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Marburg, Sonnabend, 15. Juni 1878
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Auf eigenen Wegen
Novelle von E- Bendhaus.
(Fortsetzung.)
dem nächsten Vormittag sehen wir den jungen mit Pinsel und Palette der Gemahlin des Rentiers wieder gegenübersitzen. Auf den Zügen der jungen ist heute unverkennbarer Kummer zu lesen; sie ist und steht zerstreut aus. Ihr Gatte ist heute an- , er sitzt auf einqm Fauteuil, die Zeitung studirend.
ng, mit welchem sie die Auflösung beim Bundesbeantragt hat, ist die Auflösung lediglich mit dem t, der Nothwendigkeit von wirksamen Maßregeln i die Socialdemokratie und dem Widerstreben des tageS gegen die lchte Socialistenvorlage begründet. Weittat und die Socialdemokratte werden also die sein, unter welchen die neuen Wahlen stattfinden tat. Die Liberalen sehen ein, daß sie dadurch in eine üble Lage gekommen sind. Sie haben mit überwäl- iber Mehrheit die Socialistenvorlage verworfen, das k aber will die Regierung in dem Kampfe gegen eine tti unterstützen, welche die Republik, also die Beseiti-
örscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, iexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaliene Zeile 10 Pf,.
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das leichte Gegeneinanderprallen mit einem entgegenkommenden Menschen für Sekunden seiner Zerstreuung geweckt, um sich im t Augenblick wieder ganz seinen Grübeleien zu über- Beim Weggchn aus dem Warten'schm Hause hatte
der Wahlkandidat für ein Mann, hat er Kopf und Herz auf dem rechten Fleck, versteht er die Lage und Bedürfnisse des Volkes und wählt nicht bloß nach Vorschlag und Com- mando! Ein Parlament von Jaherren, das bloß für die Socialistenvorlage gewählt wäre, würde die gute Sache der Wahrheit nur compromittiren, weil es sich jetzt um viel mehr handelt, als um ein solches Ausnahmegesetz. Noch keinem Reichstag ist eine so schwere Aufgabe gestellt, wie diesem in dieser kritischen Zeit, wo das ganze Volk im Hinblick auf die schweren Nothftände auf allen Lebensgebieten eine heilsame Reform unserer Gesetzgebung, so weit sie mit den verderblichen liberalen Grundsätzen des Gehenlassens zusammenhängt, erwartet. Deshalb tritt jetzt an alle Staatsbürger die ernste Bürgerpflicht heran, sich bei den Wahlagitationen und an den Wahlen in gewissenhafter Weise zu betheiligen und wenn auch der Bauer in der Erntezeit einen Tag versäumen und der Städter seine Erholungsreise um einige Tage abkürzen oder ändern muß.
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erheit der Gesellschaft vor revolutionären Anfällen, so m ‘ ihm gar nichts anderes übrig, als einen Reichstag Bind Wen, in welchem die Herren Lasker, Bamberger und J offen nicht die Führer der Mehrheit sind. Am besten es, wenn diese Herren ganz in den parlamentarischen stand gesetzt würden. Diese Herren haben sich über-
Pf- des Monarchen, erstrebt. Wenn auf seinen König " offen wird, dann versteht das deutsche und das preu- , t Volk keinen Spaß mehr.
[113 Nachdem das zweite Attentat geschehen war, erklärte mpte r eine Anzahl Nationalliberaler in der „Nat.-Ztg." — Bereitwilligkeit zu einem Ausnahmegesetz gegen die “L. ialdemokratie, allein sofort sprachen andere dagegen, : Die Negierung hat Recht, wenn sie nicht noch einmal
__j Welt das Schauspiel geben will, wie sie der Social- h wi okratie gegenüber von dem Reichstage im Stiche ge-
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wir Die Regierung appellirt deshalb an das und das Volk wird die Antwort durch seine Wahlen ben haben. Will das Volk also den Schutz seines irkeiSyS und Kaisers und der Monarchie, überhaupt die
e*n nimmt entgegen: Epebitie« b.Blatte«, ddÄnnoncen-Bureaux Ö). Dietrich & Co. in y und Hannover; Th. pch in Frankfurt a.M.; Ullstein & Bögler in jtfurt a. M., Berlin, mg, Eöln ic.; Rudolf Ein Berlin, Frankfurt a. M- ic.
^,^^lal sieht er müve und abgespannt vom Blatt auf Hfl fluige Worte mit dem Künstler zu wechseln, er spricht Anerkennung von seinen Werken, die er gesehen, und hrrd knüpft hieran eine Einladung ihn in seinem aufzusuchen, was von der jungen Frau mit einem »tttn Lächeln entgegengenommen wird. — Als er eine 07,- tet später seiner Wohnung zueeitte, war er so in seine etfcit vertieft, daß er weder rechts noch links blickend, den verwunderten Gruß einiger Bekannten, die ihm
1-1 *• Beim Lveggcyn aus orm xduuch |U)CH ^uu,r yauc sss de Bemerkung gemacht, die, je mehr er über dieselbe 00,i vchte, ihn in die größte Aufregung versetzte. Der V *$err hatte ihm, als er sich verabschiedete, eine auf- L i Zahnreche gezeigt, der ein großer Eckzahn fehlte; . .»n und für sich ganz gewöhnliche Wahrnehmung hatte
R diesem Fall sofort frappirt, wie für ihn überhaupt Kauze Erscheinung Wartens etwas mysteriöses hatte.
wir brauchen neue Männer.
Die Wahlen werden deshalb aller Wahrscheinlichkeit -für die nationalliberale Partei ungünstig ausfallen.
1 * Theil ihrer Mitglieder wird überdies, wenn sie wieder-
—g ihlt werden, zu den Freiconservattven übergehen, ein »er wahrscheinlich zur Fortschrittspartei. Das Centrum |tn wird wahrscheinlich in der bisherigen Gestalt aus
feinem Gang begegneten, bemerkte; > nur manchmal « er in den belebteren Straßen, durch die er kam,
Tagesbericht.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht an der Spitze des Blattes folgenden Erlaß des Kronprinzen an den Reichskanzler vom 11. Juni: Kaum der meuchlerischen Hand eines Verblendeten durch Gottes Gnade entgangen, hat des Kaisers und Königs Majestät Mein Herr Vater sich zum zweiten Male dem Geschoße eines im Verstecke lauernden Verbrechers ausgesetzt gefunden. Wiederum hat Gottes gnädiger Schutz über dem theuren Haupte gewaltet; der Frevler hat zwar leider des Ziels nicht gefehlt, seinen versuchten Zweck aber nicht erreicht. Die Schmerzen, welche die zahlreichen Wunden verursachten, traten zurück gegen den tiefen Kummer, welcher das landesväterliche Herz des Kaisers und Königs durch die noch am Abend Seines bisher so reich gesegneten Lebens Ihm nicht ersparte Erfahrung bedrückte, daß im deutschen Volke solche Unthaten in rascher Folge reifen konnten. — Die herzliche Theilnahme indeß, welche alsbald sich « cer Einwohnerschaft der Residenz zu erkennen gab, die Entrüstung über das Verbrechen verbunden mit der innigen Freude über die Errettung aus unmittelbarer Todesgefahr, die Segenswünsche, welche aus allen Kreisen und allen Theilen des deutschen Vaterlandes, ja von überall, wo im Auslande und selbst in fernsten Welttheilen Deutsche weilen, in Adressen, in sinniger Dichtung, Telegrammen, Blumenspenden und ähnlichen Aufmerksamkeiten durch ständische und communale Vertretungen, weltliche und kirchliche Corporationen, Behörden, Vereine, Versammlungen, durch Würdenträger und Privatpersonen ohne Unterschied des Standes, Berufs, Alters und Geschlechts in wärmster Weise Ausdnick fanden, haben jeden Zweifel und während er das schlanke, junge Mädchen neben sich immer von Neuem in seine Arme schließt und ihr unter tausend süßen Schmeichelnamen ebenso viele Fragen über die geliebten Eltern zuflüstert, strahlen ihre Augen in so scelenvollem Glanze, wie wir es noch nie an Herminen gesehen. Ganz in die Seligkeit des Wiedersehens verloren, sehen sie nicht die starr und erschreckt blickenden Augen von Fräulein Alma v. Perro, die mit der Betrachtung der im Nebenzimmer beftudlichen Kuustschätze fertig, sich jetzt nach der Gesellschaftövame umschend, dieselbe Arm in Arm mit dem jungen Künstler findet. Je länger sie jedoch, halb verborgen unter der Portiere stehend, die seltsame Gruppe vor sich betrachtet, je lebhafter fangen ihre anfangs so starren GesichtSzüge an sich zu verändern. Sie hat vor ungefähr einer halben Stunde mit Hermine Rührig das Atelier des Malers betreten. Die höchst eigen- thümtichen Blicke, die er dabei ihrer Begleiterin zugeworfen waren ihr allerdings gleich ausgefallen, da sich aber Hermine ihm gegenüber. so harmlos verhalten, so hatte sie keinen Verdacht geschöpft und sich, während Hermine noch die Bilder eines Zimmers betrachtete, bereits in ein anderes begeben. Die Falsche! Sie hatte also den Maler schon länger gekannt; es mußte schon längst ein Liebesverhältniß zwischen den Beiden bestehen und sie in ihrer Arglosigkeit, sie hatte keine Ahnung davon gehabt, sie hatte heute diese gleißne- rische Hermine, die ihr so unschuldig erschienen, dem Maler in die Arme geführt, jenem Mann, der ihr selber nicht gleichgülttg gewesen, denn die Bewunderung feiner Kunstwerke galt mehr dem Schöpfer derselben, als jenen.
„Jetzt müssen wir uns täglich seben," sagte Bernhard zärtlich; „wie lange, wie unendlich lange haben wir es entbehren müssen; das ist vorbei und vergessen; diese Stunde wiegt es auf."
„Das ist vorbei," murmelte auch Alma, als sie sich
den Neuwahlen hervorgehen. Diese Partei steht vorläufig, so lange der Culturkampf währt, neben dem Strom des politischen Lebens der Nation und viele ihrer Mitglieder sind durch diesen Kampf in eine politische Stellung gedrängt welche ihren sonstigen politischen Grundsätzen widerspricht. Wenn es sich übrigens bestätigen sollte, daß der Vattcan die deutschen Katholiken aufgefordert hat, die deutsche Regierung im Kampfe gegen die Socialdemokratie zu unterstützen, so dürfte das auch auf die Haltung des Centrums Einfluß fein. So sehr wir es fordern, daß man die Regierung im Kampfe gegen die Socialdemokratie unterstütze, — die Regierung hätte freilich früher schon diesen Kampf energischer führen sollen — so sehr müssen wir darauf Hinweisen, daß man ja nicht vergesse, daß dieser Kamps gegen die Socialdemokratte durch ein Ausnahmegesetz noch lange nicht abgethan ist, sondern daß dazu eine Reform unserer gejammten inneren Politik und neueren Gesetzgebung, wie schon in unserem früheren Artikel angedeutet, gehört. Erfolgt dieselbe nicht ober nicht in der rechten Weise, so wird die Socialdemokratie durch alle Ausnahmegesetze nicht auszurotten sein. Ausnahmegesetze können ohnehin immer nur auf kürzere Zeit gegeben werden, auf die Dauer lassen sie sich nicht aufrecht halten. Die Socialdemokratie ist in der liberalen Aera groß geworden und an der liberalen Gesetzgebung: der Preß- und Versammlungsfreiheit, der Freizügigkeit, der Wucher- und Actienfreiheit ist sic wie an einem Spalier hinaufgerankt. Man trete zugleich dem Liberalismus entgegen, so wird auch die Socialdemokratie allmählig absterben. Den neuen Reichstag erwarten also die größten Aufgaben und es thut jetzt mehr wie je Noch, daß die Wahlen mit besonderem Ernst und Gewissenhaftigkeit vollzogen werden. Insbesondere dürfen diesmal die Gutgesinnten nicht an den Wahlurnen fehlen. Wenn das Vaterland in Gefahr ist, müssen alle ans Schwert greifen. Das ist aber jetzt der Fall. Es darf deshalb keiner an der Wahlurne fehlen, Einigkeit macht stark, das vergesse man ja nicht bei den Wahlen, wo die Mehrheit entscheidet. Deshalb einige man sich mit gleichgesinnten Leuten und sehe sich die Wahl- candidaten recht genauen, ob sie auch die Wahrheit kennen, lieben und dafür einzustehen bereit sind. Solche Abgeordnete werden überall die Regierung unterstützen, wo sie auf rechtem Wege ist. Die Regierung ist aber auch nicht unfehlbar und weil sie das nicht ist, eben deshalb verlangt sie den Rath und Willen des Reichstags zu hören. Die Abgeordneten müssen deshalb auch den Muth haben, wo es die Wahrheit und das Recht erfordert, der Regierung wenn sie irrt, entgegenzutreten. Mit bloßen Jasagern und Kopfnickern ist in dieser ernsten Zeit dem Vaterlande nicht gedient. — Man frage deshalb vor Allem: was ist
Den Gedanken, daß dieser am Ende mit jenem berüchtigten Flaus identisch sei, mußte er zwar im nächsten Moment als zu unwahrscheinlich verlachen; wie konnte auch jener Betrüger mit dem vornehmen Besitzer dieser Räume ein und dieselbe Person sein? Würde er es wagen, wenn auch freilich unter anderem Namen, hier in der Residenz offen zu leben, wo ihn, wenn sein Verbrechen entdeckt, der Arm der Gerechtigkeit sofort ergreifen würde? Nein, es war zu unwahrscheinlich! Jener Flaus, den er zwar nie persönlich gesehen, sollte der Beschreibung nach einen dunklen Vollbart getragen haben; er konnte ihn freilich abgenommen haben, aber jene Zahnlücke, war sie nicht künstlich zu verdecken und würde der Verbrecher seiner Sicherheit wegen dies nicht längst gethau haben? Aber wenn cs trotzdem wahr wäre, wenn jener elegante Warton wirklich jener Mensch sei, der seine Eltern auf so raffinirte Weise bestohlen, so fühlte er doch, wie sich sein Inneres gegen eine solche Annahme schmerzlich sträubte. War es doch der Gatte jenes schönen armen Wesens, das mit allen Eigenschaften für ein besseres Loos ausgestattet, an seiner Sette ein trauriges einsames Dasein verbrachte. Sollte er das freudenleere, sonnenloose Leben der jungen Frau, die, — er gestand es sich^zögernd und mit pochendem Herzen — bereits all sein Sinnen und Denken in Anspruch zu nehmen anfinz, zu einem unglückseligen machen, indem er den ihr angetrauten Gatten als einen gemeinen Dieb zu entlarven suchte. Unter diesen und ähnlichen quälenden Gedanken hatte er seine Wohnung erreicht; aber seine Verstimmung sollte ihn sobald nicht verlassen, wenigstens in den ersten Stunden nicht. Wie erstaunt sind wir aber, als wir am Nachmittag desselben Tages unseren jungen Künstler Hand in Hand mit einer Dame im Atelier stehen sehen; über seinem Angesicht ist ein Glanz ansgebreitet, wie ihn nur das Bewußtsein wahren Glückes hervorzurufen vermag
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Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in
Bremen.
Die Auflösung, des Reichstages.
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•t« Durch kaiserliche Verordnung ist der 30. Juli zum I", :j Mage für den neuen Reichstag bestimmt. Nach der II jtajjung müffen innerhalb 60 Tagen nach der Auflösung Neuwahlen erfolgen; sie können auch schon früher statt- ___- «i, nur müssen immerhin die Wahllisten erst die ge- che Zeit offen gelegt werden. Baldiges Zusammen-
tn des Reichstages ist schon seiner nächsten Ausgaben erforderlich; denn in dem Schreiben der preußischen
Juni