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Marburg, Freitag, 36. April 1878

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Haltung der Petersburger Diplomatie bezüglich deS oben erwähnten deutschen Vorschlages und bemerkt dann:Unter solchen Umständen gestalten sich trotz der noch vorhandenen Schwierigkeiten in Betreff der Erledigung anderer formeller Vorfragen, über deren Verlauf allerdings heute weniger günstige Nachrichten vorliegen, die Aussichten für den Congreß in der öffentlichen Meinung nm eine kräftige Nüance günstiger." Lege den Finger an die Nase, ge­wöhnlicher Sterblicher, und erkläre Dir nach einem recht gründlichen Versuch des Nachdenkens, daß Du vorher eben so klug warst!

esteüimgeu auf die vberhesfische Zei­tung und deren Gratisbeilage Iltustrirtes nntagsölatt werden für die Monate Mai b Juni von allen Postanstalten angenommen f dem Lande auch von den Landpostboten).

Der alte Schärtli«.*) Novelle von Ernst Eckstein.

(Fortsetzung.)

Zwei Jahre lebten wir so wie im Himmel.

n|ren Nähe von Konstantinopel bezeichnet. Und in der birgt ja diese kriegsbereite Nähe der beiden Gegner, rend sie offiziell noch in Frieden leben, die größten «fahren. Irgend ein nicht ganz dispositionsfähiger Sol-

tan dem deutschen Reichskanzler den Mangel an Beraus­cht vorwirft, müßte man sich Mühe geben, seine Aeuße- mgen richtig zu citiren und richtig zu verstehen. Fürst ismarck sagte in der Reichstagssitzung vom 19. Februar örtlich:

Rußland würde sich muthmaßlich, wenn die Znstim- : mung der übrigen Unterzeichner der Traclate von t 1856 nicht jetzt erreichen könnte, mit dem Gedanken

beati possidentes"" begnügen."

[ DasBeati possidentes" ist eine Formel des lübi-

Deutsches Reich.

* Berlin, 24. April. Das Journal des Debats hatte in einem vielbesprochenen Artikel vorn 16. April, welcher die deutsche Politik antreiben sollte, Rußland zur Unterwerfung unter daS europäische Vertragsrecht zu zwingen, auch Kritik an verschiedenen Aeußerungen des Fürsten Bismarck geübt. Das Blatt findet, daß diese geflügelten Worte neuer­dings erst mehr wie früher die Eigenschaft zeigten, die wahre Lage der Dinge zu treffen und zu beleuchten. Deutsche Fortschritts- und klerikale Blätter haben selbstverständlich sich diese Kritik angeeignet und namentlich dasBischen Herzegowina", das bereits von der Reichsglocke nach Kräf­ten ausgebeutet worden, sich abermals nicht entgehen lassen. Die Post erwirbt sich in ihrem heutigen Leitartikel das Verdienst, die Ausstellungen des französischen Blattes an der Hand der Thatsachen und der politischen Gesammtlage zurückzuweisen und die volle Berechtigung der angezweifel­ten Aeußerungen des Fürsten darzuthun: Das deutsche Blatt läßt sich die späte aber nicht verspätete Mühe nicht verdrießen zu zeigen, daß dasBischeu Herzegowina" eine Aeußerung kraftbewußter Ironie, nicht von gemüthlicher Unbesagtheit gewesen. Der Aufenthalt des Grafen Stol­berg wird sich aus naheliegenden Gründen noch einige Zeit verlängern müssen. Die daran vielfach geknüpften Gerüchte über veränderte Entschlüsse des Grafen bezüglich seiner künftigen Stellung sind jedoch grundlos. Unbegreiflich ge­dankenlos ist die Ausstellung verschiedener Oppositionsblätter, der verzeichnete Eintritt des Grafen in seine Stellung als Vicepräsident des Staatsministeriums beweise, daß diese Angelegenheit nicht so bringeub gewesen, als sie seiner Zeit behanbelt worben. Als ob nicht, selbst wenn bie Funktio­nen bes Grafen in Wien sich noch um Monate verlängern sollten, bie Bewilligung des Vicepräsioinms bei bem be­vorstehenden Lanbtagsschlnß unbedingt erforderlich gewesen wäre, um bem Fürsten Bismarck auch nur für ben Spät­sommer die Entlastung von seinen Geschäften zu ermög- ltchen. DieProvinzial-Correspondenz" füllt fast ihre ständig gehoben zu werden, aber bei richtiger Behandlung keinerlei Beveicken verursache. Ein milderes Klima als das bisherige sei Vorbedingung; ich möge doch zusehen, ob ich es nicht einrichten könne, eine passende Stelle in der französischen Schweiz oder im südlichen Tyrol zu erlangen. Falls ich der Empfehlung bedürfe, fei er gern bereit, mir durch verschiedene einflußreiche Persönlichkeiten, mit denen er in Beziehung stehe, an die Hand zu gehen.

Der Zufall wollte, daß ich noch im Laufe des April eine Offerte erhielt, die meinen kühnsten Wünschen in jedem Punkt gerecht wurde. K

Der preußische Consul in Odessa hatte sich an feine Regierung mit dem Ersuchen gewendet, für die Bedürfnisse der dortigen deutschen Colonie einen jungen Arzt engagireu zu wollen, der keine übertriebenen Forderungen stelle und geneigt lei, sich nach Ablauf eines Probehalbjahrs für einen längeren Zeitraum zu verpflichten. Baron Tellwitz, dessen Bruder bei der Besetzung dieses Postens die entscheidende Summe hatte, veranlaßte diesen, sich an Pyl zu wenden, und Pyl erwiederte, daß er keine geeignetere Persönlichkeit kenne, als mich. ' w

Der Baron, der sich schon mit Rücksicht auf Virginie, die Tochter seines verstorbenen Jugendfreundes, für mich mteresstrte, unterstützte diesen Vorschlag mit der ganzen Macht seiner Beredtsamkeit. So wurde mir denn von AuttSwegen anheimgestellt, persönlich mit dem Consulat in Verbindung zu treten, um mir Mittheilungen über die näheren Verhältniffe zu erbitten.

®ie Antwort, bie gegen Ende Mai eintraf, lautete so günstig als möglich. Nur eine Klausel verstimmte mich: bie Nothwendigkeit ber sofortigen Uebersieblung. Wie Pyl mir durch ferne Frau schreiben ließ, schritt bie Genesung Vlrgimens nur langsam vor; sie bedurfte für bie nächste Z^t vor Allem der ungetrübtesten Ruhe. Die lange Reise,

In der orientalischen Frage noch immer keine Ent- seidung! Noch immer unlösbare Widersprüche in den * achrichten! Uebereinstimmend wird von verschiedenen Seiten s Grundgedanke der deutschen Vermittelung zwischen Ruß-

vnders nachtheilig auf Virginiens Gesundheit gewirkt tte, so beschloß ich ein Opfer zu bringen und meine Frau jetzt dem Bereich dieser heimtückischen Gefahren zu >er Ziehen.

und England die gleichzeittge Entfernung ber russi- sllHvi Land- unb ber englischen Seemacht aus ber unmittel-

Aber wohin? Meine gute Mutter war inzwischen ge= [1 tbtn ganz abgesehen bavon, daß bie hiesige Gegend mk neswegs klimatisch bevorzugt ist. Auch würde ich die & Reise gescheut haben. Nach einigem Hin- und Her- il 1 toen kam mir der Gedanke an Föhrenstädt, und alsbald Md mein Entschluß fest. Durch die natürliche Wand 8 Höhenzuges gegen Nord- und Ostwind trefflich geschützt, tt-1 sprach dieser Ort ganz dem, was ich zunächst suchte. Üb 8 1 ?er Familie meines treuen Freundes Pyl konnte ', Urne eine Unterkunft finden, wie sie günstiger und eckentsprechender nicht zu wünschen war. Auch in ärzt- ?er Beziehung befand sie sich hier in den besten Händen.

Ich schrieb an Pyl einen ausführlichen Brief, auf ben

- Tagesbericht.

auf DieProvinzial - Korrespondenz" bestätigt, baß bie ssie. eise des Kaisers nach Wiesbaden zweifelhaft gewor- m und vorläufig vertagt sei. DerBerliner

bat, irgend ein böser Zufall kann bie feindlichen Pole in solche Nähe bringen, daß die Entladung erfolgt. Diese Basis weiterer Verhandlungen soll denn von beiden Seiten im Princip" angenommen sein; aber dieTimes", die diese Nachrichten bringen, fügen sogleich hinzu, daß die Sache trotzdem dann immer noch ihre großen Schwierig­keiten hat, da erst Spezialcommissionen an Ort und Stelle die erforderlichen Besichtigungen vornehmen müssen, um festznstellen, wie weit sich jeder der beiden Gegner von Konstantinopel zu entfernen habe. Wenn z. B. die englische Flotte in die Besika-Bay, die Russen nach Adrianopel zurück- kehren wollten, so sei diese englische Position unvortheil- haster als die der Russen. Auch werde die Türkei Garan­tien zu geben haben dafür, daß sie, wenn jetzt ein solcher vorläufiger Rückzug zu Stande komme, die etwaige Wieder­herstellung der gegenwärtigen Lage der Dinge nicht ver­hindern werde. Das sind die friedlichen Aussichten! Alle übrigen Telegramme wissen von dem eiligsten Betrieb der beiderseitigen Rüstungen zu erzählen. Die Russen schanzen bei Konstantinopel, besetzen strategische Punkte in Rumänien und führen ungeheuren Proviant über See, um in Folge eines neuen Krieges von den Zufuhren zu Wasser und zu Lande möglichst unabhängig zu sein. Die Engländer lassen ans Indien eine Reserve von 8 Regimentern kommen, um dieselbe auf Malta für alle Fälle in Replis zu legen. Ja Lord Beaconsfield hat sogar nach Calcutta Ordre gegeben, sämmtliche indifchen Truppen sofort auf Kriegsstärke zu bringen, eine Maßregel, welche natürlich den höchsten Zorn der englischen Friedenspartei erregt. Man erinnert sich der Debatte im englischen Unterhause, als es sich um die Osterferien handelte. Da erklärte der Unterstaatssecretär ausdrücklich, die Lage sei so beschlossen, daß gar fein Grund zu erhöhten Besorgnissen vorliege; die Ferien könnten des­wegen ruhig bis zum 6. Mai sich erstrecken. Und kaum ist das Parlament aus einander gegangen, da erläßt der Premierminister jene kriegerischen Befehle! Friedlich sieht's freilich nicht ans!Daily News" erhalten ein Telegramm ans Konstantinopel, wonach ber bortige englische Botschafter Layarb Schritte gethan habe, um bie englischen Unterthanen unter amerikanischen Schutz zu stellen; ber amerikanische Gesanbte soll bazu bie Erlaubniß seiner Regierung einge­holt haben. Das wäre also ein Wink auch an bie Pforte. Kurz, bie Engländer unterlassen nichts, was bie Welt in bem Glauben an ben bevorstehenden Krieg bestärken kann. lieber ben Stanb ber Verhandlungen zwischen Peters­burg unb Wien ist es in der letzten Zeit wieder ganz mysteriös still geworden. Die Wiener Blätter beschränken sich auch in Bezug auf die englisch - russische Differenz auf dunkles Fabeln. DieAbendpost" z. B. koustatirt die Ge­neigtheit des englischen Kabinets und die entgegenkommende ich umgehend Antwort erhielt. Er theilte mir mit, daß Virginie sofort ein mit allem Röthigen ausgestatletes Zimmer in seiner Privatwohnung beziehen könne und drückte mir fein Bedauern aus, daß fein Wunsch, meine Gattin kennen zu lernen, erst jetzt und in Folge eines so unerfreulichen Anlasses in Erfüllung gehe. Gleichzeitig lud er mich ein, die Gelegenheit zu benutzen und wenigstens auf ein paar Tage sein Gast zu sein.

Die ungünstige Jahreszeit, die meine ärztliche Tätig­keit ganz besonders in Anspruch nahm, machte es mir un­möglich, dieser Aufforderung nachzukommen, dagegen reifte Virginie schon am folgenden Tage ab, von meinen heißesten Segenswünschen begleitet. Es war eine furchtbare Prüfung für mich, sie so lange und gerade jetzt, da ich für ihre Gesundheit besorgt war, entbehren zu sollen; aber die Angst vor dem Schlimmeren trug ben Sieg davon. Sie selbst schien sich mit stummer Resignation in das Unvermeidliche zu fügen; durfte sie doch überzeugt sein, daß ich nur dem Drang einer unerbittlichen Nothwendigkeit folgte, wenn ich einen Entschluß faßte, unter dem ich selbst so qualvoll zu leiden hatte.

Da Virginie auf meinen dringenden Wunsch nur sehr kurze Strecken auf einmal zurücklegte, so währte es fast vierzehn Tage, bis sie am Ziel ihrer Reise anlangte. Ihr erster Bries verrieth eine gewisse Befriedigung, die nur durch den Trennungsschmerz leise getrübt schien. Pyl und seine Frau hatten sie auf das Liebevollste empfangen und so traut und behaglich einlogirt , daß sie sich fast wie zu Hause fühlte. Neben diesen beruhigenden Mittheilungen gereichte es mir zum Trost, daß Pyl nach einer sorgfäl­tigen Diagnose meine Befürchtungen für übertrieben er­klärte. Nach Allem, was vorliege, fei er der Ansicht, daß es sich um eine hochgradige nervöse Verstimmung handle, die allerdings der Zeit und der Pflege bedürfe, um voll­

eigen nimmt entgegen: Expedition d.BlatteS, je d.Annoncen-Bnreaux Th. Dietrich & Co. in el unb Hannover; Th. rich in Frankfurt a.M.; senstein & Vogler in Ifurt a. M., Berlin, npzig, Cöln ic.; Rudolf loffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

ng des dritten JahreS begann Virginie zu kränkeln; sie bei önte das pauhe, naßkalte Klima der sumpfigen Niederung ing cht vertragen. Wenn ich nicht das Schlimmste befürchten fl9 klte, so mußte ich schleunigst Abhülfe schaffen. Daher folgte ich denkt Alles an, um meine Stelle mit einer kern zu vertauschen, die in klimatischer Hinsicht minder krohlich schien. So schnell war das indeß nicht zu ma- und da der April vor der Thüre stand, der mit seinen ablässigen Stürmen schon im verflossenen Jahr ganz

Nachdruck »erboten. Mit ©enebmiaimg der BerlazShandlunz aus dem bet JJ Eckstein in Leipzig erschienenen Werke® t u r m n a d t," Neue Äo- ** Ernst Eckstein (9 starke Bünde. Preis Mk, 9} entlehnt.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.Blattei, sowie d Annoncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Tbienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

~ ctionär" erklärt die Zeitungsmeldung, daß aus den prew 5e Ir scheu Staatsbahnen eine allgemeine Aenderung der Per- nen-Geld-Tarife bevorstehe, für unbegründet.

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DasJournal des DebatS" versucht den Nachweis, die neuestengeflügelten Worte" des Fürsten Bis- iarck durch die Thatsachen stets in chr Gegentheil verkehrt erden seien. So habe sich die Aeußerung bes Reichs- nzlers, bie Russen seien auf ihren türkischen Eroberungen gp eati possidentes sogar nach dem Zengniß berPost" l ben Einbruck von miseri possidentes verkehrt. Ehe

em Rechts welche von unserem plattbentschen Dichter Pitz Reuter sehr glücklich mit:wat Einer hett, bat Helt * übersetzt worden ist. Fürst Bismarck sagte also weiter ^chls, als daß sich Rußland mit dem factischen Besitze ftFMner Eroberungen begnügen würbe. Daß sich bie Russen I bRs glückliche Besitzer fühlen würben, ist bamit nicht gesagt.

Erscheint täglich außer an ben Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für bas Quartal mit ber wöchentlichen BeilageJllnstrirteS Sonntagsblatt" burch bie Expedition (Aoch'sche Buchdrucker«) bezogen 2, Mark, burch bie Postämter bes Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (erd. Bestellgebühr». Jnsertionsgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pfa W Für in ber Expedition zu ertbeitenbe Auskunft unb Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.