Marburg, Sonntag, 19. Mai 1878
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Er- Auf- nach
hessischer Geschichtskaleuter aus de« 16. Jahr- hunderl.
(Fottsetzung.)
Juli.
An diesem tage werden järlich tn der Umversitet zu Marpurg neue Rectores erwehlet, zum Gedenkzeichen, daß in anno 1526 der durchleuchtige hochgebomc Fürst und Herr, Herr Philips Landgraf zu Hessen daselbst die hohe Schul fürs erste fundirt und einge- sühtt hatte. Johannes FerrariuS, I ü. Doctor, ist drr erste Rector darin gewesen.
Im Monat Julio anno Christi 1593 hat man drei Tage nacheinander um den Mittag zu Maichurg in Hrssen gesehen, wie ein runder schwarzer Kreis Cirkel- um die Sonne gewesen, gleichsam als stünde die Sonne mitten in einer schwarzen Scheiben, und dis ist von vielen glaubwürdigen Leuten gesehen worden. 1573 starb die tugentsame und- fromme Frau Eva Baun, des Ehrwirdigen und Wolgelehrten Herrn Mag. Caspari Tholden, Superintmdentis und PfarrherrS plm Frankenberg, Ehelich Gemahl. Jres alterS 43 Jar.
1581 hat ein Erbar Raht zu Marpurg auf S. Ki- stani Capell (welches die erste und älteste Kirch zu Marpurg gewesen) da zu unser zeit allein der Rumpf noch gestanden, einen neuen Bau, zu einer gemeinen Dagen und Fruchthaus, setzen und heben lassen.
1591 hat der Durchleuchtig Fürst und Herr, Ludwig standgras zu Hessen, Graf zu Catzenellenbogen, Dietz, Ziegenhain und Nidda, mein gnädiger Landsfürst und Herr, mit Fräulein Marien, Johannis Grafen von Mansfeld Tochter, fein ander Beiläger zu Marpurg stattlich celrbriret und gehatteu.
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Politische Wvcheu-Ueberstcht.
DaS Ereigniß der Woche, der Mordversuch auf unseren her, ist an dem Gesundheitszustände des greisen Helden r jeden nachtheiligen Einfluß vorübergegangen, so daß nicht einmal das auf die nächste Stunde nach dem tat anberaumte Diner, zu welchem Einladungen er- en waren, absagen ließ und sich noch selbigen Abends Bevölkerung sowohl im Opern- wie im Schauspiel- zeigte, wo er an beiden Orten nochmals der Gegen- begeisterter Kundgebungen wurde. Mitschuldige im e des Strafrechts hat der Verbrecher, so viel sich bis- hat ermitteln lassen, nicht, — wohl aber ist sicher die ankheit der sozialdemokratischen verbitterten Unzufrie- it und Umwälzungswuth die Quelle der Unthat. Der t des Fürsten Bismarck ist aus Friedrichömh nach zurückgekehrt und es heißt, der Kanzler gedenke selbst in den letzten Tagen der ablaufenden Woche in n einzutreffen, wo auch Graf Schuwaloff auf der ise von Petersburg zu erwarten sein soll. In hohen en hält und befestigt sich die Hoffnung, daß der Bot- die Kunde vom Gelingen der Verftändignng zwischen d und England mitbringen werde; doch fehlt es in den gewöhnlich bestunterrichteten Kreisen noch immer an hartnäckigen Zweiflern.
er vor einigen Monaten von dem Grafen Andrassy nDelegattonen der österreich-ungarischen Mo- 'e eingebrachte Crrdit von 60 Millionen soll jetzt gemacht werden, und es sind von den beiderseitigen ministem in beiden Häusern des österreichischen und ischen Reichsraths gleichlautende Vorlagen eines Ge- über die Bedeckung dieses Credits gemacht worden.
Kreisen der ciSleithanischen Volksvertretung ist die ntung für die Vorlage keineswegs freundlich und der et-Ausschnß hat beschlossen, vor der Bewilligung von Regierung Aufklärung über die beabsichtigte Verwen- des Geldes zu verlangen. Die Aufklärungen gebeult Andrassy in den Delegationen zu geben, welche für nächste Woche einberufen werden sollen.
Am Montag wurde in Bern die internationale Con- für Aufstellung eines gemeinsamm Eisenbahn-Trans- ts unter dem Präsidium deS Bundesraths Heer t
Die französischen Minister feierten im Senat am i einen glänzenden Sieg: die Freycinet'sche Eisen- rlage wurde mit 189 gegen 76 Stimmen angenom- ■ Buffet und Caillaux hatten aus politischen Gründen finanziellen Hintergedanken Alles in Bewegung gesetzt, FttYcinet eine vollständige Niederlage zu bereiten. Nicht glänzend war der Erfolg Waddington'S an dem-
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selben Tage in der Deputirtenkammer bei Beantwortung der Jnterpellatton Droolle's. Regierung und Kammer zeigten sich einverstanden über die Bewahrung der strengsten Neutralität Frankreichs. Gambetta hatte denselben Grundsatz in seiner Anrede im neuen Budgetausschuß entwickelt und hinzugefügt, es sei alles, was zur Wehrhaftigkeit Frankreichs nöthig sei, zu bewilligen, aber nicht über das gebotene Maß hinauSzugehen.
Außer den beiden von Fawcett und Chamberlain im Unterhause gegen die englische Regierung gerichteten Mißtrauensanträgen ist auch von dem Hauptführer der Opposition, dem Marquis v. Hartington, eine Interpellation eingebracht, welche das Ministerium über die Verfassungsmäßigkeit der Ueberführung indischer Truppen nach Europa befragen wird. Man darf, da bei der letzteren die ganze liberale Partei geschlossen auftreten wird, einigermaßen auf den Verlauf des Redestreites gespannt sein, wenn es auch keinem Zweifel unterliegt, daß das Cabinet für seine Recht- ferttgung, daß eS wegen der dringlichen Lage und bei der Nothwendigkeit der Geheimhaltung zu dieser Maßregel gegriffen habe, ohne das Parlament zu befragen, die Billigung der Mehrheit der Volksvertretung finden wird. Im Oberhause hat Lord Selborne denselben Schritt angemeldet, den Hartington im Unterhause beabsichtigt.
Trotz aller friedlichen Anzeichen werden die kriegerischen Vorbereitungen nicht unterbrochen. In Rumänien setzen die Russen ihre Vorrückung gegen die in der kleinen Walachei concentrirte rumänische Armee von Osten und Süden aus fort; die von Kronstadt durch den Törzburgpaß nach Piteschti führende Straße wurde von den Russen verlegt und gleichzeitig werden in Widdin russische Truppen concentrirt. Ein russisches Schiff hat von Rustschuk nach Widdin eine Ladung Torpedos gebracht und dieselbe im Südfort der letztgenannten Festung abgelagert, so daß eine neue Sperrung der Donau als nicht außerhalb der Möglichkeit liegend betrachtet werden kann. Auch Griechenland rüstet mit allem Ernste zum Kriege. Täglich treffen dort Armstrong-Kanonen, Torpedos, Torpedobote, Chassepots und allerlei Rüstnugsmaterial ein. In der athener Pulverfabrik werden täglich 150,000 Gewehrkugeln und 2000 Pfund Pulver erzeugt; doch fehlt es an Geld. Man hofft ans ein in England zu contrahirendes Anlehen oder auf eine englische Subvention. Eins wie das Andere wäre ein verläßlicher Fingerzeig für Griechenlands Politik. Auf Kreta währt der Aufstand fort. 12,000 Mann, durchgehends mit Cassepots bewaffnet, liefern dort den Türken tägliche und fast immer siegreiche Gefechte. Die diplomatischen und militärischen Verhandlungen zwischen Rußland und der Türkei haben auch unter General Tot- leben noch keinen Erfolg gehabt; je klarer der Wille Eng-
7. 1576 ist Jeremias Sohn, Hessischer Keller zu Roßbach, Doctoris Georgii -Lohns Vater, seliglich in Gott verschieden. Ligt zu Roßbach begraben.
10. 1561 ist Dionysius Melander, Pfarrherr zu Caffel, gestorben. Seines alters 75, seines Pfanamts 53 Jar.
11. 1509 ist Wilhelmus, Landgraf zu Hessen, Landgraf Philipsen Vater gestorben.
16. 1548 hat Mag. Joachimus Mattheus Pfarrhen zu Grunberg mit Junfrau Anna, Jacob Orts des Vogts zu Caldern Tochter, Hochzeit gehalten zu AlSfelt, seines alterS im 24. jar.
— 1554 hat Mag. Justus Vietor, Pfarrhen zu AlSfelt in Hessen, mit Junfrau Marien Hülscherin daselbst Hochzeit gehalten.
19. 1569 ist Elisabeth, DoctoriS Chunradi Matthaei VIII. Tochter, Mag. Christian! Rumpi Diaconi der Kirchen zu Altzen Hausfrau, zu Marpurg um 10 uhr vor Mittag geboren.
22. 1552 ist Mag. Caspar Tholde Pfanhen zum Fran- kenbng gen Omenaburg Gottes Wort oaselbst zu predigen berufen worden. Damals fieng das Sterben der Pestilenz zum Frankenberg auch an zu grassiren.
23. 1588 hat Mag. Joannes Poley, Diaconus und Prediger in ber Kirchen zu Marpurg, mit deS PfanherrS von Erda Tochter Hochzeit gehalten.
26. 1566 ist Anna, Doctor Johan OldendorphS Hausfrau, zu Marpurg gestorben.
— 1579 ist Herman Bödenbender, ein RahtSperfou zum Frankenberg, in Christo seliglich gestorben und folgenden tags ehrlich zur Erden daselbst bestattet worden.
27. 1555 ist Johannes Megabachus von Spangrnberg, ein Doctor der Arznei zu Cassel gestorben. (Nig.)
28. 1575 ist Daniel Wernerus, RahtSperfou und deS
lands zu Tage tritt, desto weniger Willfährigkeit zeigt die Türkei gegenüber den russischen Forderungen.
Tagesbericht.
In Reichstagskreisen circuliren Gerüchte, wonach das preußische Staatsministerium Anträge beim BundeSrath wegen Maßregeln, betreffend die Presse und das VereinS- und Versammlungsrecht, beschlossen hätte.
Zu der vorstehend telegraphisch gemeldeten Nachricht wird uns noch ferner von gestern mitgetheilt:
In Reichstagskreisen verlautet heute mit Bestimmtheit, daß daS preußische Staatsministerium dem Bundesrath die Befugniß beilegt, während der Abwesenheit deS Reichstages in dringenden Fällen Maßregeln zur Sicherheit des Reichs gegenüber der Presse und dem Vereinswesen im Verordnungswege zu erlassen, vorbehaltlich der nachträglichen Genehmigung deS Reichstages. In Folge dieser Beschlüsse des preußischen Staatsministeriums hat, wie versichert wird, Cultusminister Dr. Falk heut Morgen seine Entlassung erbeten. (Nach einer anderen Mittheilung soll Cultusminister Falk schon in voriger Woche sein Ent- lassungSgesuch eingereicht haben, so daß die Ursache hiezu nicht in den neuesten Beschlüssen des Staatsministeriums läge, vielmehr sollen die Gründe hierzu in den gegenwärtigen Verhältnissen der evangelischen Kirche liegen. Anm. d. Red.) Vom Finanzminister Hobrecht wird dasselbe behauptet, doch tritt diese Nachricht nicht mit gleicher Bestimmtheit auf. Man glaubt in Reichstagökreisen, daß eine etwaige Ablehnung der OctroirungS-Vorlage die Auflösung des Reichstages zur Folge haben werde.
Wie wir weiter über diese Angelegenheit von sonst gut unterrichteter Seite erfahren, würde der Antrag deü preußischen StaatSministeriumö in derselben Richtung sich bewegen, welche seiner Zeit der vom Reichtag abgelehnte §. 130 der Bundesrathsvorlage zu der Strafgesetz-Novelle vorzeichnete. Ferner §. 130 bestimmte bekanntlich folgendes: „Wer in einer, den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen ber Bevölkerung gegeneinander öffentlich anfreizt ober wer in gleicher Weise bie Institute ber Ehe, ber Familie öffentlich durch Rede ober Schrift an- grcift, wirb mit Gefängniß bestraft." Man wird sich entsinnen, daß jener §. sehr energisch von beit Vertretern des Bundesrathes, namentlich vom Fürsten Bismarck und in eingehender Weise von dem damaligen preußischen Minister des Innern Grafen zu Eulenburg vertheidigt wurde und daß nur mit schwerem Widerstreben und nur im Interesse des Zustandekommens dieses Gesetzes ber Bundes- rath sich bahin entschloß: biesen Paragraphen fallen zu lassen. — WaS im Uebrigen die Stellung des Reichstags
Fürstlichen Hessischen Hofgerichts Procurator unb Abvocat, ein sehr geschwinder und wolberedter Manu, zu Marpurg gestorben.
31. 1553 ist Wilhelm von Schachten, ein theurer KriegS- held, in offenem Feld verwundet und gestorben. Ligt zu Cassel in S. Martins Kirchen begraben, cum hac inscriptione:
Von den Alten ist es Herkommen, Wer seinem Vaterland zu frommen, Gestritten und gerahten hat, Der bewies damit ein redlich that. Diß that oft Ritterlich betrachten Der edle Held, Wilhelm von Schachten, Der Meinung in dem offnen Feld, Zuletzt mit manchem thenren Held Auch umkam, schläft an diesem ort, Bis ihn erwecket Gottes Wort.
Burcardus Waldis fecit.
August.
3. 1574 ist David Saur, Mag. Abrahami SaurS dritter Sohn, zu Marpurg um 1 uhr des Mittags geboren.
4. 1579 ist das erste Papier in der neu angerichteten Papiermüle in der Oschreuffe zum Frankenberg gemacht worden.
5. 1588 starb Johan Klotz, beider Rechten Doctor unb Fürstlicher Hessischer Kanzler zu Marpurg in seinem Vaterland zu Wetzflar und ist am zweiten Taa hernach daselbst ehrlich begraben.
8. 1567 ist Mag. Corvinus CrauShan, Pfarrherr zum Roseitthal, ex Rosarum valle in vallem Josaphat migrirt und seliglich in Christo entschlafen.
9. 1554 ist Theobaldus Billicanus von Nöttingen, beider Rechten Doctor unb Professor ber Rhetorik zu Mar-