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Marburg, Sonntag, 21. April 1878

XIII Iahrgiig.

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Anzeigen nimmt entgegen: dieSxpedtttond.vlattr», sowie dAnnoncen-Bureanz von G. L. Daube & So- in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; D. Thiene» in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS Sonntagdblatt" durch die Expedition (Jtodb’fcbe Buchdruck,rer) bezogen S', Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. sexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 «ka W W Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.

»eigen nimmt entgegen: Expedition d.vlatte», ne d.Annoncen-Bureaux i Th. Dietrich 4 Eo. in el und Hannover; Th. ttich in Frankfurt a.M.; iscnstein & Vogler in acksurt a. M., Berlin, 1 ß »ig, Evln ic.; Rudolf ' . |e in Berlin, Frank- __1 futt a. M. ic

«.

Tagesbericht.

667.

613.

857.

244.

Die Kronprinzessin beabsichtigt Ende dieses oder An- g nächsten Monat« nach England zu reisen; der Kron- nz wird seiner Gemahlin später folgen.

Fürst Bismarck hat sich nach Friedrichsruhe iin Lauen- rgischen begeben und wird daö Osterfest dort zubringen. a nn t Rückkehr des Fürsten nach Berlin wird voraussichtlich am 25. d. Mts. erfolgen.

509.

308.

sich der Provinzial-Ausschuß gewandt, erklärt hat, daß

itcdunj Lösung mit Sicherheit firiren zu wollen, da der neue

1 auch neue Schwierigkeiten und Anstöße herbeiführcn b; indeß werden auch diejenigen, welche sich von Jllusio-

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878.

regen.

in Amerika wiederholen — sie sind nicht blos unschäd- svndern dem Staate geradezu nützlich: sie dienen als

rKa 1878.

-Examen: NB. Zu- erm titelt

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stich in der Mitte des Septembers, tu Magdeburg ad­elten werden. Die Veröffentlichung des Programms d baldmöglichst erfolgen.

ES ist zwar ein schwieriges Ding, aus diplomatischen hingen, welche sich noch in vollem Fluß befinden, Stand der schwebenden Frage und die Aussichten auf

pt Gewissen unvereinbares Urtheil zu fällen. Es gibt !e, die bei aller Unzweifelhaftigkeit des Faktums, eine läge vom Standpunkt des Gewissens aus unmöglich hen. Und diese Fälle — die sich in Europa so gut,

die Presse im eigenen Lande die Angelegenheit beur- :, hier einige Aeußerungen derselben folgen. Die

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An den Central-Ausschuß für innere Mission ist von itrn des sächsischen Provinzial-Ausschusfes die Einladung

mwärtig die Neigung zur ausgleichenden Verständigung Uebergewicht hat. DaS Zustandekommen des Congresses jedenfalls neuerdings an Wahrscheinlichkeit gewonnen.

»woje Wremja" zieht die Bedeutung des Geschworenen- N lm Allgemeinen in Betracht, um Schlüsse daraus W” über das in dem Prozeß gefällte Urtheil. Sie k »Das Geschworenengericht ist nicht bloS ein Gericht nö to1t das Thatsächliche; es ist ein Gericht der Gesellschaft, " :6 vom Gewissen ausgeübt wird. WaS auch die Prä- .■ -».Iben der Sitzung den Geschworenen Vorhallen mögen, Ta8e 1 werden sie die Gewissensrichter dazu vermögen, ein mit

ibte Hinweise auf die Nothwendigkeit hier oder dort tmirenb vorzugehen . . . Die Motive deS Verbrechens Saffulitsch sind bekannt; bekannt ist auch ihr verdor- « £eben.' In dem Gericht über die Daffulitsch trat t Person in den Hintergrund. In erster Linie kam ein «eres, hinter uns liegendes Faktum zu stehen. Lassen

r* Zu der russischen Presse hat daS Ereigniß deS Tages, Prozeß Saffulitsch und dessen Verlauf Alles, sogar die : beste! itik in den Hintergrund gedrängt. Die gesammte russt- gute $ Presse beschäftigt sich heute mit dieser Asfaire und be- erhalt« Art die Sache in ausführlicher Weise von den verschie­ßen Gestchtspuntten. Wir lassen deshalb, um zu erkennen,

die juridische Frage bei Seite: Ob es überhaupt statt- ift, zum Verlust aller Rechte Verurtheilte ohne richter- 9 n Spruch mit Rüchen zu strafen, so lange zur UrtheilS- lzichung noch nicht geschritten ist (der dirigirende Senat den u die Frage im verneinenden Sinne entschieden), — in

[10 Bt Falle kann die Ruthenstrafe im ÜntersuchungS- — »ngnisse weder vom Gesetz, noch durch die Nothwendig- Ge)chs gerechtfertigt werden, insbesondere nicht in der Form mit solchen Einzelheiten wie diese Bestrafung in jenem ernSwerthen Falle stattfand, det das Verbrechen der litsch zur Folge hatte. Diese Einzelheiten (Zuberei­der Ruthen auf dem Hofe unter den Fenstern der tantinen u. s. w.), welch: die menschliche Würde ganz .^eiligter verletzt haben, die noch nicht verurtheilt waren, das sittliche Gefühl in Aufregung versetzen, Einzel- ttt, tcie sie zum ersten Male in der vorliegenden Unter» Ung zu Tage traten, konnten das Urcheil der Geschworenen möglich nicht beeinflussen, und durch die Freisprechung Saffulitsch haben diese einen Spruch des öffentlichen itt.tr wissens gefällt, der sich nicht gegen Staat und Gesetz üb.87, ibet, sondern für den Schutz der Gesetzlichkeit, also für Staat und das Gesetz auftritt." Auch der „Ssewcrnjy stnik" betrachtet das Verbiet als eine Frucht der „Malaise",

ßgg ragen, den diesjährigen Kongreß für innere Mission in ydeburg abzuhalten, nachdem der dortige Magistrat, an

„den Kongreß mit Freuden in den Mauern der alten 703. abt Magdeburg willkommen heißen werde." Der Central- > wert Sschuß hat die Einladung angenommen. Somit wird enKa 20. Kongreß für innere Mission, und zwar voraus-

ly. i möglichst freizuhalten suchen, den Eindruck haben, daß

welche das Petersburger gesellschaftliche Leben befallen. „Jeder Einzelne fühlt sich nicht ganz wohl, Allen kommt ihre Um­gebung nicht ganz normal vor. Das öffentliche Gewissen ist in Aufregung, und als seine wahrheitsgetreuen Ver­treter erschienen die Geschworenen im Prozesse Saffulitsch." „Rußky Mir" schreibt über diese „von Anfang bis zu Ende höchst traurige Geschichte:" „Hier ist Alles unnatürlich, Alles deckt eine gewisse falsche Richtung unserer Admini- stratton auf. . . DaS Ende dieser traurigen Geschichte hat eine vollständige Unzweckmäßigkeit und eine unzulässige Willkür der Maßregeln offenbart, welche die Polizei zur Auftechterhaltung der öffentlichen Ordnung ergreift. Der Fall Saffulitsch wird die Regierung wahrscheinlich dazu bewegen, die persönliche Willkür einzelner Administrativ- Beamten zu zügeln, der Willkür Schranken zu ziehen, die in den Gang unseres öffentlichen Lebens Elemente der Zwie­tracht und der Unordnung hinein bringen." „Golos" kommt unter gleichen Ansichten zu folgender Schlußbemerkung: „In der Stadt spricht man schon von einer neuen Untersuchung, von einem neuen Prozeß. Ja, die öffentliche Meinung verlangt Untersuchung und Gericht in dieser Sache. Mögen dir wicklich Schuldigen an der blutigen Scene des 31. März offenbar werden, und möge sie die verdiente Strafe treffen, wer sie auch seien." v

Deutsches Reich.

*» Berti«, 19. April. Die „Weserzeitung" hat die Mittheilung verbreitet, daß Fürst Bismarck die verschie­denen Ministerien zur Ausarbeitung von Finanzprojeklen aufgefordert habe. Diese Behauptung wird nun dahin weiter auSgebeutet, daß die große Frage der Finanzreform gewissermaßen über den Kopf des Finanzministers getrieben wird. Die Sache stellt sich dahin richttg, daß die betref­fende Aufforderung gar nicht von dem Fürsten Bismarck, sondern vom Finanzminister Hobrecht ausgegangen ist, welcher die anderen Minister soweit heranzieht, als ihre besondere Verwaltung an den bezüglichen Fragen betheiligt ist. — Dem Minister Friedenthal ist der Rothe Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub verliehen worden. — Diese Aus­zeichnung ist mit sehr gnädigen Worten der Anerkennung seitens des Kaisers begleitet, welche sich ebensowohl auf seine ersprießliche Thätigkeit in den landwirthschaftlichen Angelegenheiten als auf die interimistische Leitung des Mi­nisteriums deS Innern beziehen. Letztere dürfte bei der gerade jetzt erfolgten Verleihung besonders in'S Gewicht gefallen fein. — Die „National - Zeitung" macht sich die Polemik mit der „Provinzial - Korrespondenz" sehr leicht, indem sie behauptet, der von der letzteren angezogene Ar­tikel deS „Hann. CourierS" sei von ihr blos in der Samm­lung von Zeitungsstimmen gegeben worden. Derselbe bil­dete aber den integrirenden Theil eines eigenen Leitartikels der „Natioual-Zeitung", welchen dieselbe unter die Ueber- schrift „Steuerreform und Regierungskrists" an die Spitze ihres Morgenblattes vom 7. Januar gestellt hat. Ein Blick in jene Nummer belehrt jeden Leser, daß cS sich da­mals für die „National-Zeitung" um etwas anderes, als um den bloßen Abdruck einer Zeitungsstimme gehandelt hat. — In Bezug auf die Errichtung von Telegraphen­betriebsstellen auf den Eisenbahnhöfen hat der Handelsmi­nister unter dem 8. April d. I. an die Königlichen Eisen- bahn-Directionen einen Erlaß gerichtet, in welchem ausge­sprochen wird, eS sei, den Anträgen auf Errichtung von Reichs - Telegraphenbetriebsanstatten in den zu Postzwecken abgegebenen Bahnhossräumlichkeiten bisher deshalb entgegen» getreten worden, weil der Reichs-Telegraphenverwaltung ein Recht zur Einführung der telegraphischen Leitung in die vor der Vereinigung der Post- und Telegraphenver- waltung überlassenen Postdienfträume nicht zusteht. ES soll jedoch von nun an, soweit die Erfordernisse des Eisen­bahnbetriebs gestatten, vorbehaltlich einer Verständigung über die zu leistende Vergütung den betreffenden Anträgen Statt gegeben werden. Die Berechnung der Vergütung soll bis auf Weiteres in jedem einzelnen Fall festgestellt werden. — In einem weiteren Erlaß vom 10. April hat der Handelsminister erklärt, daß Nichts entgegensteht, Be­hufs der Enttastung des Beamtenpersonals die Beförderung von Privatdepeschen und formulirten Amtsdepeschen durch den Eisenbahntelegraphen zuverlässigen Arbeitern zu über­tragen, welche, ohne definitiv angestelltc Beamte zu fein, geprüft und durch Handschlag verpflichtet find. — In Bezug auf die Anlegung der Offiziersuniform im Auslande hat der Kaiser in einer kürzlich ergangenen Allerhöchsten Kabinetsordre bestimmt, daß dieselbe nicht gestattet ist, daß, wenn besondere Umstände ein solches Anlegen wünschenS-

werth erscheinen lasien, in jedem Fall die Genehmigung des Kaisers einzufordern ist. Auf Botschafter, Gesandte und Konsuln findet diese Bestimmung keine Anwendung.

Ausland.

Wie«, 18. April. Die „Wiener Abendpost" schreibt- Sollte es, wie nach zahlreichen Andeutungen wieder an­genommen wird, zu einer Vorconferenz kommen, so wird man wohl annehmen dürfen, daß damit nur eine einlei­tende Berathung im Sinne des ursprünglichen Berliner Vorschlages zum Zwecke der Feststellung der formellen Vorfragen des Kongresses, der Präsidialfrage rc. beabsich- ttgt werde. — Konstantinopeler Berichten der „Politischen Korrespondenz" zufolge ist gestern, nachdem bezüglich der Ministerkrists Alles beglichen war und der Premiermini­ster Achmed Vefik zu bleiben eingewilligt hatte, die Krisis von neuem zum akuten Ausbruch gekommen: Achmed Vesik hat abermals feine Demiston gegeben und glaubt man, daß sie diesmal angenommen werden dürfte. Man bringt die Krisis mit neuen Zwischenfällen in Verbindung, welche sich lheils auf rusfische, theils auf englische Forderungen beziehen sollen; während Vesik gegen erstere Front machte, soll er sich für die Erfüllung der letzteren ausgesprochen haben. — Graf Zichy, welcher zwischen heute und morgen zur Vermählung leine« Sohnes nach Pest abreisen dürfte, wird voraussichtlich heute vom Sultan empfangen; fein R«st Hal keinen politischen Zweck. — Aus Petersburg meldet dieselbe Korrespondenz: Der zum Adjutanten der Königin von England ernannte Oberst Welleslev ist hier­her zurückgekehrt, lediglich zu dem Zweck, um sich vom ipofe und der Petersburger Gesellschaft zu verabschieden; eine politische Miffion hatte derselbe nicht. — Eine Lon­doner Mittheilung der „Pol. Corr." signalistrt die Heber» gäbe der Antwort Andrassy's auf da» Circular Salis­burys und betont gleichzeitig dm günstigsten Eindruck des­selben auf das britische Cabinet. — Aus Skutari in Al­banien meldet das nämliche Organ: In Daljani bei Pod- gon&d kam es vorgestern zu einem blutigen Conflict zwi­schen Türken und Montenegrinern, wobei zwei der letzteren getöbtet, ein Türke unb ein Montenegriner verwundet wurden. Veranlaßt war der Zusammenstoß durch eine Verletzung der Demarkations-Linie durch die Türken und den Ueberfall eines türkischen Dorfes von Seiten der Mon­tenegriner. — Das hiesige „Telegr. Corr-B." meldet aus Konitaiittnopel von heute Mittag: Das Entlassungs-Gesuch des Mmisier-Präsidmtm Achmed Vefik Pascha ist vom Sultan heute früh angenommen worben. Nachdem Mehe- met Rudschi und Savfet den erledigten Poften auSgeschla- gen hatten, wurde Sadyk Pascha, vormaliger Botschafter in PanS, zum Premier-Minister ernannt. Der gleichfalls zuruckgetretene seitherige Scheich-ül-Jslam wurde durch Mollah Bei ersetzt. - Das „ Fremdenblatt" hält eS für zweifellos, daß Graf Anbrassy, als er gegenüber dem Ge- neral Jgnatieff den Vertrag von San Stefano kritisirte, dies nicht that, um, gleichsam hinter dem Rücken Europas, «ne Verständigung von Cabinet zu Cabinet anzubahnm. Gras Andrassy werde die Erklämngen, die er Jgnatieff pachte, vor Europa wiederholen. Was Oesterreich zu fordern berechtigt ist, hofft es vom Congresse zu erlangen.

R0M, 18. April. Curci ist auf Geheiß des Papstes zu vertraulicher Besprechung über die Idem feiner Schrift naaj Rom geladen. — Cardinal Hohenlohe erhielt als Zeichen besonderer Gunst das Protectorat über das Kloster bei Quattro Coronati.

Ports, 17. April. Die Hauptpunkte des Programms, welches am 1. Mai bei Eröffnung der Ausstellung in Aus- fuhrung gebracht werden soll, sind: Die Festlichkeit beginnt um 10 Uhr Morgens; der Präsident der Republik, in der gropen Marschall-Uniform, befindet sich mit seinem mili­tärischen totabe, den Ministern, dm übrigen hohen Staats­beamten und den Mitgliedem des diplomatischm Corps auf emer Estrade, welche auf der Terasse des Trocadero, die sich vor dem Springbrunnen befindet, errichtet wird. Hin­ter dieser Estrade, unter der Colonnade des Palais de« Trocadero, sind ungefähr 1500 Plätze für Personen von Auszeichnung und ihre Frauen Vorbehalten; 5- bis 6000 Platze find auf beiden Seiten der prästbmtschaftlichen Estrade und in bett Seitencolonaden des Trocadero Die Truppen werdm auf jeder Seite des Springbrunnens bis zum MarS- felb Spalier bilben und hinter ihnen ungefähr 20,000 Personen Platz finden. Die Commissare der frembett Ab« tljeiluiigen mit ihrem Personal so wie das Personal der französischen Abtheilung werdm sich während der Feierlich­keit auf der Terasse des Marsfeldes befinden. Die Zahl der Personen, die in Folge dieser Anordnung der Eröffnung