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Nr. 111.

Alarkurg, Sonntag. 12. Mai 1878

XIII Jahrgang.

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Lnjeigen nimmt entgegen: dt« Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich L Co. in

Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition ».Blatte«, sowie o Annoncen-Bureanx von L. Daube 4 Co in

Tagesbericht.

lieber die wirthschastlichen Erfahrungen Frankreichs und Deutschlands geht derSchles. Ztg." eine Zuschrift aus

lischen Aussteller ausbrachte, wurde als die erste Blüthe dieses neuen französichen Lenzes mit Jubel begrüßt.Mein ganzes Herz ist mit Frankreich!" rief der englische Thron­folger aus, und ganz Frankreich ist seitdem ein Echo seiner Herzensergießung; er ist der populärste Prinz jetzt im republikanischen Frankreich.

Aus England lauten die Nachrichten hoffnungsvoller freilich nur deßhalb, weil man dort ein Nachgeben Ruß- lands voraussehen will. England selbst, darüber lassen alle Kundgebungen der Minister keinen Zweifel zu, wird von dem einmal aufgestellten Grundsatz nicht zurückweichen. Obwohl verschiedene Friedensmeetings Statt gefunden haben, laßt sich doch nicht verkennen, daß die überwiegende Mehr­heit des Volkes fest zur Regierung steht. Die KriegSrüstun- gen werden fortgesetzt und das gesammte zur Einschiffung bestimmte indische Expeditionscorps schwimmt jetzt auf dem Meere. 1

.3« Rußland scheint die friedlichere Strömung an Starke zu gewinnen. Daß der Botschafter Graf Schuwa­low nach Petersburg berufen ist, wird hiermit in Verbin­dung gebracht. Ob freilich damit eine begründete Hoff­nung auf Erhaltung des Friedens gefaßt werden kann, musz dahingestellt bleiben. Rußland rüstet zu Lande und zu Wasser, und besonders seine geheimnißvollen Vorberei­tungen zur See, wie sie z. B. in der Expedition der Cim- bna zu Tage treten, müssen Englands Argwohn erhöhen. Die Verhandlungen wegen Herstellung einer neutralen Zone um Konstantinopel sind um kein Haar breit weiter gerütft, und Russen und Türken fahren fort, ihre beider­seitigen Stellungen zu behaupten und zu befestigen. Auch will es den Russen nicht gelingen, die Räumung von Varna und Batum von den Türken zu erlangen, welche sich darauf berufen, daß ja auch die Russen die Bedin­gungen des Vertrages von San Stefano nicht zur gewissen­haften Ausführung bringen. Nur Schumla scheinen die Türken aufgeben zu wollen. Inzwischen nimmt der Auf- stand m Rumelien größere Ausdehnung an und wird den Russen immer gefährlicher. Trotzdem die diplomatischen Beziehungen Rußlands mit der Türkei durch Ernennung von Botschafter in der Person von Fürst Lobanow-Rostowsky und Schakir Pascha wieder ausgenommen sind, wird die Haltung der Türken immer selbstbewußter, ja, drohender. Auch Rumänien verharrt nach wie vor ablehnend gegen alle Annexionsgelüste, wenn es auch seine lauten unb !>ef= tigen Proteste gegen die angedrohte Vergewaltigung neuer* dingö nicht wiederholt hat.

Politische Wocheu-Ueberficht.

Das neueste acute Leiden des Fürsten Bismarck, die Gürtelrose, soll zwar gehoben sein, dagegen haben sich die muralgischen Schmerzen in erhöhtem Grade eingestellt. Die Hoffnung, den Fürsten noch im Reichstage an den Berhandlungen über Steuerfragen sich beteiligen zu sehen, wird jetzt aufgegeben. Die letzte Woche hat der Reichstag täglich lange Sitzungen der Spezialberathung über die beiden Gewerbevorlagen gewidmet Am Freitag voriger Woche hat er die Vorlage wegen der Errichtung von Ge- werbegerichten, wohl in genügendem Einvernehmen mit dem Bundesrath, erledigt. Seit Sonnabend beschäftigte er sich täglich mit der Novelle zur Gewerbeordnung, die er gestern in zweiter Lesung erledigte. Den nächsten Ge­genstand der Verhandlungen des Reichstags wird nun die bMdesräthliche Vorlage wegen der Tabakfteuer-Enqete bil­den. Finanzminister Hobrecht hat einer an ihn abgesandten Deputatton der deutschen Tabak-Interessenten erklärt, daß er bi» dahin weder für die Form des Monopols noch für eine Fabrikatsteuer, sondem nur für eine erhebliche Erhö­hung der Tabakbesteuerung überhaupt sich entschieden habe. Dm Schluß des Reichstags erwartet man zwischen dem 20. und 28. d. M.

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[13 : 1878. [ tfecret ' im $ 5 w'

Februar.

1581 ist der Ehrnvest und hochgelahrte Herr Doctor ^ohan i Heintzenberger, Hessischer Raht und Canzler zu Marpurg, seliglich in Gott verschieden, seines alters 52 jar. An seine statt ist Canzler worden Johannes Ckvtziuö Witzflariensis II. I. D.

1580 ist bald im anfang dieses Monats Februarii ein tthr geschwinde, unerhörte und unversehenliche Theurung, der sich niemand versehen hatte, eingefallen. Dazumal hat ein ehrbar Raht der Statt Frankenberg in Hessen tt FruchthauS aufgethan und vor ihr arme Bürger ^d umligende Dörfer die Frucht backen lassen, damit sie dann manchem, der sonst am Hunger Helt cer= <*rben müssen, gar wol gethau unb sonderlich lob erlangt haben.

r 1588 des Morgens um 4 uhr erhub sich ein Feur ; Zum Kirchhain in Hessen, ein Meil wegS von Mar- k bürg gelegen, und währet 3 Stund lang, daß es also £ tu geringen Schaden nicht abgangrn.

1572 ist Weigand Happel, damahls der älteste Schöpf ___ Marpurg in Hessen gestorben.

1591 ist Georg von Hörde, Land Commenthur der Ballei Hessen und Commenthur Deutschen Ordens zu Marpurg, mit Tod daselbst abgangen, und hernach am dntten Tag in S. Elisabethen Kirchen daselbst ehrlich Und Christlich zur Erden bestattet worden. An seine siE ist Land Commenthur erwehlet Wilhelm von Einhausen, zuvor Teutschen Ordens Commenthur zu ixlersheim.

1556 ist um diese zeit die Neustatt Frankenberg durch

bewegnuß des Fürsten bei dir alte Statt kommen unb ein e>tatt, ein Raht, ein Regiment daraus gemacht, welche neu Statt vormals einen eigen Raht, Gericht und Recht, darzn zwei Jnsiegel gehabt, welche damals sind zerschlagen worden.

1571 hat sichs begeben, daß zu nacht ein Blick gesehen, als ob Wetterleuchte. Bald darnach, bei einem Tag ober zween, ba bie Leut ihre Seugeschafe auf den Samen ins Feld treiben wöllen, haben sie ein solche Verwüstung der Acker gesehen, daß etliche ihre Acker nicht getennet unb bie Anwende nicht finden können. Dann an etlichen orten die Acker eines langen Spießes üef sind eingesunken und etliche Acker und Wiesen dreißig, fünf und dreißig, Item 60 Schuch lang an einander stets fortgerückt sind. Dieses Erdbidem aber ift geschehen zu Homburg auf der Ohm im Land zu Hesien, bet einem großen langen Berg zwischen Horn­burg und Schweinsberg, der Hohe Berg genannt, wie can auch um eine Wiesen, im Homburger Feld ge­legen, bie Wolbach genannt, unb ist ber umgrief dieses Erbbrnchs über 40 Morgen Land: Aber ber Acker, welche ganz unb gar verderbt, stnb bei 10 Morgen gewesen. Es ist auch zu wissen, baß biese Brüche mcht alle auf einmahl geschehen stnb, sonber zu brci ober vier malen, boch alle im Februario. Unb hat ber Pfarrherr des orts diese Histori fleißig und weit­läufiger zum selbigen mahl beschrieben.

1518 ist Hermanns Wildener von Marpurg, welcher hernacher Pfarrherr zu Michelbach bei Marpurg ge­wesen, Magister zu Wittenberg promovirt worden, und hat unter 17 Personen den sechsten locum gehabt.

1566 hat Wilhelm Landgraf zu Hesfen, Graf zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain unb Nidda, Herr jU Pleß unb Epstein, Landgraf Philipsen Sohn mit

Pans zu, in welcher an dem Beispiele Frankreichs bie günstigeren Ergebnisse bes Schutzzolls nachgewiesen werben sollen Es heißt m bem Artikel u. 91.:Frankreich führt Ehrlich nur für 400 Millionen Mark verarbeitete Maaren t/^,Aer let! zH" ^hren sehr herabgesetzten Zölle. Die heimische Jnbustne ist eben in Folge des lange ge­nossenen Schutzzolles so fortgeschritten, so concurrenzfähia geworben, baß sie ihren Boben siegreich zu behaupten ver- ma9- Die Ausfuhr an verarbeiteten Maaren beträgt da- Millionen, wiederum in Folge ber unter bem Zvllschutz erreichten hohen Stufe ber französischen Gewerb- thatigkeit. Dank biefer gewerblichen Ueberlegenheit wirb Ausfall gebeckt, welcher hinsichtlich ber Nähr- unb Rohstoffe besteht. Frankreich bebarf bereu jährlich für 2400 Msllwnen vom Auslande, vermag aber nur für 1200 Millionen Nähr- unb Rohstoffe zu verkaufen. Der viel­gepriesene natürliche Reichthum Frankreichs ist also wenig als eine gedankenlose Redensart: ohne die Gewerb- thattgkelt wurde es damit sehr bedenklich aussehen." Äum Schluß wird darauf hingewiesen, baß in Frankreich in golge beS Schutzzolles bie entgegengesetzte Bewegung der Bevölkerung herrsche, als in Deutschland.Vor fünf Fahren ^bten m Frankreich 800,000 im Auslande Geborene, jetzt ist ihre Zahl sicher auf eine Million gestiegen, ba seither eine viel stärkere Vermehrung ber Bevölkerung durch Fuzua ftattgefunben hat, als früher. Dies entspricht einer Merth- elnfuhr von nunbeftenS vier Milliaiden. Frankreich genießt ben Nutzen ber schaffenden Kräfte dieser Million Ausländer ohne die zu bereit Erziehung erforderlichen vier Milliarden ausgegeben zu haben. Seit fünfzig Jahren hat Frankreich olliahrlich ein ober einige Hundert Millionen durch die Mehr-Einwanbernng gewonnen, im Ganzen minbestenö zehn Milliarden, wahrend Deutschland in demselben Zeitraum 2o Milliarden durch die Mehr-Auswanderung verloren hat. Das durchschnittliche Einkommen eines Franzosen ist ba* KUrjfr_tU1 .c.,toa 1^ Mark erhöht worben, währenb bas durchschnittliche Einkommen eines Deutschen etwa um 20 Mark geringer geworden ist. Das durchschnittliche Ein­kommen eines Franzosen wirb auf 400, das eines Dent- scheu auf 320 Mark veranschlagt. Der durch die AuS- unb Einwanderung bewirkte Unterschied beträgt demnach für den Deutschen eine Einbuße von 34 Mf, für den Franzosen einen ebenso hohen Gewinn. Schon allein die Abnahme ber Auswanberung aus Deutschland müßte eine bewirten"8 ^kommens-Verhältnisse beider Länder

Schuwaloff ist Freitag Nachmittag 4 , Uhr von Fried* richsruh in Berlin eingetroffen und int russischen Botschafts- Hotel abgesttegen Derselbe wird dem Staats* Sekretär v

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Sabina, Christophori Herzogen von Wirtenberg 12 A Ist^^arpurg in Hessen Beilager gehalten. 12. Io4ö ift Mag. Abraham Laut, autor huius Diarii, zum Frankenberg in Hessen geboren.

1588 hielt Johan Friedrich Brumm, Patricius Franco- furtensis mit Jungfrau Elisabethen, Hermanni Lrrs- nen, I. U. D., Profeffvris und Bicecancellarii der Universttet zu Marpurg, Tochter, zu Marpurg in Hessen Hochzeit. ö

14. 1581 ist der Ehrnveste unb hochgelahrte Doctor Fo- Han Klotz an des abgestorbenen Doctors Johan Heinden* bergers statt Hessischer Kanzler zu Marpurg elegirt worden. °

16. 1549 ist Charitas, D. Johannis Fischers, Braun­schweigischen Kanzlers [Mag. Friderici Mylii" heißt Jr 111 ^^usgabe von 1583] Hausfrau, Doctons

Matthaei Tochter, in der Nacht zwischen 10 und 11 uhr geboren.

~ ist Victorinus Schönfeit, jetzt Arzenei Doctor unb Profestor zu Marpurg, Magister zu Wittenberg promovirt worben unb hat unter 47 Candioatos ben 2. locum gehabt.

18. 1515 ist Valerius CorduS, Euncii beS Poeten Sohn von Simineshaufen, ein fleißiger Ausleger Dioscori- dls unb Ersorscher ber neuen Äreuter geboren, ist zu Rom geftorben. ' 8

1564 sinb des Nachts um drei uhr nach Mitternacht Feuerstralen am Himmel zu Frankenberg gesehen worden. Io67 ist Abraham eaur, author huius Diarii zu ^[ttenbeig Magister promovirt worden.

22. loOl ist Mag. Petrus Nigidius, Professor bei ber Uni* bout Marpurg zu Allendors auf ber Salz ge*

(3ortfe|unfl folgt)

daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thiene« in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen

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In Oesterreich-Ungarn ist enblich eine Verstän- ägung ber beiderseitigen Regierungen über den Ausgleich «zielt worden und die betreffenden Vorlagen sollen den Parlamenten ungesäumt zugehen. Die Regierung glaubt E Sicherheit auf eine parlamentarische Mehrheit rechnen 4irfen. Zur orientalischen Frage hat dieselbe auch im «rufe dieser Woche noch keine klare Stellung genommen, c»ch scheint diese Vorlage über Flüssigmachung des zu für Etärischen Zwecken bewilligten 60-Millionen-Credits auf «1 beabsichtigtes Hervortreten aus ber bisherigen unhe- jbel *"9tcn Passivität hinzudeuten.

Der italienische Senat verhandelte am 4.Mai bie Aterpellatton Moiitezemolv's über bie auswärtige Politik R« italienischen Regierung. Der Minister bes Auswär- Wm Graf Cortt erklärte, Italien werbe bei alle» ettvai- pt Unterhandlungen über bie orientalischen Wirren weber M Grunblagen seines nationalen BestanbeS noch bie Frei- M bes Hanbelsverkehrs vernachlässigen. Italien brauche M nicht fortwähreub in Aufregung zu erhalten, um seine M Stellung als Großmacht zu behaupten; es werbe nur ___sthr umworben werben, wenn eruftere Verwicklungen >ie ai «tstehen sollten.

lachst! . Paris unb ganz Frankreich ist vorläufig nur mit ftit Ä 7«^ Ausstellung unb bem Gewinn an Golb unb Gloire and 1 Welcher der Nation daraus erwachsen soll. Das nschl» das der Prinz von Wales bei dem Banket ber eng-

jUffel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Hansenstein & Vogler in

Zranksurt a. M.; Jäger''che Bnchdanblung daselbst; Herrnann'sche Vuchhandl.

ibe-B A» hessischer Geschichtskalender aus dem 16. Jahr- ung« , hindert.

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