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jRarßurg, Sonnabend, ’S. Juni 1878

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tuen nimmt entgegen: ßrpedttion d.Blattet, «d-Annoncen-Bureaur ach 1 t iß;, Dietrich & Co. in g t d und Hannover; Th.

! ™l! _Kurt a. M., Berlin, ,3ig, Cvln ic.; Rudolf Reit fc in Berlin, Frank- 'fnrt a. M- re.

OtthrsW ZkitilW.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattet, sowie d.Annoncen-Lureaux von G- L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jäger'iche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buch Handl, daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Tbienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'schr Buchdruckerei) bezogen 24 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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hick in der Vorbereitung, von einer weit standhafteren heit in der Ausführung zeugt. Der Schrecken aber, das deutsche Volk erfaßt, empfängt seine dauernde Ge- : durch den traurigen Gedanken, daß diese entsetzlichen Meinungen nicht mehr als vereinzelte Verirrungen ver- erter Gemüther, sondern als unaufhaltsame Ausflüsse j tief fressenden Uebels angesehen werden müssen. Das i(igte Haupt des ehrwürdigsten und liebenswerthesten Gers ist diesmal von verworfener Frevlerhand nicht gesucht, sondern getroffen worden. Das schlimmste k hat die Hand der Vorsehung abgewendet, aber sie genug geschehen lassen, uns zu zeigen, wohin wir ge-

■ Der den Mordanfall auf Se. Maj. den Kaiser und ig besprechende Artikel der halbamtlichen „Provinzial- kspondenz", von welchem wir gestern nur den Schluß­bringen konnten, lautet wörtlich wie folgt:

Das furchtbare Verbrechen eines zweiten Mordversuches kapf- tn den Kaiser hat am Sonntag die Hauptstadt und bald und !Herz, das in deutscher Brust schlägt, in namenlosen recken versetzt. Das neue Verbrechen ist furchtbarer das vom 11. Mai, weil es von einem weit größeren

len sind.

viel hat die Vernehmung des Verbrechers bereits daß die geistige Luft, die er geathmet, in welcher t Handlung groß geworden, die sozialdemokratische Lehre esm ist. Jene Lehre, wonach der Mensch ein Erzcugniß glich materieller Kräfte, lediglich materiellen Zielen zu tn hat. Jene Lehre, wonach die Bestimmung der Mensch- ber für alle gleiche Sinnengenuß ist. Jene Lehre, lach der tausendjährige Erwerb der menschlichen Geistes- m nichts ist als ein Trugspiel, den größten Theil der »schheit in den Schranken zu halten, die ihn vom Sin- stnuß ausschließen. Jene Lehre, wonach es, um den ehrenden Theil der Menschheit mit einem Schlage in Genuß alles Sinnenglücks zu setzen, nichts weiter be> , als den Entbehrenden die Uebermacht der rohen Faust

verschaffen.

Diese Lehre ist keineswegs das Erzcugniß der unter Schwankungen des Erwerbslebens oft schweren Leiden esetzten Lohnarbeiter, sondern die Lehre ist in diese klassen seit Jahren hineingetragen und ausgebreitet m durch eine nicht vom Mitgefühl mit den Leidenden, vom Haß gegen die Besitzenden und gegen die ge- ich gewordene Staatsbildung eiugegebene Agitation, einem geistig waffenlosen Volkstheil hat die Lehre eine cnlose Ausbreitung gefunden, die allen wilden In­der ungebildeten Kraft und allen trügerischen Ein­ungen der ungebildeten Schwäche schmeichelt. Alle bös- |tn und verdorbenen Elemente aller Volkstheile schlie-

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Einst zählten deutsche Fürsten All ihre Schätze her;

Der eine in der Erden, Der andre auf dem Meer!

Doch Eberhart im Barte, Den man zuletzt beftagt, Hat sich nur kurz besonnen Und laut darauf gesagt:

Nicht Gold nenn ich, noch Perlen, Doch hab ich einen Schatz: Im Schoße jedes Bauern Nehm ich vertrauend Platz!

Der Landeskinder Treue, Das war sein hoher Lohn, Wenn bange Sorg bedrücket Da« Herz ihm auf dem Thron

Es lebt des Deutschen Treue Seitdem in Lied und Wort! Ach, wär sie nicht gebrochen, - Ach, lebte sie noch fort!

O Deutschland weine! weine Des Schimpfes und der Schmach, Die einer an dem Kaiser, — Zugleich am Volk verbrach.

Der Kaiser hat errungen Ein einig deutsches Land, That es im He^en tragen Als seines Gottes Pfand.

Und all' die Seelen drinnen Liebt er als frommer Christ, Woher — wer kann es lösen? Der Haß gekommen ist?

ßen sich dieser Lehre an, die ihnen die Möglichkeit zeigt, daß ihre zerstörenden Gelüste einen Tag grauenvoller Herr­schaft erleben.

Aus dieser Luft ist das Verbrechen entsprungen. Ueber- dies mehren sich von Stunde zu Stunde die Anzeichen, die bei dem Attentat von 2. Jnni einen von mehreren geteil­ten Plan annehmen lassen.

Die sozialdemokratische Partei hat für alles eine dop­pelte Karte, sie verwandelt sich, je nachdem es ihr paßt, in das Haupt der Gorgo und in die milde Göttin des Friedens. Sie verherrlicht heute Marat und die Gräuel- thaten der Commune von 1871, und erklärt morgen, daß sie den Mord in jeder Gestalt verabscheue. Sie predigt heute mit tausend Zungen, daß nur die Willkür der herr­schenden Klassen alles Elend über die Menschheit bringe, daß alle Verbrecher den „echten Fabrikstempel" dieser bis in die innerste Wurzel verdorbenen Gesellschaft tragen, und behauptet morgen, daß sie den Personen nicht das Geringste anhaben wolle.

Aus einer Lehre, die alle Heiligthümer der Menschheit verspottet, die Edelmuth und Pflichttreue verdächtigt, die Wissenschaft und Wahrheitsliebe an den Pranger stellt, für welche der blinde Gehorsam gegen den Parteidienst im Han­deln und der blinde Glaube an die Parteilosung im Denken die einzige Tugend und die einzige Wahrheit ist — was kann aus einer solchen Lehre anderes entspringen, als die That ruchloser Zerstörung, die sich zuerst gegen das Ehr­würdige und Heilige richtet? Schon in alten Zeiten hat die Hand der Frevler das Heilige zu beschimpfen und dann zu zerstören gesucht. Denn um ein ganzes Volk in seinem inneren und äußeren Dasein zu zerstören, muß man cs in fein Heiligstes treffen. Das ist die Logik des Frevels.

Vergebens ist die Ausrede, daß die Socialdemokratie Attentate nicht begehen werde, weil sie zwecklos seien, indem an der Gefallenen Stelle sofort andere Persönlichkeiten treten. Solche Ausrede ist vergeblich. Denn einmal handelt der aufs äußerste entflammte Haß nicht mehr nach Zwecken, sondern nach dem unbezähmbar erregten Instinkt: zweitens liegt aber in dem scheinbar zwecklosen Attentat eine grauen­volle Zweckmäßigkeit, die, auch wo sie dem Frevler ver­borgen bleibt, doch denen bewußt ist, die die Gesinnung des Frevels bereiten und umhertragen: die Zweckmäßigkeit, daß die Gesellschaft, in der unentbehrlichsten Grundlage ihres Bestehens, in dem Vertrauen aller auf die allgemeine Sicher­heit, auf die innere Schranke des Gewissens und auf die äußere des Gesetzes, unheilbar erschüttert, rathlos bis zur Wehrlosigkeit werden könnte.

Die Voraussetzung, die solchen Berechnungen zu Grunde liegt, wird sich nicht bewahrheiten. Die Staatsregierung wird ihre Pflicht thun und sich an das Gewissen der Station

Es war der Heldenkaiser Als Feind in Feindesland; — An den Gesalbten wagte Sich keine Frevelhand!

O Deutschland weine, weine! Es war Dein eigner Sohn, Der nun vom ewgen Richter Empfängt der Schandthat Lohn.

O Hand, Du konntest zielen? Und Herz Du bebtest nicht?

Du dachtst nicht an Vergeltung? Und glaubst nicht ans Gericht ?

Und meintst, Du könntest lenken, Bestimmen Ort und Zeit, Wenn unscrö Kaisers Leben Fließt in die Ewigkeit ?

Es beten viele Tausend Für Dich, o Kaiser mein! Zum Herren aller Völker: Du sollst behütet fein!

Auf eigene« Wege«.

Novelle von E. Bendhaus.

(Fortsetzung.)

Emil athmete aus. Er konnte feine Unschuld nach­weisen, er konnte von den Personen, die den Verstorbenen umgeben hatten, den Tag seiner Ankunft bestätigen lassen. Außerdem befand sich unter den ihm abgenommenen Pa­pieren die Urkunde, welche den Besitz seines Geldes als Erbschaft nachwies. Er sagte dies Rosa. „Und nun mein muthiges Mädchen, begieb Dich nach Hause; ich fürchte, daß Du Dich da unten an der kalten feuchten

wenden. Sie wird von den berufenen Vertretern derselben den Schutz für die bedrohte Gesellschaft verlangen, den die bestehenden Gesetze nicht genügend gewähren. Sie vertraut, die Entschlossenheit und Hingebung, auf welche sie rechnet, bei allen zu finden, die Staat und Gesellschaft erhalten wollen.

Tagesbericht.

Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die nachstehenden amtlichen Documente:

Da Ich in Folge Meiner Verwundung zur Vollziehung der nöthigen Unterschriften augenblicklich nicht im Stande bin, Ich auch nach Vorschrift der Aerzte, um die Heilung der Wunden nicht aufzuhalten, Mich aller Geschäfte ent­halten soll, so will Ich Euer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit und Liebden für die Dauer Meiner Behinderung Meine Vertretung in der oberen Leitung der Regierungs- geschäfte übertragen. Ew. Kaiser!, und König!. Hoheit und Licbden ersuche Ich, hiernach das Erforderliche zu ver­anlassen.

Berlin, den 4. Juni 1878.

Auf Allerhöchsten Befehl dazu berufen, bezeugen wir die unterzeichneten Chefs des Civil- und Militärcabinets, daß Se. Maj. der Kaiser und König in unserer Gegen­wart den Inhalt der vorstehenden Verordnung nach ge­nommener Kenntniß von derselben ausdrücklich geneh­migt und die Vollziehung und Veröffentlichung durch Allerhöchst Ihren dabei gegenwärtigen Reichskanzler und Ministerpräsidenten befohlen haben.

v. WilmowSki. v. Albedyll. Fürst v. Bismarck.

v. Bismarck. Otto Graf zu Stolberg. Leonhardt. Falk, v. Kameke. Friedenthal, v. Bülow. Hofmann. Gras zu Eulenburg. Maybach. Hobrecht.

An den Kronprinzen des deutschen Reiches und von Preußen Kaiser!, u. König!. Hoheit und ßiebben.

* ♦ *

In der Anlage lasse Ich Ihnen eine von Sr. Maj. dem Kaiser und König an Mich gerichtete Allerhöchste Ordre mit der Weisung zugehen, dieselbe nebst Meinem gegenwärtigen Erlaße durch da« Reichsgesetzblatt zur öffent­lichen Kenntniß zu bringen. Es ist Mein fester Wille, die Mir von des Kaisers und Königs Majestät übertragene und von Mir übernommene Stellvertretung unter gewißen- hafter Beobachtung der Verfassung und der Gesetze nach den Mir bekannten Grundsätzen Sr. Maj. Meines Kaiser!. Vaters und Herrn zu führen.

Berlin, 5. Juni 1878.

Friedrich Wilhelm, Kronprinz.

v. Bismarck.

An den Reichskanzler.

Mauer erkältest! Morgen früh schon, die Versicherung gebe ich Dir, bin ich frei und eile zu Dir — gute Nacht mein Lieb! Gute Nacht." Er sah ihr noch eine Weile nach, wie ihr leichter Schatten in der Dunkelheit verschwand und schloß dann beruhigt die von den Mühsalen des Tages ermüdeten Augen.

Jahre sind seit diesen Begebenheiten ins Land gegangen. Wir befinden uns im Monat Februar. Ein eisiger Mor­genwind streicht durch die Straßen der Residenz. Schon hat der geschäftige Tag begonnen, Marktleute, Fuhrwerke, Milchkarren, zur Schule trippelnde Kinder, alles dies geht bei unserem frühen Gang durch die Gassen an uns vorüber, Jetzt sind wir in einem reich mit architektonischer Arbeit verzierten Haus angelangt; wir betreten unbemerkt seine breiten mit Teppichen belegten Treppen und befinden uns bald in einem angenehm durchwärmten Vorplatz; öffnen wir eine Thüre rechts und treten wir geräuschlos ein. Wir befinden uns in einem großen eigenthümlichen Gemach das Tageslicht scheint voll und ungedämpft durch die hohen gothischen Fenster auf Oelbilder, Statuen, Mappen, Staf­feleien ic. Wir sehen auf den ersten Blick, daß wir uns in dem Ate­lier eines Malers befinden. Der Besitzer dieser Räume sitzt vor der Staffelei, auf der das Oclgemäldc einer außerge­wöhnlich schönen Frau steht, das scheinbar fertig gestellt, nur hier und da noch einiger Nachhülfe zu bedürfen scheint. Bettachten wir uns den in seine Arbeit vertieften Maler genauer. Er ist noch im Schlafrock und Hausschuhen, ein junger Mann Ende, der zwanziger Jahre, groß und kräftig gebaut. Seine Züge sind weder schön noch häßlich zu nennen, lieber dem dunkelblonden Schnurrbart, der einen fein geschnittenen Mund beschattet, sehen wir in ein Paar große stahlgraue Augen, welche uns mit jenem Ausdruck entgegen leuchten, den nur das Genie besitzt; diese Auge