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Kr. 109

Marburg, Freitag, 10. Mai 1878

xin. Juijrgang.

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WW: Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJSuftrirteS SonntugSblatt" durch

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJklnftrirteS Sonnta»Sblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckeret) bezogen 2k Mark, durch bie Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr». Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 «fa Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: MeCrvebtrton ».Blatte#, sowie d Annoncen-Bureaux von (3 L. Daube Eo in Frankfurt a. M.; Jäger'» che Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. TbieneS in Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.

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Dem Französstschen nacherzähll.

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ld bieten und die Sache überhaupt objektiv, unbefangen aufrichtig prüfen.

Die Wichtigkeit der Reise Schuwaloffs und die Bedeu-

>ch nicht getroffen. Der Finanzminister empfing am iienstag eine Deputation des von der Versammlung in

rbrauchSgegenstand. Die Motive des Enquete-Gesetzent- irfes drückten nicht präcise die Absicht auS, als ob eS fchluß der Bundes-Regierungen wäre, in der einen oder

ßdiren. Fürst Bismarck's neuralgisches Leiden sei in slge seiner jüngsten Erkrankung erneut hervorgetreten; esümmungen über den Zeitpunkt seiner Rückkehr seien

von dessen Eingreifen in die politisch so hoch ge- Ptte Lage zwischen Rußland und England wird heute tig anerkannt. Die Stellung Oesterreichs hat durch M festes Beharren im Dreikaiserbunde einer dem Frieden 8 fröigen Entscheidung der Dinge zwischen Petersburg und

ucht, irnstag eine Deputation des von der Versammlung tn nach »siel in der Tabakfrage ernannten Ausschusses, welche [1 bi Minister die Kasseler Resolution vortrug. Der Mi- ings ikr versicherte, er werde die Worte der Deputation nicht Die erhören. Der Tabak sei der für Reichssteuern geeignetste

Ibon den Weg erheblich gebahnt. Durch die alarmirenden .^te und sensationellen Depeschen aus Wien, welche tze hiesige Blätter neuerdings erhieüen, kann diese Auf-

Tagesbericht.

DU Se. Maj. der Kaiser empfing am Dienstag Nachmittag 7 « neuernannten Gesandten der amerikanischen Union ^^ard Taylor in Privat-Audienz und nahm dessen Accre- lschaftWve entgegen. Prinz Heinrich der Niederlande wird iHäqm zum Besuch in Berlin eintreffen. DiePro- Mtzial-Correspondenz" schreibt: Die Verhandlungen zwischen * Mßland und England haben in den letzten Tagen wieder E lebhaftere, bestimmtere Wendung genommen, an welche . .M London und Petersburg erneute Hoffnungen auf Er- ung eines Einverständnisses über die weitere Behand- der schwebenden Fragen geknüpft werden; in diesem e wird besonders auch die Petersburger Reise Schu- fss gedeutet. Die Gerüchte betreffs einer neueren emeink chärsung der Beziehungen zwischen Rußland und Oester- [11' ich finden keine Bestätigung. Ferner meldet dieProv.-

orr.": Die Reise Sr. Maj. des Kaisers nach Wiesbaden ------ für dieses Jahr aufgegeben; Se. Majestät werde bis r Reise nach Ems theils in Berlin, theils in Babelsberg

>eni Form mit einer Besteuerung vorzugehen. Diese [887 ,ge sei eine ffene. Es solle eine loyale Untersuchung > treten, um zu einem sicheren Resultat zu gelangen. Die

7 Ue werde so gelöst werden, daß sie nach einigen Jahren Geb« wieder aufs Tapet komme. Um die Sachverständigen 1 »ch G hören, dazu werde er nach beendigter Untersuchung die

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Etwa ein Kilometer unterhalb Langeais, wo ich gegen ; Uhr angekommen war, nahm die Kälte so zu, daß <u»s Nase und Mund blutete. Ungewiß, wie lange

i wo mir ein sehr warmer Empfang bereitet wurde, uahm dort Glühwein zu mir, und einer der Einwohner, dvn dem Wunsche beseelt war, mir auch etwas zu , ließ mich zwei ungeheure Prisen Taback nehmen, glaube, ich sichle sie noch jetzt!

Ein Anderer fragte mich, ob ich nicht anhaltm und

es mir, mich loszumachen und nach Ablauf einer Stunde, als ich in die offene Loire zurückgekommen , machte ich einen der besten Cognacschlücke meines Lebens, sim sechs eiuhalb Uhr erreichte ich Amboise. Unge- n der frühen Stunde waren zahlreiche Menschen am 4 Ich setzte jedoch, ohne anzuhalten, meine Route fort, allen Seiten gegrüßt mit dem Rufe:Es lebe der n"! Die Bauern riefen mir alle zu:Frieren Sie nicht"? und auf der Seite von Vouvray kam einer wn in einem Kahn herbei und bot mir warmen an, den ich mit Vergnügen acceptirte. Bedenken Sie, das hunderttheilige Thermometer in dieser Nacht drei unter Null gezeigt hatte! Kein Wunder daher, wenn Kleidung und mein kleines Schiffchen mit Eis be- lvaren, als ich um elf Uhr Morgens in Tours an-

i i«78> «n ÄIWcret »ragte micp, oo ny nuyi angaucn uno 1 , Vorstellung geben wollte? Aber ich dachte nicht daran

; Mist. nal)m, nachdem ich mich erwärmt hatte, meine Reise 8j. ilh-i auf.

-Diese Operation ließ mich ein wenig an die Oberfläche jt«, dann, mich behutsam meines Ruders bedienend, ge-

fassung des Standes der orientalischen Angelegenheit nicht erschüttert werden. Die nächstbetheiligten Mächte sind sich betreffs der realen Abgrenzung ihrer Lebensinteressen im Orient und der Levante entschieden in letzter [Zeit mit größerer Offenheit gegenübergetreten als dies vor Wochen noch der Fall war. Oesterreich und Rußland haben damit den Anfang gemacht, England und Rußland folgten nach und sind noch im Begriff, sich gegenseitig anstatt der bis­herigen formalen Schwierigkeiten und diplomatischen Doc- torfragen über die Basis des Kongresses vielmehr klar zu sagen, welche Position jeder von ihnen unter allen Um­ständen im Orient behaupten resp. erlangen will. Das Princip der Theilung des Einflusses und der Machtstellung in der Türkei unter den drei konkurrirenden Mächten scheint augenblicklich zu überwiegen, und erst nachdem man sich darüber gegenseitig geeinigt, dürfte dann ein Kongreß dieeuropäische Sanktion" nachträglich besorgen. Mit diesem Programm wird zweifellos die deutsche Vermittlung ganz einverstanden sein. Die Flüssigmachung deS öster­reichischen 60-Millionenkredites und die geplanten Truppen­aufstellungen dieses Staates dürften wohl mit dem Ein­schreiten desselben in die Aktion, aber nicht in einem Ruß­land feindlichen Sinne Zusammenhängen. Wenn somit der gegenwärtige Stand der Orientfrage durchaus zwar einen Fortschritt zu größerer Klarheit bezeichnet, so ist anderer­seits freilich bei der Ungewißheit, ob sich Rußland und England in ihren Ansprüchen einigen werden; die nächste Zukunft, d. h. die Entscheidung über Krieg und Frieden immerhin unbestimmt genug.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Mai. DieProvinzial-Correspondenz" scheint ungeachtet der Zurückhaltung in auswärtigen Ange­legenheiten die friedliche Auffassung zu bestätigen, welche in den letzten Tagen über den Ausgang der russisch - eng­lischen Differenzen Boden gewonnen hat. Von Bedeutung ist jedenfalls die Versicherung, daß dir Gerüchte in Betreff einer neueren Schärfung der Beziehungen zwischen Ruß­land und Oesterreich keine Bestätigung finden. Wir hören auch von anderen Seiten, daß in hiesigen diplomatischen Kreisen die Hoffnung auf eine friedliche Beilegung der russisch - englischen Differenzen wieder stärker gehegt wird. Die Aeußerungen des Prinzen von Wales in Paris geben auch der deutschen Sensationspresse Stoff zu weit­gehenden Ausdeutungen. In diplomatischen Kreisen ist man weit entfernt der Rede eine so erhebliche Tragweite beizulegen. Die Frage der Statthalterschaft für Elsaß- Lothringen ist in gewissen Mittheilungen der letzten Tage offenbar zu sanguinisch behandelt worden. Die Dinge

scheinen auch keineswegs so weit vorgeschritten, wie sie dar- gestellt werden. Ob die Regelung der Regierung des Reichslandes noch in Gestalt einer Vorlage an den jetzigen Reichstag kommen könnte, ist bei der.Eile, mit welcher in­mitten des letzteren die Geschäfte dem Schluß entgegenge­führt werden, doppelt zweifelhaft. In der heutigen Sitzung des evangelischen Oberkirchenraths wurde der zum Präsidenten ernannte frühere Ober-Conststorialrath Hermes durch den Vice-Präsidenten Propst Dr. Brückner in sein neues Amt eingeführt. In Wilhelmshaven wird in der nächsten Zeit dieGazelle" von ihrer Fahrt zurückerwartet. Die am 6. d. M. in Dienst gestellten Panzerfahrzeuge werden sich voraussichtlich am 26. und 27. Mai in Wil­helmshaven zu einem Panzergeschwader vereinigen und als­dann ihre Reise antreten, deren Ziel noch nicht bekannt gegeben ist. Nach der im Reichseisenbahnamt aufgestell­ten Nachweisung über die im Monat März d. I. auf den deutschen Eisenbahnen excl. Baierns vorgekommenen Un­fälle waren zu verzeichnen 27 Entgleisungen und 16 Zu­sammenstöße fahrender Züge, darunter 12 mit Personen­beförderung und 41 Güterzüge resp. leer fahrende Maschinen; ferner 29 Entgteisungen und 16 Zusammenstöße beim Rangiren, 69 sonstige Betriebsunfälle. In Folge dieser Unfälle wurde ein Arbeiter gelobtet, 10 Personen verletzt, 7 Thiere gelobtet, 2 verletzt, 31 Fahrzeuge erheblich, 121 unerheblich beschädigt. Auf Staatsbahnen und unter Staatsverwaltung stehende Privatbahnen trafen 74 Fälle (auf der sächsischen Staatsbahn 15, auf den elsaß-lothringischen Bahnen 11), auf die größeren Privatbahnen 41 Fälle (auf der Rheinischen Bahn 10, auf der Köln - Mindener 8). Von den 12315656 Reisenden wurde einer getöotet und 3 verletzt, von den Beamten auf je 12837 einer ge­lobtet und von je 3378 einer verletzt. Nach der in der neuesten Nummer der statistischen Correspondenz mitgetheil- ten Nachweisung über den mittleren Stand der Preise für Getreide uno Nahrungsmittel in Preußen während deS Monats März ist das Unheil berechtigt, daß die rückläufige Bewegung, welche im Ganzen die Getreidepreise während der ersten Hälfte deS Erntejahres verfolgten, im März zum Stillstand kam, während sich gleichzeitig die Steige­rung der Kartoffelpreise fortsetzt.

Gießen, 7. Mai. Dir auf den 1. Mai hierher be­rufene konservative Versammlung hat einen sehr schönen und für die innere Kräftigung der Partei erfolgreichen Verlauf genommen. Wir haben alle Ursache, mit diesem ersten Versuch" einer öffentlich berufenen größeren konser­vativen Parteiversammlung in Hessen zufrieden zu sein. Von nah und fern waren die Parteigenoffen nach der alten Universitätsstadt an der Lahn geeilt, und zur festgesetzten Stunde konnte in dem großen Wenzel'fcheit Saale, dessen

dieses Unwohlsein andauern würde, stieg ich, nicht ohne Mühe, den Fluß wieder hinauf bis Langeais, verbrachte dort die Nacht und verließ es wieder um sieben Uhr am nächsten Morgen.

In Sankt-Patrice waren die Damen an daS Ufer ge­kommen und machten mir mit ihren Tüchern Zeichen, mich zu nähern. Ich hatte das Vergnügen, Personen zu treffen, welche ausgezeichnet enzlich sprachen und mir mittheilten, daß ich in kurzer Entfernung einem Querdamme auszu­weichen habe. Diese Angabe war mir um so werthvoller, als mir bisher Niemand davon gesprochen hatte, ausge­nommen einige Bauern, welche mir das WortWehr"! zugeschrieen hatten, ohne daß ich verstand, um was es sich handelte.

In La Chapelle-sur-Loire war die Aufnahme von Seite der Bevölkerung besonders rührend. Seit drei Tagen ar­beiteten so zu sagen die Fabriken nicht mehr, denn die Arbeiter brachten ihre Zeit damit zu mich zu erwarten. Ich machte mir das Vergnügen, ihnen meinen Apparat zu zeigen, ebmso den Schulkindern, welche in zwei Reihen aufgestellt waren und mich mit Neugierde betrachteten.

Emer der Männer bat mich sogar, noch ein wenig zu bleiben, wahrend er gehen würde, um seine alte Mutter zu holen. Ich willigte gerne ein, die gute Alle erschien bald an seinem Arme und war gleichsfalls entzückt.

Gegen 2 Uhr Nachmittags erreichte ich den Zusammen­fluß der Vienne und der Loire. Der Fluß ist an dieser Stelle sehr breit, und die Wirbel sind gefährlich. Um 4 Uhr genoß ich in Saumur, ohne das Wasser zu verlassen, Glühwein und nahm einige Vorräthe mit, bann, nachdem ich trotz schwieriger Strömung bei dunkler Nacht Saint Martin und Chenehutte, wo mir die Einwohner Cigarren anboten, passirt hatte, landete ich gegen 8 Uhr in Rvsiers- sur-Loire. Ein großes Feuer war auf dem stellen Fußufer

angezüudet worden, um mir die beste Stelle zum Landen zu zeigen.

Ohne zu bedenken, daß ich fast umfiel vor Müdigkeih hatten die Bewohner des Ortes den Gasthof und sogar mein Zimmer überfluthet, um meinen Apparat zu unter­suchen. Mein ihr Empfang war jo herzlich, daß ich nicht wagte, mich ihrer Neugierde zu wiedersetzen.

Nach einer ausgezeichneten Nachtruhe reifte ich Milt- wbch frühzeitig ab. Der Wind war entgegeiigefetzt und sehr stark, die Loire rollte kurze und schwere Sturzwellen heran, welche mich sehr ermübeten und mir nur schwer den Gebrauch meines Ruders erlaubten.

Vvr Ponls-de-Ce war der Schifffahrtsverein von Angers mir entgegen gekommen. Diese Herren, denen ich das beste Andenken bewahrt habe, nötigten mich, den Fuß aus's Land zu setzen. Hier nahm ich Glühwein und einige Eier. Ich verließ sie bald, nicht ohne zuvor noch eine zweite dringende Einladung, sie in Angers zu besuchen, erhallen zu haben.

Die Nacht dämmerte herein. Hinter SavonniereS nahm ich einen kleinen Arm der Loire, und hier sah ich einen Eisenbahnzug vorüber eilen. Die Maschinisten bemerkten mich und grüßten mich mit einem langen Pfiff der Damps- psrife. Ich antwortete darauf mit meinem Horn, was alle Reifenden mit den Nasen zum Fenster herauszufahren bewog.

Kurz nachher langte ich in La Possvnniere an. ES war schon Nacht, aber der Maire und alle Einwohner be­reiteten mir einen Empfang, den ich nie vergessen werde Unglücklicherweise setzte sich jedoch die Begeisterung die ganze Nacht fort uno am nächsten Morgen war fit ein wenig gar zu frühzeitig bei der Hand. Um vier Uhr nämlich kam man schon, um mir ein Morgenstänbcheir zu bringen, voran ein Herr, welcher in ein Horn ohne Mundstück blies, dann die Stadtmusik.

Gegen acht Uhr nahm ich meine Reise roieber auf, br-