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Marburg, Dienstag, 30. April 1878.
xni. Jahrgang.
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5ür >n der Expedrtwn zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet. # ° “'**
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatted, sowie d.Annoncen-Bureauk von ®. L. Daube & Co in Frankfurt a. M.; Jäger'iche Buchdandlung daselbst; Hermann'sche ^uchhandl. daselbst; Znoalidendank in Berlin; W. TdieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen
«»eigen nimmt entgegen: rillt eExpedition d.Blattes, F ne d.Annoncen-Bureaur 1 t Th. Dietrich & Co. in ____ fiel und Hannover; Th.
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iu Ende geht; wenn ich nicht mehr bin, dann wende an Heinz Schärtlin, der ist ein Ehrenmann und wird mit Rath und That beistehen. Am andern Morgen « Entsetzliche geschehen; mit einer grausenhaften Kalt- keit habe er die Sache so eingerichtet, daß man vor- . an einen unglücklichen Zufall glauben könne; sie wisse nur zu gut, daß Pyl mit voller Klarhctt des gehandelt, und auch die Welt werde ihre Auffassung wenn erst einmal die Wahrheit über Pyl's Ver- erhältnisse an den Tag komme.
Der alte Schärlli«.*)
Novelle von Ernst Eckstein.
(Fortsetzung.)
he Handel und die Flotte Deutschlands sich ausdehnen. 23 Jahren waren die deutschen Meere jeder Flotte heute könne gegen Deutschlands Willen schwerlich eine in der Ostsee erscheinen. Die Correspondenz schließt: d stelle nur seine eigenen Interessen in den Vorder- und berechttge dadurch die übrigen Mächte zur gleichen g, woraus hervorgeht, inwiefern etwa das nichteng-
Dem „Berliner Aktionär" zufolge hat der Handelsmi- die königlichen Eisenbahndirektionen am 20. April ttgt, eine Aenderung der direkten Holztarife im Ver-
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lischt Europa in der unbehinderten Geltendmachung allein englischer Interessen eine Gefährdung der Handels- und Schifffahrts-Interessen aller andern Nationen erblicken müsse.
Wir erwähnten bereits, daß es in maßgebenden Kreisen in hervorragender Weise bemerkt worden, daß die Nachrichten der Agentur Havas von der Wahrheit abweichen und daß diese Manöver, welche namentlich auf Deutschland sich beziehen, gewissermaßen systematisch und absichtlich betrieben werden. In gleicher Weise macht man jetzt auch diese Bemerkungen von dem Reuter'schen Bureau, welches sich abmüht, die Welt mit Telegrammen zu versehen, welche von den gewaltigen militärischen und namentlich maritimen Rüstungen Englands Meldung machen. Dabei passirt es denn allerdings dem letztgenannten Bureau hier und da, daß es Nachrichten in die Welt setzt, welche den Stempel der Erfindung zu deullich an der Stirn tragen, um ohne Weiteres Glauben zu finden. So meldet z. B. das Reu- ter'sche Bureau, daß England unverzüglich eine starke Flotte aus etwa 20 Panzerschiffen und anderen Kriegsschiffen ausrüstet, deren Bestimmung die Ostsee sei. Bei der Be- urtheilung dieses Telegramms dürfte es doch wohl geboten sein, daraus hinzuweisen, daß man die Verhältnisse der Ostsee nicht denen des Mittelländischen oder anderer Meere gleichstellen kann. In der Ostsee sind doch viele bisher neutrale Interessen zu berücksichtigen, welche bei dem Mittelmeere nicht obwalten, und die doch von so erheblicher Natur sind, daß selbst Lord Beaconsfield trotz seiner unerhörten Anmaßung sich nicht so ohne Weiteres darüber Hinwegsetzen wird. England dürfte sich diesmal wohl mehr als zwei Mal besinnen, ehe es einen solchen Schritt thüt und dürste wohl auch in Erwägung ziehen, daß die Verhältnisse sich seit dem Jahre 1854 wesentlich geändert haben, und daß auch die Interessen anderer Staaten, mit denen bisher ein friedliches Verhältniß bestand, zu respectiren sind. Man glaubt übrigens in Berliner Kreisen, daß die Frage der Entsendung einer englischen Kriegsflottille in die Ostsee bereits von den Regierungen der Ostsee-Staaten in Erwägung gezogen worden, und man deutet hierbei auf den vor wenigen Tagen erfolgten Besuch des Königs OSkar am Berliner Hofe und die Reise des General-Feldmarschall Moltte nach Kopenhagen hin. Jedenfalls muß man die erwähnte Nachricht des Reuter'schen Bureaus vorläufig noch mit großer Vorsicht aufnehmen.
_®rei bedeutsame Nachrichten sind es, welche diesmal bezüglich der orientalischen Frage zu resumiren sind: Im Rhodope-Gebirge (ober Despolodagy) im südlichen Bulgaren ist gegen die Russen ein Aufstand muselmännischer Bevölkerung unterstützt von Resten der ehemaligen Sulei-
— Sie sind früher gekommen als ich erwartet habe, fuhr Ludwig fort. Der selige Herr hat mir noch kurz vor dem Unglück, das ihn betroffen, diesen Brief da gegeben. Ludwig, sagte er, das ist ein hochwichtiges Schreiben, von dem mehr abhängt, als Du Dir vorstellen kannst. Ich vertraue cS daher nicht der Post an, denn es hat keine Eile; ich aber könnte es in der Zwischenzeit verlegen oder verlieren. Deshalb übergeb' ich es Dir, meinem erprobten Diener. Hebe ben Brief auf, bis Herr Schärtlin Persönlich hierher kommt. Und er wird kommen über kurz oder lang. Bis dahin bewahrst Du das strengste Stillschweigen. Kein Mensch auf Erden darf darum wissen, denn der Brief enthält ein Geheimniß, das meine Ghre angeht. So sagte der selige Herr, und ich habe den Brief verwahrt wie ein Heiligthum. Es hat mir schon Sorgen bereitet, ich möchte vielleicht eher sterben, eh' ich das Schreiben an Sie abgegeben ; aber Gott sei Dank, nun sind Sie da, und da hat mich's denn auch nicht ruhen lassen. Noch heute mußte ich dem Willen meines seligen Hern, Nachkommen, und deshalb enffchuldigen Sie die Belästigung.
Dem alten Burschen standen die Thränen in den Augen, als er jetzt näher trat und mir den Brief überreichte.
— Es ist gut, sagte ich.
Der Diener entfernte sich. Mit fiebernder Hast erbrach ich die Siegel. . .
Herr Schärtlin hielt inne und nahm ein vergilbtes Papier aus dem Nußbaumkästchen.
— Auch diese Reliquie habe ich aufgespeichert, sagte er mit erzwungener Fassung. Dann las er wie folgt:
An meinen Studiengenoffen Heinz Schärtlin!
Wenn diese Zeilen Dir zu Gesicht kommen, ist die Hand, die sie schrieb, vielleicht lange vermodert. Höre, Heinz, Dir muß ich's bekennen, obgleich Du schwerlich begreifen wirst, was mich zu diesem Geständnisse drängt.
Die beabsichtigte Reise nach Wiesbaden soll unser Kaiser ueöwegs, wie vielfach gemeldet wurde, wegen der poli- hm Situation aufgegeben, sondern dem Kaiser soll von Micher Seite auf das Dringendste angerathcn worden y bei dem noch weiteren Vorherrschen scharfer Frühlings- . ibe und kalter Luftströmungen sich zunächst noch nicht l । Anstrengungen einer Reise und einem Aufenthalte in )emei esbaden zu unterziehen.
man'schen Armee ausgebrochen; Fürst Bismarck ist in Friedrichsruh, feiner lauenburgischen Besitzung, an der Gürtelrose erkrankt; Fürst Gortschakoffs Zustand hat sich verschlimmert, da die Gicht, an der er leidet, die Organe des Unterleibs und der Brust angegriffen hat. — Als diese Neuigkeiten vorgestern fast gleichzeitig bekannt wurden, war ihr Eindruck natürlich ein gewaltiger. Fürst Gort- schokoff vertritt am Petersburger Hofe gegenüber ben panslawistischen Bestrebungen die gemäßigte, b. h. augenblicklich praktisch die der Erhaltung des Friedens geneigte Partei. Wenn daher mit ihm gleichzeitig Fürst Bismarck erkrankte der notonsch in der letzten Zeit der Mittelpunkt aller auf die Vermeidung eines neuen Krieges abzielenden Bemühungen gewesen ist, so mußte das für ein dem Frieden, den doch alle Welt wünscht, höchst ungünstiges Zusammentreffen gehalten werden. Glücklicherweise ist inzwischen eine gewisse Beruhigung in dieser Beziehung eingetreten, da beide Kanzler sich bereits in der Besserung befinden. Dazu meldet die „Times", daß es jetzt gelungen fei, für die Verhandlungen der Mächte die nölhige Grundlage dadurch zu schaffen, daß man eine Formel ausgeklügelt hat, welche England befriedigen soll, ohne bei Rußland und ben übrigen Betheiligten Anstoß zu erregen. Die Mächte sollen nach dieser neuesten Formel eingeladen werden, ,die bestehenden Verträge in ihrer Beziehung zum Vertrage von San Stefano in Erwägung zu ziehen. Gott gebe, daß das nun endlich der Stein der Weisen für den Congreß ist. Freilich allzu große Friedenshoffnungen werden wir darum doch nicht pflegen dürfen; denn von der tiefsinnigen Ergründung jener Einladungsformel bis zur definitiven Regelung der widerstreitenden „Jntereffen" wird noch viel Wasser von Berg zu Thal fließen! — Der Aufstand in Bulgarien gegen die Russen soll durch deren übergroße Harte hervorgerufen sein. Uns kommt es ganz so vor, als ob die Engländer hier unter der unglücklichen Bevöl- ' kerung gegenwärtig ebenso mit ihrem „Pfunde" wuchern wre die Russen zur Zeit der Türkenherrschaft auf gleichem Boden ihren Rubel für sich arbeiten ließen. In der That ist es ein gar nicht zu unterschätzendes Ereigniß, welches da emgetreten ist. Während Beaconsfield rüstet, ja offenbar den Krieg um jeden Preis betreibt, während er wie Shylok auf feinem L-chein steht und die Finessen der Diplornatte ' mit der Auffinbung einer Einladungsformel abquält, bricht Ml Rucken der russischen Armee, in Rumelien, ein Aufstand aus, der ganz bedeutende Dimensionen zu haben scheint; man spricht von 25,000 Insurgenten. Das Terrain der Empörung ist das Thal der Maritza, welches sich am Rhodopegebirge hinzieht. Den russischen Emissären sollen die Aufständischen erklärt haben, sie kämpften nicht für einen Souverain, sondern für ihr Leben und ihre Meine unglückliche Frau hat die Ueberzeugung, daß ich in Folge einer Unvorsichtigkeit das Leben einbüßte; geräth es schlimm, so kommt ihr vielleicht der Gedanke, es sei die Zerrüttung meines Vermögens, die mich in den Tod ge= trieben. Wie dem auch sei, laß ihr den Glauben, denn er ist immer noch tröstlicher als die Wahrheit. Meine Stellung in Fohrenstädt ist freilich auf die Dauer unhaltbar gewordm; aber Du wirst mir zutrauen, daß ich mir njcht um einer solchen Erbärmlichkeit willen die tödtliche Kugel ins Hirn jage. Nein, es ist das Bewußtsein einer großen, unerträglichen Schuld, das mir die Pistole in die Hand drückt. Heinz, lieber, theurer Heinz, wenn ich mich in diesem verzweifelten Augenblick dem Wahn überlassen darf, daß Du Dich beim Lesen dieser Zeilen meiner in alter Freundschaft erinnerst und mir im Geist über das Grab hinaus einen Gruß der Liebe sendest, so werde ich ?^?erc. m'11; , 3.n Deine Hände befehle ich mein Ge- dachtnlß. Wirf diesen Brief in die Flammen und vergieb mm, was ich jemals wissentlich oder unwissentlich an Dir gesündigt habe ...
»10^^ Schärtlin nahm den Faden seiner Erzählung
— Form und Inhalt dieses Schreibens, sagte er, berechtigen zu der Bermuthung, daß der wahre Grund zu Pyl s entsetzlicher That in einer Geistesstörung zu suchen fei- Nur so wußte ich mir die dunkle, phantastisch aufgeregte Sprache des Briefs zu erklären. Auch das, was ich aus Clara S Mimd über ihn erfahren hatte, schien hierauf hmzudeuten. Ich hielt jedoch meine Bermuthung geheim den» ich wußte nicht, ob die unglückliche Frau daraus Trost schöpfen wurde.
Im Laufe deS folgenden Tages fand ich Zeit und Stimmung, mir von Clara die Hinterlassenschaft Virginiens einhändigen zu lassen. Außer ihren Kleidungsstücken und
»erboten. Mil öenebmiqung der Berlngshandlnnz an* d>m bei :«rHein in Leipzig erschienenen Werke „Stur »nacht," Reue Äo« •* «ruft «ckftetn <p starke «äuc«. frei* Mi. 9) entlehnt.
H eilte zu öffnen. Vor mir stand Ludwig, Pyl's Dimer. Er sah bleich und abgehärmt auS; in der Mli ’toen Hand hielt er einen dreimal versiegelten Brief. |.Ab -- Sie sind der Herr Schärtlin? fragte er vorsichtig. " Der bin ich. Was soll's?
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3 1u«g und deren Gratisbeilage Illuflrirtes rte itttttagsüfatt werden für die Monate Mai , T >d Juni von allen Postanstalten angenommen fiere nf dem Lande auch von den Landpostboten), möb
[i fqunb Verschlossenheit überhand genommen, und er dann
* Abends zu ihr gesagt habe: Ich fühle, daß es mit
..... ein trauriges Wiedersehen in Föhrenstädt. lWd I fand ich Clara gefaßter, als ich verrnuthet hatte. ...j 1 erzählte mir mit großer Ausführlichkeit, wie sie schon ssirt tanger Zeit dem Wesen ihres Mannes angemerkt habe, ■ Wl er große, innerliche Kämpfe bestehe; wie seine Düster-
schmerzlicher Bewegung zog ich mich auf mein Zimmer - Von Virginie hatte ich keine Silbe geredet. Ich nicht, waS mir so unabweislich die Lippen schloß. Md» tzvllte mich eben zur Ruhe legen, als es leise an meine \ pochte.
1 zu U mit dem Auslande herbeizuführen, deshalb die nöthigen ßersWandlungen mit den beteiligten deutschen und fremden lHnen nachdrücklich zu betreiben und über das Ergebniß gut acht Wochen zu berichten.
@ine Aufsehen erregende Berliner Korrespondenz der 6 - '"ziösen Wiener „Montagsrevue" bespricht in scharfem das zwischen Deutschland und Englaiid bestehende :in " iß. Der Berliner Korrespondent des genannten chinAtes weist nach, daß die englische Polittk seit dreißig sich den deutschen Bestrebungen feindlich zeigt, er= an die Haltung, welche England 1848 der deutschen e gegenüber beobachtete, an die britischen Anfeindungen re 1864 und an die Haltung Englands von 1870.
I einer Gemeinschaft der europäischen Interessen Beider le demnach keine Rede sein und ebensowenig von einem - und Trutzbündniß Englands und Deutschlands Befestigung derselben, über welches in der letzten Wo- Gerüchte umgingen. Im Gegentheil habe England Jahrzenten in den europäischen Fragen immer Deutsch- entgegen gestanden, um so mehr als die Kollision Interessen in dem Maße zunimmt, indem der über-