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Marburg, Sonntag, 9. Juni 1878
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itftttn & Bogl-r in urt e. M.. Berlin, , 6Kn k. ; Rudolf in Berlin, Franl- fort a. M. -c.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte», sowie d.Annoncen-Bureanr von ®. L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jägerdche Buchdandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Tbienes in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.
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PolMsche Wocheu-Ueberficht.
Kurzem sagten wir noch wörtlich: „Wir haben [PI » Ordnungssinn der Bürger eine kräftige Schutzwchr
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Mr wollen uns nicht mit Recriminationen aufhalten: die Ablehnung des Gesetzes hat den Fall Nobiling nicht veranlaßt , — das Gesetz, wenn es angenommen wäre, hätte denselben auch nicht verhindert.
Aber die Anschauung hat sich an der Mehrheit des Reichstags gerächt, daß aus der Bewegung des Volles heraus sich ein innerer Heilungsprozeß von selbst vollziehen werde. Das ist ein Beweis von wahrhaft geringer Kenntniß des Volkslebens. Die Bewegung des Volkes hat nur den Waizen vom Spreu gesondert, die socialdemokratische Partei hat sicherlich viele ihrer Anhänger verloren, aber es bleibt noch eine compacte Masse übrig, die um so gefährlicher ist, als die gemäßigte und mäßigende Minderheit sich von ihr gesondert haben dürste. Auf den Fall Hödel folgte das Complot Nobiling, und in den Gefängnissen des Landes sitzen bereits Dutzende, die sich möglicherweise zu Nachfolgern dieser Elenden hergeben würden. Wie viele mögen wohl noch frei hemm gehen, die ohne besser zu sein, nur eben vorsichtiger sind? Damm muß das laisez faire auf diesem Gebiete wenigstens ein Ende nehmen. Wer solchen Zuständen gegenüber ruhig die Hände in den Schooß legt, macht sich zum Mitschuldigen.
Leider haben sich nach dem 2. Juni noch Stimmen : erhoben, welche die Regiemng vor Ausnahmegesetzen warnten: Die Nationalzeitung, die Allgem. Zeitung, Lasker'S Correspondenz, während sich die Vosstsche Zeitung damit begnügte, den Artikel der letzteren zu reproduciren. Aber die Meinung des Volkes, hat sich mit der Gewalt der Sturmflut kundgethan, — in den Spalten der „Nationalzeitung" selbst lasen wir die Zuschrift eines Reichstagsabgeordneten, der am 24. Mai gegen das Sozialisten - Gesetz gestimmt ; und welche lautet: „Als der Reichstag am 24. Mai über die Sozialistenvorlage votirte, gingen Mele von denen, welche mit der Mehrheit stimmten, von der Voraussetzung aus, daß das Attentat Hödel, ebenso wie früher das Attmtat : Kullmann, als die That eines verkommenen Subjektes keine weitere Folge haben würde, daß wie damals, nicht gegen i die Vereine und die Presse der ulltramontanen Partei vorgegangen wurde, so es auch jetzt möglich sein werde, auf dem Bodm des gemeinsamen Rechts, durch Vervollständigung der Gesetzgebung über das Vereinswesen, durch Ausfüllm der Lücken in dem Sttafgesetzbuch u. s. w. dem drohenden Nebel zu steuern. Diese Voraussetzung ist heute gefallen. Die Vorbereitungen, welche der Verbrecher Nobiling traf, die Verbindungen, in welchen er unverkennbar stand und die über die Grenzen Deutschlands hinauszugehen scheinen, das Systematische, welches in dem Mordplan lag und welches das Fundament des Reiches und'^Preußens, das Theuerste, was wir besitzen, bedrohte, die Verbreitung der ruchlosesten Gesinnungen durch weite Volksschichten, welche
Herr, unser Gott!:,:
O, gieb Verstand den Verwirrten, Bringe zurück die Verirrten, Hemme die Noch, Herr, unser Gott!
Dein Lob erschall:,:
Dann von der Dankenden Zungen, Daß du die Feinde bezwungen!
Für ihren Fall Dein Lob erschall!
Marburg.
(Melodie: Flamme empor!)
Deutschland, erwach!:^
Reib dir den Schlaf aus den Augen, Daß sie zum Sehen dir taugen.
Hebe dich jach!
Deutschland erwach!
Feind' ringsumher!:,: Schütze das theuerste Leben, Hemme das'frevele Stteben! Setz' dich zur Wehr!
Feind' ringsumher!
Hüte dein Recht!:,:
Thu' dich einmüthig zusammen, Lösche der Aufrührer Flammen! Sei nicht ihr Knecht!
Hüte dein Recht!
Noch ist eS Zeit!:,:
Laß sie nicht nutzlos vergehen,1 Hülfe von Gott zu erflehen.
Drum, fei berett!
Noch ist es Zeit.
Gott in der Höh!:,:
Schirme und schütze die Throne, Und unsers Königes Krone, Stets auf ihn seh, Gott in der Höh!
Gieb chm die Macht, :,:
Daß er sein Deutschland errette, Und die Verführer zertrete, Eh' eS wird Nacht Gieb ihm die Macht!
Auf eigene« Wege«.
Novelle von E. Bendhaus.
(Fortsetzung.)
„Ah guten Morgen Plümer," ruft der Maler dem jungen Mann entgegen, „schon so früh auf? Ich dachte, Euch Herrn vom Amt sei diese kleinstädtische Tugend gänzlich unbekannt?!"
„Fehlgeschossen lieber Freund," lachte der Assessor,. sich die Hände reibend, indem er sich dem, eine behagliche Wärme ausströmenden Kamin nähert. „Ich habe schon einen tüch- ttgen Morgenspaziergang gemacht; könnte Ihne» auch nichts schaden lieber Bernhard, wenn Sie sich manchmal eine Stunde von Ihrer geliebten Staffelei trennten, um sich in der klaren Winterlust Seele und Leib zu stärken!" Apropos, wen malen Sie denn da," fährt er fort, sich dem Freunde nältornd, bleibt aber mit einem Ruf der Überraschung plötzlich vor dem Bild stehen. Verwundert lächelnd dreht sich der Maler um:
„Wer wird eS sein, kennen Sie sie nicht, eS ist )a die Gräfin V
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" j »des „größere Geschäft" der Socialisten. Jndeß t er doch mancher Vollsvertreter, den sich mehrenden f hm gegenüber bedauern, den von der Regierung für Kiibig gehaltenen Maßnahmen, die Zustimmung ver- ____ m haben. Einer Preffe, die zum Theil wenigstens, =***< -rtreterin des Lumpen- und VerbrecherchumS ist, kann mit Glacehandschuhen begegnet werden," und citirten . i «kannten Worte Göthe'S: „Gieb nur erst Acht, die
Mt wird sich gar herrlich offenbaren!" und die ®e= Üei img aus, daß die Schandthat in Loudon nicht die
Offenbarung der socialistischeu Bestialität sein würde. J 'hegten die schwersten Befürchtungen für die Zukunft, dachten an eine kommende Zeit, in der alle ehrlichen - (2fl > sich dem mit der Socialdemokratie versippten Ver- - rchum werden gegenüber stellen muffen, aber daran 17 jt m wir nicht denken, daß wiederum ein feiger Meuchel- K einige Tage später die Mordwaffe gegen die gehei- zMajestät des Kaisers richten würde!
»U Leute steht die Natton, —
*-*,r. . . . sie, die dich möcht' aufgehalten haben
| In ihrem fluchbeladnen Schooß dich würgend, rttad Eh' du, Elender, all' den Mord verübt! — Aug« cht an dem Krankenbette ihres ersten Kaisers, der »um ihrer eigenen Kinder strebt nach dem Leben des tiädjti hi, auf den die ganze Welt, civllisirt ober nicht, mit , r Men Liebe und Bewunderung blickt!
ihtg. ;m 23. Mai brach die Mehrheit des Reichstages in Mische Heiterkeit" (laut amtlichem Bericht) aus, als mbur Eugen Richter die Socialisten-Vorlage eine „polizei- igt" Vorlage nannte. Herr Lasker war entrüstet, daß dem Reichstag ein Gesetz vorlege, in welches er seine llelm" und seine „Garantien" nicht hineinfügen konnte.
von Bennigsen sprach einigen regierungsfeindlichen die Behauptung nach, daß die Vorlage einen poli- Coup, der aber nicht gegen die Socialdemokraten sei, bezwecke. Die Rede des Abg. Grasen v. Mottke von dem Abg. LaSker eine goldene genannt, nur sei nwendung nicht die richtige. Heute haben wir den glichen Beweis, daß die Nutzanwendung richtig war. ven» v. Bennigsen sagte, daß die Gesetzgebung ihren freien sHw Blick behalten müsse. Hat aber die Regierung nicht ' e Voraussicht bewährt, als Herr v. Bennigsen, mdem es Gesetz vorlegte, welches in der Form nicht ohne , .n sein mag, tatsächlich aber auf ein Ziel loS- Ete, welches heute von der Mehrheit der Nation als jerth. veudig anerkannt wird?
zu so zahlreichen Ausbrüchen von brutaler Majestätsbelei- digung geführt hat, und die frechen Bedrohungen gegen Personen in hoher öffentlicher Stellung — das Alles enthüllt unseren Augen eine Tiefe und Breite des Verderbens, welchem auf dem Boden des gleichen Rechts allein nicht rechtzeitig und wirksam genug entgegengetreten werden kann. Vielmehr muß dem Verderben dadurch gesteuert werden, daß die fernere Einträufelung des Giftes, welches bisher täglich dem Volkskörper beigebracht wurde und welches bereits so entsetzliche Zuckungen bewirkt hat, sofort und unmittelbar verhindert werde. Dies ist ohne außerordentliche Maßregeln nicht möglich, folglich muffen sie zur Rettung und Heilung unseres Staatswesens jetzt beschlossen werden." So schreibt man nach dem bekannten Sprichwort den Stall zu flicken, wenn der Gaul gestohlen. So schlecht man aber auch um sich „möglich zu halten"; hoffentlich bedarf man dieser Kräfte, die „zu spät" zur Einsicht gelangen, nicht mehr.
Der Untergang beö „Großen Kurfürsten" war das Ereigniß, welches der Verwundung des Kaisers unheilverkündend voranging. Wir enthalten uns heute jeder Bemerkung über das entsetzliche Unglück um so füglicher, als das Interesse der Nation ausschließlich auf das Befinden des Kaisers und die Vernichtung jener gottlosen Pläne gerichtet ist, die Dynastie und Land bedrohen. Auch das einzige sonst noch erwähnenSwerthe Ereigniß, der Zusammentritt des Congresses, darf heute nicht bevorzugt werden.
Mt dem Schluß der Woche kommt inbeffen telegraphisch noch bie wichtige Nachricht, daß, nachdem dem Kronprinzen die Stellvertretung des Kaisers und Königs übertragen ist, die Preußische Regierung bei dem BundeSrach die Auflösung des Reichstags beantragt, es ist nicht zu , zweifeln, daß dieser Antrag bei dem Bundesrath Annahme findet. Dann deutsche Nation tritt an Dich die Aufgabe heran, Männer zu wählen, welche für dir Schäden unserer Zeit und deren Heilung Auge und Wille haben, bie unserer Regierung hierin treu unb fest zur Sette stehen, keine Männer ber Worte stnb erforderlich, sondern der Thaten!
Tige-dericht.
Hebet den wichtigen Antrag der preußischen Regierung an den Bundesrath, betreffend die Auflösung des Reichstags verweisen wir auf unsere heuttge Berliner ** -Correspondenz. Telegraphisch traf die Nachricht erst gestern Abend 9 Uhr ein, so daß eine Ausgabe nicht mehr möglich war.
Berliner Blätter erzählen, der Kaiser habe den Kron-
„Welch eine Aehnlichkeit," murmelte Plümer, noch immer keinen Blick von dem reizenden Kopf vor ihm wendend, „nur der Zug um den Mund ist ein anderer!"
„Was bringt Sie denn so in Ekstase," scherzte Bernhard, „sie hat doch nicht etwa ihr Netz nach Ihnen auö- getoorfen, die Sirene, um den feurigen Assessor zappelnd darin zu fangen?“
„Welcher Unsinn," erwieberte Plümer, „biefe Dame sah ich nie, wohl aber eine andere, bie ihr täuschend gleicht!"
„Sie machen mich als Maler neugierig, wer war jene Dame?" Der Angeredete zögerte einen Augenblick, ehe er erröthenb sagte: „Ich weiß nicht wie es kommt, lieber Bernhard, aber Sie haben eine Gabe, mir die Zunge zu lösen, und mich Alles ausplaudeni zu lassen, was ich vielleicht für mich behalten müßte, denn wer bürgt mir dafür, daß sie mich, wenn eS geschehen ist, auslachen?! — Aber eS ist nun einmal so, ich muß Ihnen Alles gestehen. Jene Dame," er deutete nach dem Bild, „ist das entsprechende Conterfei eines jungen Mädchens, in das ich mich einst sterblich verliebte! Spotten Sie nicht! Ich sah sie zwar nur einen kurzen Ballabend lang, aber er genügte, um mich gänzlich in Fesseln zu schlagen. Ich kann wohl mit Recht sagen, daß mir seit dieser Zett keine Frau wieder ein Interesse einzuflößen verstanden hat!" Bernhard hatte sich erhoben. „Und ihr Name?" „Hermine Rührig!" lautete die etwa» leise gesprochene Antwort. Bei Nennung dieses Namens zuckte es heftig über das Gesicht des Malers; der Andere war jedoch zu viel mit seinen Gedanken beschäftigt, um die Bewegung, die Bernhard mühsam zu unterdrücken sich bemühte, zu bemerken. Eine kleine Pause trat ein. „Diese Liebe," begann mit vibrirender Stimme der Maler, „war sie gegenseitig, und wie war ihr Ende?" „Ich hörte noch an demselben Abend, daß sie bereits verlobt sei — doch, sprechen wir nicht mehr davon — ich weiß über-