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Marburg, Donnerstag, 9. Mai 1878
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von Preußen, beschließen und befehlen die Einrückung Gegenwärtigen in den Staatscourant und erwarten, dasselbe zur Kenntniß der Ministerialdepartements, Behörden, Kollegien und Beamten gebracht werde.
In der Orientfrage treten jetzt zwei Ereignisse aus
sichten zunichte machte. WaS mich zuwellen störte, war die Begegnung mit beweglichen Sandbänken, welche mir gefährlich werden konnten. Indessen gelangte ich glücklich hindurch und erreichte Blois, nachdem ich den ganzen Tag gereist war. Es war neun Uhr Abends. Ich brannte Signale ab und wurde, trotz der vorgerückten Stunde, von der ganzen Bevölkerung warm empfangen. Man bat mich inständig, zu bleiben, allein ich setzte meine Reise fort, da ich an deren Ziel anzukommen wünschte.
Alles ging gut, trotz der Kälte, als ich drei oder vier
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Rahmen der schwebenden Fragen hervor: Graf Schuwaloff, der russische Botschafter in London, hat sich nach St. Petersburg begeben, um dort über Englands Absichten und Verhalten zu berichten; man schreibt dieser Reise eine vorwiegend friedliche Bedeutung zu; sodann macht eine scheinbar veränderte Haltung Oesterreichs von sich reden, von welcher man auf einen Mangel an Verständigung mit Rußland schließen könnte. Roch bis Sonnabend Mittag hieß es, Oesterreich habe die neuesten Eröffnungen Rußlands günstig ausgenommen, am Sonntag früh brachte die „Nat.-Ztg." aber ein Wiener Telegramm, nach welchem man aus Verstimmung gegen Rußland Vorkehrungen treffe. In der Thal meldet daö „W. T.-B." die bevorstehende Flüssigmachung des 60-Millionen-Credits mit der Motivirung defensiver Vorkehrungen in Siebenbürgen und Dalmatien. Vielleicht kann man in diesem Hervortreten Oesterreichs ein Zeichen für die zunehmende Verständigung zwischen Rußland und England erblicken, so zwar, daß Oesterreich durch Maßregeln oder durch Ankündigung derselben einen Druck auf Rußland mit der Absicht, ein englisch-russisches Separat- Abkommen zu verhindern, ausüben will, wodurch freilich die defensiven Vorkehrungen in Dalmatien noch nicht erklärt sein würden. Was also in der Reise Schuwaloffs nach St. Petersburg Friedliches liegt, wird reichlich ausgewogen durch ein Hervortreten Oesterreichs, das zum Mindesten in seinen Zielen unklar ist.
Das Merkwürdigste ist das Reisezubehör, das in einer schwimmenden Schachtel in Form eines kleinen Flußschiffes enhalten ist, welche der Reisende hinter sich herzieht. Schachtel enthält auf dem Deckel einen Thermometer, Boussöle, einen Chronometer, eine Lampe mit kräftigem flektor, der mit einer starken Glaslinse versehen ist, endlich eine Allarmtrompete. Im Innern befindet an dem Deckel befestigt, eine Generalstabskarte, die Kapitän oft um Rath fragt, ferner verschiedene Mund- vorräthe, Cigarren, Geld, Rum, Weingeist, Kaffee (denn Boyton kocht oft auf dem Wasser seinen Kaffee), Zeitungen, ein Revolver und andere Dinge.
Von den Erlebnissen seiner Loirereise giebt Kapitän Boyton selbst eine sehr anziehende farbenreiche Schilderung.
„Ich verließ Orleans vor acht Tagen", erzählte er, „um neun Uhr Morgens. Ich habe kaum nölhig, zu sagen, daß mich eine große Menschenmenge ein großes Stück Weges begleitete und mir ihre Hochrufe nachschickte. Einmal in der Loire, fand ich die Strömung weit schwächer, als man sie mir angegeben hatte, was alle meine VorauS-
Tagesbericht.
kDer Kaiser und die Kaiserin empfingen gestern den Mchen Militärbevollmächtigten General Reutern. Der- Bt überbrachte, wie verlautet, ein eigenhändiges Schreiben Kaisers Alexander. — Der „Reichsanzeiger" publicirt jt Versetzung des evangelischen Oberkirchenraths-Präsidenten kmnann in den Ruhestand und die Ernennung des 8>er-Consistorialraths Hermes zum Oberkirchenraths-Prä- muten.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattrt, sowie d Ünnoncen-Bureanx von @. L Daube & Co in Frankfurt a. M.; Jäger'! che Buchdandlung daselbst; Hermann'sche t*ud/banb(. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Tdienes in Elberfeld - E Schlotte in
Bremen
I Zn Betreff des Planes, den Kronprinzen des Deutschen Mchs zum Statthalter von Elsaß-Lothringen zu bestellen fciren die mannigfachsten Gerüchte. Wenn ein neueres «erlicht die Mittheilungen enthält, daß diese Angelegenheit an Abschluß nahe sei, so können wir dasselbe als verfrüht fzächnen. Allerdings ist diese Angelegenheit bereits aus »rhsjl km Stadium der Vorbesprechungen und Erwägungen erimsgetreten und beginnt bald greifbare Formen anzu- ehmm, aber zum Abschluß ist sie noch nicht. Wie man ltö von unterrichteter Seite mitthellt, ist es in der Absicht
Der den Generalstaaten des Königreichs der Rieder- 1 tbe vorgelegte Gesetzentwurf, bett, die Vermählung des L. mzen Heinrich hat folgenden Wortlaut: Wir Wilhelm _ ( Gottes Gnaden, König der Niederlande, Prinz von
gingen nimmt entgegen: g Expedition d.vlattes, wie d.Annoncen-Bureaux ff Tb. Dietrich & Co. in wm und Hannover; Tb Aich in Frankfurt a.M.; tafenftein & Vogler in faÜfutt a. M., Berlin, Ejig, Cvln ic.; Rudolf Efe in Berlin, Frank- :: furt a. M. rc.
Si» kühner Schwimmer.
Dem Französsischen nacherzählt.
■ Der berühmte Kapitän Boyton hat vor kurzem mittem Vinter auf der Loire, dem gefährlichsten Flusse Frankas, die kolossale Strecke von Orleans nach Nantes dimmend zurückgelegt und dadurch neuerdings seinen chm vermehrt.
Kapitän Paul 'Boyton ist bekannllich Amerikaner und ßat höchstens dreißig Jahre alt, vielleicht ist er's noch ¥ einmal. Er ist blond und besitzt ein äußerst intel- vles und ausdrucksvolles Gesicht, ttotz des Pstegma'S, ches jeder gute Danke niemals verleugnet.
,Der Apparat, dessen er sich bedient, um sich über dem Her zu erhalten, ist folgendermaßen zusammengesetzt: Ane schr widerstandsfähige, wasserdichte Kautschukhülle |tft den Körper vom Fuß bis zum Kopf und läßt nur Äugen, die Nase und den Mund sehen durch eine kreis- kige Oeffnung der Kapuze. Es ist dies eine Art von krem Trikot, worin sich der Kapitän auf dem Land ^im Wasser sehr wohl zu fühlen scheint. Im Inneren Ft Kleidung befinden sich fünf von einander getrennte fLuft gefüllte Laschen, von denen die erste hinter dem die zweite auf dem Rücken, dir dritte auf der Brust, Leihen letzten an den Schenkeln befestigt sind. Diese chen werden ähnlich wie die Rettungsgürtel mit dem •hb Aufgeblasen mittelst Kautschukröhren, die mit Schrau- 1 luftdicht verschlossen werden können.
tis ist der ganze Apparat! Er ist vollständig mmnter- $ar und selbst wenn, ungeachtet der großen Solidität drttwendeten Materials, eine der Lusttaschen zerplatzen y würden die vier anderen vollauf genügen, um die K sortzusetzen, ja die einzige Luftblase Hütter dem Kopfe
ch Angelegenheit noch während der Dauer der gcgen- irtigen Reichstags-sesston zu regeln, so daß dem Bundes- M the und dem Reichstage noch eine hierauf bezügliche NklWchesvorlage zugehen dürfte. Wie es ferner heißt, werbe - ( ; Kronprinz noch in diesem Jahre eine Reise durch die
rtißittt Hslande unternehmen und soll hierzu der Spätsommer |Ung q Aussicht genommen sein.
Deutsches Reich.
•* Berlin, 8. Mai. Die Nachrichten der Zeitungen in Betreff der Besetzung der vakanten Präsidialpoften in der Verwaltung sind theilweise ungenau oder mißverstanden. Es ist richtig, daß der Negierungs-Vicepräsident Hoffmann in Danzig, wo er bisher als Vertreter des Ober- Präsidenten fungirte, als Präsident von dort nach Aachen versetzt worden. Dagegen ist es unrichttg, daß an seine Stelle der Landdrost v. Quadt aus Osnabrück berufen werden soll In Danzig wird vielmehr unter dem Ober- Präsidenten nur noch ein Vicepräsioent sunziren, und zu diesem Posten ist ein bisheriger Ober - Regiemngsrath in Aussicht genommen. Die MittheUung in Bezug auf Hrn. v. Quadt beruht darauf, daß dieser Beamte das Regierungspräsidium zu Oppeln, wofür zuerst Präsident Hoffmann designirt war, erhalten wird. — Die „Nordd. Allg.
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würde hinreichen, um den Körper obenauf schwimmen zu lassen.
Im Wasser kann man mit diesem Apparat zwei Lagen einnehmen, die horizontale auf dem Rücken und die aufrechte.
m LMuuen-Nassau, Großherzog von Luxemburg rc., Allen ie;m ß itn, die Gegenwärtiges lesen oder hören lesen Grußj - -j - Erwägung des Vorsatzes unseres vielgeliebten Bruders, ' [i ! Prinzen Wilhelm Friedrich Heinrich der Niederlande, -----' i Ihrer Königl. Hoheit der Prinzessin Marie Elisabeth lije Friederike von Preußen, ältesten Tochter Seiner zes H« l- Hoheit des Prinzen Friedrich Carl von Preußen, die mdach E einzugehen, gewähren Wir ihm unsere Zustimmung, ,r dem Vertrauen, daß hierdurch das Glück unseres Brü
ll 6 und die Interessen der Niederlande gewahtt sein wer- — - t Gemäß dem Artikel 12 der Verfaffungsurkunde, nach tr 3’ hörung unseres StaatsracheS, und nach öffenllicher Be- die Ei h»ng der Geueralstaaten haben Wir für gut befuu-
L1 । und beschlossen, was folgt: Einziger Artikel. In «äßheit deS Artikel 12 der Verfassungsurkunde ge- tn Wir unsere Zustimmung zu dem HeirathSpro- zwischeu unserem Bruder und der Prinzessin Matte
Ztg." hatte vor einiger Zeit die Mittheilung für unrichtig erklärt, daß die Abtrennung vom Handelsministerium in Betracht gezogen und daß dieser Gedanke hauptsächlich in Kreisen des landwirthschaftlichen Ministeriums angeregt worden sei. Wenn nun jetzt diese Widerlegung für unbegründet erklärt wird, so können wir auf Grund eingezogener Erkundigung versichern, daß amtliche Erörterungen über diese Frage in der That nicht stattgefunden haben. — Unserer Kaiserin, der Protektorin der .deutschen Pflegevereine unter dem rothen Kreuz ist vom Kaiser von Rußland das vor Kurzem gestiftete Verdienstkreuz für Verwundete verliehen worden. Das Ehrenzeichen ist gestern der hohen Frau direkt durch die Kaiserin von Rußland übersandt. Dadurch sind die Verdienste des deutschen Central- Comitss in der Person seiner Protektorin geehrt. Bei dieser Gelegenheit können wir in Ergänzung unserer Notiz, daß das Central - Comits den Betrag von 135847 Mark in Sammlungen aufgebracht, Nachträgen, daß demselben Comits sonstige Gaben aller Art zugeflossen sind, welche einen Werth von 90000 Mark repräsenliren. — In Bezug auf das Strafvollzugsgesetz, dessen in letzter Zeit mehrfach Erwähnung gethan, hören wir, daß die Ausarbeitung desselben lebhaft betrieben wird und daß es in der Absicht liegt, sobald die Arbeiten weiter vorgeschritten sind, eine Sachverständigen - Commission zu berufen, damit dieselbe ihre Ansichten kundgeben kann. Jedenfalls hofft man das Werk so zu fördern, daß es rechtzeitig an den Bunoesrath kommt, um in der nächsten S.sston als Gesetzentwurf dem Reichstag vorgelegt werden zu können. — Wie wir hören, sind die auf Grund der Synooalordnung vom König zu vollziehenden Ernennungen der Mitglieder der Provinzial- Synoven noch nicht endgültig seftgcftellt, jedoch wird die Erledigung dieser Angelegenheit in den nächsten Tagen erwartet. — In Gera wird Anfangs November die 32. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zusammentreten. Unter dem Vorsitz des Ober-Bürgermeisters Fischer hat sich bereits ein Lokal - Comits geblldet, um die nöthigen Vorbereitungen zu treffen.
Hamburg, 7. Mai. Gestern Abend 10 >/2 Uhr ist die Pulver-Fabrik bei Schulau (unweit Blankenese) in die Luft geflogen. Es werden fünf Personen vermißt.
Schwert«, 5. Mai. So eben traf ein Telegramm aus Petersburg hier ein, welches die am 4. Mai geschehene Verlobung des Erbgroßherzogs Friedrich Franz von Meck- lenburg-schwerin (geb. 19. März 1851), Major im Garde- Cuirassier-Regiment zu Berlin, mit der Großfürstin Anastasia Michajlowna (geb. 16. Juli 1860), einziger Tochter des Großfürsten Michael, Statthalter» im Kaukasus^, und seiner Gemahlin, der Großfürstin Olga, Tochter des verstorbenen Großherzogs von Baden, meldet. Die Stadt
Kilometer von Blois plötzlich einen heftigen Stoß fühlte. Ich war gegen ein Hinderniß gestoßen, um welches mich die Gewall des Stromes wirbelnd drehte. Ich glaubte einen Augenblick, ich hätte das Bein gebrochen. Mü Hilfe meines Ruders gelang es mir, mich aus der Verlegenhett zu ziehen, aber ich hielt es nicht für klug, meine Reise diese Stacht fortzusetzen, und ging deshalb ans Land. Ich befand mich hier in La Chapelle. Die Einwohner sagten mir, jenes Hinderniß wären die Ruinen eines ehemals dottgestandenen Hauses, welches von den Fluchen der Loire verschlungen worden. Ich schickte sogleich nach Blois zu meinem Secretär, welcher mich alöbald mit einem Wagen abholte und in das Hotel zurückführte.
Ich blieb in Blois den ganzen Sonntag, um mein Bein zu Pflege». Der Arzt ttelh mir sogar, meine Reise ganz aufzugeben. Doch trotzdem begab ich mich wieder ans den Weg um zehn Uhr Abends.
Die Strömung war stark, das heißt ausgezeichnet für mich, die Reise köstlich inmitten des tiefen Schweigens der Nacht; ich hötte von Zeit zu Zeit die Glocken schlagen auf den benachbarten Kircheitthürmen, und da die verschiedenen Glocken auch verschiedene Töne hatten, so entstand daraus eine wundersame Harmonie und ein träumerisches Echo, dutzende Mal wiederholt durch die verschiedenen Klänge, welche die Entfernung mehr oder minder abschwächte und endlich leise ersterben Jicß.
Dieses reizvolle Stillschweigen wurde plötzlich unterbrochen. Ein betrunkener Mensch, welcher den Weg am Ufer heraufkam, sang abscheulich, während er mit seinen Holzschuhen dazu den gefrorenen Boden schlug. Ich wollte ihn zum Schweigen bringen. Rasch entzündete ich meine Laterne, schloß dann den Deckel, um vorläufig das Licht zu verbergen, näherte mich dem Ufer, das ich nicht fern vor dem Menschen erreichte, stellte mich ganz aufrecht im
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS Sonntag-blatt" durch die Expedition tKoch'sche Buchdruckerei) bezogen U Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. texcl. Bestellgebühr). — Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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