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Marburg, Sonntag, 2. Juni 1878

xin. Jahrgang.

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^nnoncen-Bureau, h, Dietrich & 6o. w gab Hannover; Th

ik vn en nimmt emgegen: - ^iitiond.»latte«.

Jritniiß.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blattes, sowie d Ännoncen-Bureaux von G. L. Daube <& Co in Frankfurt a. M.; Jäger't che Buchdandlung daselbst; Herrnann'sch« Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. LdieneS in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

ieint täglich außer an den Werklagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJLustrirteS SanntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei- bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr>. Jnsertionsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Aür in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahine von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

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ich der orientalischen Frage steht nunmehr fest,

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«»f eigentit Wege«. Novelle von E- BendhauS- (Fortsetzung.)

Bmt voraus, daß Alles so komme,! müsse, und welcher sch, dessen Herz schon an Lieblingöprojekten gehangen, « ihm verargen? Adolf zeigte schon als kleiner 8t eine sonderbare Neigung; alle Dinge, die ihm ge- t t wurden, und die ihm besonders gefielen, wollte er , $ ihnen. Dann hockte er mit untergeschlagenen Beinchen einem Stuhl, vor sich auf den Knieen eine Schiefer- ' haltend, die er eifrig mit den Gebilden seiner Kunst selte. Die kleine Schwester Hermine kam auch dann mit ihrem Puppenstaat angezogen, den sie ebenfalls ju gern gemalt" wünschte. Adolf verschmähte jedoch einer Würde als Junge diesen mädchenhaften Wünschen klommen. Er malte lieber sein Schaukelpferd, oder

fußland den englischen Vorbedingungen nachgegeben d daß das Zusammentreten des Congresses gegen Mitte in Berlin für gesichert gilt. Für mehrere der zu toben Bevollmächtigten der Großmächte sind die liugen bereits bestellt worden. Kaiser Wilhelm hat »Lur in Ems, zu welcher die Abreise auf den 11.

angesetzt war, auf unbestimmte Zeit verschoben und Bismarck wird schon in den nächsten Tagen in

, eintreffen. Seine Anwesenheit wird dann nicht 4t; den Angelegenheiten des Congresses gelten, sondern *» kritischen Fragen der innern Lage. Auch wird unser >5 Master Graf Stolberg-Wernigerode binnen Kurzem in a eintreffen, wo dann seine Ernennung zum Viceprä- zu I m des preußischen Staatsministeriums vollzogen m dürfte; ob auch schon die zum Vicekanzler ist noch bekannt. Am vorigen Donnerstag empfing Kaiser ; iin die feierliche Auffahrt einer Gesandschast des

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it Pariser Welt-Ausstellung erzielte in den ersten zwanzig Tagen wöchentlich eine Mehreinnahme von ) Frc.; die Pariser erwarten nunmehr mit Zuver- goldenen Berge, die sie sich davon versprachen. Die ng ließ sich zu den bereits für Repräsentationskosten w. bewilligten Crediten noch eine halbe Million für Whkeiten bewilligen, die den Weltbürgern gegeben wer- llen, welche sich der Gastfreundschaft des schönen ichs erfreuen; zugleich sollen diese Herrlichkeiten die für die Friedensliebe eines Volkes bilden, das mit Herzen Hetakvmben von Milliarden opferte und täglich darbringt, um der Welteine Nation in " zu zeigen, die, bis an die Zähne gerüstet, sich Auslände präsentirt. Daß die Friedfertigkeit im In­der Herzen und der Parteien nicht wett her ist, hat rngeheure Getöse bewiesen, das der 30. Mai hervor- tnb das ganz Frankreich in zwei Feldlagern mit dem : Hie Voltaire! Hie Jeanne d'Arc! darstellte.

MM« hatte vor Zeiten nicht immer so in dem Rührig- 55» §au)e ausgesehen, wie jetzt, wo sich die Liebe und Kiv trksamkeit der Eltern nur der einzigen Tochter zn- ten. Nein, damals schaute das Ehepaar noch in die iniden Augen eines Knaben, ihres erstgebonren Sohnes; ttttl strahlenden Kinderaugen hatte aber nicht etwa der - sittliche Tod geschlossen, nein, das Schicksal hatte den ; t n einen größcreii Schmerz aufgespart. Adolf, daö )ien< t Kind der Familie Rührig zeigte schon in seiner |en Jugend nicht unbedeutende Geistesanlagen, er - der Stolz des Vaters! Wenn er sich die Zukunft f i falte, so sah er diesen seinen Sohn auf seinem > und Erbe das blühende Geschäft verwalten, daö seinen Händen gedieh und wuchs, während er selber, >UM glückliche Vater, nachdem er der Tage Last und Mühen Ag« gen, am Glücke seiner Kinder sich seinen Lebensabend e. So träumte der Kaufmann, nein,.er sah es bereits

--- rs von Marokko.

jesterreich -Ungarn ist, wenn auch in nicht be- f [8 bedeutungsvoller Weise, so doch thatsächlich au8 ibitl ' bisher still abwartenden Haltung der Entwicklung reute ttentalischen Frage gegenüber herauSgetreten, indem »chu t Ersuchen der Pforte die kleine Donaufestung Ada- Ijult , deren türkische Besatzung nach Bosnien abzog, be- ch An eine Rückgabe an die Pforte wird schwerlich gend einer Seite gedacht, vielmehr deutet man die Mg der Insel in manchen Kreisen als den ersten zu einer weiteren Ausdehnung der Grenzen der

Beiden hat die Regierung öffentliche Kundgebungen untersagt.

Im spanischen Congreß hob der Mcepräsident die Sitzung auf, indem er die Fortsetzung der Debatte über Arbeitseinstellungen in Barcelona vertagte. Die Oppo­sition beschwerte sich lebhaft dagegen und gab einem Aus­schüsse den Auftrag, vom Präsidenten Genugthuung zu verlangen; für den Fall der Weigerung aber den Austritt aus der Kammer anzudrohen. Sir hat aber in Folge be­friedigender Erklärungen des Präsidenten wieder ihre Sitze im Congreß eingenommen, worauf die Versammlung in die Erörterung der Arbeitseinstellungen in Barcelona eiutrat.

Das englische Unterhaus hat in der großen Streit­frage wegen der Verfassungsmäßigkeit der Heranziehung indischer Truppen für den Kriegsdienst in Europa sich mit 347 gegen 226 Stimmen für die Regierung entschieden die beantragte Tadelsresolutton des Marquis von Hartington abgelehnt und dann bald darauf den geforderten NachtragS- credit von 748,000 L. genehmigt.

Die Mission deS Grafen Schnwaloff scheint thatsächlich mit Erfolg gekrönt zu sein und der Zusammentritt deS Coilgresses auf Grundlage der englischen Bedingungen wird als gesichert angesehen, so daß die friedlichen Aus­sichten ganz bedeutend gewachsen sind.

Tagesbericht.

Der Schah von Persien trifft, wie nunmehr fest bestimmt ist, in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag, von Warschau kommend, in Berlin ein und steigt im königlichen Schlosse ab. Derselbe beabsichttgt dem Vernehmen nach, am Montag nach Paris weiter zu reisen. Während seines Aufenthalts in Berlin ist General von Loen zum Ehren­dienst bei demselbeti komrnandirt.

Ueber den neusten Socialisten-Scandal bringen die Londoner Morgeublätter folgende Einzelheiten: Dir Ab­sicht eines Theiles der hiesigen deutschen Arbeiter eine Deputation an den Kronprinzen abzuschicken, stieß von Seiten der Socialdemokraten auf heftigen Widerstand. Die im Ostendclub veranstaltete Volksversammlung, in welcher die Adresse zur Vorleftmg kam, wurde von den Socialisteu in gewohnter Weise gestört, es kam zum Hand­gemenge und die Polizei mußte einschreiten, um die Ord­nung herzustellen. Nachdem die Störenfriede an die Luft gesetzt, wurde zur Wahl der Deputation geschritten. Die­selbe bestand aus 25 Mann, welche sich nach Beendigung der Verhandlungen nach dem Botschaftshotel begaben. Dort angekvmmen fanden sie die nächste Umgebung des

Mentor den großen Hund des Hauses. Später, als er schon zur Schule ging und auch Zeichenunterricht erhielt, hatte er sich fest in den Kopf gesetzt, ein Maler zu werden, über welche Aeußerung sich der Vater vor Lachen ausschüt- ten wollte; er ahnte den tiefen Sinn dieser kindischen Worte nicht. Er ließ feinem Sohn eine gute Ausbildung geben, wie er sie zu seinem späteren kaufmännischen Berufe uöthig hatte. Adolf fügte sich scheinbar allen Anordnungen, welche ihn zum Kaufmann bestimmten, im Herzen aber hegte er noch immer den alten Wunsch, ein Maler zu werden; er hoffte der Vater würde nachgeben, und ihn den Beruf er­greifen lassen, den sich seine jugendliche Phantasie bereits mit den entzückendsten Farben ausmalte. Aber der Vater gab nicht nach; er wurde in das elterliche Haus gerufen, um das Praktische des Kaufmaunsstandes zu erlernen. Er hatte nicht gewagt, ferner dem ernsten Vater zu wider­sprechen ; er besaß noch nicht jene Energie, die allen Wider­wärtigkeiten trotzt, um daS vorgesteckte Ziel zu erreichen. So stand nun unser junger Freund hinter dem Ladentisch, mit einem freundlichen Lächeln die Kunden bedienend. Ach, wie widersprach sein Herz dieser erheuchelt fröhlichen Außen­seite. Mit jedem neuen Morgen fühlte er mehr als je, wie ihm dieser Beruf in tiefster Seele verleidet sei, wie ihm fein ganzes Sein und Denken widersprach, wie ihm das, was er mit solcher inneren Abneigung ergriff, nie­mals Befriedigung gewähren könne. In den Musestunden, deren ihm aber nur wenige blieben, holte er seine lieben Zeichnungen her, die ihm wegen ihrer Vorzüglichkit stets das Lob deS Lehrers eingetragen hatten, und fing von neuem an, sich seiner Lieblingsbeschäftigung hinzugeben. Eines Tages aber überraschte ihn der Vater, wie er eine Zeichnung, den genial erdachten Kopf eines Greises, unter dem Ladentisch verbarg. Der Sohn wurde in ein strenges Verhör genommen, -das mit dem Zorn des Vaters endete;

Hotels bereits von den Socialisten besetzt und konnte nur nach vielem Drängen und Schieben bis zur Thür gelangen Die mit der Deputation sich eindrängenden Socialisten wurden ausgewiesen und der Rest dem Kronprinzen und seiner Gemahlin vorgestellt. Unterdessen hatte sich vor dem Botschaftshotel eine größere Anzahl von Socialisten eingesnuden, welche, nachdem ihnen der Eintritt verwehrt worden, sich mit der Absingung von Socialistenliedern u. A. der Lassalle Marsaillaise und frechen Hohnrufen die Zett vertrieben. Eine Zeit lang schien es, als ob die Ausschreitungen, die Anwendung von Gewaltmaßregeln zum Schutze des Hotels nöthig machen würden, besonders als die Deputation auf die Straße zurückkehrte. Die Be­mühungen der Polizei erwiesen sich jedoch schließlich ge­nügend, um die Ordnung wieder herzustellen. Zweifels­ohne haben unvollständige Berichte über diesen Vorfall zu dem vielfach verbreiteten Gerüchte von einem Attentat auf den Kronprinzen Veranlassung gegeben.

Die erste authentische Nachricht über die erfolgte Ver­ständigung zwischen England und Rußland gab Graf An- drasiy der ungarischen Delegation, indem er mittheilte, daß Deutschland eine unmittelbare Verständigung zwischen Ruß- and und England zu Stande gebracht habe. Er theilt enter mit, daß wenn auch der Tag noch nicht bestimmt ei der Congreß in kurzer Zeit zusammentreten werde. leberbieS hören wir aus derselben Quelle etwas über die Art der von Andrassy sogenannten Intervention Deutschlands Wir erhalten nun ferner von dem LondonerGliche" De­tails über die Punkte bezüglich deren sich Rußland und England verständigt haben. Dieselben bestätigen im Großen und Ganzen die in den letztm Tagen darüber cursirenden Angaben, die hier und da vereinzelt auftraten; die vorher erzielte Verständigung dürste für das Gelingen des Con- greffeS von großer Bedeutung fein. In Rußland wird man zufrieden sein, daß Batnrn russisch bleibt, wofür sich Bajazid verschmerzen läßt. Indem England seine Hand zur Um­gestaltung der europäischen Türkei bietet, dürfte die Aussicht auf Frieben bie besten Chancen haben. Andrassy hat ferner noch erklärt, baß bie russisch-englische Verständigung die Interessen Oesterreicks nicht berühre. Oesterreich wird nun seine Ansprüche auf dem Congreß geltend machen.

DiePolitische Korrespondenz" meldet aus Konstan­tinopel, 31. Mai: Die behufs der Pacification nach dem Rhodopegebirge entsendeten türkischen Commissäre Wassa Effendi und Samid Pascha sind unverrichteter Sache nach Konstantinopel zurückgekehrt; die Häupter der aufständischen Pomaken haben erklärt, sie wollten den Kampf fottsetzen. Aus Athen meldet dieselbe Correspvndenz: Die Türken

der alte Herr war so heftig erregt über die Gaukeleien; die brodloseu Künste Adolfs, wie er sie nannte, daß er die Zeichnung desselben ergriff und sie in Stücke zerriß, mit dem Bemerken, daß er ihn nie wieder über ähnlichen unnützen Zeitvergeudungen zu ertappen wünsche. Adolf war zer­knirscht, beim leiber blieb es nicht bei dieser einen Scene; je mehr er von feiner Lieblingsbeschäftigung lassen sollte, desto eifriger trieb6 ihn dazu hin, und nur dem oft schlich­tenden Dazwischentreten von Frau Rührig gelang eS, den Zorn ihres Mannes zu besänftigen. Nach solch einer trüben Stunde schlich daun wohl Adolf zu seinem Freund dem Musiklehrer hinauf, denn dieser hatte stets ein tröstendes Wort für ihn; ja er hatte noch mehr. Er besaß eine Geige, der er so wunderbare Töne entlockte, daß sich dem jugendlichen Zuhörer mit jeder Minute mehr die Zweifel lösten, die seine Seele gefangen hielten. Mit entzückten Blicken starrte er vor sich hin, vor seinem geistigen Auge, vor seiner erregten Phantasie entrollte sich ein Gebilde nach dem an­dern! Er sah sie vor sich aufsteigen die Gestalten der Kunst, nach denen seine Seele dürstete! Sehnsüchtig breitete er seine Arme nach ihnen aus, um sie nach dem letzten Strich der Geige enttäuscht und matt sinken zu lassen. Es waren ja nur Phantome gewesen, bie ihn entzückt, unb eine rauhe Wirklichkeit gähnte ihm entgegen, eine Zukunft, bie dunkel war, wohin et seine ernüchterten Augen auch wenden mochte! Oft aber auch stieg er getröstet von seinem Freunde herab, stand geduldig hinter dem Ladentisch; aber schon am anderen Tag fühlte er, wie es ihm nicht länger in diesen Verhält­nissen Ruhe ließ, wie ihn eine unsichtbare Gewalt fortriß, wohin, zum guten oder bösen Ausgang? Eines Tages hatte er vernünftig mit seinem Vater gesprochen, er hatte ihn gebeten, ihn dem verhaßten Beruf zu entziehen, ihn jenen ergreifen zu lassen, der ihm als der einzig richttge für ihn vorschwebte. Seine überzeugende Sprache; seine