Marburg, Freitag, 7. Juni 1878
182.
XIII. Zahrgug.
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Tagesbericht.
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ichen Hoheit des Kronprinzen und der Chefs des
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Die „Post" bringt folgendes Privat-Telegramm
Am 2. Juni 1878.
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tut wieder ward auf Ihn geschossen,
-sti Kaiser, schrecklich ist's doch wahr:
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^t^Mnstag Abend hat, wie die „Post" äußerlich, aber Mverlässigcr Quelle verninmtt, Se. Majestät der Kaiser, C. | feinen Gesundheitszustand veranlaßt, seine Stellver- durch Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit den
dem Kronprinzen, zu welchem sich heute Vormittag tt Chef des Civilcabinets v. Wilmowöky begab. — sssische Botschafter v. Oubril ist gestern Abend mit xllofs nach Petersburg abgereist und kehrt mit dem-
Nach seinem Leichnam auf dem Anger Ein schwarzer Vogel gierig schreit. —
Germania, du siegesreiche,
Verdüstert senkt sich dein Gesicht, Als ob die Sonne selbst erbleiche, Verhüllend ihr sonst heitres Licht.
Mit Schaudern siehst du diese Rotte, Wie sie beschmutzt das Vaterland, Die abgefallen ganz von Gotte, Dem Bösen sich hat zugewandt.
Germania, ersteh, erwache! * Hebst du nach außen bloß dein Schwert?
Jetzt schärfe es zu Zucht und Rache, Da böse Brut dich so entehrt!
Wiesbaden.
mglichen Hoheit des Kronprinzen eine Sitzung des aths, welcher sämmtliche Minister beiwohnten, in inifterium des Auswärtigen statt. (Siehe auch titel ♦* Berlin.)
Auf eigene« LSegcu.
Novelle von (?. Be« dhau 6.
(Fortsetzung.)
Tiefe Nacht und Stille lagen über dem Städtchen; vor dem Kaufmannshause rauschte nur melancholisch der Brunnen; unsere an die Dunkelheit noch nicht gewöhnten Augen können kaum einen Gegenstand unterscheiden. Doch, was ist das? Bemerken wir nicht jetzt eine Gestalt, die sich langsam und vorsichtig dem oben genannten Hause zu nähern sucht. Ja, es ist keine Täuschung mehr, wir sehen deutlich eine männliche Gestalt mit einem Schlüssel die Gn- gangsthüre geräuschlos öffnen; sie tritt in das Haus, sie bewegt sich langsam über den Hausstur dem Laden zu, aber mit einer Sicherheit, die nur der besitzen kann, der in diesen Räumen genau bekannt ist. Jetzt ö net der unheimliche grächtliche Wanderer die Thüre zum Laden, jetzt die- zum
aus Wien: Londoner Sozialisten haben offenbar vorher Kenntniß von dem Attentate auf Kaiser Wilhelm gehabt. Andrassy erzählte gestern einigen Delegationsmitgliedern, er habe Meldung erhalten, daß englische Detectives einen Tag vorher die engliche Regierung benachrichtigt haben, es herrsche unter den Sozialisten große Bewegung, ein wichtiges Ereigniß scheine bevorzustehen.
— Es wird ein Erlaß zu einer Vertretung Seiner Majestät des Kaisers in Wahrnehmung der Geschäfte durch den Kronprinzen erwartet. (In einer Anzahl Exemplare bereits gestern noch mitgetheilt.)
Die „Provinzial-Correspoudenz" schreibt bei Besprechung des furchtbaren Verbrechens des zweiten Mordversuches gegen den Kaiser: Vergebens ist die Ausrede, daß die Socialdemokratie Attentate nicht begehen werde, weil sie zwecklos seien, indem an die Stelle der Gefallenen sofort andere Persönlichkeiten treten würden. Solche Ausrede ist vergeblich. Einmal handelt der aufs Aeußerste entflammte Haß nicht mehr nach Zwecken, sondern nach unbezähmbarem Instinkt; zweitens liegt aber in dem scheinbar zwecklosen Attentate eine grauenvolle Zweckmäßigkeit, die auch, wo sie dem Frevler verborgen bleibt, doch Denen bewußt ist, welche die Gesinnung des Frevels bereiten und umhertragen, die Zweckmäßigkeit nämlich, daß die Gesellschaft in der unentbehrlichsten Grundlage ihres Bestehens dem Vertrauen Aller auf die allgemeine Sicherheit auf die innere Schranke des Gewissens und auf die äußere Schranke des Gesetzes unheilbar erschüttert, rathlvs bis zur Wehrlosigkeit werden könnte. Die Voraussetzung, welche solchen Berechnungen zu Grunde liegt, wird sich nicht bewahrheiten. Die Staatsregierung wird ihre Pflicht thun, sich an das Gewissen der Nation wenden. Sie wird von den berufenen Vertretern derselben den Schutz für die bedrohte Gesellschaft verlangen, welchen die bestehenden Gesetze nicht genügend gewähren. Sie vertraut auf die Entschlossenheit und Hingebung, welche sie bei Allen zu finden hofft, die Staat und Gesellschaft erhalten wollen.
In Bezug auf die Untersuchung gegen Nobiling schreibt die „Provinzial-Correspondenz": Die Untersuchung erleidet, was die Vernehmung des Verbrechers selbst betrifft, durch den Zustand desselben bis jetzt eine Unterbrechung; aber nach allen Seiten werden die Nachforschungen unermüdlich fortgesetzt und gewähren reichhaltige Anhaltepunkte, welche auf verbrecherische Verbindungen deuten.
Man schreibt uns aus Berlin vom 4.: Die Aerzte hoffen, daß die kräftige Constitution des Kaisers die Heilung wesentlich befördern werde und daß er vielleicht schon in 8 — 10 Tagen genesen sein dürste. Um das Leidensbett des grei-
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Hrinzen angeordnet. Trotz des verhältnißmäßig guten Mms Sr. Majestät hat der Umstand, daß beide Arme zitt werden mußten, die Unmöglichkeit herbeigeführt, diterschrift Sr. Majestät für nothwendige Regierungs-
105, 95,9 92,2
geln zu erhalten. Se. Majestät hat deshalb auch jernehmen nach bei dem Akte der Uebertragung selbst iiseb Willensmeinung in Anwesenheit Sr. Kaiserlichen und
«en nimmt entgegen: yiebitton d.Blatte-, zAnnoncen-Bureaux jj. Dietrich & Co. in Hannover; Th.
H w Frankfurt a.M.; gtftein & Vogler in furt a- M., Berlin, jg, Cöln k. ; Rudolf [in Berlin, Frank- fud a. M. ic.
tut Sonntags in der Mittagsstunde, ls es Herz geahnet hat,
■—। log schnell das Wort von Mund zu Munde: Juni, kißi ihr vom neuen Attentat?
A 5 drangen, hör' ich, dreißig Schrote 16,2 Schulter Ihm und Wange ein, 105, ksenert, einem jähen Tode
—vielgeliebte Haupt zu weihn.
ilt Aerzte doch, Sein Blut zu dämmen, । —, «s Greisen langsam wiederkehrt, 99,1 «e Glut des Fiebers Ihm zu hemmen, leicht des Körpers Mark verzehrt!
, 101 och Lob sei Gott, der treu Sein Leben 93,2 ft Schlimmerem auch jetzt bewahtt.
'gpj ? böse Rotten darnach streben, ,t>8< le Engel sind um Ihn geschart.
tS,Orders Namen hinzuschreiben
* ' ’^räubt jede bcffre Feder sich, wch jenem finstern Mördertreiben, I—46 aus der Hölle Tiefe schlich!
37) Bösen Namen nenn’ ein Pranger,
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattet, sowie d.Annoncen-Bureanx von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buch Handl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
ßen die Stellvertretung des Königs Friedrich ann IV. von Preußen übertragen wurde. Mittwoch irtabchz um 2 Uhr fand unter dem Vorsitz Sr. Kaiserlichen
sen Monarchen sind die sämmtlichcn Glieder der Familie jetzt versammelt. Von dem innigen Verhältniß zwischen Vater und Sohn hat gestern Abend die Scene des Wiedersehens zwischen Kaiser und Kronprinz beredtes Zeug- niß abgelegt. Der letztere hat heute Morgen sein Bett ans seinem Palais in die Wohnung des Kaisers überführen lassen, um während der Nacht in unmittelbarer Nähe des Leidenden zu sein. — Der Mörder lebte heute Nachmittag noch, doch war er seit Sonntag Nachmittag nicht wieder vernehmungsfähig gewesen. Was daher über angebliche Aussagen mit Beziehung auf ein bestehendes Com- plott berichtet wird, ist nur mit großer Vorsicht aufzunehmen. Steht es doch fest, daß Nobiling in Gegenwart seiner Mutter gar nicht verhört worden ist und bemühen sich doch schon die hiesige Blätter, den Mythenkreis zu zerstreuen, den die in der ersten Hitze mit begreiflichem Mangel an Kritik aufgelesenen Nachrichten um die Person des Attentäters gewoben hatten. Die Familienverhältnisse des letzteren sind jetzt klar gestellt und werden in den meisten Journalen mitgeheilt. Uns gehen jedoch darüber folgende neue Mittheilungen zu: Die Ehe, welcher Nobiling und' 3 Brüder das Dasein verdanken, war die dritte des Vaters und anscheinend keine glückliche. Ans den beiden ersten Ehen leben zwei Stieffchwestern des Verbrechers in Posen. An diese hat er noch am Tage vor dem Attentate einen ruhigen, verständigen Brief geschrieben, daß er zur praktischen Landwirthschaft zurückkehren werde, da seine Bemühungen, eine Stellung int Staatsdienste zu erwerben, keinen Erfolg versprächen. Zwei der Brüder sind active Offidete;: der dritte ist im Steuerfache in oder bei Saargemünd an=' gestellt. Von diesem scheint der Verbrecher vor mehreren Wochen die letzte Geldsendung von 300 M. erhalten zu haben. Die Mutter ist wieder verheiratet mit einem Major a. D. v. Ganvain. Der Vater des Nobiling war Alttutheraner und hielt Hausgottesdienst ab. Der Sohn- hat noch als Student in Leipzig fleißig Bibellectüre ge-' trieben. In socialdemokratischen Versammlungen Dresdens' ist er aufgetreten, aber um für die Theorieen der kathe- dersocialistischen Professoren der Nationalöeonomie Propa-' ganda zu machen. Daß er mit der deutschen social-demo- - kratischen Agitation in Verbindung gestanden, dafür haben '' die gestern Abend in den Bureaux der „Berliner Freien' Presse" und bei den hiesigen Parteiführern abgehaltenen' Haussuchungen nach ihren Versicherungen keinen Anhalt gegeben. Darüber wird eine amtliche Aufklärung zu erwarten sein. Mehr Erfolg verspricht sich die Untersuchung von dem Nachweise, daß Nobiling Verkehr mit den Häuptern der Jnternattonale gepflogen habe. Wie er zu dem Gedanken des Königsmords gekommen ist, das ist heute' noch ein absolutes Räthsel.
Comptoir. Die Bewegungen werden vorsichtiger und schleichender, eine kleine Blendlaterne, bisher unter dem Mantel verborgen, wird sichtbar; mit ungehaltenem Athem wird jetzt der Secretair erschlossen. Die nervös zitternden Hände des Mannes greifen mit ziemlicher Sicherheit in die verschiedenen Gefache, Papiere entnehmend, die in seinem weiten Ueberrock verschwinden. Das Licht der Laterne beleuchtet dabei in gespenstischer Weise ein verzerrtes Gesicht, dessen hellblaue Augen von langen Lidern beschattet in habgierigem Glanz leuchten. Jetzt hat die Gestalt ihr Geschäft beendet, sie schließt behuffam zu, löscht die Laterne aus und ' geht bis in den Hausflur; stolpert aber hier über eine am Wege stehende Kiste und fällt mit dem Munde gegen die scharfe Kante derselben. Das Geräusch, das dadurch entstand, war nun allerdings stark genug, um alle Schläfer des Hanfes aufzurütteln! Aber nichts rühtte sich; sie schliefen Alle den Schlaf des Gerechten. Der nächtliche Eindringlmg erhob sich taumelnd und kam glücklich zur Thüre hinaus. Auf dem freien Platze blieb er einige Secunden tief aufathmend stehen. „Das wäre gelungen," murmelten seine Lippen, „mein Zweck erreicht. Jetzt Adieu finstere Arbeitszeit, eine neue glänzende bricht an! — Donnerwetter, ich glaube, ich habe bei dem verwünschten Fall vorhin einen Zahn verloren" — er hielt die Hand an die schmerzende und blutende Stelle. „Doch jetzt fort, keine Zeit ist mehr zu verlieren, die ersten Strahlen der Sonne müssen mich bereits in Sicherheit finden." — Jetzt liegt wieder tiefe Stille über dem Platz und feiner Umgebung; der Mond kommt hinter den Wolken hervor und bestrahlt mit sanftem freundlichem Licht die einsamen Gassen, die ein Mensch in eiliger Flucht hinter sich läßt. -
Emil Mersenburg futberf wir zu- später NachttMA' .stunde- des folgenden Tages wieder, iüt'EkftttbahtftWaggU'1
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raphisch wird aus Berlin noch von gestern ge-
Der Kaiser sah gestern seine Enkel, heut den Prin- rl zum erstenmal uftb empfing gestern Nachmittag irften Bismarck. Die Kaiserin wirb mit ihren Kin- heutigen Dankgottesdienst im Dom beiwohnen, ronprinzen wurde Bismarck gestern Wend um acht längerer Audienz empfangen. Heute Nachmittag i Uhr verweilte der Kronprinz längere Zeit in der g des Reichskanzlers.
Nobiling befiLdet sich «och immer itt bewußtlosem . Derselbe hatte im Restaurant „Jägerkeller" mit einem Polen, der seit Freitag daselbst nickt schien. Mittwoch war Nobiling ebenda von einem gut deutsch sprechenden Engländer aufgesucht, aber «getroffen worden. — Gestern Abend sind wieder u bene Personen wegen Majestätsbeleidigung in öffeut- *878 calen verhaftet worden.
Fürst Bismarck verweilte gestern Abend längere
——■ am 11. er. hierher zurück.
scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (K och'fche Buchdruckerer) bezogen 2‘i Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (ejd. Bestellgebühr). — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 ®fn
Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
826 ^tzt im Frühlingskleide stehn, _f- sc manchen frohen Siegszug künden, *113,5 k neue Unihat angesehn.
2ZgU-"n Leben schwebt selbst in Gefahr, tbebenb haben jene Linden,
Irs- und Militär - Kabinet» mündlich kundgegeben. Es . i dieser Uebertragung an das Präcedenz aus. dem - 'T: 1857 angeknüpft worden, wo dem damaligen Prinzen
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