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JKarßurg, Freitag, 14. Juni 1878
XIII. Jahrgang.
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„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit."
jr^in ist die Schmach, geliebtes Vaterland!
*-je Frevelthat, die wiederum verbrochen, Lir rührt von deines eignen Sohnes Hand, — Gott der Herr läßt sie nicht ungerochen.
man hat dich getäuscht, du ließ'st eS zu, nur zu oft sie ihren Willen spürten, ahnend, daß dein Glück und deine Ruh' "f's Aeußerste dadurch gefährdet würben, ^zogen nun, im Eigensinn bestärkt,
«akfurt a- M., Berlin, iyig, Köln ic; Rudolf
Auf eigenen Wegen.
Novelle von E. Bendhaus- (Fortsetzung.)
Die Gesellschafts-Räume des Perro'schcn Hauses strahlten an diesem Abend in sesttichem Glanze. Es fand eine jener kleinen gemächlichen Abendunterhaltungm statt, die bei der jungen Welt so sehr beliebt waren.
Die Dame deS Hauses, eine würdige, in dunkle Seide gekleidete Frau, saß auf dem Sopha in angeregter Unterhaltung mit den Eiugeladeneu begriffen. Die Gäste waren bereits bis auf wenige versammelt ; die jungen Herrn hatten sich mit dem anwesenden jugendlichen Damenflor in eine eifrige Conversation verwickelt. In zwanglosen Gruppen stand oder saß die Gesellschaft umher. Die allere Tochter des Hauses war bereits mit einem höheren Beamten verlobt,
der Mordgesellen; das sind die Formen, in denen der Geist von 1789 die Brüderlichkeit jetzt zu Tage treten läßt.
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WaS heißt heute zu Tage Freiheit, Gleichheit, Brüder- krit? Freiheit ist nichts anderes geworden, als Eman- Mtion der thierischen Natur des Menschen, Loslösung Glauben und von der Autorität, Schrankenlosigkeit Ausbeutung der Mitmenschen, Tyrannei gegen alle, die Freiheit nicht in diesem Sinne hinnehmen wollen. Laster walten frei!"
wahrend die jüngere, einem Schmetterling gleich, von einer Blume zur anderen flatterte. Beide junge Mädchen waren Erscheinungen, wie man sie nicht selten trifft. In einem einfachen, gewöhnlichen Anzug, höchst unbedeutend ausseheud, gewannen ste durch eine vortheilhaft ausgewählte Toilette und vornehme Haltung derart, daß sie den Vergleich mit emer wahrhaft hübschen Dame aushielten.
. »Ich bin entzückt von der Schönheit der Gesellschafterin", sagt in diesem Augenblick ein junger Garde-Lieutenant zu seinem Nachbar. Auf Ehie, sie ist verdammt hübsch! Sehn Sie nur diese Bewegungen. Beim Jupiter' ^ch bin gespannt, sie näher kennen zu Urnen.
»Und wie lange wird diese Passion bauern?" erwidert mit einem feinen Lächeln der Angeredete.
»Oh,' versichert der Offizier, indem er seinen glänzenden Schnurrbart mit einer eleganten Handbewegung auf- drchk,. »^nf Taille, ich glaube fast, diese könnte mich auf ewig fesseln?" '
^ä^reub dieser leise geführten Unterhaltung ist unser junger Asseffor Plümer, den wir schon heute Morgen im Atelier des Malers begrüßt, eingetreten: Nachdem er der Same des Hauses sein Eompliment gemacht und sein etwas spates Kommen entschutvigt, wendet er sich der übrigen Gesellschaft zu. Mau ist eben im Begriff, sich j» dem im Nebenzimmer jervirten Souper zu begeben; der Blick des jungen Mannes fällt dabei plötzlich auf Hermine Rührig die Gesellschaftsdame des Hauses, welche nur wenige Schritte von ihm entfernt steht. Er erkennt die junge Dame sofort, aber sein Erstaunen, sie hier zu sehen, ist so groß, daß er wie angewurzelt stehen bleibt. Hermine dagegen zeigt, abgesehen von einem leichten Roth, das auf !Vj" ^scheint, gar keine Ueberraschung beim An
blick Plumers, Sie wußte, daß er heute Abend erscheinen wurde.
dem Vorbilde deS Wiener Kongresses entlehnt. Die türkischen Bevollmächtigten sind noch nicht eingetroffen, werden mdeß bis zur Eröffnung des Kongresses erwartet; eventuell wurde der hiesige türkische Botschafter allein der morgen erfolgenden definitiven Eröffnung beiwohnen. Der Kongreß wählt seinen Präsidenten selbst; die Wahl Bismarcks steht außer Zweifel. Bei der Eröffnung wird Geheimhaltuiig proklamirt werden.
. — Die Einrichtung des Congreß-Saales und der anliegenden Räume würbe heute Abend vollendet. Den Boden des Congreß-Saales bedeckt ein mächtiger Teppich, auf welchen der hufeisenförmige Tisch aufgestellt wird. Die Sessel sind mit Leder von grüner Farbe überzogen; von gleicher Farbe ist die Decke des Tisches Die Anordnung der Platze ist in der Weise festgesetzt, baß die Mächte nach dem französischen Alphabet rangiren. Die Protokollführer sitzen an den beiden unteren Enden des Tisches, dem Prä- sivirenden gegenüber. An den Wänden des Saales stehen zahlreiche mit rothcr Seite überzogene Stühle. Der Buf- fetraum ist mit Treibhauspflanzen sehr geschmackvoll deco- rirt. Zu dem Galadiner am Donnerstag zu Ehren des Congresses sind ungefähr 150 Personen geladen. — Um sirmgste Discretion bezüglich der Verhandlungen zu wahren, wurden die mit der Herstellung der Drucksachen für de» Kongreß beauftragten Arbeiter der Geh. Oberhofbuchdruckerei auf Verschwiegenheit besonders vereidigt.
In der am Dienstag stattgehabten Bundesrathssttzung cheilte der Präsident des Reichskanzleramts Hofmann folgendes voni Geh. Cabinetsrath des Kaisers, von WilmowSki, an ihn gerichtetes vom 11. d. datirtes Schreiben mit: Die unheilvolle That, welche am 2. d. von neuem das Leben Sr Maj. des Kaisers bedrohte, hat, wie der Kronprinz aus Ew. Excellenz Berichte ersehen, die Mitglieder des Bundes- raths veranlaßt, ihre Gefühle und Wünsche gegenüber Sr Maj. durch einmüchigeu Beschluß in herzlicher Weise zum Ausdruck zu bringen.* Der Kronprinz war tief gerührt von der so warmen Theilnahme, mit welcher der Bundesrath das herbe Geschick seines in unerschütterlicher Treue seinem hohen schweren Berufe ergebenen Herrn Vaters begleitet, und hat nicht gesäumt, den Beschluß des Bundesraths zur Allerhöchsten Keiintniß zu bringen. Sc. Maj der Kaiser haben in Folge dessen den Kronprinzeil beauftragt, die Mitglieder deö Buildesrathes mit dem Ausdruck verbindlichsten Dankes wissen zu lassen, wie ungemein wohltuend ihr Beschluß Allerhöchstdeiifelben berührt hat. Ich beehre mich gemäß der mir vom Kronprinzen erteilten Weisung Ew. Excell. zu ersuchen, hiervon den Bundesrath geneigtest in Kenntniß setzen zu wollen.
lub die Brüderlichkeit, wo ist die geblieben? In erbender Weise steigert sich der Haß der Massen des Volkes und eines großen Theiles der „Gebildeten" - I alle; ivelche für Religion, Vernunft, Autorität, Gc- gkeit und Zügelung der wilden Leidenschaften der I schennatur eintreten, besonders aber gegen diejenigen, c Christum bekennen und predigen. Unbarmherzigkeit ’ j 8 den Mitmenschen, den mau rücksichtslos ausbeutet dem man die Sonntagsruhe verkümmert, Verbrüderung illtiengesellschasteu, Verbrüderung von Cotericn in der _• Uischast, Verbrüderung der politischen Parteien ohne . i sicht auf das Wohl des Vaterlandes, Verbrüderung
78, fühltest sicher dich und auf der Hut 107; ®b trautest deiner Kinder schönen Worten,
^il, wenn es galt, sie gaben Gut und Blut
881 ur dich und deinen Kaiser aller Orten.
95«^«« Ruhm und Kleinod, ach! die deutsche Treu', 9^3 yin Stolz in den Annalen der Geschichte, 239; tie ist beschimpft, beschmutzt, entehrt aufs Neu', 99- «edroch n a ! von einem deutschen Wichte.
82/ ^chi Schmuck, die deutsche Sitte, deutsche Zucht, —oie ist verhöhnt und in den Staub getreten, , 15- kn der des deutschen Sohn'S Entartung Wucht, Narrenspiel, ein Gräuel ist das Beten.
Diese drei inhaltsschweren Schlagwörter der französi- ' "* i von 1789 gehen von Munde zu Munde
beherrschen die Geister weit und breit. Von ihnen t ganz besonders das Wort des jüngst verstorbenen gro- iyistorikerS Leo: „Nicht wo die Arme des Empörers zum J bverte greifen, beginnen die Revolutionen, sondern mit 102I1 k Unzucht des Wortes beginnen sie."
,Q* Köstliche Worte sind diese drei, wenn man sie im christ- en Sinne auffaßt; aber sie werden Gift für das Volk, m man sich vermißt, sie anders zu deuten. Das ist n, und so sind sie durch Mißbrauch zu illegitimen m des Geistes geworden.
Die Gleichheit, wie sie jetzt aufgefaßt wird, ist eine Fiction. Gleich sind die Menschen weder durch Geburt, durch geistige und körperliche Anlagen, noch können da sie nicht dasselbe leisten und sie nicht dieselbe Ver- rtlichkeit tragen, gleiche Stellung beanspruchen. Der iche preußische Wahlspruch: „Jedem das Seine!" ist den nivellireuden Liberalismus verkehrt worden in: dasselbe!" Da aber die Voraussetzung der Gleich- der Menschen unrichtig ist, so ist auch die Folgerung, müsse jedem dasselbe geben, unrichtig, und daS Reift daS Gegenlheil von Gleichheit; — es steigert sich ngleichheit der Menschen. Das ist ein einfaches Re- empel. Daher, bei. dem Gefühl der thatsächlich immer zunehmenden Ungleichheit, erhöhte Forderung der hmacherei der Rechte aller, auf dem Gebiete der Kirche, Staates und des Eigenthums.
661 991, 238
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. 8. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchbandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandt- ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Tbienes in
Tagesbericht.
Telegraphische Meldungen aus Berlin vom 12. d • — Bulletin von 10 Uhr Vormittags. Se. Majestät der Kaiser fühlt sich durch die ungestörte Nachtruhe wesent- lich gestärkt. Am rechten Arm ist eine weitere Verminderung der Anschwellung zu verzeichnen. Nach gewechseltem Verbände sitzen Se. Majestät wieder im Lehnstuhl.
v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.
O* Die Untersuchung gegen Hödel ist im wesentlichen jum Abschluß gelangt und steht die Uebergabe der Men an den Slntlage-rStnat des Kammergerichts bevor.
_ ” Der Kronprinz empfängt heute Nachmittag im königl. schloß m merlicher Audienz die Kongreß-Delegirten und zwar: Beaconsfield und Salisbury um 3 , Uhr, Corti 4 Uhr, Gortschakoff und Schuwaloff 4' z, Ändrassy und Haymerle 4 . Uhr.
— Die Reihenfolge im Kongresse wird folgende sein: Allemagne, Autriche, France, Grande Bretagne, Italic, Russie, Turquie. '
,n —Der dritte deutsche Bevollmächtigte Fürst Hohenlohe ift heute Vormittag hier eingetroffen; er und Schuwaloff machten Nachmittags Besuch bei Beaconsfield.
~ Graf Ändrassy ist heute früh um 8: . Uhr auf dem Anhalter Bahnhof hier eingettoff en und wnrbe von dem gejammten Personal der österreichischen Botschaft begrüßt
— Der italienische Kongreß-Bevollmächtigte Graf Corti ist mit feinen Attaches Nachts um 12 Uhr, Fürst Gortschakoff mit Begleitung früh 6'/r Uhr hier eingetroffen. f. ~ «erb «eaconöftelö begab sich gestern Abend nach seiner Ankunft zu Fürst Bismarck und verweilte bort 1 ’ '2 totunbe. — Graf Schuwaloff brachte den Abend mehrere Stunden bei Herrn v. Oubril zu.
— Wie Beaconsfield, ist auch Schuwaloff gestern Abend vom Fürsten Bismarck empfangen worden. Heute Morgen hatte Schuwaloff eine Besprechung mit Salisbury. — Der Präsident des monteilegrinischen Senats, Bozo Petrowitsch, ist bereits hier eingetroffen; derselbe übergiebt dem Kongresse ein Memorandum bezüglich speziell montenegrinischer Verhalttiiffe.
— Der heutige Tag gilt bei den Kongreß-Mitgliedern vornehmlich den gegenseitigen Besuchen, Vorstellungen und Empfängen. Alle Kongreß-Bevollmächtigten wurden auf ben Bahnhöfen bei ihrer Ankunft im Namen deö Fürsten Bismarck von Beamten des auswärtigen Amtes begrüßt. Für die ceremoiiielle Behandlung der Kongreß-Botschafter (Ehrenwachen, offizielle Empfänge rc.) ist das Ceremoniell
Was ist es nur, das Er gethan euch hat, Daß ihr Sein Leben sucht auf alle Fälle? Dein ist die Schmach, dein selber ist die Schuld! Wein Vaterland! 0 sink' in Staub und Asche, Fleh' Gottes Gnade an und Gottes Huld, Daß Er von deiner Thorhcü rein dich wasche. Laß Gottesfurcht durchweh'n mit tiefer Reu' Jedwedes Haus bis an des Reiches Marken, Dann wird auch deutsche Zucht und deutsche Treu' Erblüh'n und wieder mächtiglich erstarken! Dann überall wird Frieden kehren rin! Und drin verlorner Sohu wirb in sich gehe» Daß er das Heiligste that frech entiveih'n ' Und dich erfüllt hat mit unsel'gen Wehen!
Marburg. c
lehnen auf sich gegen bie Gesetze,
•91,7 ichw heilig ihnen ist, bu Haffs gemerkt, brachte Thaten sprechen's, nicht Geschwätze.
stzS- ty, Deutschland, deiner ungerath'ncn Brut! \greZ J deren Herzen Mord und Todffchlag rasten, "lleckend wagen sie mit frechem Muth Leben des Gesalbten anzutasten.
’tp „eigen nimmt entgegen: " Spedition d.vlattes, e« b.älnnoncen-y ureoui er nq » lh. Dietrich & Co. in fßel und Hannover; Th. .mich in Frankfurt a.M.; ?nB*' rtfeiiftein & Vogler in
Elberfeld; E. Schlotte in
. . ... --—— — Bremen.
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