Marburg, Dienstag, 7. Mai 1878
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schnsten zuwegegebracht, welche in den „Büchereien- der Fürsten, Prälaten und reichen Bürger prangten. Prachtstücke von Urkunden u. dgl. in. wurden auf Purpurpergament mit Gold- oder Silberdinte geschrieben. Mit dem Auflommen des Pergaments war die Rollenform der PapyruShandschriften der Buchform gewichen. Die Buchbinderei, frühestens in den Klöstern geübt, wurde erst im späteren Mittelalter ein zünftiges Gewerbe. Die au« China stammende und durch die Araber nach dem Abendlande gebrachte Erfindung des Baumwolle- und Linnen- PapierS machte die Herstellung von Handschriften allgemeiner und wohlfeller. Die Errichtung von Papiermühlen ist daher auch für Deutschland — die ältesten wurden um 1320 am Rheine zwischen Mainz und Köln erbaut — ein kulturgeschichtlich wichtiger Vorgang gewesen. Die Anfänge unseres Buchhandels und deS Bibliothekwesens in unserem Lande sind allerdings schon in den Klöstern zu finden, doch gewannen sie erst durch die Stiftung der - Hochschulen an Umfang und Bedeutung. Mit dem städtischen Schulwesen und dem vielgestaltigen städttschen Geschäftebetrieb hing auch die allmälige Ausbildung einer deutschen Prosa zum Geschäfts-, Kanzlei-, Gerichts-, Predigt- und Chronikstil zusammen. Vom Ende des 13. Jahrhunderts an veranstatteten alle größeren deutschen Städte Aufzeichnungen ihrer Rechtssatzungen und der Wahrsprüche ihrer Gerichte und so entstanden die „Stadtrechte" und die „Weisthümer", welchen unsere Rechts- und unsere Sittengeschichte zu so warmem Danke verpflichtet sind. Noch wichtiger für die deutsche Rechtsgeschichte aber sind bekanntlich die beiden berühmten, zwischen 1215 und 1276 veranstalteten Sammlungen von nord- und süddeutschen Gesetzen und Rechtsbräuchen, der „Sachsenspiegel- und der „Schwabenspiegel". Mochte man doch beim Hereinbrechen einer gesetzlosen Zeit das Bedürfniß eines schrifttich stritten
kann, und wird noch dazu die auSwärttge Industrie und Landwirthschaft ohne Weiteres als Concurrent auf dem deutschen Markt zugelassen, so müssen solche Roth-Zustände eintteten, wie wir sie jetzt haben! Die Industrie sieht ihre künstlichen Geld- und Waarrnwerthe dahinsinken und die Landwirthschaft ist den hohen Preisen nicht gewachsen. Sonach liegen die Hauptursachen unserer Nothstände in erster Linie in den den wirklichen Güterwerth des Landes wett übersteigenden papiernen Geldzeichen, wie sie die Aktien und die Zettelbanken geschaffen hatten; denn nur dadurch wurden die Gründerei und die Ueberproduction möglich. Sodann in dem unbeschränkten Freihandel, welcher ohne Rücksicht auf die Concurrenzfähigkeit der deutschen Industrie und Landwirthschaft der auswärtigen das Land zollfrei offen hält, während das Ausland von den eingehenden deutschen Maaren hohen Zoll erhebt. An diesen beiden Punkten müssen wir einsetzen, um unsere Verhältnisie wieder nach den natürlichen Leistungsfähigkeiten und Bedürfnissen unseres Vaterlandes zu reguliren.
die Acttengesellfchaften und die Zettelbanken geführt, meisten dieser Fabriken sind durch die papiernen Geld-
i gutes Geld geprellt. Die Actten und Papierzcichen M im Lande, das baare Geld aber wurde von den ^-Industriellen durch ihre Geschäftsverbindungen großen- M in das Ausland geführt, weil das Ausland die Pa- tzeldzeichen nicht nahm. Das Geld aber, welches im blieb, wurde durch die massenhaften Papierzeichen Mtwerthet, daß es kaum noch den dritten Theil der »straft besaß als früher, indem die Preise aller Maaren Zusammenhänge damit enorm stiegen. Man meinte, skönne den Nattonalwohlstand durch Massenproductton [ industriellen Maaren oder Werthgegenständen und Reichen in's Ungemessene steigern und vergaß, daß die flre wie das Geld nur einen relativen Werth hat, der sirr Kauffähigkeit der nichttndustriellen Volkskreise ab- M Die Industrie kann ihre Waarenprodukte in's Un- Wene steigern, das kann aber der Landwirth, welcher ^auptabnchmer der Industrie ist, nicht. Die Productton
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il kommen, wo die Industrie ihre Waaren nicht mehr setzen vermochte und also auch ihre Productton einmußte. Aber die Ueberproductton ist genau besehen nicht die letzte Ursache; denn die Fabriken, welche Ueberproduction verübten, sind ja selbst wieder ein il jener Ueberproduction; und in Wahrheit haben wir wohl mehr Ueberfluß an Fabriken als an Waaren.
Tsgesdericht.
Die „Nordd. Allg. Zeitung." bestätigt, daß Kaiser Wilhelm den Orden „pour le merke“ mit dem Bildniß Friedrichs des Großen an Kaiser Alexander verliehen habe. Der Erbgroßherzog von Meklenburg habe den Orden, sowie ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers Wilhelm in Petersburg überreicht, worin es heiße: Meine Armee wird mit Stolz diesen Orden auf der Brust Ew. Majestät sehen. — Der „Reichs-Anzeiger" publicirt die Ernennung des Regirrungs-Präsidenten von Leipziger (Aachen) zum Ober-Präsidenten von Hannover.
Au« Friedrichsruhe eingetroffene Nachrichten über da« Befinden des Fürsten Bismarck melden, daß der Verlaus der Krankheit ein durchaus normaler ist und daß falls keine Störung in demselben eintritt mit Bestimmtheit daS baldige Eintreffen des Reichskanzler« in Berlin erwartet werden kann. Geh. Rath Struck, welcher sich nach Friedrichsruhe begeben hatte, kehrte am Sonnabend von dort wieder zurück.
Die Sitzungen des Reichstage« werden jetzt voraussichtlich täglich abgehalten werden, um, wenn auch nicht alle, so doch die wichtigstm Vorlagen, die dem Reichstage zugegangen sind, zu erledigen. Präsident v. Forckenbeck hat aus der wiederholten Beschlußunsähigkeit der letztm Tage ersehen, daß eS ihm unmöglich sein dürfte, da« Hau« in beschlußfähiger Anzahl zusammenzuhalten, sobald erst da« Pfingstfest herangerückt ist.
। lh. Dietrich & So. i* Sei und Hannover; Th. Mich in Frankfurt a.M.; «seustein & Lagler in mtfutt a. SÄ., Berlin, Hig, 56ln ic.; Rudolf 3t in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Wiif* nd aus [126i#cgen nimmt entgegen: Nr MOrpedition «.Blatte«, ' W d.Snnoncen-Bureaur
lieber die Ursachen der wirthschaftlichen Nothstände ist m viel geredet und geschrieben worden. Diese Noth- nbt finden sich in mehr oder minder hohem Grade in weiß) Staaten. Als Hauptursache führt man die Ueber- M chuction an. Man hat mehr Waaren producirt, als
reu# en gebaut worden, welche von den Acttengesellfchaften - । Zettelbanken in unbeschränkter Zahl fabricirt und in
der Landwirthschaft läßt sich nicht willkürlich steigern, sie hat an der Größe und Qualität deS Ackers chre natürliche Schranke und hängt außerdem von einer Unzahl von Einwirkungen ab, welche nicht in menschlicher Macht stehen. Der, mit Hülfe der künstlich durch Ausgabe von Actten oder ungemessenem Credit beschafften Capitalien endlos produciren- den Industrie stand die in ihrer Production beschränkte Landwirthschaft gegenüber und fühlte sich wie erdrückt von der Menge von Jndustriewaaren und Jndustriegeld. Wären die land- wirthschastlichen Producte auch in entsprechender Weise im Preise gestiegen, so hätte die Landwirthschaft nicht so bald ihre Kaufkraft verloren; aber nun wurden aus dem billiger producirenden Auslande große Massen landwirthschaftlicher Producte herbeigeschleppt, wodurch die Preise der inländischen nieder gehalten wurden. Dadurch verlor unsere Landwirthschaft ihre Kaufkraft. Der Landwirth konnte weder die Arbeitslöhne noch die Preise für die Waaren der Industrie erschwingen. Die Wucherer, welche sich nun mit ihren Geldmitteln an ihn herandrängten, ruinirten seine wirkliche Kaufkraft nur erst recht. So verlor die Industrie ihren Abnehmer im Lande. Man hatte in dem Industrie-Schwindel vergessen, daß die wirthschaftlichen Verhältnisse jedes Landes, welches nicht ein Handelsstaat ist, in der Landwirthschaft ihre natürliche Grundlage und ihre Beschränkung haben, welche es nicht unbestraft überschreiten oder unberücksichtigt lassen darf. Da die landwirthschaftliche Bevölkerung die theueren Jndustriewaaren nicht mehr kaufen konnte, so entstand die Stockung, welche sich von den Kleinkrämern bi« hinauf zu dm Großhändlern und Fabriken sortsetzte. So entstand unser wirthschaftlicher Nothstand.
Man hatte zwar gemeint, was die Industrie im Jnlande nicht los wird, das mag sie im Auslande verkaufen. Das ist aber leichter gesagt als gethan. Ja, wenn unsere deutsche Jndustne solche Absätzmärkte hätte, wie sie die englische in ihren industrielosen Colonien besitzt! Aber unsere deutsche Industrie ist mit ihrem Export auf die Nachbarländer angewiesen. Diese haben aber ebenfalls Industrie, die mehr Waaren producirt, al« das Inland kaufen kann, die billiger producirt, als unsere deutschen Industrien, so bringt sie ihre Waaren auch auf die deutschen Märkte und macht unserer einheimischen Industrie im eigenen Lande Concurrenz. Wie soll da unsere Industrie im Auslande concurriren können? Da Deutschland keine Colonien besitzt und es auch bis jetzt noch nicht verstanden, sich in Ländenr, wie z. B. China, ein sicheres Absatzgebiet für die deutsche Industrie zu schaffen, so ist dieselbe vorzugsweise mit ihrem Absatz auf die dmtsche Heimath angewiesen. Treibt sie es nun da so, wie bisher, daß sie mehr Geldzeichen und mehr Waarm producirt, als das Land wirklichen Güterwerth besitzt und also kaufen Singern durch den Kronenmeister bescheidme Preise zuge- thettt, welche aus Kränzchen von Gold oder Silberdraht bestanden. Das meistersängerliche Regelnbuch hieß die „Tabulatur", das Lied „Bar", die Strophen hießen „Ge- sätze", die VerSarten „Gebäude", die Melodieen „Töne" oder „Weisen". JBeni Tabulatur noch nicht völlig geläufig war, hieß ein „Schüler", wer sie innehatte, „Schulfteund", wer nach einem gegebenen Ton ein Lied zu fettigen verstand, „Dichter", wer eine neue Weise zu finden wußte, „Meister". Bier Jahrhundette hindurch hat des Meistergesangs „holdselige Kunst" gebauert: erst im Jahr 1770 ist i» Nürnberg, der Heimath d«s einzigen wittlichm „Meistersängers" Hans Sachs, zum letztenmal feierlich Schule gesungen worden. Aber die Form des Meistergesangs ist von Anfang an eine schnörkelhafte gewesen und der Inhalt dieser wunderlich gezierten Spruchpoesie verwässerte sich bald zur ödesten Langweiligkeit.
Die Verdienste der deutschen Städte um die Weiterführung der civilisatorischen Arbeit lagen nach einer anderen Seite hin, nach der realistischen. Mußte sich dott schon früh- zeittg die Nothwcndigkeit fühlbar machen, dem Gewerbe- trieb und der Handelsthätigkeit gewisse realistische Kenntnisse und Fettigkeiten zur Grundlage zu geben. Das rief die mittelalterlichen „Stadtschulen" hervor, deren älteste eingerichtet wurden in Leipzig, Köln, Hamburg, Lübeck, Rostock, Stettin und Wien. Das war ein erster, allerdings sehr schüchterner Versuch, die deutsche Schulbildung aus hierarchischen Fesseln zu lösen. Lefen, Schreiben, Rechnen, viel kirchliche Dogmatik und in den höheren Klassen das Latein — darauf ging der Unterricht in diesen städttschen Schulen. Auf da« Schreiben wurde bis zur Einführung des Bücherdruckes fortwährend viel Zeit und Mühe gewendet. Schönschreibung und Miniaturmalerei haben bekanntlich wahre Prachtstücke von Hand-
grscheint täglich außer an den Werltagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage llHttrirteÄ m. re—
»uchdruck.rei) bezogen Wodurch die Postämter °des D?utsche7 Reiche- 2 Mark
5üt in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition ».Blatte«, sowie d.Lnnoncen-Bureaux von S. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jägrrllcht Buchdandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; gnoalidendank in
Berlin; W. Tdiene« in Elberfeld' S. Schlotte in
Land geschleudert wurden. Hätten die Acttengesell- sflen mit ihrem baaren Gelbe bauen sollen, so würde und t die Hälfte der Fabriken gegründet worden sein. Wie ten i haben solche Gesellschaften industrielle Untemehmungen nte H Leben gerufen, welche so viel Millionen kosteten, als ps g< selbst vielleicht kaum Tausende von Thalern besaßen. Beso« st papiernen Geldzeichen waren der «schwamm, welcher LagerI baare Geld aus dem Lande auffog. Dem Volke blieben Papierzeichen in den Händen, welche sich bald in werth- l Papierstreifen verwandelten. So wurde das Volk um
l Die deutsche Stadt im Mittelaller.
Bon Johanne« Schere.
(Fortsetzung.)
(Nachdruck Derb., Bundesg. v 11. Juni 1870.) pW ist versucht zu meinen und zu sagen, die deutschen ttt hätten daS Bedürfniß gefühlt, die schauderhaften freien, deren Schauplätze sie zur Zeit des Schwarzen der Geißlerfahtten und Judenschlachten gewesm, « einer verdoppelt emsigen Kulturarbeit zu sühnen tutzumachen. Denn auf allen Gebieten intellektueller Materieller CivUisation regte es sich in den Städten lästig und erfolgreich. Zwar der Goldfaden der Dich- welchen die Bürger aus der Hand des ^betten Adels übernahmen, gewann keinen neuen I, sondern vnschimmerte und verblaßte in der ^deS bürgerlichen „Meistergesanges" mehr. ES war M löblich, weil immerhin von Theilnahme an der *Mjtn Seite deS Lebens zeugend, daß sich die ehrsamen "Merksmeifter zu Reimschulen zusammenchaten, wie ' namentlich zu Nürnberg, Ravensburg, Augsburg, ' Frankfurt und Straßburg blühten, nachdem der 'zufolge die erste zu Mainz durch Heinrich von F>t genannt Frauenlob, gestiftet worden und Kaiser L1*- diese Genossenschaften mit förmlichen Zunftrechten hatte (1378). Der Vorstand so einer Reimer- ^ngerzunst hieß daS Gemett und seine Mitglieder ^Üchsenmeister", „Schlüsselmeister", „Mettmeister" wenenntelfter") leiteten die dichterischen und musika- 8 ttebungett und Wettkämpfe, welche in Gegenwart iWen und Töchter der Zunftgenossen in bet Kirche
Rathhaussaale an bett Sonntagsnachmittagen P$«n. Das hieß man „Schule" singen unb nach ^«spruche des Merkmeister« wurden den wetteifernden
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Ursache des UebelS muß also in ber Quelle liegen, welcher die Ueberzahl der Fabriken entsprungen ist. ihr, DkheS ist denn diese Quelle? Sehen wir zu, wie die beim ttken der Gründerzeit entstanden sind, so werden wir