t. 123
Marburg, Sonntag, 26. Mai 1878
XIII. Jahrgang.
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Ktgen nimmt entgegen: grneMtion »Blatte«, pe d-Ännoncen-Bureaur ^Lh.Dietrich & So. in and Hannover; Th. trich in Frankfurt a.M.; .(«tftrin L Lagler in a M., Berlin, ig, Köln ic.; Rudolf k in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Anzeigen nimmt entgegen: »ie Expedition b.Blattei, sowie d.Ännoucen-Bureaur »on 8. L. Daube & So- in Frankfurt a. M.; JSger'lche Buchbandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Znoalideudank in
Berlin; W. Tdiencs in ölbetfelb^tt. Schlotte in
$ür 'N der Expedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme Ä^nT fÜC Me 3'fM‘e,W 1» Pf«.
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^Merhessische Zeitung
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“"'Wen von allen Postanstalten entgegengenommen.
f Im Feuilleton der Zeitung beginnt in den Men Tagen eine höchst spannende Novelle
heul eigne« Wege«
.von einer Marburger Verfasserin.
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"0« Ditz Exped. d. Oberh. Zeitung.
Politische Wocheu-Ueberficht.
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Auf eigene» Wege«.*)
Novelle von E. Bendhaus
Und dir Damen speciell ein Kaffee-Kränzchen, da« der spottlustigen Männerwelt mit dem hämischen ur ^Klatsch-Kranz" bezeichnet wird. Im Sommer
ugrrung des Provisoriums bis Ende Juni, wo auch Handelsverträge in Kraft treten sollen, bei, eben so
rr befinden unö in einem kleinen Landstädtchen, das »hange eines Berges erbaut durch seine malerische *e# Auge entzückt; im Innern aber durch die Steil- ud Enge seiner Straßen den guten Eindruck, den M der Ferne erhielten, zu verwischen droht. Und sich's in dein besagten Städtchen so recht gemüth- Die Menschen durch daö einfache Leben nicht ver- ' haben hier nur sehr geringe Bedürfnisse und daS Ulde Gleichmaß der Tage, das so manchen Großer Verzweiflung bringen würde, ist hier ein gänz- ‘anntet Begriff.
Bürgerstand lebt meistens vom Ackerbau; daS Ereigniß bildet wohl alljährlich die große Schlach- zu Wurstsuppe und Kraut die ganze Freundschaft
' ist nicht gering) ringeladen wird. Die Honoratioren n anspruchsvoller. Sie haben im Winter ein
D« Entwurf des Gesetzes gegen die Ausschreitungen Social - Demokratie ist nach rascher Erledigung h den BundeSrath dem Reichstage zu Anfang der '»as 6e zugegangen und als letztes Stück Arbeit von diesem KugusI Donnerstag auf die Tagesordnung gebracht worden, hiem daß allseitig anerkannt wurde, das staatliche Ein- IW itm gtgelt ^e Socialdemokratie sei nicht mehr länger Halten, trotzdem daß die Minister Hofmann und Graf v' »bürg im Reichstage versicherten, die Regierung werde kt Vorlage keinerlei reaktionäre und über das von bnrK men deklarirte Ziel hinauSgehende Absichten verfolgen, I 'm hat der Entwurf bei der liberalen Majorität deS ' . itags keine Gnade gefunden. In der Freitags-Sitzung
®ttt wurde ein Amendement zum §. 1 des Abg. Be- daS vom Minister Hofmann zur Annahme empfohlen "und hiernach §. 1 der Vorlage selbst (letzterer mit Wen 57 Stimmen) abgelehnt. Der Entwurf wurde «n vom Minister Hofmann zurückgezogen. Abends Ci Uhr fand die diesmalige Schlußsitzung des Reichs- ftatt. — Schuwaloffs Aufenthalt auf der Rückreise Petersburg nach London war in Berlin ein kurzer, hm von da seinen Weg über FriedrichSruh. Als i eichen der friedlichen Strömung dürfte die nunmehr etzte Reife unseres Kaisers nach Ems ivohl gelten, «s österreichische Herrenhaus genehmigte die Re- Worlage über daS Bankstatut in dritter Lesung; der dchs-Ausschuß des Abgeordnetenhauses stimmte der
t wohl auch hier und da Jemand eine Reise i sei eS auch nur, um neben dem Sinn für Er- .. »nd Zerstreuung nicht gegenüber Anderen (und f*nben sich stets) zurückzubleiben. Wenn schon £ttn der Kleinstadt besonderes Interesse für ihre dUebnissk haben, so ist uoch vielmehr nach der Rücker Dame auS einem Kurort des Erzählens kein UtittJ L? „Wissen Sie was daS Neueste ist?" fragt di« Ab.^ Aktuar Drall ihre Nachbarin, die Frau Doktor Zim- »Zwetschenblau mit Ziegelroth! Ich versichere Sie,
den vom Herrenhause am Bankstatut vorgenommenen Ab- anderungen. Das ungarische Abgeordnetenhaus bewilligte die Bedeckung des 60-Millionen-Eredits und ebenfalls die Verlängerung des AuSgleichS-Provisoriums.
Voltaire ist in Frankreich die Parole, Voltaire links und Voltaire rechts! Der Pariser Gemeinderath hatte die Absicht, die Sacularfeier für Voltaire als Nationalfest zu ^gehen. Dem Gemeinderath ist indessen nicht ohne guten Grund die Verwandlung der Voltaire-Feier in ein National- sest untersagt worden. Bei diesen Aufregungen war die Ausstellung fast ganz in den Hintergrund getreten; dieselbe wird jedoch viel besucht, obgleich die Aufstellungen immer noch nicht fertig sind. Eine Explosion in der Rue Beranger verbreitete Schrecken in Paris, kostete 14 Menschen das Leben und brachte 28 anderen schwere Verletzungen.
.. Die große Redeschlacht im e n g l t s ch e n Parlament über die Verfassungsmäßigkeit der Heranziehung indischer Truppen zum Kriegsdienst in Europa ist in beiden Häusern zu Gunsten der Regierung entschieden, und zwar im Unterhause mit der großen Mehrheit von 131 Stimmen. Die Regierung bat den Befehl zur Befestigung der englischen Küsten erlassen. Die Unruhen in Blackburn haben sich erneuert und eine Einigung zwischen den Arbeitern und den Arbeitgebern ist noch nicht erzielt. Zu Ehren des deutschen kronprinzliche» Paares finden in Windsor und London zahlreiche Festlichkeiten statt.
Die diplomatischen Verhandlungen über die orientalische Frage sind noch immer nicht weiter vorgerückt, aber die vielfach in Rußland auftretenden Kundgebungen in friedlichem Sinne müssen nach wie vor mit Vorsicht aufgefaßt werden, da neben ihnen andauernd die militärischen Rüstungen zu Wasser und zu Lande hergehen. Ob die Rückkehr des Grafen Schuwaloff nach London uns bald wichtige Aufschlüsse bringen wird, muß ebenfalls dahin gestellt bleiben, da alle«, was man bisher über feine Reife gehört hat, nicht die Ueberzeugnng verschaffen kann, daß die Verhandlungen bereits so weit vorgeschritten wären, daß sie zur Veröffentlichung reif schienen. Bei Konstantinopel fahren Russen und Türken in ihren Befestigungsarbeiten fort. Russische Strntträfte werden in größerer Nähe der Hauptstadt angehäuft. Der Nachschub von Truppen und Kriegsmaterial aus Rußland nach den besetzten türkischen Landestheilen dauert fort, jedoch will es noch immer nicht gelingen, den Aufstand in Rumelien zu besiegen. Die türkische Regierung wird den Russen gegenüber immer hartnäckiger, und alle Drohungen TotlebcnS haben die Räumung der Festungen Schumla, Varna und Batum nicht zu erzwingen vermocht. Auch das Verhältniß mit Rumänien ist ein äußerst feindseliges geblieben. Das wichtigste Ereigniß, welches sich wahrend dieser-Woche auf der Balkanhalbinsel ereignet hat,
ist der Aufruhr rumelischer Flüchtlinge unter Ali Suavi vor dem Palaste des abgesetzten Sultans Murad, anscheinend eine regelrechte Verschwörung. Wenn die Unterdrückung war, so ist das Ereigniß doch immerhin von großer Bedeutsamkeit, da es zeigt, wie vulkanisch der stam- buler Boden augenblicklich ist. Fast wie ein letzter Fuß- tntt des Schicksals für dir niedrrgeworfene Türkei nimmt es sich aus, daß in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag du hohe Pforte zum größten Theil der Raub einer Feuersbrunst geworden ist.
Deutsches Reich.
»» ©erlitt, 24 Mai. Dem Minister Hofmann ist die Ermächtigung zur Schließung des Reichstags eventuell schon heute bereits ertheilt. Da nach Lage der Dinge an Ahnung des § 1 der Regierungsvorlage gegen die Ausschreitungen der Sozialdemokratie nicht zu zweifeln ist und ebensowenig an der Ablehnung des vom Abgeordneten Gneist zu diesem Paragraphen eingebrachten Amendements, so durste unmittelbar nach der Ablehnung der Schluß ausgesprochen werden. Ob die gestrigen und heutigen Verhandlungen im Lande den Eindruck Hervorrufen werden welchen verschiedenen Blättern zufolge ein Abgeordneter vorausgesehen haben will, daß nämlich die Session unter bengalischer Beleuchtung geschlossen werden sollte, ist doch zu bezweifeln. Vielmehr dürften sehr Viele im Lande aus dieser Debatte einen niederschlagenden und Unwillen erregenden Eindruck mitnehmen. Eine Verhandlung, in welcher von allen Seiten ohne Ausnahme die gefährliche Natur eines Uebels anerkannt wird, daö in täglich wachsender Proportion zunimmt und in welcher gleichzettig von der Mehrheit die Mitwirkung zu jeder ernsten Abhülfe versagt wird, kann nur einen erstaunlichen und niederschlagenden Eindruck machen. Daß man mit unbestimmten Wendungen rJL bten Eine Mitwirkung zur Abwehr in AuS- )i$t gestellt hat, kann nur wenig Beruhigung gewähren, rctLien positiven Gedanken über den einzuschlagenden Weg sucht man vergeblich. Allerdings ist die Hiuoemuug auf den Erlaß eines Reichs - VereinögesetzeS gemacht toor= ben; aber welchen Werth kann diese Hiudeutung haben, wenn man sich erinnert, in welcher Weise bei früheren Diskussionen über diesen Gegenstand jede wirksame Beslim- mung zur Abwehr von Ausschreitungen deS Vereinswesen» versagt ist. Die Regierung hatte gerade in dem Bewußt- !5«' w'e schwer eS hält auf dem Boden des gemeinen Rechts wirksame Mittel zur Abwehr gefährlichen Miß- brauchs zu erhalten, eine Ausnahme-Maßregel von vorübergehendem Charakter verlangt gegen eine Partei, die die ganze bestehende Ordnung der Dinge verwirft und sich
eine russische Gräfin, die auch in Schlangenbad zur Kur war, trug eine solche Robe, es war himmlisch!" Doch wenden wir uns von diesen allgemeinen Abschweifungen zu unserer eigentlichen Erzählung.
Auf dem größten Platz der Stadt, dicht am alterthüm- lichen Rathhaus erhebt sich ein massives, zweistöckiges Gebäude. Es ist ein Eckhaus und gewährt mit seinem hellgrauen Anstrich und den grünen Fensterläden einen recht freundlichen Anblick, den ein großes Firma-Schild mit den in Gold darauf prangenden Lettern „Gottlieb Rührig, Waarenhandlung," noch erhöht. Das Behagliche und Einnehmende dieses Hauses wird noch verstärkt durch das leise Plätschern eines Brunnens, der sich auf dem freien Platz vor demselben befindet. Um den sprudelnden Wafserstraht der sich in ein weites, mit einem Steinrand eingefaßtes Becken ergießt, stehen plaudernd und lachend die Mägde des Städtchens, die neuesten Neuigkeiten besprechend. Doch verlassen wir die redseligen Wasserträzeriiinen und treten wir durch die Ladenthüre in das eben bezeichnete Haus. Wir befinden uns in einem mäßig erhellten Raum, der mit allen möglichen Schätzen angefüllt ist. Hier sehen wir die verschiedenartigsten Produkte friedlich nebeneinander ruhen! Colonial- und Materialwaaren, Schnitt- und Fettwaaren, Holz- und Metallsachen, Alles dieses wird hier einem bedürftigen Herzen auf das freundlichste und liebenswürdigste gereicht. Es ist eben um die Mittagszeit und der Laden, einer der beliebtesten der Stadt, im Augenblick wenig besucht. Der Besitzer desselben, Herr Gottlieb Rührig, sitzt in der einen Ecke des Ladens, das neueste Wochenblättchen in der Hand haltend und, wie es scheint, eifrig in seine Lektüre verttest. Er ist ein hoher, kräftiger Mann in den vierziger Jahren, mit regelmäßigen Zügen und sreundlichen Augen, welche seinem ganzen Aeußeren etwas Gewinnendes, man möchte sagen Vornehmes geben. Ihm
gegenüber auf der anderen Seite des Ladens steht fein erster Commis, Herr Moritz FlauS, der bevorzugte Günstling des alten Herrn, welcher einen Lehrling beim Abwiegen verschiedener Maaren überwacht. FlauS ist ein junger Mann von Ichlanker Figur, dunkele« .Haar und eben sol-
D°"bart. Senr Gesicht ist blaß uud zeigt für gewöhnlich einen gleichgültigen Ausdruck, der noch verstärk wird durch ein Paar wasserblaue Äugen, über welche die Lider tief herabhaiigen. Er hat eben dem ziemlich tölpelhaft aussehenden Lehrling eine tadelnde Bemerkung gemacht und hebt jetzt die schläfrigen Augenlider zu einer jungen Dame, Rosa, dem Labeilmädchen empor, die am Ende deS Ladens stehend, einer Frau bei der Auswahl eines Wollenstostes behülflich ist.
. »Fräulein Rosa sagt er mit angenehmer Stimme „im vierte» Gefach rechts liegt noch ein Paquct" Die eben Angeredete, eine ziemlich hübsche Blondine, eilt behende zu dem bezeichneten Fach, wo sich denn auch das Gesuchte findet und mit Anpreifung seiner Güte der Käuferin vorgelegt wird Mittlerweile tritt ein alte Dienftmaqd ein um zum Effen zu rufen welcher Aufforderung denn auch Alle mit, tote es scheint, großem Vergnügen folgen, inzwischen wollen wir uns die inneren Räume des Hauses em wenig ansehen. Neben dem Laden befindet sich das sogenannte Comptoir, mit dem unvermeidlichen Schreibputt, sowie emem Sekretär Hieran grenzt da« allgemein« Wohnzimmer mit daran sich anschließendem Schlafkabinct Die Men Zimmer des Hauses liegen im ersten Stock.' DaS Wohnzimmer ist ein groges, etwas düsteres Gemach; die Wände sind mit dunkelcr Tapete bedeckt, von der hier und da em ernstes Manner- oder Frauenbild, in Oet gemalt mit altmodischer Tracht herab blickt. Es kommt uns vor als sprachen diese Köpfe alle denselben Gedaickeu auS; sie scheinen Mit den ernsten Augen und dem stummen Mund