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Marburg, Donnerstag, 30. Mai 1878

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W Well stürzt sich mit voller Lust in das Ber- 8 des TanzeS, um alsdann lachend und plaudernd ^chen. Hier beobachten wir ein zärtliches Liebes- das unter vorgehaltenem Fächer sich die süßesten

Das gestern erwähnte Gerücht von dem Attentat äuf den deutschen Kronprinzen hat sich als eine plumpe Erfindung erwiesen. Den Bemühungen der Behörde ist es gelungen, diejenige Person ausfindig zu machen, welche diese Alarmnachricht erfunden: es soll ein Arbeiter sein, der sich bereits zu der That bekannt, er will sich mit eini­gen Personen haben einen Scherz erlauben wollen. Wahr­scheinlich wird wegen dieses unpassenden und unzeitigen Scherzes gegen ihn eine Untersuchung eingeleitet werden. Wie leicht ein solches Gerücht an Umfang gewinnt und welche Verbreitung es in ganz kurzer Zeit findet, mag da­raus hervorgehen, daß man sich schon kurz nach Mittag m fast allen Theilen Berlins diese angebliche Neuigkeit einander mittheilte, ohne daß man aber im Stande war, anzugeben, woher diese von allen Seiten wiederum anae- zweifelte Nachricht stamme. Im Palais des Kaisers liefen sogar von allen Seiten, aus den Ministerien und von anderen höheren Behörden unausgesetzt Anfragen über die Wahrheit dieses Gerüchtes ein.

Die Arttkel, welche wir in den Zeitungen, namentlich der liberalen Presse, über den angeblichen Rücktritt des Cultusministers Dr. Falk begegnen, rufen unwillkürlich eine Aeußerung des Fürsten Bismarck ins Gevächtniß, welche er früher einmal dem Abg. Richter (Hagen) gegen­über that, indem er dem genannten Abgeordneten gegen­über äußerte: „wenn ein Minister gelobt sein wolle, dann müsse er nur die Absicht laut werden lassen, aus dem Amte scheiden zu wollen." Einstweilen kann nun zwar mit Bestimmtheit gemeldet werden, daß Dr. Falk vorläufig noch im Amt verbleibt, was aber die fortwährend betonte „liberale" politische Richtung des Cultusministers anlangt, so meinen wir, daß diese Ansicht sich leicht als ein nicht gennger Jrrthum entpuppen dürfte, wenn man in Erwägung zieht, daß nicht allein das vom Reichstage abgelehnte Gesetz gegen die Ausschreitungen der Socialdemvkratie, sondern auch die weiteren noch in Aussicht genommenen verschärften Maßregeln gegen diese Partei unter der aus­drücklichen Zustimmung des Cultusministers beschlossen worden sind.

Auf eigene« Wege«. Novelle von E. Bendhaus. (Fortsetzung.)

nimmt emgegen: ition d.vlatte», je dünuoncen-Bureaur Th. Dietrich & Co. in Hannover; Tb. ' ankfurt a.M.;

& Vogler in ___a. M., Berlin, inia, Cöln ic; Rudolf in Berlin, Frank­furt a. M- ic

Tie hatte sich während der Unterhaltung ihren Tänzer Acn betrachtet. WaS war aus dem schmächtigen iling it dem. schlotterigen Gang von damals gewor- Ein kräftiger, junger Mann stand vor chr mit ruhiger, ft Haltung. Wenn auch sein Gesicht nicht als „schön" werden konnti, so hatten doch seine Züge jenes Mde Etwas, das mit dem Ausdruck „interessant" be- W zu werden pflegt und das oft gefährlicher wirkt, tadellose Schönheit! Dabei entging dem jungen it der ihrem Geschlecht eigenen Aufmerksamkeit, > daß der junge Mann sie mit Blicken betrachtete, die ^»egs gleichgültig erschienen. — Die Polonaise hatte ftiem stürmischen Galopp ihr Ende erreicht und Eduard, er auch noch mit seiner schönen Tänzerin ein wenig :rt hätte, folgte doch dem Beispiel der Andern und edete sich von Hermine. Moritz Flaus beeilte sich, Ochsten Tanz etwa» früher zu erscheinen; er bedauerte

Ri anberaumt gewesene Abreise des Kaisers nach Ems gutem Vernehmen nach aufgeschoben. — Die von aus- E -tigen Blättern gebrachte Nachricht, die Einladungen zum Messe seien bereits an die Cabinette abgegangen, wird h von unterrichteter Seite als unbegründet bezeichnet. Majunke ist von der Redaktton der „Germania" znrück- __Htn und wird demnächst Berlin verlassen. Die Redak- anden tisr „Germania" übernimmt am 1. Oktober der frühere «kieur der „Schlesischen Volkszeitung" und des „Schle- ',rke m Volksblattes", Dr. Franz.

Deutsche- Reich.

*» Berlin, 28. Mai. In Bezug auf das Schicksal der Rechtsanwaltsordnung hören wir, daß über den zwischen dem Reichsjustizamt und dem preußischen Justizministerium hervorgetretenen Differenzpunkt Unterhandlungen zum Zweck einer Vereinbarung schweben. Erst nach Beendigung der­selben wirv sich erkennen lassen, in wie weit das von beiden Seiten gewünschte Entgegenkommen Momente auffinden Dinge zuzuflüstern hat, dort einen jungen Elegant, der sich auf das Liebenswürdigste bemüht, seiner spröden Tänzerin ein Lächeln zu entlocken. Hermine schwamm in einem Meer von Entzücken; fie tanzte mit dem Vergnügen und dem ^ugendmuth, den wir nur in diesem glücklichen Alter em­pfinden. Die Frantzaise, die sie Moritz Flaus zugesagt hatte, kam, und ein Zufall, oder sagen wir lieber eine glückliche Berechnung fügte es, daß sie Eduard Plümer gegenüber tanzte. Herr Flaus fing bereits an, die Beiden mit einem leisen Mißtrauen zu betrachten, wobei er sich ledoch auf das Eifrigste bemühte, die Tvchter seine» Prin- ztpals^zu unterhalten.

„Fräulein Hermine," begann er etwas stockend, „ich habe seit der letzten Zeit eine Bemerkung gemacht, über die ich sehr unglücklich bin und welche" — En avant deux 1 schallte es in diesem Augenblick, ihn grausam seiner Unter­haltung entreißend, und mit in die Tanzenden ziehend. Er erwartete jedoch geduldig eine Pause, und fuhr unbeirrt f°yt: "3ch bitte Sie offen, mein Fräulein, mir zu sagen, mit was ich das Unglück gehabt habe, Sie zu beleidigen ? Sagen Sie mir, ich bitte Sie ganz offen" — darne seul i erschallte es von neuem, seine Tänzerin im Fluge davon führend. Der junge Mann konnte über die Vereitelung seiner Unterredung einen halblauten Fluch nicht unterdrücken. Seine geöffneten Lippen ließen dabei zwei Reihen blendend weißer Zähne sehn, die mit seinem glänzend schwanen Vollbart einen seltsamen Contraft bildeten! „Warten wir ein gelegenerr Zeit ab," murmelte er: „Zeit bringt Rosen." —

Wir treffen die Ballgesellschaft wieder am Tisch an und zwar in lebhaftester Unterhaltung. Das Essen war gut und der Wein ebenfalls, welche Thatsache das Gesicht des Wirthes in allen Freudenfarben spielen ließ. Die Gesell­schaft ist äußerst munter; das ist ein Summen, Lachen, Gläserklirren, nur noch übertönt durch die im Nebenzimmer

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rigenthümlichen Lächeln sein Zuspätekommen bei ise, und bat sich daS Vergnügen aus, sie zu Tisch zu dürfen. DaS kam nun dem Fräulein sehr unge- . ftti) sie erwiederte mit mehr Bedauern in der Stimme, . ihr vielleicht zugetraut hätte, daß sie bereits versagt vtwÄ ^hte Franyaise, um die er sie bat, konnte sie ihm —abschlagen, um ihr Verhalten nicht zu auffallend 187» Mhen. Während dessen wurde die Stimmung im Saal, „ Beginn des Tanze« eine so feierliche war, animirter;

.Äbls itet.J

________________________________________Für in der Expedition zu ».heilende Auskunft und Annahm7°°7mreff-n werden 25 Ps, be°echnet ^ f 3nlt 10

Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d.vlatteS, sowie d. Annoncen-Bureanx von @. L. Doube L Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; SB. Tdienes in Elberfeld; E. Schlotte in öremtn

; 1 Üustrirtes Sonntagsblatt

I üben von allen Postanstalten entgegengenommen.

läßt, auf Grund deren ein Ausgleich erfolgen kann, der jedenfalls nicht, wie bereits gemeldet worden, als ausge­schlossen anzusehen ist. — Nach allen aus authenttschen Quellen von Bern eintreffenden Berichten ist ersichtlich, daß die gegenwärtig dort tagende Conferenz zur Vereinbarung eines internationalen Eisenbahnfrachttechts einen derarttg günstigen Verlauf nimmt, daß ein erfreuliches Resultat der Verhandlungen vorauszusehen ist. Der Schluß der Con­ferenz wird, wie man jetzt annimmt, unmittelbar nach dem 1. Juni stattfinden. — Nachdem die Panzerfregatte „Fried­rich der Große" Schäden erlitten hat, so daß ihre Außer- drenststellung und Ueberführung nach Kiel hat bewirkt wer­den müssen, wird es sich darum handeln für das gestern, am 27. d. M., zusammengetretene Geschwader statt ihrer ernm Ersatz zu stellen. Wie uns berichtet wird, dürfte die Panzerfregatte „Kronprinz" oder die Panzerkorvette „Hansa" dazu ausersehen sein. „Friedrich der Große" wird voraus­sichtlich gleich nach Pfingsten in die Docks zu Kiel gebracht werden, da die Hafeneinfahrt bis dahin fertig gestellt sein wird. Ob das Kanonenboot „Otter", welches noch erperi- menttrt, dieses Jahr nach Ostanen geht, ist noch nicht be­stimmt. — Ueber die wirthschaftlichen Verhältnisse Däne­marks heißt es in einem längeren Bericht, der zuverlässigen Quellm entnommen ist, unter Anderem: „Der Rückschritt in den ökonomischen Verhältnissen Dänemarks, welcher sich schon im Jahre 1876 bemerklich machte, ist im Jahre 1877 noch fühlbarer zu Tage getreten und hat zu einer scharfen - Krisis geführt. Zu dem ungünstigen Resultate, welches das Jahr für fast alle Klassen der Bevölkerung gehabt hat, hat zunächst die sehr dürftige Ernte in 1876 beige­tragen. Dieselbe gewährte dem Landwirthe nicht allein eine geringere Einnahme, sondern sie hemmte auch den Rück­handel in der Landwirthschaft überhaupt und hatte eine Vermmderung der Ausfuhr zur Folge. Die Verminderung der UeberschußauSfuhr der landwirthschaftlichen Erzeugnisse düche gegen daS Vorjahr auf gut 40 Millionen Kronen zu veranschlagen sein, und die Ausfuhr der wichtigsten Exportartikel, Getreide und Mehl, ist sogar so geschwunden, daß sie geringer gewesen ist als die Einfuhr, so daß da« - Jahr 1877 die für Dänemark gewiß seltene Erscheinung - aufwelst, daß dasselbe ein Getreide einführendes, statt Ge- tteide ausführendes Land gewesen ist. Freilich darf man dabei nicht außer Acht lassen, daß sich die Landwirthschaft. . m letzter Zett mehr und mehr der Viehzucht zugewendet -- hat und demnach das Getreide verfüttert hat, statt zu ex- porttren. Auch die Einfuhr und der Consum von fremden Artikeln, welche noch im vorigen Jahre einen Fortschritt zeigten, ergaben für daS Jahr 1877 einen Ausfall, welcher sich auf 20 Millionen Kronen belaufen dürfte Auch für den Handelsstand war das Jahr 1877 ein stilles und oft

placirten Musikanten, welche eine patriotische Weise nach der andem spielen. Herr Rührig sitzt neben der Frau Calculator Lebetthran, welche mit ihrer Tochter den Ball besucht hat und bei jedem neuen Glas Wein, das ihr Herr Ruhng emscheickt, gesprächiger wird, immer neue stüge in den Schilderungen des seligen Leberthrans entwickelnd Frau Ruhng steht sich emgekeitt zwischen ihrem Mann und einem Niltlgen Fünfziger, einem Oekonom aus der Umgegend der ihr seiner Schwerhörigkeit halber seine neuesten Erfahrungen - hinsichtlich der Pflanzung der Riesen-Möhre mit lauter Stimme zuruft.

An einer anderen Tafel war die jüngere Welt vlacirt . §err Flaus schien hier seine Nachbarin Fräulein Laura Honigseim, einer braunäugigen, ziemlich schmachtend auS- ehenden Dame nur sehr zerstreut zuzuhören; seine Blicke streiften ost mit einem rigenthümlichen Aufleuchten das gegenubersitzende Paar, das Niemand Anderes char als Hermine und der junge Referendar. Fräulein Laura sagte eben zu ihrem Nachbar Herrn Flaus, indem sie ihm eine Schussel Compot reichte: „Sieben Sie nicht?" Er- staunt schaute er ihr ins Gesicht. „Ich meine diese Früchte setzte das tfraulem mit einem schmachtenden Auqenaufschlaa ^u; aber da fällt mir etwas ein: Finden Sie nicht auch Heines Gedichte himmlisch? Aber auch Geibels LiebeS- lieder finde ich wunderschön; es liegt so etwa« darin, das man mcht v^steht und das ist doch gewiß de« Schönste a« einer Dichtung. 1

3n diesemMoment fiel die Musik mtt der kräftigen „Wacht am Rhem em und zerstörte dadurch das Harmo­nische dieser geistreichen Unterhaltung: Wenden wir uns an die andere Seite des Tisches, so Höven wir eben Eduard Plumer Hermine fragen: Nun, mein Fräulein, haben Sie denn eigentlich, seitdem Sie wieder hier in unsere Heine Stabt zurückgekehrt sind, noch gar keine Langeweile

■i Mrhefsische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Die Ex-ed. d. Obrrh. Zeitung.

Tagesbericht.

In« Berlin wird telegraphisch gemeldet: Die auf den 11.

Die Nachricht auswärtiger Blätter, daß der Eröffnungs­im für den Congreß auf den 11. Juni bereits festge- serben sei, wird in politischen Kreisen unserer Reichs- »8 aui «ftabt widersprochen. In denjenigen Kreisen, welche auswärtigen Amt nahestehen, war wenigstens bis jetzt bet Festsetzung dieses Tages noch nichts bekannt. ——Ww gab sich in diesen Kreisen zwar der Hoffnung hin, ... -'J d gelingen werde, eine vollkommene Verständigung ___hen den Cabineten von St Petersburg und James zu bereit« $u gingen und ein Zusammentreten der Vertreter der n 8C181 >prischen Großstaatm gegen dir Mitte des nächsten ——- rats in Berlin zu bewerkstelligen, als ein Definittvum alle« ft man dies jedoch bis jetzt noch nicht ansehen. Auch es, daß ans diesem Grunde der Kaiser seine bereits ben 11. Juni Abends festgesetzte Abreise nach Bad > aufgeschoben habe, und daß es überhaupt noch un- ' sei, wann der Kaiser seine Reise nach dorthin an- Jedenfalls steht fest, daß der diplomatische Verkehr Berlin, London und St. Petersburg in den letzten ein sehr reger gewesen ist, und daß der Leiter der

Politik eS sich sehr angelegen sein läßt, die Ver- Ijjpung zwischen den beiden Großmächten zu Stande

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