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Marburg, Mittwoch, 1. Mai 1878

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Änzerqen nimmt entgegen: die Grpedtrton ».Blatte», sowie 6 flnnoncen-Bureauf non (9 L Daube & Co in Frankfurt a. M.; ILqe^'che huäibannlunq daselbst; Hermann'sche ^udibanbl daselbst; jnoalibenbant in Berlin; W Ibtenee in Elberfeld; 6 Schlotte in Bremen

Erscheint täglich außer an den Werllagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirtrS Sonutagdblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen S', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches t Mark 50 Pfg. (eycl. Bestellgebühr). Jnsertwnsgedühr für die gespal'ene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft unb Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

(Expedition b.Blntte», gie dAnnoncen-Bureaux w Th. Dietrich & So. in 1 .ff«- und Hannover; Th.

«irich in Frankfurt a.M.; etnW aefenftein & Bögler in hrlich rontfurt a. M., Berlin, )t er ölig, Köln re.; Rudolf 11 Me in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

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iethei Weise die zum Schutz gegen Feuersgefahr im Gebäude

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x Regimenter und trotz der Aufbesserung der Verhältnisse r Unteroffiziere Seitens der Militärverwaltung wollte nicht gelingen einen genügenden Stamm älterer Unter« siziere heranzubilden und saft bei allen ^Regimentern ühte die Zahl der jüngeren Unteroffiziere ans dem älte- m Jahrgange der drei Jahre dienenden Mannschaften ltnommen werden. Was der angestrengtesten Bemühung x Militär-Verwaltung nicht möglich wurde, das ist jetzt

irch den Druck der schweren Zeit erzielt worden. ÄuS en Armeekorps treffen bei dem Kriegsministerium Mitthci-

tngen ein, aus denen hervorgeht, daß die Zahl der frei- illig eintretenden Mannschaften und der zur (Kapitulation h Anmeldenden so bedeutend ist, daß man sogar gezwungen ; die Meldungen zum Theil zurückzuweisen. Nicht minder hlreich sind die Meldungen zum Eintritt in die Unteroffi- nschulen, so auch der Meldungen von Eltern und Vor­

elche nach Ablauf ihrer Kapitulationszeit, auS dem Dienst aten, um eine viel lohnendere Beschäftigung bei der Ptt- itinbuftrie und auf den Bureaus der Banken und Aktien-

istllschaften anzunehmen, so bedeutend sei, daß dadurch tt Militärdienst gefährdet werde. Trotz aller Bemühungen [Ur ~ .......

i DerReichsanzeiger" meldet folgenden Unfall:Nach » Tokio (Japan) eingegangenen Nachrichten ist in der

64.

82.

Der Reichskanzler hat bei dem Bundesrathe den An- rag gestellt, beh S Revision derPharmacopoea Germa- i n von 1872 eine Sachverständigen-Commission zu be-

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>rhai imder rc. für den Eintritt ihrer Kinder, Mündel und ßegebefohlenen in die Unteroffizier-Vorschule zu Weilburg. Heils zwinge die Arbeitslosigkeit diese Leute zum Eintritt ( die Armee, theils ist es auch die Aussicht auf eine ge-

*. > fette und gut dotitte Zukunft nach Absolvirung der 12 Märdienstzahre, welche sie veranlaßt, die subalterne Mi- 1 irkarttere zu ergreifen.

Herf. acht vom 8. zum 9. März d. I. in einem der Wohnge- 5r,j iube der Kaiserlichen Ministerresidentur daselbst durch die rtter dachlsamkeil eines japanischen Dieners Feuer ausgebrochen.

Derselbe hatte nämlich heiße Asche in einen dazu nicht be­stimmten Holzkasten geworfen, so daß dieser Feuer fing I ab das in der Nähe befindliche Holz- und Balkenwerk in * tanb setzte. Das Feuer brach NachtS gegen 1 Uhr aus. ® »Panische Polizeibeamte auf ihrem Rundgange bemerkten zuerst. Sie weckten die Dienerschaft und halfen noch V iftin anerkennenSwerlher Weise beim Löschen. Da glück-

eheni Währnw derGründerzeit" hatten wir wiederholt mel- r müssen, daß die Zahl der Unteroffiziere der Armee,

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Der «Ute Schörui«. *)

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Novelle von Ernst Eckstein.

(Fottsetznng.)

Kaum war diese Idee in mir lebendig geworden, als ich mehr begreifen konnte, wie es mir möglich gewesen, in dieser freudlosen Oede der Manern an das Hei-

um VirginieuS heran zu treten. Mit einer ängstlichen ftigteit, als könne ich'S nicht erwarten, den. Frevel er gut zu nzachen, eilte ich inS Freie und nahm den nach dem Friedhof. ES war ein lauwarmer Lenz- der Himmel von weißen, flockigen Wolken überzogen, die nur hin und wieder ein ungedämpfter Strahl Sonne leuchtete. Wie ich den abgelegenen Bergpfad lifftieg, der, quer durch die Fahrstraße schneidend, in gen Minuten zur Höhe führt, da war mir fast zu e, als müsse bei der nächsten Wendung deS Weges Tarnvw'sche Schloß auftauchen und die gewaltige and, an die sich bet Gatten anlehnte. Mit selbst­ischer Lust versentte ich mich in diese unvergeßlichen r, ohne nach rechts und links aufzuschauen; und als endlich die Blicke hob, da stand ich vor der eisernen etthür des Kirchhofs und laS die goldene Jnschttft über

Eingang:Selig sind, die in dem Herrn sterben." Einen Augenblick machte ich Halt, wie um mich zu toteln. Drunten aus dem bläulichen Duft der Früh- Ritt Landschaft grüßten die schimmemden Häuser des . i »dlchens, halb von Ulmen * unb Obstbäumen verdeckt, Hb.6 h unb traulich, als brauche der Mensch nur zu wollen, - 61 1 glücklich zu sein: und hier oben breitete sich wie eine ttwott auf die Frage deS ThaleS die statte der Todten

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selbst angebrachten Wasserbehälter reichlich gefüllt waren, so gelang es, trotz des hefügen Windes, den vereinten An­strengungen der Dienerschaft bald des Feuers Herr zu wer- werben unb bie drohende Gefahr des Niederbrennenö sämmt- licher Nebengebäude dieser Besitzung des Deutschen Reiches noch rechtzeittg abzuwenden.

Die Sozialdemokraten befinden sich wieder einmal in arger Klemme. In ihren Kassen ist Ebbe eingetreten und ein Hülfetnf erfolgt über den anderen. Das socialistische Centtal-Wahl-Comit« Denffchlands, dessen Sitz in Ham­burg ist, sieht sich gezwungen in den sozialistischen Blättern an die Parteigenossen eine besondere Aufforderung zu richten, und um Geldbeiträge zii bitten. Die Partei, heißt es in diesem Aufruf, sei eine Partei des politischen und sozialen Kampfes, die einer stets gefüllten Kriegskasse wie auch ausreichende Invaliden-, AgitattonS- und UnterstützungS- fondS bedürfe. Augenblicklich fehle es daran, weil dir vielen Veruttheilungen der Parteigenossen, Geld- und Ge- fängnißstrafen, die Mittel aufgezehrt haben. Darum also müsse jeder Patteigenosse freiwillig für diesen Agitations­fonds Beiträge leisten. Ob dieser Ausruf bei dieser arbeitslosen Geschäftszeit und bei den außer Brod stehenden Parteigenossen von erheblicher Wirkung sein wird, bezwei­feln wir sehr. Denn daß die sozialdemokratische Bewegung durch die große Brodlosigkeit der Arbeiterbevölkerung er­heblich schon jetzt gelitten hat, ist nicht zu bezweifeln. Namentlich aber zieht sich Alles zurück, sobald es sich um Geldgeben" handelt.

Am Sonntag Nachmittag hatte Berlin wieder einmal einen sozialdemokratischen Auszug zu schauen. Es handelte sich um das Begräbniß des ehemaligen Arbeiters Deutler, des Sitzredakteur (vulgo Prügeljunge) derBer­liner freien Presse" welcher in der Untersuchungshaft und zwar in der Krankenstation für Untersuchungsgefangene der Charit« an der Schwindsucht gestorben war. Mau wollte aus dem Verstorbenen einen Märtyrer der Presse machen und wollte einen Aufzug wie bei dem Begräbniß des Agitators Buchdrucker Heinsch in Scene setzen. Allein es wollte nicht recht gelingen. Etwa 4000 Menschen da­runter etwa 1200 socialdemokratische Weiber mit Kindern unter der Führung derFrau Präsiventin" Stägemann hatten sich eingesunden, aber das ganze Begräbniß hatte zu sehr den Schein des Gemachten und darum fehlte ihm die Würde und der Ernst, die man allerdings bei dem Begräbniß des Heinsch nicht vermißte.

Die russische Presse enthält auch heute ihre Rückblicke auf die gegenwärtige Situation und ist aller politischen aus, von demselben Sonnenlicht umfluthet, das drunten in den Wipfeln der Bäume spielte.

Die Pforte drehte sich geräuschlos in ihren Angeln. Langsam schritt ich zwischen den Gräbern einher, das £>er$ von einem unbeschreiblichen Druck zusammengepreßt, als sollte mir erst jetzt, da ich im Begriff stand, an ihren Hügel zu treten, der Tod Virginiens unwiderruflich gewiß werden. Ein Denkstein auS Marmor, in sanfter Neigung auf die Gruft gelegt, bezeichnete die Stätte, wo man das Glück meines Lebens in die Tiefe gesenkt hatte. Mit un­heimlicher Gier las ich die eingemeißelte Jnschttft, zwei, drei, vier Mal und immer wieder, denn ich verstand nicht, WaS mir aus diesen kalten, unbarmherzigen Zeilen entgegen^ starrte. Gestorben! Ich wiederholte das Wort laut und es klang mir so fremd, so mffaßtich, daß ich vor dem Ton meiner eigenen Stimme zusammenschauerte. Gestorben! Und ich war im Stande, das nachzusprechen, ohne daß mir das Herz in Stücke brach!

Ich setzte mich am Rande des Hügels nieder und stützte den Kopf in die Hand, immer die Blicke auf die unbegreifliche Inschrift gettchtet. Je länger ich hiustarrte, um so seltsamer ward mir zu Mnthe. Der Krampf, der mir die Seelen zusammengeschnürt hatte, begann sich zu lösen: das ganze Leben mit seinen Freuden und Leiden glitt wie ein vergänglicher Traum an meinem innern Blick vorüber, unb eine süße TodeSmüdigkeit nahm mir alle Sinne gefangen. WaS war der äußere Besitz eines ge­liebten Wesens, verglichen mit der ewigen, unauslöschlichen Gluth dieser Liebe selbst! Dir Treue der ewigen Erin­nerung, die den Tod überwindet, erschien mir in diesem Augenblick wahrhafter und wirklicher a!S das irdische Dasein selber, und je mehr ich mich in diese tröstende Schwärmerei vertiefte, um so gelassener und ruhiger fühlte ich mein Blut durch die Adern rinnen. Ich wiederholte

Neuigkeiten baar.Golos" geht unter Anlehnung an den Artikel derNat.-Ztg." vom 19. April auf die innere Lage der Grvßstaaten Europas ein, welche er durchweg als nicht sehr befriedigend erkennt. Er schreibt:Die englischen Correspondenten berichteten in den letzten Tagenvon der Unzufriedenheit der Russen mit sich selbst und der ganzen Welt", die jetzt in unserer Gesellschaft herrschen soll. Es Wäre lächerlich, wenn man behaupten wollte, dem wäre nicht so und unsere Gesellschaft befände sich in einer sehr rosigen Stimmung; das ist nach dem Kriege und der zwei­jährigen Stockung in der Entwickelung auf wirthschastlichem Gebiete, und bei der in Folge dessen allgemeinen derente auch nicht anders möglich. Aber wir stehen nicht allein so da; mit Ausnahme vielleicht nur des Grafen Beacons­field und seiner stolzen Herrin sehnt sich ganz Europa nach Frieden." DerRußki Mir" vergleicht in Veranlassung des Jahrestages der Kriegserklärung an die Türkei, die damalige Lage und ihre Aussichten mit der heutigen, und bemerkt hierzu:Viele unserer vorjährigen Hoffnungen und Erwartungen haben sich de facto nicht erfüllt, insbe­sondere was die Sympathien der europäischen Großmächte und ihrer Nattonen betrifft. Das Einvernehmen zwischen den Handlungen Rußlands und den Gefühlen und In­teressen Europas ist geschwunden, Dank den endlosen For­derungen Oesterreich-Ungarns und Englands. Unsere Erfolge haben die Feindschaft Europas hervorgerufen, eventuell ver­stärkt; das Dreikaiserbündniß ist erschüttert worben; gegen uns hat sich nicht nur die öffentliche Meinung Oesterreichs unb Englands gewandt, sondern auch bie Frankreichs, Ita­liens und auch theilweise Deutschlands. Die alten Märchen vomrussischen Bären", vomrussischen Barbarenthum" und von den Europa Gefahr bringenden Folgen der Er­starkung von Rußlands äußerer Macht, sind wieder frisch aufgewärmt worden. Von allen Seiten treten wieder neue Drohungen und Ausfälle auf, überall vollziehen sich neue Vorbereitungen zum Kriege, neueentscheidende Maß­regeln", und fast ungehört verhallt in diesem Lärm das diplomatische Geflüster von Conferenzen und Vereinbarungen. Wird nun der Vertrag von San Stefano, wenn auch mit nebensächlichen Modifikationen, bestehen bleiben, oder werden wir gezwungen sein, einen neuen Frieden vor den Mauern Konstantinopels, oder sonst wo um den Preis neuer Opfer und Anstrengungen zu erkaufen ? Die nächste Zukunft wird diese quälende Frage lösen, die gerave zu einer chronischen, unheilbaren Krankheit geworben zu sein scheint: Die Kur hat nun Fürst Bismarck übernommen; aber biefet große internationale Arzt ist gewohnt, mitEisen unb Blut" zu Hellen, nicht aber mit anspruchslosen diplo­matischen Recepten, wie sie uns ber Telegraph in den letzten Tagen übermittel hat ..."

mir, was ich mir schon früher geschworen unb nur wäh­rend ber letzten Tage unter bem Einfluß dieser unmittel­baren schmerzlichen Eindrücke vergessen hatte: meine Liebe fortleben zu lassen bis zum letzten Hauch meines Athems, und mll ber Heimgegangenen eine geistige Gemeinschaft aufrecht zu erhalten, die kein Zufall und keine Anwand­lung des Schmerzes mir erschüttern sollte. Von der Allgewalt dieser Gefühle hingerissen, beugte ich mich über bas Grab unb küßte den goidschimmernden Namen; dann ftttch ich mir über bie Augen, wie um de» letzten irdischen Kummer von hinnen zu scheuchen, und nahm bie Blätter und Briefe hervor, bie ich jetzt in dieser neuen, geweihten Stimmung mit verdoppelter Andacht zu lesen hoffte.

Seit diesem Tag sind viele, viele Jahre ins Land ge­gangen; mein Haar ist ergraut, meine Augen sind trübe geworden: aber wenn ich des unsäglichen Jammers gedenke, der wenige Minuten nach dieser Stimmung des Friedens unb der Ergebung durch meine Seele schnitt, bann packt es mich noch heute mit den eisernen Fingern des Wahn­sinns unb wühlt mir durch das Gehirn, daß ich laut rasen möchte vor Qual unb Elend.

_ Virginiens Aufzeichnungen und hier hast Du das Räthse.wott meines Lebens enthüllten mir ein furcht­bares Geheimniß, das ich bis zu dieser Stunde im tiefsten Abgrund meiner seele verborgen hielt und nur Dir, Dir, meinem einzigen Freund auf Erben, bekennen will, obgleich Du es dann erst völlig verstehen wirst, wenn Du Dein Herz in heißer, grenzenloser Liebe verloren hast. Pyl und mein einzig geliebtes Weib ... ach, theurer Freund, Du ersparst mir das Schrecklichste! Du erräthst unb fühlst Dich gleich mir von allen Dämonen der Hölle geschüttelt...

Der alte Herr schien seine letzte Fassung verloren zu haben. Die kleine, mit Zetteln und Briefen gefüllte Mappe, die er mir jetzt dumpf stöhnend entgegen streckte, wankte