Einzelbild herunterladen
 

:r. 186

Marburg, Donnerstag, 13. Juni 1878.

XIII. Jahrgang.

(Olicrlirl'fifdir Jrihnij

am« rlin.

der ßfcrtt

ark üj

<Ä

Srschrmt täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJRuftrirteS Sonutagsblatt" durch die Ervedition (Ro&t&e Buchdruckerei) bezogen 2* ^urk, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr).Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 ®fe

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. v,e*

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Anuoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JSger'fche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. TbieneS in Elberfeld; L. Schlotte in Bremen.

lhast« neigen nimmt enrgegen: on . iLrpedition d.vlattes, , - ,tt d.Annoncen-Bureaux B »t , xb, Dietrich L Co. in L I M und Hannover; Th. als j tttid) in Frankfurt a.M.; T Lsenstein & Vogler in «'s- Mutt a. M., Berlin. -I »zig, Mn 1C.; Rudolf rchs ,ße in Berlin, Krank- . V. L sutt a. M- ic.

Die «nflösnng des Reichstages.

des Landes einer neuen Regierungsvorlage gegen die

rde

Tele

rh.

eis

n ern

ial b( mng Ingen

»avas stich

rschi ndu lebe

von

täte , d ck g mg fenbi

rst*

>. Ä.

haften Umtriebe der Socialisten zustimmen würden, Alles ja schon gehen würde, auch wenn man den Reichs- nicht auftöse, sind und waren eben weiter nichts als lose Ausreden. Der Reichskanzler hatte vollkommen t, wenn er schon in seinem Anträge an den Bundes- sein Mißtrauen gegen di« von den liberalen Theore- gemachten Hoffnungen aus Unterstützung bei Ein­ung eines anderen Socialisten-GesetzeS zurückwies. Er diese Herren zu gut: er würde wieder eine Fluth von reden zu hören bekommen haben, welche von gutem n, die Negierung in ihrem Vorhaben zu unterstützen, so zeugen als sie von allerhand spitzen Bedenklichkeiten unpraktischen Vorschlägen strotzen würden. Das Re- t würde dann entweder ein schlimmer Kompromiß, die Thatkrast der Staatsregierung wiederum kläg- lrhmte, oder eine abermalige Ablehnung der Regierungs- en gewesen feilt. Dem durfte sich die StaatSregie- nicht wieder aussetzen, sie braucht einen anders zn- mgesetzten Reichstag. Seit Jahren haben wir nun das jämmerliche Schauspiel mit ansehen müssen, daß kraftvolle Regierung nicht in der Lage ist, ihre Kraft zu können, daß praktische Staatsmänner sich durch Msche Theoretiker, welchen in Regierungs- und Ver- gösachen jede praktische Erfahrung abgeht, leiten und Bieu lassen mußten. Wie viel kleine, nein große Biö- glauben nicht auf den Bänken des Reichstags und agS zu sitzen? Das geht nicht so weiter. Ein neuer

Hst en. tai

itneia

gi Wie nicht anders zu erwarten, ist der Antrag der preu- punh scheu Regierung auf Auflösung des Reichstages vom Bun­des rathe einstimmig angenommen worden. Wir von unserem egie^ dndpunkte aus hielten dieses Vorgehen unserer Regierung >ie Z k durchaus gerechtfertigt und durch die »Sachlage geboten.

dürfen derselben durch keine, und noch so gut gemeinte

forte . . -

Der] eenen die Hände mehr gebunden werden, um dasjenige -rbeij l aller Energie durc^uführen, was absolut nothwendig > Die Ausreden der liberalen Presse, daß jetzt die Ver­

tag muß gewählt werden und zwar unter dem Ein- derjenigen tiefernsten patriotischen, ja reuemüthigen ung, welche jetzt in dm besseren Schichten des deut- Volkes die herrschende geworden ist.

Vir werden sicherlich aber auch einen Reichstag be- en, aus welchem die sozialistischen Elemente fast ganz Wannt sind, welcher eine bedeutendere konservative, d. i. M. iger regierungsfeindliche Färbung erhält und in welchem Mari kre liberalen Theoretiker es nicht mehr in dem Maaße , früher unternehmen werden sich durch haltlose Ver-

Aus eigene» Wege».

Novelle von E. Bendhaus-

r (Fottsetzung.)

»Meine süße, meine zärtlich geliebte Schwester," flüster- seine Lippen,so soll ich Dich, die meine Augen in hrheit nicht scheu können, im Bild schauen! Deine v» kindlichen Züge, wie fest stehn sie noch in meiner ng! O trätest Du jetzt wie Du bist aus diesem , könnten Dich weine Arme lebenswarm umschlingen !" fzte.Es ist nur ein Schatten, an dem ich mich e, für mich gibt's weder Eltern noch Schwester, ich Un AuSgeftoßener. Doch nein," rief er plötzlich auf- d,fein AuSgeftoßener, ich habe dich hehre, heilige i Du sollst mein Leben ausfüllen. Wenige Stun- später sehen wir den Maler die Straßen der Stadt freiten; er wandert vor das nächste Thor, hier wo tat freundliche Villa an die andere reiht. Im Sommer sich's hier reizend leben, wenn Alles grünt und blüht, ärtchen vor den Häusern in künstlich gereihtem Blu- muck prangen und ein lustiger Springbrunnen da- n plätschert. Jetzt sieht es hier recht einsam aus, "ten Bewohner haben die Räume verlassm, traurig kahl starrm uns die Aeste der Bäume entgegen. Vor ! dieser Keinen Villen zieht Bernhard die Glocke. Ein Äitt-j gallonirter Bedienter führt ihn die breiten Stufen H in ein hohes, Helles Zimmer mit dem Bemerken, ***, «t gnädige Frau sogleich erscheinen werde; das Gemach ** 's ? von dem Reichthum und Geschmack seiner Bewohner.

® das Auge sah, begegnete es einem fast fürstlichen

* Kostbare Teppiche bedeckten den Boden, werthvolle aide die Wände; die schweren seidenen Vorhänge waren @e» von den Fenstern zurückzeschlagen um das Tageslicht

ui

theidigung ihrer unpraktischen Theoreme vor der Nation lächer­lich zu machen. Auch das Centrum kann möglicher Weise an Sitzen verlieren, so daß die Majorität der Negierung gesichert sein wird. Wohl aber werden wir wieder die schlimme, und zwar um so schlimmere, weil diesmal kürzere Periode der Wahlkämpfe durchzumachen haben. So wird es dies­mal ein Hauptagitationsmittel sein, daß jede Partei ihren Gegnern die Schuld an den vorhandenen argen Mißstän­den ausdisputiren will, und wird der Kampf in der gegen­wärtig herrschenden sittlich gehobenen patriotischen Stim­mung ein unwürdiger werden, und den Vertretern der nihi­listischen Umsturzpartei wird mehr als einmal die Gelegen­heit geboten ihren verruchten Hohn in ihren Schmutz­blättern auszuspeien. Wir halten es daher für die dringende unabweisbare Pflicht eines jeden aufrichtigen Patrioten sich in dem bevorstehenden Wahlkampfe entsprechend den ernsten Aufgaben, welche uns zu lösen sind, würdig zu zeigen, alle kleinlichen und persönlichen, unwesentlichen Fragen bei Seite zu stellen und ein Zeugniß davon abzulegen, daß es kein Zeichen von Schwachheit und Unmännlichkeit einer Partei etwa ist., wenn sie sich an die besseren Elemente der Gegen­partei wendet um mit ihr zusammen aus tief innerer Ueberzeugung heraus in so ernster Lage das zu erreichen, was der gegenwärtigen Sachlage am heilsamsten ist: die Wahl eines Mannes, welcher unter allen Umständen für das von der Regierung neu vorzulegende Sozialisten- Gesctz stimmt, welcher aber auch die Garantien dafür bietet daß er in anderen, namentlich wirthschaftlichcn Fragen die Schäden der unbesonnenen und zu schnell vorangeeilten Ge­setzgebung durch Zustimmung zu den sicher nicht ausblei­benden Reformvorschlägen der Regierung zu heilen sucht. Denn darüber muß sich doch ein Jeder klar sein, daß di« Regierung bei der einfachen Unterdrückung der Socialde­mokratie nicht stehen bleiben darf. Denn waS HUst es, wenn sie unterdrückt sind, und dabei doch noch die von ihnen eingerichtetm ober durch sie gelehrten Zusammenrot­tungen der Arbeiter gegen die Arbeitnehmer vielleicht in anderer Form fortbestehen, wenn nichts geschieht, um dem durch die neue Gesetzgebung schwer geschädigten Gewerbe­treibenden und Landwirth endlich zu Hilfe zu kommen? Die Vernichtung des Socialismus bedingt auch die Wie­derherstellung eines Schutzes für die Interessen der Fabri­kanten und Gewerbetreibenden, wie nicht minder der Land- wirthe. Namentlich ist der kleine Gewerbetreibende vor dem ihm drohenden Ruin durch die ihm zu Hilfe kom­mende besonnene Gesetzgebung wieder zu heben. Der Ar­beitgeber muß dafür Garantien haben, daß er brauchbare gut ausgebildete Leute bekommt. Er kann es fordern, daß der chm arbeitende Arbeiter ein Zeugniß über seine Lei­stungen und seine sttlliche Führung vorlegt, er hat das

voll einströmen zu lassen. Vor einem derselben stand eine zierliche Staffelei mit den dazu gehörigen Malergeräthschaf- ten, die Bernhard bereits gestern hierher hatte bringen lassen. Der Besitzer der Villa hatte den jungen Maler, der sich bereits eines tüchtigen Rufes erfreute, zu bestimmen gewußt, seine Gattin zu malen. Er hatte sie noch nicht gesehen und war einigermaßen auf ihr Erscheinen gespannt. Wie groß war aber seine Uebcrraschung, als er sich, veranlaßt durch ein leises Geräusch, umwandte und der Frau des Hauses gegenüber sah. Dieses jugendliche kind­liche Wesen sollte bereits verheirathet fein? Sie konnte höchstens achtzehn Jahre zählen, hatte, eine zierliche seine Gestalt; matt glänzende goldene Flechten umgaben in dichter Fülle ihren Kopf. Sie trug ein hellblau seidenes Kleid mit weißem Spitzenrand um Hals und Arme, unter dem ein Paar kleine weiße Händchen hervorschimmerten. Als sie sich mit graziösen Schritten dem Maler näherte, erschien sie ihm wie ein L>onnenstrahl, der aus den Wolken brechend über die Erde huscht, mit seinem strahlenden Glanze alle Gegenstände umher verschönernd. Er trat auf sie zu, indem er ihre Hand ehrerbietig an die Lippen führte.Sie sind pünttlich!" lächefte sie.Eine Pflicht," fiel der junge Mann ein,die mir bei einer so angenehmen Veranlassung sehr leicht gefallen ist! Wenn es Ihnen angenehm ist, so können wir ja gleich beginnen." Die junge Frau nahm in einem Sessel Platz, während Bernhard seine Geräth- schaften ordnete. Jetzt ist er damit fertig und wirst einen prüfenden Blick auf sein schönes Gegenüber, das sich in ungeroungener Haltung ihm zuwendet.

Erlauben Sie" beginnt er sich erhebend;die Haltung ihres Kopfes möchte ich gerne etwas anders sehn." Er nimmt ihr Köpfchen nach diesen Worten sanft zwischen seine beiden Hände und rückt es etwas seitwärts. Sie wird roth unter dieser Berührung, während er ruhig sagt:So,

Recht, zu verlangen, daß der Arbeiter nicht ihm ohne wei­teres auf und davon läuft. Wir wollen natürlich nicht etwa eine Wiedereinführung des alten Zunftzwangs mit feinen lächerlichen Zunftämtern und Polizeichikanen. Eine ähnliche Institution aber ausgehend aus dem freiwilligen Zusammentreten der Handwerksmeister muß wieder ge­schaffen werden, und die Regierung muß Gesetze, worin die Gewerbefreiheit und die Freizügigkeit zweckmäßig be- schräntt werden, einbringen; denn die Zeit, in welcher sich Bismarcks Aeußerung erfüllt:ich will euch versuchs­weise liberalere Institutionen geben, ihr werdet sie schon bald genug wieder fortwünschen" ist wahrlich früh geung eingetreten.

Tagesbericht.

Aus Berlin wird unterm 11. noch telegraphisch gemeldet : Bulletin von Vormittags 10* 2 Uhr. Se. Majestät fühlen sich durch die Nachtruhe wiederum gekräftigt, haben nach beendigtem Verbände das Bett verlassen und wieder den Lehnsessel eingenommen. Die Wunden sind der Mehr­zahl nach geheilt, nur der rechte Arm ist noch geschwollen, gegen die Berührung aber weniger empfindlich als bisher.

(Unterz.) Lauer. Langenbeck. Wilms.

Der Gefängnißarzt der Stadtvogtei Dr. Levin macht bekannt, daß die in den Zeitungen der letzten Tage über das Befinden Nobilings gemachten Mittheilungen irrthüm- lich sind; insbesondere seien ärztliche Gutachten über seinen Zustand nicht abgegeben worden.

Geh. Legattonsrath Lochar Bucher ist zum Secretär- archiviste des Kongresses designirt. DerNationalztg." zufolge wird Lord Beaconsfield dem Kaiser ein eigenhän­diges Glückwunsch-Schreiben der Königin überreichen.

Auf die von der Deputation der hiesigen Stadt- behörde am 9. d. an den Kronprinzen gehaltene Ansprache ertoieberte derselbe: er wisse den Ernst des Augenblicks in seiner ganzen Bedeutung zu würdigen und fei sich der Höhe feiner Verpflichtungen gegen das Land voll bewußt. Sein Glaube an den guten Geist des Volkes fei aber nicht er­schüttert und könne durch keine Macht zum Wanken ge­bracht werden. Er wisse, daß die überwälligenoe Mehrheit der Natton, wie in Preußen treu zu ihrem König, so auch über die Grenzen des engeren Vaterlandes hinaus bis in die fernsten Reichsmarken treu zu ihrem Kaiser stehe. Er werde in dem festen Vertrauen zu dem gesunden Kern des Volkes Kraft und Muth zur Ausübung der ihm aufer- legten Pflichten finden.

Anläßlich der Eröffnung des Gongreff e8 findet am Donnerstag Abend um 7 Uhr im weißen Saale bei könig­lichen Schlosses statt, woran alle Mitglieder ber könig- jetzt ist ihre Haltung so, wie ich sie wünschte." Als er aber jetzt vor ber Staffelei sitzt unb zu malen beginnen will, fühlt er, daß eine eigenthümliche Aufregung über ihn gekommen ist; er beginnt jedoch, ohne sich davon beirren W lassen, seine Arbeit. Jetzt erst bemerft er an feinem reizenden Original, daß sie, obgleich noch in der Blüthe der ersten Jugend stehend, einen Schatten von Kummer in ihren Endlichen Zügen nicht verbergen kann; er hatte dies bei ihrem Eintreten nicht sogleich bemerkt; je länger er sie jedoch betrachtet, desto bestimmter setzt sich bei ihm der Gedanke fest, daß diese schönen Augen häufig Thränen vergießen, daß dieser rosige Mund, der gewiß auch reizend zu lachen versteht, ein tiefes Leiden zu verbergen sucht.

Unter seinen beobachtenden Blicken wechselte sie häufig die Farbe, er beginnt daher nach einer Weile:So stumm da zu sitzen, finden Sie gewiß auch recht langweilig. Wenn es Ihnen nicht unangenehm ist, plaudern wir ein wenig. Es ist zwar stets die Pflicht des Herm, die Dame zu unter­halten,^ aber heute müssen Sie mit mir Geduld haben! Ich hörte, Sie seien nicht in unserem kalten Deutschland geboren. Sie sind eine Amerikanerin?"Doch nicht, ich bin im Grunde eine Deutsche. Meine Eltern sind nach Amerika ansgewandert; da ich aber das Unglück hatte, sie in meinen frühesten Kinderjahren zu verlieren und ein Onkel, der zugleich mein Vormund war, meine Erziehung Übernahm, so kam es, daß ick wenig von meinem eigent­lichen Vaterland erfuhr, ich wurde ganz als Amerikanerin betraget! Von Deutschland," fuhr sie lächelnd fort,machte ich mir stets die ungeheuerlichsten Vorstellungen!"

Und wie haben Sie es in Wirklichkeit gefunden?" fragte Bernhard.

Ein leichter Schatten fuhr über ihre Züge.Ich kenne es in Wirklichkeit noch nicht."