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Nr. 102

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sowie d-Annoncen-Bureaux gen Tb- Dietrich L Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein L Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Woffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

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ent ^Anzeigen nimmt entgegen: -Pb 9 zie Expedition d.Blattes,

JlTacßurg, Donnerstag, 2. Mai 1878

xn I. Jahrgang.

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Lnzeiacn nimmt entgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d.Ännoncen-Bureaur von ®. 8. Daube et Co in Frankfurt a. M.; Jäger'iche Buchdandlung daselbst; Hermann'fche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Tdienes in Elberfeld; C- Scklotte in Bremen

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Erscheint täglich außer an den Werk-agen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrirtetz SnnutaaSblatt" durck die Srvebition

Buchdruckerei) bezogen Mark^durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 W8"(epi SPefMlÄ . -’gffiXS? Wr b" gespasten Zette 10 «ka __________________________________________Sur in der Expedition zu eltdeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet. 9 P ö 1W V'8'

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AesteKungen auf die vberhesstsche Zei.

t«ng und deren Gratisbeilage Ittustrirtes Sonntagsölatt werden für die Monate Mai «nd Juni von allen Postanstalten angenommen (auf dem Lande auch von den Landpostboten).

Tagesbericht.

I Der Reichs-Anzeiger publicirt das Gesetz betreffend die Feststellung des Haushalts-Etats des deutschen Reiches für «s Jahr 1878 79, welches das Datum des 29. April trägt.

Bei der gestrigen Wiedereröffnung des Reichstags waren «e Bänke des Sitzungssaales noch sehr dünn besetzt; es »ar lange nicht die zur Beschlußfähigkeit erforderliche Zahl »n Abgeordneten anwesend. Jndeß wurde die Tages- irdnung zum größten Theile erledigt, so weit unwiderruf- iche Beschlüsse nicht zu fassen waren. Es dürfte seine Schwierigkeiten haben den Reichstag noch längere Zeit in

Jebel «schlußfähiger Stärke beisammen zu halten.

[71<| Bekanntlich ist Seitens der deutsch-conservativen Fraktion m Reichstage ein Antrag eingebracht worden, der dahin selt, durch Abänderung der Bestimmungen der Gewerbe- rdnung bezüglich, der Theater-Freiheit im Interesse der Sittlichkeit eine Beschränkung insofern eintteten zu lassen, ls daS Concessionswesen bezüglich der sogenannten Cafe ihantants (Tingel-Tangel) und anderer derartiger Etablisse-

reae Mts einer größeren Schärfe unterworfen werden fvü. 5^5 )aß dieser Antrag ein durchaus zeitgemäßer ist, mag schon rraus hervorgehen, daß die Polizeibehörde Berlins sich IM* kranlaßt sieht, jetzt aus eigener Initiative auf diesem Wege Angehen. In neuerer Zeit entstanden in Berlin eine M«ße Zahl sogenannter „Wiener Cafes", in denen für — dcht einmal billiges Geld mäßig guter Kaffee und andere

le "artige Getränke, auch Bier und Wein, sowie Gebäck »d kalte Speisen verabfolgt wurden. Diese Cafes genossen »erde« Utd?tocS das Vorrecht, daß sie Tag und Stacht geöffnet r foten, und auch in dieser Weise vom Publikum frequeuürt ____: »lrden. Während das Bestreben der Polizei-Behörde dahin mg, die Besitzer der Bierlokale in ihren Concessionen zu ^schränken und namentlich die Zahl der sogenannten „Nacht- sncessionen" zu vermindent, wurde gerade diese» Wiener »fes eine unbeschränkte Concession ertheilt. Mit Stecht IlK ^°ben die einheimischen Restaurateure gegen diese Un- ffchmäßigkeil, welche die Wiener auf Kosten der Einhei- 'ben. ijchen soulagirte, Beschwerde. Die Wiener Cafes aber cloren dadurch immer mehr und mehr den Charatter der ' ”"3 safes" und wurden mehr und mehr Bierlokale. Rach

28. 7.

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®. 61

Der alte Schärttm.«) Novelle von Ernst Eckstein. (Fortsetzung.)

Föhrenst., 6. August.

Welche Nacht. . . Sternumglänzte Wipfel ... Ich ” • • • Heber dem Thal die bleichen, schimmernden A... Er ist meine Welt, meine Zukunft, mein Gott...

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Heinrich... Was frage ich nach dem Wohl und Wehe »urg,» Betrogenen! Nein, nein, es geht mir bitter zu Her- Seschi1 • • • Ich Ruchlose! Ich Fluchwürdige!

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44 u Aus den Briefen Pyl's.

■ ’g h 26. 7.

stN zwölf Uhr an der Quelle! Mein heißgeliebtes, ~Z Nssgeö Weib, ich zittere vor Sehnsucht, Dich wieder « 1® Herz zu schließen! Laß die bangen Gedanken und . nur mir und unserer Liebe. Alles ist eitel, und wenn l ®it .

»ertöten Mit Oenebmigung bet Betlagshandlung au« beut bei «tfjtcm in VeijKig erjdjiencneu Werke „Ltutmn » ch >," Reue Ro- r*8“ r “ 6 6 <t n e i « (i starte »änbe. Preis Mi. ») entlehnt.

Am 3. August.

-Wenn Heinrich kommt, — wie werde ich ihm begegnen? *! Md oder stumm? Heuchlerisch oder gleichgültig ? Pein- gg J" Gedanke! — Aber Er, Er — o, er liebt doch nur . _ v so glühend als ich, sonst würde er Weib und Kind -- ^Heimath in die Schanze schlagen und mit mir fliehen »6 fliehen bis an die äußersten Marken der Menschheit. 101 :2®üfte wird mir zum Paradies, wenn ich die Qualen Roth und des Mangels an seiner Seite erdulden darf.

Mitternacht wurde in ihnen viel mehr Bier als Kaffee und andere Getränke getrunken. Die Bevölkerung aber, welche sich Nachts in ihnen zusammen fand, bestand zum größten Theil aus Damen der Demi Monde und zwei­deutigen Rufes mit ihren Zuhaltern und jungen wie auch älteren Nachtschwärmern, von denen auch viele zu den soge­nannten „dunklen Existenzen" gehörten. Diesem Treiben wird nun endlich ein Ende gemacht werden, indem wie man hört, Seitens des Polizei-Präsidenten v. Madai die Wei­sung ergangen ist, die Concessionen aller dieser Cafes der­artig zu beschränken, daß dieselben Nachts 12 Uhr geschlossen werden müssen. Vom Standpunkt des Moralitätsprincips aus kann dieses Vorgehen der Polizei-Behörde nur will­kommen geheißen werden.

Die sechste Criminal - Deputation des Stadtgerichts in Berlin verurtheilte gestern den Reichstags-Abgeordneten Most wegen Beleidigung der Geistlichkeit bei der am 22. Januar im Saale deö Handwerker-Vereins abgehaltenen Volksver­sammlung zu zweimonatlichem Gefängniß. Die Anklage wegen Gotteslästerung erachtete der Gerichtshof nicht als erwiesen.

Der Pol. Corresp. schreibt man aus London zur orien­talischen Frage, über die heute Nachrichten, welche die Si­tuation wesentlich ändern, nicht vorliegen: Unsere Regie­rung gibt keine beruhigenden Bulletins über die schwebenden Verhandlungen aus, wie man daran in St. Petersburg Gefallen zu haben scheint. Die Dinge stehen auch gar nicht so, um durch dubiöse zweideutige Kundgebungen die Welt in falsche Hoffnungen zu wiegen. Man erweist hier dem Konttnente nach wie vor den Gefallen, zeitweise über die Eventualität des Kongresses zu verhandeln, und erklärt auch dann, wenn diese Verhandlungen immer von Neuem dieselbe Aussichtslosigkeit dokumentiren, doch nicht Alles für aufgegeben. Letzteres aus dem Grunde, weil man noch immer nicht für ausgeschlossen hält, daß Ruß­land dem vollen Ernste der Haltung Englands schließlich doch Rechnung tragen und lieber vor, als nach einem Kriege kapituliren werde. Die Kapitulation Rußlands — so oder so — das ist die Losung, von welcher, dessen darf der Kontinent sicher sein, England nicht abgehen wird Fügt man sich in St. Petersburg der Formel, welche man hier für dieses „Biegen" oder „Brechen" ausfindig gemacht und aufgestellt hat, dann wird man hier darin bis zu einem gewissen Grade eine Gewähr erblicken, daß der Kongreß auch in Bezug auf die fpeciellen Interessen Eng­lands in Asien ein ersprießliches Resultat haben könne. Laßt aber Rußland diese Vorbedingung für den Kongreß unerfüllt, dann wird England fowohl im europäischen, Dein herrliches Auge im Tod erloschen ist... Fort mit dem trostlosen Bild! Unsere Liebe lebt ewig, denn das ist die wahre Gluth, die allem Qualm der Weisheit zum Trotz emporlodert.

. Am 27. Juli.

Er ist mein Freund, sagtest Du gestern? Nein, Virgune, Du Holde, Du Himmlische! Er ist mein unver­söhnlichster Todfeind. Ich hasse ihn wie das Verhäng- mß ... und um so glühender als ich schweigen muß . .. ■3a doch, er war mir einst werth — aber oas Schicksal fit unerbittlich ...

. Am 1. August.

'-itijtg Geliebte! Hast Du auch Alles vernichtet, wie Du versprachst, oder bist Du in jeden Zettel, den ich Dir zustecke, verliebt wie ich in die Deinen? Um Himmels» willen, sei vorsichtig, aus Mitleid, aus Gnaoe! Clara würde^zu Grund gehen und mein armes Kind ... Nein, Du L>üße, wir können auch in diesen Schranken uns glücklich fühlen, wir können genießen, was ein Gott uns gewährt — und der Armen und Elenden fchonen . . . Heute Abend!

Außer diesen Briefen und Blättern fand sich in der Schatulle ein Bild des Treulosen vor, dasselbe, das Herr Schärtlin mir beim Beginn seiner Erzählung gezeigt hatte. Von Virginiens Hand las ich auf der Rückseite: Mit Dir durch Nacht und Grauen, durch Sünde und Tov!

ES währte geraume Zeit, bis mein unglücklicher Freund sich von dem zermalmenden Eindruck der Erinne­rungen, die während der letzten Stunde auf ihn eingestürmt waren, hinlänglich befreit hatte, um seinen trübseligen Be­richt zu Ende führen zu können. I

wie int eigenen Interesse die Rectificirung der durch Ruß­land sowohl auf der Balkanhalbinsel, wie an der asiatischen Küste des L-chwarzen Meeres geschaffenen Verhältnisse in die eigene Hand nehmen, und auf eigene Gefahr besorgen Immerhin ist eö möglich, daß das Londoner Kabinet dem eventuellen Eintritte der letzteren Phase noch einen bedeu­tungsvollen Schritt vorangehen läßt, um seiner allfälligen ANion denjenigen Charakter zu wahren, welchen mehrere kontinentale Mächte ins Auge gefaßt haben, als sie im Wege eines Kongresses zur Umgestaltung der von Ruß­land geschaffenen Situation zu gelangen hofften. Mit der Möglichkeit einer von England nach London einzuberufen­den Konferenz kann gerechnet werden.

Deutsches Reich.

** Berlin, 30. April. Verschiedene Blätter bringen aus einer angeblichen halbofficiellen lithographirten Correspon- denz die Mittheilung, daß der neue Minister des Innern die Verwaltungsreform nicht in der begonnene» Weise fort­zuführen beabsichtige, es werden sogar Einzelnheiteu in dieser Beziehung angeführt. Dagegen ist zu bemerken, daß es eine halbofficielle lithographirte Correspondenz nicht gibt, überhaupt kein halbamtliches Blatt außer der „Prvvinzial- Correspondenz". Wir können aber hinzufügen, daß die Nachricht auch aus keiner irgend unterrichteten Quelle stammen kann, da sie jeder thatsächlichen Begründung ent­behrt. In amtliche» Kreise» ist auch nicht das mindeste bekannt, das einer solchen Annahme auch nur als Vorwand dienen könnte. — Am 15. Mai wird in Coblenz eine dritte Arbeiterabtheilung der Sträflinge errichtet, welche unter die Inspektion der militärischen Strafanstalten gestellt werden wird. In Folge der Erweiterung der FestungSge- sängnisse zu Köln und Torgau werden am 1. Mai die Festungsgefängnisse zu Coblenz, Erfurt und Stettin aufge­löst. — Der Direktor der Admiralität, Vice-Admiral Henk welcher die Werftdepots zu Kiel und Wilhelmshaven vor Ostern inspicirt hatte, hat sich Ende voriger Woche zu dem gleichen Zwecke nach Danzig begeben. — Die Kaiser­liche Normal - Aichungskommifsion halte durch Bekannt­machung vom 15. Februar d. I. die §§ 89 und 91 der Alchordnung vom 16. Juli 1869 mit der Maßgabe auf­gehoben, daß bezüglich der bei den Aichungsbehöroen zum Zweck der Umstenipelung zur Vorlage gelangende» mit den früheren Lanoesstempeln versehenen Gewichte bis auf Wei­teres Nachsicht geübt werden soll. Der Handelsminister hat nun unter dem 24. vorigen Monats die Regierungen veranlaßt, die obige Bekanntmachung unter Verweisung auf 8 369 des Strafgesetzbuches wiederholt im Amtsblatt zu ^veröffentlichen, und denselben ausgegeben, das beteiligte

Noch einmal wandte er sich zu mir her und erzählte tote folgt: 8 v

er ?ie. Sonne sank, und über den Ruheplatz der

Todten breitete sich das Dunkel. Ich lehnte nach wie vor am Grabhügel des Weibes, das ich nun zwiefach verloren hatte — unfähig, mich zu regen, starr und leblos wie die stummen Schläfer im kühlen Kirchhofsgrunde. Nur mein Herz zuckte und krampfte in namenlosem Weh, als wollte es mit Gewalt meine sterbliche Hülle zerbrechen und mich 1° lull und gelassen machen wie die glückseligen Tooten. _ Der Nachtwind hob die dunstigen Wottenschleier; die Sterne traten klar an dem tiefdunklen Himmel hervor — und ich lag noch immer troff- und hoffnungslos in 'dem Kamps mit meinem unbeschreiblichen Elend. Im Osten kam der Mond herauf und goß sein gespenstisches Licht über die Leichen,leine und Kreuze. Die Cypressen und Trauerweiden rauschten und flüsterten wie bange, mensch­liche stimmen; aus dem nahen Gehölz klangen die hei-

Rusc der Nachtvögel; aber mich schreckte fein Laut, Tein Lichtschimmer, keine Anwandlung des Grauens aus meiner ffumpfsinnigen Lethargie auf. Ich hätte vielleicht die ganze Nacht in diesem Zustande hingebrütet, wenn mir nicht plötzlich der Gedanke durch's Him gezuckt wäre, mein furchtbares Gehermniß könne enträthselt werden, falls ich der Welt gegenüber mich nicht beherrschte. Diese Erwä­gung, die nur gairz traumhast in mir aufgetaucht war gab. nur sofort wie durch ein Wunder meine Besinnuna zuruck, ^ch ,prang empor, barg die zerstreut umherlie- genden Papiere in meinet Brusttasche uno wankte, die Schlafen tm Fieber erglühend, der Stadt zu.

, VI|d)Cn 5Ur ^uhe begeben; ich war mir

baljei selbst überlassen und konnte, so weit mein Zustand Rache gehn, was zu thun sei.

Das erste Gefühl, das mir jetzt, da ich einigermaßen zux