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JTlatßurg, Dienstag, 16. April 1878
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stueigen nimmt entgegen: le Expebiti»» d.vlatte», wie d-Annoncen-Bureaux en Th. Dietrich <fc Co. in löffel und Hannover; Th. lietrich in Frankfurt a.M.; eefenftein & Logier in
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rankfurt a. M., Berlin, ripzig, Cöln re.; Rudolf teffe in Berlin, Frank- . ~J.C futt a. M. rc.
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Leiste anerko
vrauulwei«, Spiritus, Tingeltangel.
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ahlen, wie viele der Unglücklichen, die schließlich dem rm der Gerechtigkeit verfallen, durch die Lockungen der chankstätten, durch das Laster deö Trunkes so weit herabkommen sind! ES ist das eine für die moralische Ent- ickelung unserer Bevölkerung hochwichtige Frage, und es
- die der concessionspflichügen. Welche Einflüsse aber e stetig anschwellende Menge der Schanklokale und Brannt- einverkaufsstellen auf einen ungeheuer großen Theil unserer evölkerung ausüben, das ist greller nie zu Tage getreten, ls gerade in unseren nothbedrängtm gegenwärtigen Zu- imden. Die über Deutschland verbreiteten Bereinigungen von I em Zweck es ist, die stets ärger werdende Jnanspruch- chme der Gefängnisse zu vermindern, beweisen uns mit
Unter den in das Gebiet der Gewerbeordnung gehörigen ______nträgen, welche den Reichstag hoffentlich noch in seiner ... igenwärtigen Session beschäftigen werden, ist einer der IduCI ichtigsten derjenige, welcher die Gast- und Schankwirth« Haften und den Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus -trifft- Die Concession zu diesen Gewerben soll in erster nie von dem Nachweis des Bedürfnisses abhängig sein, ihre 1 R Preußen haben sich vom 1. October 1869 bis 1. ten H lmuar 1877 die Schankstätten um fast 27.000 oder um ! pCt. vermehrt und es ist nachgewiesen, daß seit dem ; — a estehen der Gewerbeordnung die Zahl der nichtconcessionS- ouds I lichtigen Anlagen in viel höherem Maße gewachsen ist,
ird allein mit jener Beschränkung, wie uns scheint, noch Hfl« Hl genügend geholfen werden. Die Steuer, die wir vom spiritus zahlen, sollte von vornherein und ursprünglich nt Getränksteuer sein, sie hat sich aber im Laufe der eit dadurch, daß man gelernt hat, in einer großen Zahl Reserltt Gewerben den Spiritus zu benutzen, in eine bedeutende Myhj dmahmequelle verwandelt und diese Entwickelung ist oben- ickc Ge no$ dadurch gefördert worden, daß die traurigen Berhält- liniae te? unserer Landwitthschaft diese immer mehr in industrielle 9' 1 )nen drängen. Gerade jetzt ist nun durch Petitionm l auf B? Reichstag die Frage von Neuem angeregt worden jrnigen Spiritus, welcher für gewerbliche Zwecke ver- i von bf^et "ud, von der Steuer zu befreien. Derselbe würde mjn durch gewisse Zusätze oder Beimischungen zum Ge- L flk unbrauchbar gemacht, denaturirt werden, während er I die betreffenben gewerblichen Zwecke, bie Fabrikation , .. i Bleiweiß-Bleizuckcr, Anilinfarben, Essig rc., brauchbar oe. Würde dieser Steuererlaß bewilligt, so entstände ^Lrlich ein Ausfall in den Staatseinnahmen. Es liegt m nahe, diesen Ausfall durch Erhöhung der Steuer auf a zum Schänken und zum Genießen zu verwendenden piritus oder durch eine allgemein auch vom Bier- und teinausschank zu erhebende Schanksteuer zu decken. Was
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Der alte Schärtli«.*) Novelle von Ernst Eckstein. (Fottsetznng.)
Als ich mich am Abend aus mein Zimmer zurück-
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lieber
von
meine Wunden.
Des Tags darauf hattm wir abermals Tischgesellschaft
18.
scheu
il Birginie sie an mich gerichtet hatte. Nur der Ge- ate, daß sich selbst ein Mann von den glänzenden Eigen- eften Benno'S in der gleichen Lage befinde, goß Balsam
- ein ältliches Ehepaar, dar auf der Rückreise aus dem id begriffen war und, wie stets, die Gelegenheit benutzte, f dem Tarnow'schen Familiensitz vorzusprechen.
Baron Tellwitz, war ein netter und liebenswürdiger ann, der ben einzigen Fehler besaß, vermittelst seines
.*) K-chdruck verboten. Mit Seoehmigun, ter 8erl-g«b-»dl»ng »ul dem bei «b ackfteiu in drirzig erschienene» Werke „Eturmnach t", Neue No- sturke Bünte. Prrr« Ml, ») enUejnt.
mgen hatte, wiederholte ich mir ihre Worte Silbe für - r. tlbe. ES gewährte mir ein grausame» Vergnügen, mir _____ te Rede inS Gedächtniß zurückzurufen, die schon deshalb > - Trostlosigkeit meines Schicksales zu besiegeln schien,
. öhneuden Basse» jederzeit bie Alleinherrschaft über bie mQ tterhaltung an sich zu reißen unb über kleine Streit- '-gen mit einer Hartnäckigkeit zu bisputiren, bie burchau» mit j hts Gemächliche» hatte.
Seine Frau, eine ehrliche Matrone von etlichen fünfzig hren, bildete zu bieftr Lebhaftigkeit ben schroffsten Gegen- . Sie bedurfte stets der Sammlung, um bie einfachste densart über bie Lippen zu bringen unb ba sie oben- -in stotterte, so zog sie e» vor, ihre Mitthätigkeit an ber Nversation auf ein freundliches, etwas albern aussehen- 1 Lächeln zu beschränken.
Der Baron begann schon bei ber Suppe eine lebhafte
durch diese Art ber Deckung etwa noch ungebeckt bliebe, würbe sehr reichlich burch bie Hebung jener Gewerbe gedeckt werben, welche wegen ber inländischen Spiritussteuer bie sie entrichten müssen, schwer leiden, währenb man, wie gesagt, ursprünglich doch gar nicht sie, sondern die trinkmden Consummten mit der Steuer treffen wollte. Entschlösse sich unsere Gesetzgebung zu einer derarttgen Maßnahme, so könnte also nach zwei Seiten hin eine segensreiche Wirkung erzielt werden: man träte der Branntweinpest entgegen und förderte andererseits Gewerbe, welche eben nur der Erlösung von der Steuer harren, um munter aufzu- blühen und die ausländische Concurrenz zu bestehen. Vor einem so umfassenden Plane stehen wir freilich noch nicht wo es sich um die Abänderung ber Gewerbeordnung handelt ; hier liegt bie Sache nur so: nach ben bisherigen Bestimmungen des § 33 ber Gewerbeordnung können bie Landesregierungen die Erlaubmß zum Ausschänken von Branntwein und den Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus auch von dem Nachweis eines vorhandmen Bedürfnisses abhängig machen; nach dem Antrag v. Seydewitz ist diese Erlaubniß zu versagen, 1) wenn gegen den Nachsuchenden Thatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß er das Gewerbe zur Förderung der Völlerei des verbotenen Spiels, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit mißbrauchen werde, 2) wenn das zum Betriebe de» Gewerbes bestimmte Local wegen feiner Beschaffenheit und Lage den polizeilichen Anforderungen nicht entspricht, 3) wenn ein Bedürfnis zu einer solchen Anlage nicht vorhanden ist. — Daß das Bedürsniß erst nachgewiesen werden muß, ist immerhin eine Verschärfung der Concesstonsbe- dingungen.
Sehr erwünscht werden auch die Einschränkungen fein, welchen die Concefsionirung von „Theaterunternehmungen" unterworfen werden soll. Es ist miglaublich, was Alles unter diesem Namen in den großen Städten gegenwärtig blüht; von der ernsten Bühne bis zum gemeinsten Tingeltangel ist eine ganze Reihe merkwürdiger „Theaterunternehmungen" , und es ist ganz sonderbar, daß trotz aller bitteren Noch, über die so laut geklagt wird, gerade die unsittlichen unb verberblich wirkenden unter diesen Kunsttempeln fast täglich überfüllt sind. Die Wirkungen davon sind in ber verhältnißmäßig ja noch nicht so laugen Zeit bieser „Freiheit" bereits bahin gediehen, baß es bie Lehrer der Jugend in ernsteste Erwägung ziehen, ob nicht den Eltern ihrer Schüler ausdrücklich verboten werden könnte, die Kinder in diese Lasterhöhlen mitzunehmen! Denn auch das ist bereits zur Sitte geworden!
Diese beiden Fragen haben neben ihrer praktisch-gewerblichen auch einen sehr bedeutenden moralischen Gehalt; indem sie wieder an der Hand der Erfahrungen der letzten Schilderung seines diesjährigen Badeaufenthalt» zu brüllen. Ich war so sehr in meine Gedanken verloren, daß ich nur das mechanische Geräusch seiner Sprachwerkzeuge vernahm, ohne von dem Sinn seiner Worte berührt zu werden.
Plötzlich ward ich durch die Stimme Virginiens au» meinen Träumereien aufgeschreckt.
— Bad Föhrenstädt gehört ja wohl chrem Freunde Pyl? rief sie mit über ben Tisch herüber.
— Ah, was, donnerte Baron Tellwitz, Doktor Pyl ist Ihr Freund? Na, da bringe ich Ihnen viele Grüße . . . das heißt, will sagen, er hat mir sie nicht aufgetragen, aber wenn er gewußt hätte, daß ich hier da» Vergnügen haben würde ... Ein prächtiger Mann, dieser Dottor Pyl — und macht brillante Euren!
Ich erwiederte, daß Pyl allerdings schon auf der Universität Hervorragendes geleistet habe.
— Ja wissen Sie, entgegnete der Baron, der Schwer- punkt der Geschichte liegt nicht sowohl in ben Kenntnissen unb Leistungen, als in dem unbegreiflichen Vertrauen, ba» er erweckt. Der Mann braucht seine Pattenten nur anzusehen, unb im Handumdrehen sind sie gesund.
Herr von Tarnow zog die Brauen in die Höhe.
— Nun, nun, fuhr Baron Tellwitz fort, ich will das natürlich nicht wörtlich verstanden haben, aber Thatsache ist, bafe, seine Persönlichkeit einen unbeschreiblichen Zauber ausübt. Und ist nicht gerade bei nervösen Leiden — die meisten Kurgäste in Föhrenstädt sind nervös ... wir sind auch nervös, nicht war, Laura? — was ich also sagen wollte, bei nervösen Leiden ist das Vertrauen zum Arzte die halbe Cur. Wenn der Kranke erst einmal die Uebei^eugung gewinnt, daß ihm zu Helsen ist, bann stellt sich die Heilung über Nacht ein, und in dieser Richtung wirkt Dottor Pyl wahrhaft Wunder. Na, ich will z. B. gar nicht von mir reden. Mein Schmerz im Hinterkopf
Jahre angeregt werden, ist von Neuem ein Schritt gethan, um dem sittlichen Verderben, wo es am schreiendsten hervortritt, entgegenzutreten. Wir sind begierig, zu erfahren, ob die Herren von der liberalen Theorie, die im Reichstage sitzen, auch hier wieder ihr Princip von der Alle» ausgleichenden freien Concurrenz — selbst in Bezug auf Sitte und Unsittlichkeit — geltend machen werden; es hieße das Nichts weiter, als die freie Concurrenz der verschiedenen Gestaltungen der Unsittlichkeit schützen, damit die armen Opfer abwechselungsreich aus den Armen der einen in die Netze der andern fallen!
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Tagesbericht.
Die mehrfach verbrettete Nachricht, es habe neuerdings für die obschwebenden Verhandlungen eine bedeutungsvolle Correspondenz zwischen dem deutschen Kaiser unb bem Kaiser von Rußland stattgefunden, ist vollständig aus der Luft gegriffen.
Um dem Lehrermangel so viel als möglich abzuhelfen und um auch schon vor der Fertigstellung der in Aussicht resp. schon in Angriff genommenen neuen Seminarbauten eine größere Anzahl von Lehrern als bisher heranzubiloen, hat der Cultusminister in einzelnen der älteren Seminaren jetzt die probenweise Einrichtung von dreijährigen Neben- cursen, in der Form von Exteniaten angeordnet. E» wirb auf diese Weife möglich eine größere Anzahl junger Leute an dem Unterricht in ben Seminatien theimehmen zu lassen, was bei ben bisherigen Einrichtungen des Internats wegen bet Beschränktheit deö baulichen Raumes nicht gut möglich war. So wirb ein solcher Kursus in bem Seminar ju Neuzelle am 1. Juni b. I. seinen Anfang nehmen und 30 Zöglingen Gelegenhett geben, sich zu Lehrern heranzu- bilben.
Die neuesten russischen Blätter führen eine ziemlich kriegerische, nichts befto weniger aber noch gemäßigte Sprache, inbem sie die Rede des englischen Premiers einer Besprechung unterziehen. Das officiöse Blatt bas Journal de St. Petersburg schreibt: „Die Rede Lord Beaconsfield's ist ein parlamentarischer Act, ber es auf ein durch Enthusiasmus hervorgerufenes Votum abgesehen hat. Die lieber« treibungen, die Widersprüche bilden zuweilen den schönften Schmuck solcher langatmigen Reden. Das Ziel, ba« der Redner im Auge Halle — es ist erreicht. Wir selbst würden respectvoller dem Hause der Lord» gegenüber austreten, als er, in der Voraussetzung, daß das Volum daselbe gewesen wäre, wenn der Premierminister mehr Achtung vor der Wahrheit bewiesen und weniger Pomphaftigkeit ge- war schließlich kein großes Malheur und kann auch von dem vielen Grog hergekommen fein; und da ich das Zeug dott gelassen habe, so wäre es vielleicht auch ohne Herrn Pyl gut geworden. Wer da war ein Mensch, der sich fast wie irrsinnig geberdete. Er meinte, er hätte Gehirnerweichung unb Rückenmarksdarre und Golt weiß was sonst noch. Ich war dabei, wie der arme Geselle nach dem Cursaal geschafft wurde. Er sah in der Thal ganz miserabel aus, eine wandelnde Leiche, und so niedergeschlagen, daß kein Mensch ein Wort aus ihm herausbringen konnte. Da trat Doktor Pyl auf ihn zu, grüßte ihn mit einer stummen Verbeugung und ersuchte ihn mit kurzen, aber freundlichen Worten, ihm in» Sprechzimmer zu folgen. Der Kranke hob die Blicke und fah dem Arzt müde und verstört in das ruhige, siegesgewisse Antlitz; und so wahr tch lebt, tn diesem Moment ging e» wie ein Schauer durch feinen Körper, unb er ergriff ben Doktor Pyl bei ber .panb unb dankte ihm, als wäre feine bloße Gegenwart eine Gnade des Himmels. Das war drei Tage nach unserer Ankunft; unb jetzt geht ber Mensch dort in Föhren- Itabt herum wie ein Gesunder. Er sieht freilich noch blaß und elend genug aus, aber der Bann der Verzweiflung ist von ihm gewichen ... Sie sagen, er hätte Haschisch geraucht und sich dadurch so bejammernswerth heruntergebracht.
Virginie hatte dieser Erzählung mit athemloser Spannung guge|ört. ZH^Wangen rötheten sich; chre Augen glänzten siufsizeS Metall. Erst später habe ich mir den eigen» chumltchen Eindruck, den die Worte de» BaronS in ihr hervorriefen, völlig zum Bewußtsein gebracht. Damal»
V. 8.0^ nicht, daß ihre Phantasie am Werke war, oa» Bud eine» Mannes zu verarbeiten, der ihr mehr al» trgmb ein anderer Sterblicher au» ihren bisherigen Lebens- kretsen — „imponirt" hatte. (Forts, f.)