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Marburg, Freitag 12. April 1878

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gkeit der Landbewohner, der Mangel an Arbeitskräften

« ,en zu dünner Bevölkerung und andererseits wegen ijtfjen Hanges zur Trägheit, ferner der Mangel an Capi-

ien und an genügenden guten Communicationen sind

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Die wirthschaflliche Lage der Türkei.

Die Türkei ist von der Natur so überreich mit allen

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weitem größere jedoch ausgeführt; und zwar nach Oesterreich- Ungarn (besonders besorgen diese Lieferung Saloniker Firmen, welche verpflichtet sind, den Tabak nicht mittelst Dampf­schiffen, sondern mittelst Segelbooten an die österreichisch­ungarische Küste zu bringen), weiter nach Frankreich und Italien. Die Forstwirthschast existirt fast gar nicht. Be­merkungswerth ist es, daß oft große Strecken mit unbe­nützten undurchdringlichen Waldungen völlig bedeckt sind, während benachbarte Gegenden Mangel an Holz leiden. Gewiß ist, daß einst aus den bedeutenden Wäldern des Balkans und des Dely-Orman-Gebietes große Quantitäten Holz werden zur Ausfuhr gelangen können. Den Haupt- reichthum der Landbewohner der europäischen Türkei bilden die zahlreichen Viehheerden. Die größte Sorgfalt wird dem Pferde zugewendet, welches man zahlreich zieht, das aber dem arabischen weit nachsteht. Das türkische Pferd ist klein, sehr ausdauernd und kräftig. Am meisten ver­breitet ist die Schafzucht; denn nicht nur, daß sich die Be­wohner der europäischen Türkei mit Vorliebe von Schaf­fleisch nähren, sondern es wird auch die Wolle in großen Quantitäten, meist nach England und Amerika ausgeführt, theilweise aber auch im Lande selbst verarbeitet. Der Berg­bau liegt in den unmittelbaren Ländern der Türkei voll-

leistung, welche mir endlich dadurch erleichtert wurde, daß sich das Hausmädchen meiner erbarmte, und mir mit Nadel und Zwirn zu Hülfe eilte. Ni vergesse ich das peinliche Gefügt, das mir durch alle Nerven zitterte, als das gutmnthige Geschöpf mit fiebernder Haft an dem Zwickel nähre, den sie mir in das Rückenfutter gesetzt hatte, während drunten der Bediente schon mit den Tellern klapperte und Virginie zum zweiten Mal fragen ließ, ob es Herrn Schärtlin uichl gefällig sei zu Tische zu kommen.

Du lächelst? Ach, mein Freund, ich versichere Dich, es gibt sehr komische Scenen, die doch'im Innern einen ernsten unv schmerzlichen Kern tragen. Die Beschränktheit unserer äußeren Mittel kann unter Umständen lähmend, wenn nicht geradezu vernichtend auf unseren edelsten Ge­fühlen und Bestrebungen lasten; ja, oft hängt unser eigent­lichstes Glück von solchen Kleinigkeiten ab. Denn das Glück ist die vollendete Harmonie unseres Wesens, und was stört diese Harmonie entschiedener, als die Furcht lächerlich zu erscheinen?

Endlich trat ich mit hocherglühenden Wanzen und klopfendem Herzen in den Speisesaal. Es überieselte mich siedend heiß, als ich bemerkte, daß die beiden jungen Herren bei meinem Anblick Mühe hatten, ihr Lachen zu unter­drücken. Selbst Virginie kämpfte mit einer Heiterkeit, die offenbar meiner Erscheinung galt. In der Thal, als ich an dem großen Trumeau vorüberschritt und meine Figur vom Kopf bis zu den Füßen überblicken konnte, da beschlich auch mich ein gewisses Verlangen, laut aufzulachen. Aber es wäre ein bitteres Lachen gewesen, ein Lachen des AergerS, des MißmutheS, der unbeschreiblichsten Wuth.

_ ÄH schwur mir heilig und theuer, nie wieder meinem StudentenflauS untreu zu werden, und sollte der Zufall mich morgen mit Prinzen oder Königen zu Tische führen.

Das Londoner Regierungsblatt „Standard" entwickelt eine plumpe Beredsamkeit um Oesterreich vor Rußland zu warnen, eine Sprache, die schwerlich geeignet fein kann, in

xck wird in großer Menge gebaut. Die vorzüglichsten tten finden sich in den fruchtbaren Ebenen Thessaliens. ! Theil wird int Inneren des Landes verbraucht, der bei

anffurt a M., Berlin, jpzig, EAn rc.; Rudolf ift in Berlin, Frank­furt a. M. ic

reicht, und so bleibt der größte Theil des Bodens ch liegen. Die schlechtesten Ackerbauer sind die Türken, seckssen und Albanesen; wo diese vorherrschen, sieht 1 oft die prachtvollsten Flächen mit üppigem Unkraut tckt. Dagegen dringt der thälige Bulgare durch diese toben und gründet überall, wohin er kommt, Cultur. t bewunderungswerther Kenntniß der Gesetze der Natur von diesem Volke die Bewässerung der Felder und kstn betrieben. Der Ackerbau steht im Allgemeinen auf « Stufe. Die Felder bleiben gewöhnlich zwei Jahre lder Brache und werden künstlich gar nicht gedüngt. . vorzüglichsten in der europäischen Türkei producirten rridesorten sind: Weizen, Korn, Gerste, Mais, etwas

Mannes hörte, der noch eben seiner Freundschaft unv Liebe einen so wehmüthig begeisterlen Ausdruck geliehen hatte. Aber was sollte ich sagen? Ehe ich urtheilen konnte, mußte ich seine Geschichte zu Ende hören.

— Erzählen Sie weiter, bat ich, das Bild langsam auf den Deckel der Cassette legend.

Herr Schärtlin schob es wieder unter die übrigen Pa­piere und fnhr fort:

— Am Tage nach dieser Abendunterhaltung trafen zu Tische zwei junge Cavaliere aus der Stadl ein, deren Gegenwart mir das Gebäude meiner kaum errungenen Fassung wieder über den Haufen warf. Den Einen von ihnen, Graf Callas, kannte ich bereits von Ansehen als einen Löwen der Universität. Er gab vor Jurisprudenz zu studiren, verwandte jedoch die ganze Summe seines Ta- lmtes auf einen möglichst eleganten und kostspieligen Lebens­genuß, in welchem das schöne Geschlechr eine hervorragende Nolle spielte. Bei der gesammlen weiblichen Bevölkerung der Stadt galt er für unwiderstehlich. Einen Blick, einen Gruß, oder gar einen Tanz von ihm zu erhasch en, war das Ziel aller Töchter der sogenannten guten Gesellschaft und selbst die Väter uns Mütter beeilten sich in seltsamer Uebereinstimmung, dem jungen Herzenseroberer alle erdenk­lichen Blumen auf den Pfad zu streuen. Der zweite, ein Herr von Salten, schien erst ganz vor Kurzem die Univer­sität bezogen zu haben. Er machte den Eindruck eines frühreifen, etwas naseweisen Bürschchens, das von der Schule her die Gewohnheit griechischer Citate mitbrachte und über­haupt neben der Rolle des Eoelmannes auch die des Schön­geists zu spielen suchte.

Ich verwandte diesmal eine ganz besondere Sorgfalt auf meine Toilette. Fast eine halbe Stunde lang bürstete ich an meinem blauen Frack herum. Die Weite, die mir zu enge geworden war, erforderte eine noch längere Mühe-

Tagesbericht.

Aus Berlin wird von gestern telegraphisch berichtet: Der rumänische Ministerpräsident Bratiano, welcher gestern vom Kronprinzen in längerer Audienz empfangen wurde, hat seine auf heute angesetzte Abreise in Folge einer Einladung zu der morgen bei Hofe stattfindenden Abend­gesellschaft verschoben. — Se. Maj. der Kaiser hat heute seine regelmäßigen Spazierfahrten wieder ausgenommen. — Betreffs der orientalischen Frage hebt die „Prov.Corr." hervor: die politische Spannung habe sich in den letzten acht Tagen wenigstens nicht verschärft, vielmehr trete all­seitig der Wunsch und das Bemühen für Erhaltung des europäischen Friedens wieder bestimmter hervor.

' Die definitive Constituirung des Reichsfinanzamtes dessen Genehmigung seitens des Reichstages auch in dritter Le­sung zweifellos ist, wird jedenfalls nach Genehmigung des Gesammtetats alsbald vor sich gehen, ebenso auch die Con­stituirung des Reichsverwaltungsamtes und des Central­bureaus des Reichskanzlers. Zum Chef des Reichsver­waltungsamtes ist der bisberige Präsident des Reichskanzler­amtes, Staatsminister Hofmann in Aussicht genommen. Die Funktion des vortragenden Raihcs im Centralbureau des Reichskanzlers wird dem bisherigen vortragenden Rath im Preuß. Staatsministerium Geh. Reg-Rath Thiedemann voraussichtlich übertragen werden. In Betreff des Unter« staatssecretairs im Reichsfinanzamt ist noch keine Wahl getroffen, das jedoch dürfte als gewiß anzunehmen fein, daß der Geh. Ober-Reg.-Rath Dr. Michaelis diese Funktion nicht übernehmen wird.

Der Londoner „Observer" schreibt: Wir erfahren, daß anläßlich der Vorstellungen des Fürsten Orloff bei dem französ. Minister für auswärtige Angelegenheiten be­züglich des anti-russischen Tones gewisser muthmaßlich von Mitgliedern der Regierung infpirirter Pariser Journale, Herr Waddington dem russischen Botschafter versicherte, daß, so lange er im Amte bleibe, Frankreich sich an keiner feindseligen Aktion gegen Rußland betheiligen würde." Die „Correspondance Universelle" bestätigt, daß der „Ver­treter einer der nordischen Großmächte" der französischen Regierung wegen der Haltung zweier Pariser Blätter Vor­stellungen gemacht habe.

----0„ 0.,------ „Sollte Oesterreich", sagt das Blatt, „jetzt von Rußland eine Bestechung (!) annehmen,

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtxteS SonntagSblatt" durch die Ervedition lKoch'scke Buchdruckerei- bezogen 2i durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (ejcL Bestellgebühr-, — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. ° V

sch-iM auSgestattet, daß sie nur einigermaßen verständig ewiaeMvützt — das einträglichste Land in Europa sein emrAllein die schlechte öffentliche Verwaltung, die ru=|ftige Unthätigkeit und Unkultur eines großen Theils der 0Weiterung, die sich jeder Verbesserung widersetzende Sorg-

Der alte Schärtlin. *) Novelle von Ernst Eckstein.

(Fortsetzung.)

Herr Schärtlin schwieg und langte abermals nach der

Haakff"' Buchweizen und Hirse. Daß der Hafer nur selten, >on eist berste hingegen in bedeutender Menge gebaut wird, L ärt sich dadurch, daß in der europäischen Türkei — chwie im ganzen Oriente — die Pferde mit Gerste “b 1 nur in Ermangelung dieser Frucht ausnahmsweise (Ä Hafer gefüttert werden. Nur in der Nähe der Dampf- L und Eisenbahn-Linien, das ist in Nordbulgarien und s den bulgarischen und rumelischen Bahnlinien wird S mehr Getreide gebaut, um auch für die Ausfuhr S zu erübrigen; während in den anderen Districten eben so viel gebaut wird, als der Verbrauch, nebst in natura zu leistenden Zehent - Abgaben erheischt.

Ich gewahrte ganz int Gegensatz zu dem, was ich so t gehört hatte, einen äußerst charaktervollen, durchge- .Xoä/iteten Kopf mit mächtiger Stirne und einem Munde,

kommen darnieder, obwohl es zweifellos reiche Minerallager giebt. Die gewerbliche Thäligkeit äußert sich in der Türkei noch ganz nach ältester Art. Von der Regierung gar nicht unterstützt, durch die wachsende Einfuhr fremder Fabrikate in jeder Hinsicht gehemmt, sind der gewerblichen Industrie sehr enge Grenzen gezogen, sowohl der Land- als der Seehandel sind in der Türkei von größter Wichtigkeit, aber das Haupthinderniß für das Aufblühen der ersteren sind die schlechten Verkehrsmittel. Zur Entwickelung des Handels wäre der schleunigste Ausbau der Eisenbahnen nothwendig. Von größtem stützen für den Binnenhandel sind die großen Märkte und Messen, welche in einigen größeren Orten des Reiches gewöhnlich einmal int Jahre durch 8—14 Tage abgehalten werden. Die wichtigsten Messen in der euro­päischen Türkei sind jene von Eski-Dzuma (zwischen dem 8. und 16. Mai) und jene zu Usundschowa, nordwestlich von Adnanopel (zwischen dem 23. September und 2. Okto­ber). Auf solchen Messen kann man übrigens deutlich wahr­nehmen, wie sehr Oesterreich-Ungarn schon von England und selbst von Frankreich auf den Märkten der europäischen Türkei verdrängt ist; obwohlbeispielsweise ein Wiener oder Budapester Kaufmann kaum mehr als 2—2 , Tage zu reisen braucht, um nach Eski-Dzuma zu gelangen, — wäh­rend seine englischen und französischen Concurrenten min­destens drei Mal so viel Zeit hierzu beuöthigeu. Der ........, .....

Seehandel in der europäischen Türkei liegt zum größten Deutschland zu gefallen. Theil in griechischen Händen. F' ' ---

2—L unen Schatulle.

Nachdem er die Papiere und Hefte, die sie enthielt, bemal hin- und hergewendet hatte, zog er ein kleines, 92'10 "gerahmte- Portrait hervor, ganz im Format der 241,01 ldentenbilderj die feine Wand schmückten.

Das ist er, sagte er, indem er mir die Silhouette

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlattrS, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt o. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendonk in Berlin; W. Tbienes in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

o/_‘3K«&bni<! verboten. «Bit @eee6mignng der Berlngehandlung au« dem bet ,*» p Eckstein in rervzig erschienenen Werk „€> t 11 r m n a ch t", Reue «0- 40.— f *ee irnftidfreinl» flute iianoe. frei« Rk. äj eiiile»nt.

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Neigen nimmt entgegen: > Expedition d.vlatte», ,ie d.Annoncen-Bureaux 2, , Th. Dietrich & Co. in *ö. fei und Hannover; Th. nel) 1 etrich in Frankfurt a.M.; g ihv ujenjtein & Vogler in

. flachen, daß dieses überaus fruchtbare Land zum größten

'* eile verödet ist. Von der Gesammt - Grundfläche sind

-----zefähr 40 pCl. als Acker- und Weinland, 6 pCt. als mpfich esen-, 14 pCt. als Waldboden, 11 pCt. als Weideland

[96 tf 29 pCt. als steriles Land zu bezeichnen. Die Land- iffr« Hschaft wird aber in der Türkei noch heute in derselben und Weise betrieben, wie im Mittelalter. Unbeküm- Ctnjrt um den Ueberfluß, besonders da der Landmann für J|e Vorräthe keinen Absatz findet, verlangt derselbe von riofl Erde nur das, was für seine beschränkten Bedürfnisse

den ein fast dämonischer Zug schwebte.

Fragend blickte ich auf. Herr Schärttin schien sich einen __Anblick an meiner Verwunderung zu weiden. Dann 7170 e cr langsam und jedes Wort .eigenthümlich betonend: q — Das ist nicht die Silhouette, die ich an jenem 100,7 "d im Tarnow'schen Schloß zeigte; sie datirt aus spä- 9J,9*J it Jahren und ist überhaupt nur durch . . . durch einen ^9,90 kwürdigen Zufall in meine Hände gelangt.

102 2 2ch betrachtete das Bild von Neuern.

>93,50 T Präge Dir diese Züge nur recht ein, fügte Herr 94'25 wtlin mit dumpfer Stimme hinzu — recht bis ins 92,25 erste Deiner Seele; so wirft Du unter Umständen vor io?«, n bewahrt bleiben. Ja, ja, mein Junge, so sieht a« «glSchuft aus!

Ich erschrack ordentlich, als ich dieses Wort, in so |H3,5fl&tbar schneidigem Ton gesprochen, aus dem Mund des