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Marburg, Freitag, 19. April 1878
xni. Ziihrgaig.
eigen nimmt entgegen: ixpedttio» d.BlatteS, ed-Ännoncen-Bureai Th, Dietrich & Co. ei und Hannover; T eich in Frankfurt a.M
||t fenftein & Vogler
' itfurt a M., Berli
ig, Cöln ic.; Rude., e in Berlin, Frankfurt a. M- re.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Snoalibenbanl in Berlin; W. Tbienes in Slberfelb; C- Schlotte in Bremen.
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Unser Königshaus und Holland.
Am vorigen Sonntag ist durch Se. Majestät den Kaiser
nett der ältere, Wilhelm, in Paris ein liederliches Leben
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mich an, als zweifle ste, ob ich im Ernst
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: 1878.
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ßen zur Braut erkoren hat.
ßerdem hat das Königliche Haus noch ein männ- I Mitglied, den Oheim deö Königs, Prinzen Friedrich ^Niederlande, 81 Jahre alt, Königlich preußischer Ge
l-Oberst der Infanterie, dessen einzige Tochter mit dem sen Wilhelm zu Wied vermählt ist.
^enn somit der wahrscheinliche Thronerbe von Holland Unserem Königshause in eine nahe verwandtschaftliche chung tritt, so wird es kaum bestritten werden können, diese Verbindung eine hohe politische Bedeutung hat. mb ist entschieden der Lage, Sprache und Gesittung
t sich schon im zweiten Gliede. Die Königin hatte eine obere Vorliebe für Frankreich, sie war eine eifrige Ver- rin des Kaisers Napoleon und hat 1867 in dem glück- rweise vereitelten Luxemburger Handel eine hervor- atbe Rolle gespielt. Mit ihrer Neigung für franzö-
licher Leiden sei, von heute an abbreche.
>ie war von Minute zu Minute nachdenklicher ge-
— Sie find eine treue, ehrliche Seele. Ich habe mich doch nicht getäuscht.
Und wieder blickte sie, wie in Gedanken verloren,
Der alte Schiirtlin.*)
Novelle von Ernst Eckstein.
(Fortsetzung.)
t, und sich beharrlich weigert in den Ehestand zu treten, ist dem Lande entfremdet, kaum vermochte er sich von n Pariser Vergnügungen zu trennen, um an das @ter= chiift. ttt seiner Mutter, der Königin Sophie, zu eilen. Was ßh Königin Sophie, eine geborene Prinzessin von Würt- ^Äefcerg, an ihrem deutschen Daterlande gesündigt, das
kreise der Königlichen Familie die Verlobung der Prin- onc» Marie Tochter des Prinzen Friedrich Carl, mit dem tzen Heinrich der Niederlande publicirt. Diese Ver- ng hat eine hohe politische Bedeutung. Prinz Heinrich >er Bruder des Königs von Holland, von dessen beiden
würdig erscheine.
Nachdruck verboten. Mit Genehmigung der Lertngshanrlnng »nö dem bei - litfftein in Leipzig erschienenen Werke „s l u r m n a t“, 9 t tue Ro- vva Lrntz SLstei« (8 starke Banve. Preis Mk. 3j sutU^at.
Jen. Nach einer Weile begann sie mit freundlicher »en sic de:
!Cker' Durch das eigene Bekenntniß ermuthigt, fuhr 1 .....
____ Wenn ich Ihnen jetzt Alles gesagt haben werde, ifen ist lögen Sie mich auslachen, bis dahin aber hören Sie mb au ruhig an, ohne zu widersprechen.
riechen 3ch erzählte chr nun, was seit unserer ersten Be- ;------ Mng in mir vorgegangen und bat sie, mir das,. was
stch, s von Anfang an kaum je bezweifelt habe, ausdrücklich bestätigen, damit ich vor ihr und mir gerechtfertigt wissen jeine, wenn ich einen Verkehr, der für mich die Quelle
$)rogr - - - - - - - - -
o sich hin.
zurco __ Das ist heute ein recht ereignißvoller Tag, fuhr U18«k ort, indem sie leise erröthete. Auch Graf Callas hat in seinen Antrag wiederholt. Es ist fast zu viel für leichtsinniges Geschöpf. Ich hätte weder Benno so Standhaftigkeit, noch Ihnen so viel Nachsicht zugetraut. Mitt.lsn, ehrlich gesprochen, Sie müssen sehr nachsichtig sein, ich Ihnen nach Allem, was Sie erlebt haben, noch
_ J ein deutsches Land. Bis vor Kurzem war allerdings 8 ULs Sympathien für das deutsche Mutterland in Holland unb ülM zu bemerken; vielmehr das Gegentheil. Wir kennen keine namhaften niederländischen Gelehrten, der wegen seiner g sind, isterten Zuneigung für Deutschland Anfangs unseres ovistor tzehnt« nach Deutschland auszuwandern gezwungen war. ter he Fälle mögen in den Jahren 18.1—72 u. s. w.
. . es Wesen, die sie sicherlich auch ihrem Erstgeborenen mpfte, hat sie das Erlöschen des Hauses Nassau be- .... unigt. Kronprinz Wilhelm vergeudet mit Pariser Cour- reitt^W seine Lebenskraft, an ihm wird sich nie eine Wand- ( vollziehen, wie an Heinrich V. von England.
mgen <der Zweitgeborene des Königs von Holland, Prinz C; xander, geboren im Jahre 1851, ist fortdauernd tränt nentlicS Es bleiben also nur noch zwei Stammhalter des Oranien-Nassau, Prinz Heinrich geboten am 13. ng 1820, Statthalter des Großherzogthums Luxemburg, sich seit 1872 im Wittwenstande befindet und sich nun- die älteste Tochter des Prinzen Friedrich Carl von
)ie von
zahlreich vorgekommen sein. Denn die Abneigung der Holländer gegen uns ist doch mehr oder minder eine erkünstelte unerzogene, die im Herzen des Volkes nicht dauernd Wurzel fassen kann. Die Ueberzeugung hat sich wohl schon Bahn gebrochen, daß eine enge Verbindung zwischen Holland und dem deutschen Reiche nicht zur Nothweudigkeit werden wird. Ohne die geringste Einmischung von Seiten Deutschlands wird früher oder später, wenn sich das Buch des Schicksals erfüllt, für Holland ein unabweisbarer Zwang vorliegen, entweder seine Nattonalität aufzugeben, ober sich offen und herzlich an das deutsche Mutterland anzuschließen. Die Zeit wird kommen, wo der Rhein vom Bodensee bis zur 9torbfee ein deutscher Strom sein wird, gleichviel, ob erst unsere Enkel dieses Ereigniß erleben werden, ober ob wir selbst, die wir 1864, 1866 und 1870 gesehen haben, auch diese Perle in die deutsche Kaiserkrone einfügen werden, mit dem Willen und der freudigen Zustimmung unserer niederdeutschen Brüder, ohne die gesunden Knochen eines einzigen deutschen Soldaten auf's Spiel zu setzen.
Tagesbericht.
Der „Reichsanzeiger" meldet, daß dem ausgeschiedenen Minister des Innern, Graf zu Eulenburg, der Stern der Großkomthure des Königlichen Hausordens von Hohen- zollern und dem Minister a. D. und Ober - Prästbenten Dr. Achenbach der Rothe Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub verliehen ist. — Ferner meldet dasselbe Blatt die Ernennung des neuen Ministers des Innern Graf zu Eulenburg und deö Finanzministers Hobrecht zu Mitgliedern des Bundesraths.
Die „Prov. Corr." bespricht in einem längeren Artikel, über die Finanz-Reform und die Reichs-Jvee", die veränderte Stellung der nationalliberalen Presse zu der vom Reichskanzler angestrebten umfassenden Finanz-Reform; der Artikel hat folgenben Schluß: die ge- sammte Haltung der nationalliberalen Presse im letzten Jahre hat den Beweis gegeben, daß ste eine umfassende tiefgreifende Steuer-Reform sowohl vom Standpunkte der allgemeinen Reichs-Politik und um der Reichs-Jvee willen, als auch im wirthschaftlichen Interesse der Bunbes-Staaten unb Communal-Verbänbe als nothwendig erkannt hatte. Ihr jetziges Verhalten steht in offenkundigem Widerspruch mit den seit Jahr und Tag anerkannten und wirthschaftlichen Aufgaben. — Bezüglich der politischen Lage schreibt die „Prov.- Corr.": In der europäischen Lage ist eine wesentliche Veränderung noch nicht eingetreten, obwohl die vorherige scharfe Spannung frredlicheren Stimmungen zu weichm scheint.
In den politischen Kreisen Berlins rechnet man gegen- wärttg mit Bestimmtheit darauf, daß die Verhältnisse aus politischem Gebiete den Zusammentritt der Vor-Conferenz nicht mehr inhibiren werden. Man glaubt, daß diese Conferenz schon bald nach Ostern in Berlin zusammentreten und die Vorbedingungen.zu der Haupt-Conferenz der europäischen Groß-Staaten seststellen werde, welche sich der Vor-Conferenz in nur kurzem Zwischenraum anschließen werde.
Die „California - Staatszeitung" macht zu der letzten Orientrede des Fürsten Bismarck, welche sie gleichzeitig nach dem stenographischen Wortlaut zum Abdruck bringt, folgende Bemerkung: „Deutschland, dem noch vor kaum mehr als einem Jahrzehnte zerstückelten und ohnmächtigen Deutschland, ist die Rolle eines Schiedsrichters zugesallen in ben für die Geschicke der europäischen Staaten so hochwichtigen Fragen der Orientpoliltk. Und es muß jeden Deutschen, ob er am Rhein, am Hubson oder an der Pacific-Küste wohnt, mit Stolz und freudiger Genugthuung erfüllen, wie Deutschland seine Machtstellung benutzt. Als in den ewig denkwürbigen Jahren 1870 und 1871 bas einige Deutschlaird erftanben unb der watsche Erbfeind ge- demüthigt war, da würben Deutschlanbs Reiber und Haffer nicht mübe in ihren Prophezeiungen, baß die „kriegerischen deutschen Barbaren" ihre Macht nur zu weiteren Eroberungen benutzen werden. Heute hat die Welt die Thal- fache, daß der gefürchtete europäische Krieg nicht ausgebrochen ist, nur der besonnenen Haltung deö beutschen Volkes unb den auf die Erhaltung bes Friebens gerichteten ernstlichen Bemühungen der deutschen Regierung zu danken. Welch ein schroffer Gegensatz zwischen bem Verhalten ber mächtigen beutschen Nation unb dem der Franzosen zur Zeit, als diese noch „an der Spitze der Civitisallon mar- schirten!"
TeutscheS Reich.
Berlin, 17. April. Die Minister der Finanzen, für die landw. Angelegenheiten und für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten haben durch eine Verordnung vom Jahre 1873 den § 2 Nr. 3, Abs. 2 der Vorschriften über bie Prüfung der öffentlich anzustellenben Fetbmesser dahcu ab- geänverl, baß Den Aspiranten Des Forstverwatlungsoienstes Die Zeit bes zwei unb einhatbjährigen Besuches einer Forst- akavemie auf die zweijährige Beschäftigung beiVermessungs- unb Nivellements - Arbeiten mit einem Jahre anzurechnen ist, wenn sie durch Atteste nachweisen, daß sie währenD jenes Vorbereitungscursus auch mtt Vermessungsarbeileir sich beschäftigt, beziehungsweife während des Besuchs der Forst-
Jch war keines Wortes mächtig. Jeden Augenblick glaubte ich hören zu müssen, daß sie dem Grafen ihr Ja gegeben, und qualvoller als der Schmerz ihres Verlustes war mir der Gedanke, daß ein Anberer sie besitzen sollte.
— Herr Schärllin, Hub sie nach einer Weile an, ich will ganz offen mit Ihnen reden. Sie sind mir lieb unb werth wie ein theurer Freunb. Außer meinen Eltern hat nie ein Mensch meinem Herzen so nahe gestanben wie Sie, — aber so wie ich den Mann lieben möchte, mit bem sich mein ganzes Sein und Wesen vereinen soll ... nein, Herr Schärtlin, so liebe ich Sie nicht. Ich sage Ihnen das ganz freimüthig, denn ein solches Bekenntniß hat Nichts Verletzendes für Sie. Ich erkenne Alles Gute, Schöne Edle in Ihrer Natur mit warmer Bewunderung an; es würde mir ein schmerzliches Opfer sein, auf Ihren freundschaftlichen Umgang, dem ich so Vieles Danke, verzichten zu müssen, — und doch fühle ich, daß die Liebe, die echte wahre Liebe, anders aussehen muß als Das, was ich für Sie empfinde. Vielleicht bin ich inbeß gar nicht fähig, diesen idealen Traum jemals in mir zu verwirklichen; vielleicht exiftirt Das, was ich mir so insgeheim zurecht gelegt habe, nur im Reich der Phantasie; und so will ich denn der Vernunft eine Stelle einräumen. Was ich dem Grafen Benno geantwortet habe, das will ich auch Ihnen antworten: Lassen Sie mich noch ein Jahr lang meinen eigenen Gang gehen. Die Frist wird ausreichen, um mich nach allen Richtungen ins Klare zu bringen, — und dann sollen Sie meine Entscheidung haben.
Ich war wie berauscht. Das war unsäglich viel mehr als ich erwartet hatte. Außer Stand, den Sturm meiner Gefühle zu bewältigen, nahm ich hasttg von Virginie Abschieb unb eilte hinaus in die sternenklare Winternacht, um nach einer fast dreistündigen Wanderung durch Die beschneiten Felder meine einsame Wohnung zu erreichen. Mein
Herz pochte in fiebernden Schlägen des Entzückens. Erst spät am Morgen, als die Sonne bereits durch Die befro- renen Scheiben sah, versank ich in einen schweren, tobähnlichen Schlaf.
Von diesem Tag an fand ich die Ruhe zum Arbeiten wieder, die mich während der letzten Monate völlig verlassen halte. Der Winter verging mir, zwischen ernsten Beschäftigungen und wonnigen Stunoen Des Glücks und der Hoffnung in der Nähe Virginien's, wie eine einzige Festwoche. Auch der Sommer brachte in meinem äußern Leben nur in so fern eine Veränberung hervor, als ich mich in Folge einer kleinen Erbschaft, Die meiner Mutter von einem halbvergessenen Anverwanbten in der Hauptstadt zugefallen war, weniger einzuschränken brauchtet Im Uebrigen das alte, selige Treiben, das im Winter angefangen, den Frühling hiirDnrch mit wachsender HoffnungS- freuDigkeit fortgesetzt worDen war.
Da begannen plötzlich für die Tarnow's Tage bet Sorge und Trauer. Ich hatte schon seit geraumer Zeit wahrgenommen, daß Virginiens Vater seine frühere Heiterkeit unb Jovialität mehr unb mehr einbüßte; aber zu sehr mit meinen eigenen Gevanken beschäftigt, war es mir nicht beigefallen, ernstlich über die Ursache nachzusinnen oder gar eine direkte Frage an ihn zu 'richten. Herr von Tarnow schien überhaupt bestrebt, seinen Seelenzustand möglichst zu verbergen unb insbesonvere der Tochter gegenüber keine Veränberung merken zu lassen. Wenn sie, durch bie Wolken auf seiner Stirn befrembet, in ihn drang, schützte er kleine Verdrießlichkeiten vor, oder eine nervöse Verstimmung, die ihn bereits in früheren Jahren einmal heimgesucht hatte.
Das dauerte so bis gegen Anfang November; bann ließ sich die Wahrheit nicht länger verschweigen Ein langjähriger Rechtsstreit, Dessen günstiger Ausgang noch bis vor Kurzem zweifellos schien, war durch bie Beibringung