XIII. ZahrMg.
Marburg, Sonnabend, 1. Juni 1878
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IttQCll, fcfAeint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonutagvbtatt" durch die Expedition (F »ch'sch«
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Buchdruckerei) bezogen 8*4 wart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, fexcl Bestellgebühr). —'Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.
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Zur orientalische« Frage.
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Kronprinzen hat seinen Ursprung in dem am letzten Sonntag vor der deutschen Botschaft von einer Anzahl deutscher Socialdemokraten gemachten Versuche, die Ueberreichung einer LoyalitätSadresse der deutschen Arbeiter Londons an den Kronprinzen zu verhindern. Die Socialdemokraten, durch einige Franzosen verstärkt, rotteten sich zusammen, sangen die Marseillaise und riefen: Nieder mit dem Kronprinzen! Schließlich brachte die Polizei die Tumultuant«« auseinander.
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<1. jten von allen Postanstalten entgegengenommen. Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Auf eigene« Wege«. Novelle von E- Bendhaus.
(Fortsetzung.)
Grenzlinie gegen Rußland gesichert werden. Die Kriegsentschädigung könne durch Landabtretung oder erweiterten russischen Einfluß auf die Politik der Türkei abgelöst werden, was durch Garantien gegen russische Uebergriffe wiederum paralisirt werden könnte. Dagegen müsse England eine neue vortheilhaste Position in den türkischen oder griechischen Gewässern erhalten. — Das seien im Ganzen die Concessionen, zu denen Rußland wohl bereit sei.
Wunderbar und einigermaßen bedenklich erscheint es, daß mit keiner Silbe der österreichischen Forderungen Erwähnung geschieht. Wie weit nach Westen reichen jene „Zonen"? Welche Garantien für seine Interessen auf der westlichen Balkatchalbinsel wird Oesterreich fordern? Hat es sich darüber bereits mit Rußland, mit England, mit der Türkei verständigt? Alle diese Fragen harren noch der Lösung; nur scheint es, daß Andrassy es nicht so eilig hat, wie Beaconsfield, derartige Fragen vor dem Zusammentritt des CongresseS zu lösen Inzwischen haben österreichische Truppen die Donaufestung Adakaleh besetzt. So großartig diese Nachricht klingt, so geringfügig ist ihr augenblicklicher Inhalt. Die Festung ist ein alter Mauer- rest einer Dvnauinsel bei Neu-Orsowa; die österreichischen Truppen zählen ca. 140 Mann. Das Ganze ist mit Zustimmung der Mächte erfolgt. Die Ungarn sind über diese kühne Wendung der österreichischen Politik natürlich * in hohem Grade befriedigt. So weit ist die Sache also | harmlos. Bedeutung würde ste erst gewinnen, wenn sie sich als erster Schritt ans einer Bahn erwiese, deren Zug schließlich zu einer selbstständigen Besetzung derjenigen Theile der westlichen Türkei führte, in welchen die Garantien für die österreichischen Interessen liegen. ES ist bedauerlich, aber wahr; je näher die orientalische Frage das Stadium einer wirklichen praktischen Lösung in planmäßiger Weise herankommt, desto gründlicher verschwinden alle jene Ziele der- „Humanität", der „Befierung des Ehrv- , stenlooses," der „Erlösung unserer Brüder von unwürdigem Joche" u. s. w. ES zeigt sich dann immer und immer wieder, daß schließlich doch nur eine ganz gewöhnliche Theilung herauskommen wird. Wo bleiben in dem oben 1 mitgelheilten Friedensprogramm der „Times" die Christen in Bosnien, der Herzegowina, in Griechenland, in der Türkei. Davon ist leider nie die Rede und doch ist gerade die Lage dieser Armen der Heerd, auf welchem jede fremdländische Einmischungslust immer wieder den Funken findet, welcher schließlich die Kriegsfackel zum Brand bringt.
Mn ward ihm zur Antwort!
k »Setzen Sie vielleicht Zweifel in meine Worte? Vor-
,Ah," fiel FlauS ein, „ist diese Dame etwa Fräulein
mit deren Gratisbeilage
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»Nun unb wem, dem wirklich so wäre, müßte ich
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Anzeigen nimmt entgegen: Mt (txÖcMttw ».Blattes, sowie d Annoncen-Bureanx von @. L. Daube & Eo. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Puchhandl- ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; W. TbieneS in Elberfeld: 6. Schlotte in
Bremen
Tagesbericht.
Das „Reuter'sche Bureau meldet aus London: DaL Gerücht von einem angeblichen Attentate auf den deutschen langen Sie gar Beweise; auch die sollen Ihnen werden. — Unsere Verlobung ist wegen der Jugend meiner Braut allerdings vor der Welt noch nicht officiell vollzogen worden! Ties kann jedoch jeden Tag, ja zu jeder Stunde geschehen!" Mit einem unaussprechlich hämischen Lächeln beobachtete er dabei, welchen Eindruck seine Worte auf sein Gegenüber machten. Eduard hatte mit immer steigenderem Schrecken zugehirt; es wurde ihm auf die entsetzlichste Weise klar, daß der verhaßte Mensch vor ihm die Wahrheit sprechen müsse: Denn mit welchem Rechte konnte er Hermine seine Braut nennen, wenn es sich nicht wirklich so verhielt. Aber noch immer wehtte.er sich tapfer gegen diese Gewißheit, es konnte ja nicht sein! Diese reine duf- tige Mädchenblüthe, die ihn berauscht, mtzückt, sie sollte bereits die Braut eines Anderen sein, eines solche», der, das fühlte er, ihrer niemals würdig sein tonnte. — Und dennoch!
Jetzt» gilt es das Eisen zu schmieden, dachte Flaus; cS hat gewirkt. — In diesem Moment öffnete sich die Thüre und der Kaufmann, Herr Rührig, betrat in .ziemlich angeheiterter Stimmung, wie es schien, das Zimmer. Nichts konnte Flaus erwünschter kommen, als die Erscheinung seines Prinzipals und, indem er ihn vertraulich unter den Arm nahm, sagte er zu ihm: „Sie treffen unS hier in einer eifrigen Auseinandersetzung, die ich Ihnen später vollständig erläutern werde; jetzt muß ich mich kurz fassen. Hier der Herr Referendar zweifelt an meiner Aufrichtigkeit; er will mir zum Beispiel nicht glauben, daß Ihre Tochter demnächst öffentlich meine Braut sein wird!"
„So, so," erwiderte der Prinzipal, Einen um den Ändern betrachtend, „ich vetfftehe aber immer noch nicht, wie das, was wir Beide längst besprochen haben, hier so öffentlich behandelt wird. Daß Herr Plümer davon nichts wissen kann, ist allerdings selbstverständlich. Aber ich bitte die
Der Magdeburg. Ztg. schreibt man von Berlin: „Im Vordergrund des Interesses aller politischen Kreise bleibt die durch das Entlassungsgesuch des Dr. Falk geschaffene Krisis. Da» Entlassungsgesuch ist bisher nicht zurückgenommen, daß der Herr CultuSministrr darauf bestehen wird, von den Geschäften entbunden zu werden, unterliegt keinem Zweifel. An diesem Entschluß des Dr. Falk kann auch Fürst Bismarck nicht» ändern, um so weniger, als er außer Stande ist, die Gesammtsituation zu ändern. Inzwischen bestätigt sich die Annahme, die meisten Chance» für den Falkschen Posten habe der Unterstaatssekretär im Justizministerium v. Schelling. (Außer ihm wird auch der Oberpräsident von Schlesien, v. Puttkammer, als etwaiger künftiger Cultusmimster genannt. D. R.) Als Mitglied der brandenburgischen Provinzialsynode hat sich Schelling diesmal keiner der bestehenden Fraktionell angeschlossen. Er steht zwischen der Mittelpartei, zu der er sich früher rechnete, und der positiven Union, der er jetzt wohl mehr zugehört, wie seiner früheren Fraktion. Wir vermögen nicht anzunehmen, daß wirklich Dr. Falk diesen Nachfolger erhalten sollte; denn wir können uns nicht vorstellen, daß alles, waS der jetzige Cultusminister geschaffen hat, ausersehen wäre, ungeschehen gemacht zu werden, und das würden wir erleben, wenn Herr v. Schelling ins Ministerium einträte. In dm nächstm vier Wochen haben wir auf eine Entscheidung in der wichtiges Frage schwerlich zu rechnen. \ .. '
Die „Post" veröffentlicht die telegraphische Correspon- denz zwischen dem Cardinal Staatssekretär Franchi und dem Reichskanzler Fürsten Bismarck, aus Anlaß de» Attentats vom 11. Mai. Die vom 13. Mai batirte Depesche des Cardinals lautet: „Seine Heiligkeit, tiefbetrübt über das ruchlose, gegen S. M. den Kaiser von Deutschland verübte Attentat, trägt mir auf Ew. Durchl. zu bitten, dem erhabenen Monarchen sein aufrichtiges Beileid über den Vorfall und seine herzlichsten Glückwünsche daß Er der Gefahr entgangen, zur Kenntniß zu bringen." — In einer Depesche vom 14. dS. Mts. bestätigt zunächst der Reichskanzler dm Empfang des Telegramms, worauf er am 15. Mai in
Herren, wie kommen Sie dazu, über diese Dinge —" Mehrere Herrm, die jetzt vom Saal aus das Zimmer durchschritten und einen verwunderten Blick auf die erregten Gesichter der drei Herren warfen, ließen Herrn Rührig verstummen. Flaus wechselte einige leise Worte mit ihm, worauf er in den Saal trat. Hier forderte er Hermine, die von dem ganzen Vorfall natürlich keine Ahnung hatte, im Namen ihres Vaters auf, den Ball zu verlassen, da sie in der Garderobe bereits von ihrer Mutter erwartet werde. Unbefangen nahm sie feinen, ihr dargereichten Arm. Sie kam dabei dicht an Eduard vorbei, welcher noch immer regungslos und starr vor sich hinblickenv auf seinem Platz verharrte. Er schien weder einen Blick Herminens, noch die triumphirende Haltung chres Begleiter» zu bemerken. Das Geräusch, welches das Fortgehen der meisten Ball- gäste verursachte, ließ ihn erst aus seiner Betäubung erwachen, er fuhr sich mit der Hand über die Stirne, als wolle er sich dort einen bösen unangenehmen Traum ab- wischm. Dann ging er langsamen Schrittes seiner Wohnung zu; die Nacht war empfindlich kalt geworden; falt glitzerten auch die Sterne vom Himmel herab. Eduard bemerkte nicht, daß der Wind eisig durch seinen dünnen Anzug suhr, denn Mantel und Hut hingen vergessen im Hotel. Ans seinem Zimmer angekommen durchschritt er es ruhelos; erst gegen Morgen sank et auf das Sopha und die ersten Strahlen der aufgehenden Winter- sotme huschten über die bleiche Stirn eines jungen Mannes der in dieser Nacht daS Glück seine» Lebens gefunden zu habest glaubte und eS verloren hatte. —
In der zweiten Etage des Rührig'fchen Hanse» hatte ein junger Mann zwei gemiethete Zimmer ein, ein ziemlich geräumiges Wohnzimmer mit einem daranstoßenden Schlaf- tabinet. Der Bewohner dieser Räüme war eiu noch ju-
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Ball näherte sich feinem Ende. Unser junger Re- r hatte eben von seiner schönen Nachbarin die Er- ßtziß erhalten, sich morgen nach ihrem Befinden erkun- zu bürfen, und begegnete mit einem glücklichen Lächeln Lippen, als er durch eines der Nebenzimmer, welches Herrenzimmer führte, schritt, seinem Nachbar vom her, Moritz Flaus. Er war über diese Begegnung nicht freudig überrascht, denn die Blicke des jungen nes bei Tisch waren ihm ausgefallen, wie ihm über- <i ' ,6^ dessen ganze Persönlichkeit unsympathisch war. Mit l2,50 a (urjtn Verbeugung wollte er an dem jungen Mann *■•4* über eilen, wurde jedoch daran verhindert, da ihm FlauS 74 so Wicker, aber entschiedener Weise den Weg vertrat. 100Z »Erlauben Sie," begann er, „ich möchte gern einige _,5 me mit Ihnen sprechen!"
Ton klang so eigenthümlich, daß Eduard dem e. <N rechn überrascht in s Gesicht schaute und lächelnd meinte: -•j »ffentlich dauert das, was sie mir zu sagen haben, nicht u lange; ich habe den nächsten Tanz einer Dame ver-
kn vielleicht darüber Rechenschaft ablegen?!* diesem Fall wohl.mehr, als Sie denken", entzeg- jS8,50*k Maus; „jene Dame, der Sie heute Abend so außer«
Etliche Aufmerksamkeit zuwandten, ist — meine Braut!" Ei» überraschtes, aber auch zugleich etwas ungläubige»
«tbttion b.Blatte», dLnnoncen-Bureaur xh. Dietrich & Co. in Tagen [ und Hannover; Th.
jch in Frankfurt a.M.; gftein & Logier in tat a- 3R., Berlin, , , . Cöln ic.; Rudolf
reichh« « Berlin, Frank-
al» nothwettdig für Rußland erachtet werden; der elsweg von Trapeznnl nach Persien aber würde durch 1878. ßtzabe Bajazids und Rectification der projecürten neuen
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HK Iba» Dunkel, welches bisher über den Erfolgen des ■ I Ilern Schuwaloff lagerte beginnt sich zu lüften. Von Seiten wird übereinstimmend gemeldet, daß die Aus- auf einen friedlichen Ausgleich der russisch-englischen itigftiten bedeutend gewachsen sind. Im englischen nse erklärte der Schatzlanzler Northcote unter dem der Deputirten, er sei noch nicht in der Lage, Deuber die Unterhandlungen mitzutheilen, jedoch hätten ► M s bit Aussichten auf das Zustandekommen des Cvn- innerhalb der letzten Tage wesentlich gebessert. — Wiener „Pol. Corr." bestätigt ihrerseits, daß das ekommen des europäischen CongresseS definitiv als ert anznfehen sei. Der Congreß wird in Berlin zu- ntreten. Als Eröffnungstag sei der 11. Juni in yt genommen. Den besten Beweis aber für die Zunahme der Aussichten auf Erhaltung des s liefert das Benehmen der kriegslustigen Presse „nb; dieselbe ist in heftiger Erregung darüber, daß öne Krieg nicht zu Stande kommen soll. Ueber die auf der sich England und Rußland verständigt sollen, wird berichtet, Rußland werde den Vertrag Satt Stefano der Sandion des CongresseS unter* und sei zu Abänderungen bereit. Worin dieselben werden, wollen „Times" wissen. Im Norden kau würde man ein Bulgarien schaffen, welches russischen Einflüsse überlassen bliebe; im Süden die Autorität der Pforte läng» der Küste erhalten ; in der Mitte zwischen diesen beiden Staatenbll- ftn würde ein Drittes geschaffen werden, ein autonomes rien bis zum Balkan hinauf, das gewissermaßen eine rale Zone zwischen den feindlichen Staaten darstellen I» Asien müßte Kars unzweifelhaft den Russen eiben Bakum und Ardahan würden wahrscheinlich
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