurze Winternachmittag neigte sich seinem Ende zu; die Dämmemng, welche ziemlich rasch hereinbrach, erinnerte plötzlich Hermine, daß sie auch Pflichten zu erfüllen habe, daß für sie die Zeit gekommen, nach Hause zurückzukehren. Was würde Frau von Perro zu dem langen Ausbleiben der Gesellschaftsdame sag«? Erst jetzt fiel ihr der Gedanke schwer auf die Seele, daß sie ja dieses Haus nicht allein betreten, daß sie Fräulein Alma im Nebenzimmer zurnckgelassen.
WaS mochte aus ihr geworden sein, befand sie sich noch dorten? Es war wohl nicht möglich, seit ihrem Erscheinen mußt« bereits Stund« verfloss« sein; im Jubel deS Wiedersehens hatte sie ihr« Stellung, hatte sie die An- wesenhett Fräulein v. Perros total vergessen. Währeiw sie sich im Stillen Vorwürfe darüber machte und dabei nach dem Nebmzimmer eilte, um nach der Vermißten zu sehn, wurde sie durch die Worte Plümers zurückgehalten: „Da fällt mit ein — Fräulein v. Perro begegnete mir bei meinem Eintritt in’« Haus im Hausflur. Ich wollte Sie schon vorher fragen, ist der jungen Dame irgend etwas passirt? Ihr ganzes Wes« kam mir so auffallend vor, daß ich mir sogleich vornahm, nach der unbekannten Ursache desselben hier oben zu forschen."
„Sie haben sie geseh«?" rief Hermine, „Und fort ist sie?! Mein Gott, wie bin ich vergeßlich gewesen." Sie hatte bei diesen Worten ihren Schmal fester um di« Schulte« geschlagen, und ihrem Bruder zum Abschied beide Hände reichend, sagte sm: „Ich muß eilen, mein Lieber, sonst ergeht mir'S am Ende noch schlimm. Du allein bist schuld, daß ich heute Nachmittag so unaufmerksam für meine Pflichten war."
k oh lkichemt tttglich außer « den SBedtegen nach Sonn- «nd Feiertagen. Preis für das Quartal mit.der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS SonntagStztatt" durch di« Expedition («ochlche
lh itoeigtn nimmt entgegen: " LHrpedition »Blatte«, &ie d.Annoncen-Bureaux
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blattes, sowie d.Amioncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerllche Buchbandlung daselbst; Hennann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendant in Berlin; W. Tdirne« in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.
,. Huntfurt a. M., Berljn, LA, Ciln k. ; Rudolf Äfe in Berlin, ~ *
Heilung der noch nicht vernarbten Wunden macht Fortschritte. (unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.' »
— Der königliche Hof legt für König Georg drei- wöchenüiche Trauer vom 13. Juni angefangm an. — Nach dem gestrigen Galadiner wurde Beaconsfield im kron- prinzlich« Palais empfang«. Die Kaiserin empfängt heute Nachmittag im königl. Palais die Congreßdelegirten und zwar Andrassy um 1 >/a Uhr, Waddington 1 Uhr 40 Beaconsfield und Salisbury 2 Uhr 10, Corti 2 Uhr 30 Gortschakoff und Schuwaloff 2 Uhr 50 Mm.
— Während bei der gestrigen feierlichen Eröffnung des CongresseS all« Vertreter volle Uniform angelegt hatten werdett dieselben bet d« späteren Sitzungen in ihm« gewöhnlichen Anzuge erscheinen. Das Secretariat de« Con- gresses besteht aus folgenden Diplomaten: v. Radowitz, Bucher, Busch, v. Holstein, Graf Herbert Bismarck und Mouy. Sämmtüche Secretäre sind mit der Protokollführung betraut; eine Abwechselung in letzterer findet nicht statt. Das Sekretariat hielt heute Mittag Sitzung. Der Congreß wird keinesfalls tägliche Sitzungen halten. Wahrscheinlich findet Diettstag im Palais des Reichskanzlers ein Diner zu Ehren der Congreßbevollmächtigten statt. — Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist für die Dauer deS CongresseS der preußische Gesandte in Weimar, Graf Lim- burg-Stirum in die politische Abtheilung deS auswärtigen Amtes berufen.
— Obwohl, wie bereits gemeldet, seitens irgend einer Congreßmacht ein bezüglicher Antrag nicht gestellt ist, suchen doch die beteiligten Staaten zweiten und dritten Range« dahin zu wirken, daß ihr« Vertreter auf dem Congresse selbst ihre Anschauungen barlegen können, wobei Griechenland seine von Rumänien, Serbien und Montenegro abweichende europäische Stellung betont. Für die Sache der Gleichstellung der Juden in Rumänien werd« sich verschiedene Vertreter auf dem Congresse erheben und soll auch Fürst Bismarck den Wünschen der „Alliance Jsraö- lite" geneigt sein, wennschon es unrichtig ist, daß er deren Vertreter in besonderer Audienz empfangen habe.
— Der heutige und der morgige Tag werden vozugS- weise Besprechung« der einzelnen Congreßbevollmächtigten unter einander in Bezug auf Erörterung der einzelnen Interessen der btzüglichen Staaten gewidmet fein; es verlautet in dieser Beziehung, daß schon jetzt mannigfache Abklärung zwischm Rußland und Oesterreich gewonnen sei.
— Alle Nachrichten, welche der gestrigen Eröffnungssitzung des CongresseS bereits irgend welche politische Verhandlungen oder politische And«tungen zuschiebm, werden zuverlässig als unrichtig bezeichnet, wie denn über solche Dinge bei der proklamirt« Verschwiegenheit von den Theil- nehmem nichts zu erfahren sein wird. Besonders motivirt
„Und wann sehe ich meine kleine Schwester wieder?" fragte Bernhard, sie für einen Moment in seine Arme ziehend.
„Bald, schr bald — ich wünschte, ich brauchte.gar nicht von hier fort zu gehn, ich könnte gleich bei Dir bleiben." Sie stand bereits in der Thüre dir leuchtenben Augen mit einem strahlenden Lächeln auf ihren Bruder zurückwendend. Dann war sie verschwunden, gefolgt von Plümer, der eö sich nicht nehmen ließ, sie nach Hanse zu geleiten. Beide schritten jetzt stumm durch die hellerleuchteten Straßen der Residenz. Der Assessor, dem es zum erst« Male vergönnt fein sollte, die Geliebte ohne Zeugen zu sprechen, fühlte sein He^ so voll, daß es ihm unmöglich erschien, mit ihr von gleichgültig« Dingen zu reden. Ihre süße Näh« wirtte mit beseligender Macht auf ihn; was war eS, daS ihn vom ersten Augenblick ihrer Bekanntschaft mit so magnetischer Gewalt zu ihr hinzog, war eS ihr Lächeln, ihre Stimme, waren eS die tiefen Augen? Er wußte es nicht, grübelte auch nicht darüber nach, er fühlte nur, daß da« ihm zur Seite schreitende Mädchen bereits von seinem ganzen Sein und Fühl« Besitz genommen, daß sie ihm zum weiteren Leben so nöchig sei, wie der Pflanze da« Svtmenlicht.
Hermine, die bei chrer nächttichen Wanderung eine merkwürdige Befangenheit über sich kommen fühlte, schrack plötzlich leise zusammen. Der Afsesior hatte eine ihrer herabhängenden Hände ergriffen; hocherröthend »vollte sie dieselbe zurückziehen, aber es gelang ihr nicht, der feste Dnlck, mit dem sie umspannt war, macht« es ihr unmöglich. Sie sühlle, wie er sich zu chr herabbeugte, spürte semen Athem so nahe, haß ihr dah Herz- ftitt zu stehen drohte. -- . ....]
„Siu ich Ihnen gleichgültig?" flüsterten seine Lippen. Keme Antwort folgte. „O sprechen Sie Henning" fuhr «r fort. Machen Sie mich glücklich, nein überglücklich mit
F fuü a. M. rc. —
• »Ngslos in der Thüre steh«. „Ich bitte um Berzei- 387 1g, wenn ich störe," kam eS jetzt mühsam von sein« zzZ Sm. Hermine durchzuckte bei diesem Anblick sofort der knke, daß er in ihnen ein Brautpaar sehe, und die Hand B«derS ergreifmd sagte sie: „Sie sehen in uns ein