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Marvurg, Mittwoch, 24. April 1878
xin. Jahrgang.
tilgen nimmt entgegen: t Expedition d.Blattes, wie d-Annvnccn-Bureaux )n Th. Dietrich & Co. in ,siel und Hannover; Th. ietrich in Irankfurt a.M.; eafenftein & Vogler in tanlfurt a M., Berlin, >jpzig, Eöln rc.; Rudolf » tofft in Be (in, Frank» furt a. M. re.
OlicchkUche jfitnim.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaur von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Tbienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,Jllustrirtes Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adrefien werden 25 Pfg. berechnet.
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ringer sein, als derjenige, welcher diesem Staate aus a Zusammenhalten der beiden kontinentalen Großmächte d an dem Festhalten an den Abmachungen des Drei- tiserbündllisses bietet. Einige Anzeichen sprechen noch rr, daß diese Ueberzeugung dem Schwanken des Wiener nnets ein Efide gemacht hat. Jeden Tag hört man der Absicht Oesterreich-Ungarns, Bosnien und die rzegowina zu besetzen. Die Gerüchte gehen noch weiter: vn verlautet etwas von den Absichten Oesterreich-Ungarns,
l Saloniki - Bahn in seine Hände zu bringen, wodurch gland, das bisher den Gesammthandel auf dem Aegäischen vere allein in Händen hatte, gefährliche Concnrrenz ge- cht werden würde. Daß England dann gezwungen ist,
Tagesbericht.
Zur orientalischen Frage wird uns aus Berlin mitge- riU: Wir erwähnten schon früher, daß die Thätigkeit des iters der deutschen Politik unausgesetzt darauf hingerichtet , die Differenzen, welche zwischen den Cabineten von Lon- n und St. Petersburg bestehen, nach Möglichkeit auszu- nchen und zu verhindern, daß ein neuer Kampf den euro- ischen Weltfrieden erschüttere. Wir deuteten schon da- als n, daß Berliner politische Kreise an der Hoffnung chalten, daß es dem deutschen Reichskanzler gelingen erde, das Amt des „ehrlichen Makler", welches er sich
[5qfe(, jten Staaten und insbesondere von den Regierungen Eng- •ü iidS und Rußlands angenommen ist. Diese Vorkonferenz irde nach der Ansicht der eingeweiheten Kreise sich nur t der Frage zu beschäftigen haben, wenn der Congreß sammentreten, in welcher Form die Berathungen statt- tben und welche Fragen dem Congreß zur Bcrathung lterbreitet werden sollen. Wie man in den eingeweihten trift ! reisen heute wissen will, hat dieser Vorschlag namentlich aearbeM Zustimmung der Cabinete von St. Petersburg und 9 feen gefunden und man glaubt nicht, daß Lord BeaconS- im 10 »d seinen Widerstand so weit treiben wird, nachdem diese errhaMen Mächte den Vorschlag acceptirt, eine Betheiligung 373. §glands direkt abzulehnen. Ein derartiges Widerstreben fö'rstn "de doch geradezwEngland den übrigen Mächten gegen- er in eine sehr schiefe Lage bringen und aufs deutlichste chatiren, wer der Störenfried für Europa eigentlich ist. klingt es aber erst, die Vorkonferenz zu Stande zu bringen, hegt man in Berlin die bestimmte Erwartung, daß auch i, Heb cCongreß nicht mehr zweifelhaft ist. Die russische Regierung t ihrerseits die bündigsten Erklärungen an die deutsche Regie- ltg gelangen lassen, daß sie bereit ist, so viel als thunlich die । Marb Kd zur Aufrechthaltung des Friedens zu bieten. Und » » das Wiener Cabinet anlangt, so scheint es, als ob
' lbst auferlegt, mit Energie weiter zu führen und seine rförft mlühungen zum glücklichen Abschluß zu bringen. Wie
_____’L ch dort, die Bemühungen des Grafen Beust nicht mehr |rT|eep.®oben finden, der ihnen eine Zeit lang günstiger war. Hill1* Regierung des Kaisers Franz Joseph dürfte denn Xh inne werden, daß ein freundliches Einvernehmen mit Marbu^ beiden großen Nachbarstaaten im Westen und Osten -------feer Entwickelung viel dienlicher sein kann, als ein mehr J zweifelhaftes Eingehen auf die Vorschläge des Leiters ■WXI englischen Politik, der selbst nicht einmal die ungetheil- n gro 1 Sympathien seiner eigenen Nation ausweisen kann. Pfenn x Vvrtheil, welcher für Oesterreich-Ungarn aus der titik Lord Beaconsfield's erwachsen kann, dürste viel
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ÄrimJl sondern sie ist zu der festen Ueberzeugung angcwachsen, ünde b die Bemühungen jetzt definitiv zu einem günstigen Re- wruna "Qt gelangt sind und der Vorschlag des Fürsten Bismarck lle 601 ff Zusammentritt der bei der diesseitigen ^Regierung accre- 0 rten Botschafter zu einer Vorkonferenz von den bethei-
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u„r’ . Ung, welche die vom deutschen >Reichskanzler befolgte e8 lllik in England hervorgerufen, dürfte deshalb auch als
ttn es nicht vollständig isolirt dastehen will, auch sriner-
8 nachzugeben, das ist ganz unzweifelhaft. Die Auf-
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ptil 1B günstiges Zeichen zu betrachten sein, daß dem englischen binet die Zeit gekommen scheint, von seinem hohen ( rde herunter zu steigen und sich den gegebenen Verhält- mittg |tn anzupassen. Zwar ist es eine alte Theorie, daß zum .Rb.8S Egführen Geld und wieder Geld gehört, aber das Geld , 8t ein von dem ja England allerdings genügend besitzt — t es nicht immer, wenn namentlich die Mannschaften n Kriegführen fehlen. Fürst Bismarck verglich einen leg zwischen England und Rußland mit einem Kampf fchen dem Elephanten und dem Walfisch. Wenn man 8 Gleichniß weiter ausbilden will, so wird man dahin ttnen, daß der Elephant wohl zu Zeiten in's Wasser en kann, ohne zu ertrinken, der Walfisch aber stets ver
enden muß, sobald er sich auf's Trockene wagt. Englands Flotte kann nur für eine Nation mit bedeutendem Handel gefährlich werden. Der russische Handel, soweit er das Meer sich dienstbar macht, ist nicht von so hoher Bedeutung für dieses JReicl), daß es nicht eine Zeit lang die Gefahren eines Seekrieges ertragen könnte.
Telegraphisch wurde in der Orientfrage gemeldet:
Wien, 20. April. Die „Polit. Corresp." bringt folgende Meldung von Konstantinopel: Die Pforte ist ent- fchlossen, die türkischen Truppen ungeachtet der von Seiten Rußlands erhobenen Schwierigkeiten in den befestigten Stellungen in der Umgebung von Konstantinopel und Gallipoli zu erhalten. — Aus Bukarest wird der „Polit. Cvrresp." gemeldet: In der vorgestrigen geheimen Sitzung der Kammern soll Braüano erklärt haben, daß er nach den in Berlin und Wien bezüglich der bessarabischen Frage vorgefundenen Dispositionen für gerathener erachte, mit Rußland zu verhandeln. In der sehr stürmischen Debatte sei der Minister des Aeußern, Cogalniceanu, sehr heftig angegriffen worden. Derselbe habe sich bereit erklärt, seine Entlassung zu geben, falls in öffentlicher Sitzung ein Tadelsvotum gegen ihn abgegeben würde. — Der russische Agent Stuart habe sich bei dem Fürsten über Heftigkeit der Sprache in der Presse und in den Kammerdebatten beschwert, die militärischen Maßnahmen als eine durch die Umstände gebotene Vorsicht gerechtfertigt und vor weiterer Ueberreizung der Gemüther wegen der unberechenbaren Consequenzen gewarnt. — Anderweitig verlaute, daß Rußland geneigt sei, die bessarabische Frage dahin zu modificiren, daß es aus die Abtretung von Reni und anderer Theile des Ufers der Großen Donau aufwärts des Georgs-Canals verzichten, dagegen aber auf Abtretung Ismails, Belgrads und Kahuls bestehen wolle. Uebrigens würden seit 6 Tagen ununterbrochen russische Truppen von Tultscha nach Ismail befördert. — Die „Polit. Cvrresp." meldet aus Belgrad, daß cs Leschjanin gelungen sei, die Zusage des Kaisers zu erlangen, daß die Regelung der serbisch-bulgarischen Grenzfrage im Sinne der Wünsche Serbiens erfolgen solle.
Wien, 20. April. Die „Wiener Abendpost" consta- tirt, daß in der Richtung eines militärischen Kompromisses, nämlich der Zurückziehung der russischen Truppen und der britischen Flotte aus der Nähe von Konstantinopel, die Geneigtheit des britischen Cabinets auf diese Propositionen einzugehen, sowie auch die entgegenkommende Haltung der Petersburger Regierung gemeldet werde. Unter solchen Umständen gestalten sich trotz der noch vorhandenen Schwierigkeiten in Betreff der Erledigung anderer formeller Vorfragen, über deren Verlauf allerdings heute weniger günstige Nachrichten vorliegen, die Congreßaussichten in der öffentlichen Meinung um eine kräftige Nuance günstiger.
Wien, 20. April. Das „Fremdenblatt" betont, im Falle der Congreß scheitere, könne Oesterreich nicht zusehen, daß die Anarchie an seinen Grenzen in Permanenz erklärt werde. — Die „Deutsche Zeitung" sieht kein anderes Mittel zur Behebung des russisch-englischen Gegensatzes als die Theilung der Türkei; dann wäre der Friede möglich.
Paris, 20. April. Die „Agence Havas" veröffentlicht folgende Depesche aus Berlin: Die von Deutschland unternommenen Unterhandlungen zwischen England und Rußland haben zu einem ersten bedeutenden Resultat geführt: die Cabinette von Petersburg und London nehmen beiderseits im Principe die gleichzeitige Entfernung der russischen Streitkräfte resp. der englischen Flotte aus der Nähe von Konstanttnopel an. "Nachdem dies Princip angenommen ist, verhandelt man gegenwärtig über die nahezu gleichweiten Entfernungen von Konstanttnopel, bis auf welche sich jdie russische Armee und die englische Flotte entfernen sollen. Man spricht von dem Rückzüge der Russen bis Adrianopel, während sich die englische Flotte zu ihrem Ankerplätze in der Besika-Bai zurückbegeben soll. Indessen ist diese Frage noch nicht entgülttg geregelt. Sobald dies geschehen, scheint wahrscheinlich, daß Deuschland die vermittelnde und aussöhnende Rolle, die es bisher gespielt, aufgeben und das Wiener Cabinet die Initiative in den Fragen betreffend den Zusammentritt der Vorkonferenz und des Congresscs wieder ergreifen werde. Man betrachtet dieses von England und Rußland seitens der deutschen Diplomatte erlangte Resultat als den Zusammentritt des Congresses ganz wesentlich erleichtenid.
London, 20. April. Das Kriegsschiff „Jnvincible" ist nach den Dardanellen abgesegelt. — „Standard" glaubt, daß, toemt die Indienststellung von Kriegsschiffen fortdauere, die Einberufung der Flottenreserve erster Classe eintreten
werde. Der Herzog von Edinburg bleibt demselben Blatte zufolge vorläufig bei der Mittelmeerflotte. Nach „Daily News" ist der Vorschlag, daß der Congreß die Verträge von 1856 und 1871 revidiren solle, von Rußland angenommen, von England abgelehnt worden. „Times" schreibt: England wolle Rußland nicht demüthigen, verlange kein präliminares Zugeständniß und keinen materiellen Vvrtheil; England fordere selbst nicht einmal den Abzug der Russen aus der Umgebung Konstanttnopels, sondern stipulire nur die Anerkennung eines wesentlichen Princips, ohne welches kein Vertrag von Nutzen wäre; möge Rußland diese Bedingung in irgend welcher Form zulassen, England werde zufrieden fein. Wenn solche Zulassung nicht erreicht werde, könne der Congreß nicht staltfinden. — Einer Meldung der „Times" aus Petersburg zufolge bauern die Verhandlungen ununterbrochen fort.
Petersburg, 20. April. Hiesige Journal äußern sich dahin: man müsse die Vorkonferenz aceeptiren al» Mittel, die wahren Intentionen Englands kennen zu lernen Die neue Zeit" bringt ein Telegramm aus Berlin, worin es heißt, Deutschland habe England und Rußland den Vorschlag gemacht, ersteres solle seine Flotte und letzteres seine Truppen gleichzeitig aus der Nähe von Konstantinopel zurückziehen.
Odessa, 19. April. Die Dampfer „Lazareff" und „Cäsarewitsch" sind gestern, und der Dampfer „Resp" heute mit für die Truppen bestimmten Ladungen nach Konstantinopel und San Stefano abgegangen.
Tiflis, 19. April. Der Corpscommanvant General Loris-Melikoff reist morgen nach Petersburg. Das kaukasische Corps wird aufgelöst, die demselben beigegebenen Artillerieoffiziere sind nach Petersburg berufen.
Konstantinopel, 20. April. Mukhtar Pascha wurde zum Artillerie-Minister ernannt. Reu; Pascha und Osman Pascha sollen zu Gouverneuren entfernter asiatischer Provinzen ernannt werden. — Die Journale betrachten das neue Ministerium als ein der Erhaltung der Neutralität günstiges. — Gestern fanden hier heftige Erdstöße statt. — Layard ist hierher zurückgekehrt. — Der russische Gesandte in Athen ist hier angekommen.
Petersburg, 20. April. Die „Agence Russe" erwähnt der Nachricht hiesiger Zeitungen, wonach Deutschland den gleichzeitigen Rückzug der russffchen Truppen und der englischen Flotte aus der Nähe von Konftantinopel vorgeschlagen habe und bemerkt dazu, diese Nachricht beweise den ernstlichen Charakter der gegenwärtigen Vermittlungsverhandlungen, welche unter dem machtvollen Einflüsse Deutschlands geführt würden.
Petersburg, 20. April. Der „Regierungsbote" veröffentlicht einen Befehl des Großfürsten Äouftantin, wonach in Gemäßheit einer kaiserlichen Ordre vom 27. März aus der Marinereserve die nöthige Zahl von Soloaten zum Zweck der Formirnng von 3 Flottenequipagen berufen werden soll, von denen zwei in Kronstadt und eine in Niko- lajeff zu stationiren sind.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. April. Der „Reichsanzeiger" publicirt eine kaiserliche Verordnung, betr. die Eröffnung außerordentlicher Bezirkstage für Oberelsaß, Untcrelsaß und Lothringen am 29 d. M. Der Schluß derselben ist spätestens auf bett 3. Mai festgesetzt. — Der „Berliner Acttonär" erklärt bie Zeitungsmeldung von der durch den Handelsminister beabsichtigten Errichtttng einer Generaldirection der Staatsbahnen für unwahr. Es denke Niemand an eine solche Organisation. — Der König von Schweden wird, von Heidelberg kommend, am 23. d. hier erwartet. Die Kaiserin begibt sich am 26. b. nach Dresden zu der von der Königin von Sachsen dorthin berufenen Delegir- tencvnserenz der deutschen Frauenvereine.
Auslaud.
Rom, 20. April. Die „Voce della verita" meldet: Der Papst, welcher anläßlich des Osterfestes das Cardinalscol- legium empfing erwiederte auf die Ansprache des Doyons desselben, di Pietro, mit dem Ausdrucke des Dankes für die Ergebenheit der Cardinäle und fuhr dann fort: Die Auferstehung Christi erinnert an die Lebenskraft des römischen Ponttficats. Die Feinde desselben, welche es vernichten möchten, sollten mindestens aus der Geschichte den Schluß auf die Nutzlosigkeit ihrer Anstrengungen ziehen. Man dürfte bemerkte der Papst weiter, sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß der dem Papstthum seit den frühesten Zeiten erklärte Krieg auch heute noch sehr heftig auf