Marburg, Mittwoch, 15. Mai 1878
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Erscheint täglich außer au den Werklagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrirteS S-untaa-dlntt" durch die Ervedition iK-ck's-be Buchdruckerei) begogen 2, M«rk, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Start 50 Pf«, (erd. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaUene Zelle 10 «fe $ $ Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.
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juig, Köln ic; Rudolf rfe in Berlin, Frankfurt a. M. er.
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Tagesbericht.
Der Handelsminister hat an sämmtliche Eisenbahn-Di- Lionen folgenden Erlaß gerichtet: „In Verfolg des Muffes deS Bundesraths vom 6. April 1877, in wel- n die Voraussetzung ausgesprochen wurde, daß alle Ta-
t der vorgängigen Genehmigung der Aufsichtsbehörde chehaltm werden, welche für ausländische Produkte und " üm ^ate einen an sich oder verhältnißmäßig günstigeren «chlsatz gewähren, als für gleichartige inländische Erzeug- eutsche st, sind durch Erlaß vom 15. Mai v. I. die König- Gesell- st» Eisenbahn-Directivnen und durch Erlaß vom 21. , um; iniar d. I. die Privat-Eisenbahn-Verwaltungen veran- mngen It worden: für alle Tarife vor ihrer Einführung die Gefl. Ädtigt Genehmigung einzuholen, nach welchem im Z. 15 »rchgangSverkehr günstigere Frachtsätze oder Frachtbedin- fl37K »gen bewilligt werden sollen, als für die gleichartigen —- llikel auf den betreffenden Bahnstrecken im Verkehr von igt in « nach der Grenzstation festgesetzt worden sind, abzüglich Heu- «ihrem Höchstbetrage noch näher bezeichneten Expedi- [1339 »Sgebühr. Ich füge hinzu, daß für derartige Tarife
(13791 Unter dem Eindruck des Hödel'schen MentatS treten
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t politischen Ereignisse vorläufig in den Hintergrund, rrits lassen sich in der Presse Stimmen vernehmen, he irekt zu Präventivmaßregeln gegen die Social- «ckratrn, zu Beschränkungen der Gesetzgebung über das llinswesen und die Presse auffordeni, Maßregeln, die
diesseitige Genehmigung nur dann in Aussicht zu nehmen e wird, wenn entweder eine Benachtheiligung inländi- tr wirthschaftlicher Interessen überhaupt nicht zu besorgen
[1319 keswrgs die sozialdemokratisch? Pattei allein, sondern --politischen Parteien gleichmäßig treffen würden. Uebrigens die sozialistische Preffe der Neichshauptstadt sich bereits Kaffe! 6 Kräften bemüht, ihre Partei von der Verantwortlich- -- ju entlasten. So theilt ein Extrablatt der „Freien i vir" mit, daß der Attentäter Hödel schon vor 14 Tagen M •' 1 einem sozialistischen Verein, dem Berliner Ostdistrikt ^Messen worden ist. Auch das in Hamburg erschei- i k svzialdemokrattsche Blatt „Die Fackel" enthält in refstnL 1 diummer vom 12. Mai, daß der rc. Hödel aus einem c " demokratischen Comit« früher dort ausgeschlossen wor-
oder doch überwiegende Interessen anderer Zweige der fehülr indischen Volkswirthschasi für die beantragte Ermäßigung schästi- Danse sprechen. In letzterer Beziehung werden inSbe- drn die Interessen des deutschen SeehandelS oder der «ch. indischen Konsumtion, der eigenen Ausfuhr, oder, na- ---- Llich, wenn es sich um die Konkurrenz gegen fremd- stische Vettehrsstraßen handett, auch die eigenen Interessen itiea- : deuffchen Eisenbahnen in Frage kommen können." er Eff ----------
den ist. In der Berliner Studentenschaft circulitt bereits eine Adresse an den Kaiser, welche den Gefühlen der Ergebenheit und der Freude über das Mißlingen der enffetz- lichen That Seitens der Berliner Studirenden zum Ausdruck bringt und durch eine Deputation überreicht werden soll. Außerdem ist die Rede von einem Fackelzuge, der auf Anregung der Berliner Burschenschaften dem Kaiser als der Ausdruck für seine Errettung gebracht werden soll. In sämmtlichen Kirchen Berlins war übrigens der Andrang zum Gottesdienst ein so ungeheurer, daß fie für die Besucher nicht Raum genug boten. Im Dom war die gesammte Königliche Familie, soweit sie in Berlin anwesend, zum Gottesdienst versammelt. Vor demselben hatte sich eine ungeheure Menschenmenge angesammelt, welche den Kaiser bei seiner An- und Abfahtt mit jubelnden Zurufen begrüßte. Ebenso wurde der Kaiser bei seiner am Nachmittage stattgehabten Abfahrt nach Potsdam auf dem Wege nach dem Bahnhofe von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge fast vollständig umringt, so daß es dem Leibkutscher nur möglich war, im Schritt zu fahren. Auch die Einzeichnungen im Palais zu denen übrigens ohne Unterschied jeder anständig Gekleidete zugelassen wird, bauern ununterbrochen fort. Wie vermischt die Gratulanten sind, geht daraus hervor, daß neben dem Gesandtschastsattache Handwerker und Schüler ihre Namen in die Listen einzeichnen.
Der Vorstand der christlich-socialen Arbeiterpartei in Berlin Hofprediger Stöcker, veröffentlicht folgende Ettlä- rung: „Der Frevler, welcher den Mordversuch auf unseren geliebten Kaiser verübte, hat neben einigen Mitgliedskarten sozialdemokratischer Vereine, auch eine Mitgliedskarte der christlich-sozialen Arbeiterpartei. In der That hat sich derselbe seit dem 29. April dieser Partei angeschlossen, die Versammlungen derselben besucht und angeblich aus freiem Antriebe, ohne irgend eine Bezahlung unsere Flugblätter verbreitet, darunter auch Nr. 6 „Ueber die Liebe zu König und Vaterland." Da er in dem Verhör sich für einen radikalen Sozialisten erklätte, und in Leipzig — was uns bekannt war — als sozialdemokratischer Agitator wirkte, so müssen wir vermuthen, daß er entweder aus Unkennt- niß oder in böswilliger Absicht sich der christlich-sozialen Arbeiterpattei genähert hat. Kein verständiger Beuttheiler wird die Tendenzen dieser Pattei mit der vernichten That irgendwie in Verbindung bringen, da der Geist stiedlicher Gemeinschaft und innigster Liebe zum König alle unsere Versammlungen beseelt hat. Der erste Satz unseres Programms lautet: „Wir stehen auf dem Boden des christtichen Glaubens und der Liebe zu König und Vaterland."
> i 1 hessischer Geschichtskalender aus dem 16. Jahrhundert.
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«i $ri funden und mit sich genommen hat. Als er nun | ^der zur Stuben hinein getreten, schlegt er erstlich - k» Kind in der Wiegen alsbald mit der Axt an das Mväuptlein zu tob, Darnach hat er die zwei ander
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^?mach vor die Stubenthür, allda er ungefehr ein
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- »erthal verschieden.
1543 ist Johannes Ficinus von Lichtenau, Hessischer M ^"zler, zu Caffel gestorben.
.1'1592 des Morgens um sechs Uhr hat sich zu Bieden- 9M tapf im Land zu Hessen, zwo Meil wegs über Mar- hurg gelegen, diese nachfolgende grausame und schreckliche Mordthat zugetragen. Es ist zu Wiedencapf seßhaft gewesen einer, Georg Hesse genannt, seines 16 Handwetts ein Wöllenweber. Derselbig hat mit seinem 3 ^eibc vier Söhne in der Ehe erzeugt, under denen *r jüngste eines halben Jars alt gewesen. Dieser ist kn Gott um diese Zeit mit Schwachheit angegriffen, ülsv daß er im Haupt etwas verwirret worden. Als ** nun ein zeitlang zu Bett gelegen und die Fran ®kfen Morgen ausgehet, über dem Brunnen Wasser, j hrch ein Bretzel ins Beckers Haus zu holen, und dazu- . die Kinder, daS kleineste zwar in der Wiegen,
ke ander aber um ihn her in der Stuben auf ihren fetten gelegen, wird er gewahr, daß er mit den Kin- krn allein zu HauS ist. Stehet derhalben auf, nimt tin Meffer und machet baffelbige scharf uub gehet
(Fottsetzung.)
März.
1588 ist Lucia, Joannis Lersneri U. J. D. unb Pro- ‘ stfforis weiland zu Marpurg nachgelassene Wittwe, Segen die armen ein gutthätig Weib, aus diesem Jam-
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jüngste Knäblein, etroar von acht ober neun Jahren, mit ber Axt in bie Häupter mörderlicher weise gehauen, also daß ihnen das Hirn aus den Häuptern gefahren, und das eine zwar bald gestorben, das ander aber in großer Qual bis an den sechsten Tag ge- tegen, ehe es ersterben hat können. Es sind aber auch zween Knaben, deren einer sein eltister Sohn, der ander aber sein Anverwandter gewesen, ihm entlaufen, denen hat er grimmiglichen die Axt nachgeworfen. Bei diesen großen Mordthaten hat ers nicht bleiben lassen, sondern ihm selbst den Leib zwerch über mit dem Messer, so er wie zuvor gemeldet geschärfet, eines Manne» Hand lang aufgeschnitten, daß ihme das Gedärm ausgelaufen. Als aber die Nachbauren das innen worden und solch Blutbad gesehen, auch nach einem Balbierer schicken wollen, der Meinung, ihm das Gedärm widerum einzubringen, hat ers selbst mit seinen Händen (erschrecklich anzusehen) zerrissen und in die Stuben geworfen. Da er aber von Alexandra Wagenern, einem vornehmen Bürgern zu Biedencaps, auch etlichen anbern Nachbauren gefragt worden, warum er solche Uebelthat begangen, Hat er allzeit geantwortet, Er wüste e« nicht. Doch hat er stets gesagt: Er habe übel daran gtthau. Ist also nach Mittag deS- selbigen Tage» gestorben und ist ihm das eine Kind wie droben gemeldet) am 6. Tage hernach gefotget Dises und der gleichen Exempel stellet uns Gott bis- weilen vor Augen, damit wir sehen mögen, wie der Teufel als ein brüllender Löwe stets suche, welchen er verschlingen möge, und daß wir desto emsiger werden, zu bitten, Herr führ uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von allem Übel.
3. 1552 starb Eula Gendin, Valttn BrenlS Hessischen Canzlers Ehegemahl.
In ber Orientfrage ist bie Nachricht, von hervorragender Wichttgkeit daß die Psotte sich in Folge ernster Drohungen des Generals Todleben entschlossen hat, Schumla, Varna und Saturn sofort zu räumen. Als Aequivalent hierfür hat Todleben den Rückzug der russischen Truppen versprochen. Eine weitere Folge hiervon müßte die Zurückziehung der englischen Flotte sein. Vorerst jedoch wird man abznwatten haben, ob die Psotte ihren Entschluß nicht umstoßen, sondern auch wirklich zur Ausführung bringen wird. Ueber den Stand der diplomatischen Verhandlungen liegen heute authentische und neue Nachrichten nicht vor.
TeutscheS Reich.
•• Berlin, 13. Mai. Das Attentat gegen den Kaiser und die glückliche Vereitelung desselben beherrschen seit Sonnabend alle politischen Gevanken. Abgesehen von den Gefühlen der Verehrung für den Monarchen, welche in unmittelbarster und herzlichster Weise zum Ausdruck gelangten, tritt überall die Ueberzeugung hervor, daß der Vorgang rin neues mahnendes und warnendes Symptom der schweren socialen Verwirrung darbietet, welche durch eine beispiellos thätige sich täglich ausbreitende Agitation genährt wird. Der Schuldige selbst hat kein Hehl daraus gemacht, und alle an den Tag gebrachten Thaffachen bestätigen, daß er feine Anschauungen und Entschließungen in den Kreisen der socialdemokrattschen und nihilistischen Parteien gewonnen hat. Seine Thal wird unter diesen Umständen eine unausweichliche Anregung zu erneuten ernsten Erwägungen über bie betreffenben Zustände unb bie Mittel gegen dieselben stm. Der Kaiser selbst war zwar unmittelbar nach dem Attentat sehr ruhig unb gelassen, aber es ist doch unverkennbar, baß dasselbe einen tiefen unb besonders schmerzlichen Eindruck auf ihn gemacht hat. Er gab diesem Eindruck besonders gestern beim Empfange de» Staatsministeriums Ausdruck, indem er auf die traurigen Zustände sittlicher Verwahrlosung hinwieö, aus denen daS Attentat hervorgegangen und gegen welche anzukämpsen die Pflicht aller am öffentlichen Leben Betheiligten sei. Der heutige Ministerrath, welcher sich mit einigen Angelegenheiten der Reichsgesetzgebung, namentlich mit der Stellungnahme zu den Reichstags-Beschlüssen über wichtige Vorlagen beschäftigen sollte, dürfte auch den Erwägungen, welche durch das Attentat angeregt sind, näher getreten fein. Dem Fürsten Bismarck wurde am Sonnabend übet das Attentat und demnächst über die Untersuchung genauer Bericht erstattet, derselbe hat dem lebhaften Antheil, welchen er an dem Er- eigniß nimmt, alsbald Ausdruck gegeben. Ueber die Persönlichkeit des Hödel wird uns noch mitgetheilt, daß der-
1583 ist F. Anna, Landgraf Georgii zu Hessen und F. Magdalenen Gräfin von der Lippen Tochter, in diese Welt geboren. (Reusn.)
5. 1542 ist ReinhardnS Hamerns RahtSverwandter zu Marpurg geboren.
— 1566 ist Philippus CheliuS von Nidda, jetzt Hessischer Karnrnerschreiber zu Marpurg, Magister zu Wittenberg prornovitt worden und hat unter 39 CandidatoS den 19. locum gehabt.
— 1566 ist JosephuS Hordelman, Stattschreiber zu Cassel, Magister zu Wittenberg prornovitt worden und hat den 20. locum gehabt.
— 1579 ist Jacobus Lersenerus, beider Rechten Dottor und Fürstlichen Hessischen Hofgerichts Raht und der hohen Schule zu Marpurg VicecancellariuS gestorben.
— 1585 ist Fridericns, Landgraf Georgen zu Hessen Sohn, in diese Welt geboten. (Reusn.)
6. 1574 ist Mag. Philippus Dorsthenius, ein Arzt, zu Marpurg, gestorben.
8. 1587 ist F. Magdalena, Herrn Bernhards Grasen von der Lippen Tochter und Herrn Georgii, Landgrafen zu Hessen Ehegemahl, zu Darmstatt Christlich und Fürstlich zu der Erden bestattet worden.
9. 1576 starb zum Frankenberg der Ehrnveste Herr Henrich Lersener, Hessischer Canzler, liget daselbst in der Pfarrkirchen begraben.
(Fortsetzung folgt)
D«S Pariser WeltausstellungsoSebände. — Der Trocadero-Palast.
Ein herrlicher Anblick, wenn man unter der Halle des Trocadero-Palastes steht und auf das bunte Panorama, auf das Menschengewühl zu feinen Füßen blickt. Wie krystallene Pyramiden steigen die Fontainen ans den ge-