Marburg, Mittwoch, 10. April 1878
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Der Abgeordnete Dr. LingenS hat für die 3. Lefung
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Wie das „Memorial diplomatique" erfährt, hätte das
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Die mglische Regierung beabsichtigt einen BosporuS-
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Zoll in Vorschlag zu bringen, mit dem die gesammte Kauf- sahrtei-Schifffahrt belegt, und der zur Bezahlung der Gläubiger der Türkei verwendet werden soll. Der Zoll soll durch eine Reihe von fünf Jahren erhoben und nach den Tarifen des Suezkanals und der Sulina-Mündung geregelt werden Zunächst läßt die Regierung eine Denkschrift über Zahl und Tonnengehalt der Schiffe, welche die Dardanellen Yassiren, ausarbeiten. Es wäre dies eine Besteuerung der gesammten Schifffahrt aller Nationen, um den englischen und französischen Gläubigern der Türkei chre Wucherzinsen zu bezahlen.
war e» ein leiser Hauch von Unbefriedigtheit und Sehnsucht, der um die sanft verschwommenen Linien zitterte.
— Ich beschwöre Dich, kein Wort! rief Herr Schart- lin, alt ich ihm das Portrait zurückgab. Ich weiß zur Genüge, was Dir auf der Zunge ichwebt, aber ich kann es nicht hören, wenigstens jetzt nicht . . . Seit mehr atS dreißig Jahren lag das himmlische Antlitz hier in dem dunklen Küßchen vergraben, und nie ist auch nur ihr Name über meine Lippen gekommen . . .
Ich schwieg. Der Erzähler fuhr fort:
— Wir ritten also langsam durch den buschigen Forst und trafen nach einer Viertelstunde auf dem Schwß ein.
Ich hatte daS stalttiche Gebäude, das, aus prächtt- gem Basatt aufgeführt, hart an einer steil emporragenden Felswand inmitten der köstlichsten Wildniß stano, schon oft von dem großen Wiefengrund aus als eine höchst malerische Dekoration der Landschaft bewundert, ohne mich je darum zu kümmern, wer der Besitzer sei. Jetzt begrüßte die stattlichen Mauern als alte Bekannte, ein Gefühl, das sehr dazu beitrug, die Beklemmung meiner Seele zu mindern.
Herr von Tarnow führte mich mit Hülfe eines Dieners in sein Arbeitszimmer und hieß mich auf einem Divan Platz nehmen. Gleichzeitig sprengte ein Stallbursche nach der Stadt um den Arzt zu holen.
Ich machte es mir inzwischen, der freundlichen Aufforderung meines Wirthes entsprechend, so bequem als möglich Die glänzenden Räume des Schlosses, die mir anfangs eine thörichte Bangigkeit eingeflößt hatten, erschienen mir nach und nach wie ein recht behagliches Heim. Durch die geöffneten Flügelthüren konnte ich in den verschwenderisch auögestaüeten Salon blicken, dessen glattes Parket ein kostbares Mobiliar wiederspiegelte. Schwere, duntelrothe Gardinen dämpften das grelle Tageslicht in ein rosiges Clair-
Der alte Schärtliu.*) Novelle von Ernst Eckstein. (Fortsetzung.)
fassung des BundeSrathS noch eine größere Zahl von Eisen- bahnfachmännem und Veterinärbeamten gutachtlich zu hören. Es wird zu diesem Behuf am 10. dieses Monats im Diensi- gebäude des ReichseisenbahnamteS eine Conferenz stattstnden.
Königsberg, 5. April. In der heuttgen Sitzung deS Provinziallandtages wurde Herr v. Saucken-Tarputschen mit 56 Stimmen von 59 gültigen zum Landesdirektor der Provinz Ostpreußen, zum Vorsitzenden des Provinzial- Ausschusses: Oberbürgermeister Selle, zum Stellvertreter Landrath v. Hüllessem gewählt.
Danzig, 6. April. Der neue Oberpräsident von Westpreußen Staatsminister Dr. Achenbach traf, wie die „D. Z." meldet, in Begleitung des von Berlin zurück kehrenden Hr. Oberbürgermeister v. Winter hierselbst ein und nahm im Hotel du Nord Absteigequartier. Vormittags lietz derselbe sich bereits das Regierungs-Kollegium vorstellen. Derselbe wird am Dienstag die Eröffnung des westpreußischen Provinzial-Landtages vollziehen und geoentt nach Schluß desselben, vor Uebernahme der Overpäsioial- geschäfte noch einen kurzen Urlaub anzutretrn.
Ausland.
Wie«, 6. April. Einen wahren Frühlingstag hatte gestern die politische Welt zu verzeichnen. Vom Himmel sandte die Friedenssonne plötzlich ihre wärmsten Strahlen hernieder und aller Orten grünten und sproßten die hoffnungsvollsten Gerüchte hervor. Man wollte wissen, daß zwischen den streitenden Mächten em Ausgleich angebahnt werde, daß wenigstens in den Vorfragen alle Aussichten zu einem Arrangement vorhanden seien und daß der Eongreß, der tobte und begrabene Eongreß binnen kürzester Zeit seine ftöhliche Auferstehung feiern werde. In der That'belrachlet man es hier als wahrscheinlich, daß der Kongreß zu Öfter« seine Auferstehung feiert, zumal das Programm: „Abänderung der Pariser Verträge" am Ende alle Mächte unterschreiben können, England mit der Genugthuung, daß man die Verträge als Basis betrachtet, Rußland wiederum, indem es den Accent auf die Abänderung legt. In diplomatischen Kreisen behauptet man, daß der neueste Vermittelungsversuch des Fürsten Bismarck alle Aussichten auf Erfolg besitze. Hier hält man sich sehr reservirt, offenbar wartet man zunächst die Antwort Rußlands aus die Eröffnungen ab, die General Jgnatieff nach Petersburg überbrachte. Indessen sieht eS durchaus nicht danach aus, als wäre eine Cooperation mit England nach dem Gefchmacke des Grafen Andrassy. — In Pest gestaltet sich die Buoget- Debatte zu einem Kampfe „Aller gegen tttUe. ' — Die äußerste Linke erklärt, daß sie von der Fusion mit den Conservativen nichts wissen wolle, da diese die Institution der Honvrds, das Bollwerk der ungarischen Freiheit, be-
nterredung mit dem Fürsten Bismarck. Mittwoch Abend «bsichttgt der rumänische Minister von Berlin abzureisen, n über Wien nach Bukarest zurüchukehren.
Intrigen nimmt entgegen: He Expedition d.Blattes, joggie d.Annoncen-Bureaux wn Th. Dietrich & Co. in Staffel und Hannover; Th. söAvietrich in Frankfurt a.M.;
'naafenftein & Logier in ’Jtanffurt a. M>. Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Moste in Berlin, Frank-
—. furt a. M. ic.
flische Cabinet verschiedenen Mächten auf Beftagen er- rt, daß es nicht gesonnen sei, mit der russischen Regie- ng auf diplomatischen Wege weiter zu verhandeln. Die oozu et Hjxrung der Königin verfolge keinen anderen Zweck, als 8 Geschick der Bevölkerungen der Balkan-Halbinsel zu ' ein, gemeinschaftlich mit den übrigen Signatarmächten kamilic Verträge von 1856 und 1871. England glaubt nicht 4 j abgesonderte Verhandlungen zwischen England und len K $anb ZU einem praktischen Resultate führen können, --- d gibt in dem gegenwärtigen Stande der Frage, einer nfercnz den Vorzug. Indem das englische Cabinet von & Ä- mderinteressen absieht, will es eine wahrhaft europäische w “ung, die das Werk des ganzen Europa, nicht das zweier
!r dreier Mächte ist.
Tagesbericht.
ßautk. Berlin wird von gestern telegraphirt: Die äußeren nzeichen der Lage sind noch immer friedlich. Man will t stund zu der übrigens begreiflichen Annahme haben, daß übri Deutschland das vorläufige Scheitern des Congresses be- ' ~ ? mert hat und jede günstige Gelegenheit zur Vermittlung greifen wird. Ob der Boden schon geebnet ist, muß sich , _xlb zeigen. — Es bestätigt sich, daß Oesterreich Rumänien * igenüber den europäischen Charakter der bessarabischen rage anerkannt hat, ohne sich allerdings für die sachliche uffcheidung von vorn herein in bindender Weise zu ver- lichten. — Brattano hatte gestern Nachmittag eine längere
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blattes, sowie ».Annoncen-Bureaux von 8. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Luchhandl. daselbst; Jnvalidendant in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
I. ab Birginie hatte die Schleppe ihres Reitkleides über den i vermie n genommen und schritt jetzt dahin wie eine Königin,
fl&effelltttlgttt auf das zweite Quartal der l Vberhesftsche« Zeitung und das It- ’ kustrirte Sonntagsvlatt werden noch von allen ----lostanstalten (auf dem Lande von den Landpost- UK vten) angenommen.
Erscheint täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JSnstrirteS SonutagSdlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 56 Psg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 16 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.
Wohkst se Wi' istraße end ai ubehör
Er war nachgerade sehr ernst geworden. Auch Vir- schien ihren Uebermuth zu bereuen. So setzten wir Mülle > denn in Bewegung, Herr von Tarnow links, ich in ----Mitte und das junge Mädchen rechts, mein Pferd . Stabt Zügel führend. Sie hatte es so gewollt, und ich ste einwilligen, obgleich diese Leitung meine peinlichen ühle vermehrte. Nur der sich immer steigernde schmerz - dem Fuße half mir über die siedende Beschämung
Deutsches Reich.
** Berlin, 8. April. Im Gegensatz zu den Auslegungen der „Vosstschen Zeitung" hat der größte Theil der liberalen Presse die neulichen Andeutungen der „Pro- vinzial-Correspondenz" über nothwendige Aenderungen der Gefchäftsbehandlung der Budgetberathung dahin verstanden, daß es sich nicht um eine Beschränkung des Budgetrechts, sondern lediglich um eine heilsame Einschränkung nutzloser Erörterungen handelt. Die meisten Blätter deuten an, daß sich darüber reden lassen werde, und die „Köln. Zlg." sagt wörtlich: „Wenn wir auch nicht wie in England in einigen Tagen mit dem Budget, fertig werden können, so doch vielleicht in einigen Wochen," während die letzten Budgetverhanblungen länger als 2 Monate gedauert haben. — Der Artikel in der Sonntagsnummer der „Post" behandelt unter der Ueberschrift „Die neue Lage im Innern" die Stellung der Nationalliberalen zum Reichskanzler nach den neuesten Ministerernennmtgen. Man darf gespannt sein, wie die nationalliberale Presse die Auseinandersetzungen aufnehmen wird. — Der Cultusminister hat die Provinzial- Collegien auf die bekannte Schrift des Augenarztes Dr. Katz „die Ursachen der Erblindung, ein Noch- und Trostwort" mit der Bestimmung hingewiesen, dem die Schuljahre betreffenden Capitel dieser Schrift eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen, da dieselbe die Verschuldung der Schule an der Kurzsichtigkeit eines großen Theiles ihrer Schüler in maßvoller Weise darlege und geeignete Vorschläge zur Abhülfe wie zur Verhütung dieses UebelS liefere. — Aus Anlaß mannigfacher Klagen über Mißstände bei der Viehbefördernng auf Eisenbahnen sind vom Reichs- eisenbahnamt seit längerer Zeit Erhebungen zu dem Zwecke eingeleitet worden, eine Verbesserung der bestehenden Einrichtungen herbeizuführen. Nach vorläufigem Abschluß dieser Erhebungen ist im Reichseisenbahnamte ein Entwurf von Bestimmungen über Verladung und Beförderung lebender Thiere auf Eisenbahnen ^gearbeitet Es liegt in der Absicht dieser Behörde, zur Vorbereitung der Beschluß- und Hefte, verschiedene Kleinigkeiten aus Holz und Metall, ein goldenes Kreuz, eine Kette, Bänder rc., und ein kleines Oelportrait ohne Rahmen. Das letztere nahm er heraus, klappte die Schatulle wieder zu und setzte ste auf den Schreibtisch.
Wohl fünf Minuten lang betrachtete er das Bildniß, ohne ein Wort zu sprechen. Seine Züge waren starr und ausdruckslos Endlich sagte er mit seltsam vibrirender Stimme:
— Ja, das ist fiel Ganz so war ste damals, als ste auf dem scheu gewordenen Pferde auf mich zusprengte. Selbst von der Leinwand üben diese Augen einen töotlichen Zauber aus.
Tief aufathmend überreichte er mir das Gemälde. Ich fühlte, während ich es betrachtete, wie der Blick des Alten in fieberischer Spannung auf meinen Zügen haftete. Es war ein kleines Ovalbild, halbhandgroß, von vorzüglicher Feinheit der Ausführung. Ich glaubte eine jener sonnigen Florentinerinnen vor mir zu sehen, wie sie die italienifche Kunst geschaffen hat. Das Haar war hellbraun, saft blond, der Teint von nordischer Reinheit und Frische; aber aus diesem klaren, rosigen Grunde leuchteten zwei große, dunkle Gluthaugen, wie sie sonst nur im Süden heimisch zu sein pflegen. DaS Ganze war ein seltsames Gemisch von Leidenschaftlichkeit und Sanstmuth, von Schwärmerei und schalkhafter Naivetät. Was das holde Gesicht eigenttich besagte, war schwer zu ergründen; jedenfalls war es ganz danach geschaffen, einen denkenden Mann zu wahnsinniger Liebe zu entflammen, obgleich es unleugbar hinter dem Ideale künstlerischer Vollkommenheit weit zurückblieb. Das Unregelmäßige lag in der Bildung des Kinnesuud des Mundes. Unwillkürlich fiel mir ein, was Herr Schärtliu von der Physiognomie seines Freundes Pyl gesagt hatte. Auch hier
; unsere Etats, folgenden Antrag eingebracht: „Der Reichstag »lle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, da- vs Bedacht zu nehmen, daß den Post- und Telegraphen- tarnten an Sonn- und Feiertagen die entsprechende Zeit twährt werde, um am Gottesdienste Theil nehmen, sowie gesiesm Wochendienste sich ausruhen zu können." Der Antrag flasenP durch das gesammte Centrum unterstützt.
itraußi «S in der Anwandlung einer souveränen Laune in- ichselgesc ffant findet, ihrem Hofnarr für ein paar Minuten . 44. «ibienfte zu verrichten. Ich war nicht im Stande, ---Blicke von ihr zu wenden. Die schlanke Gestalt zeich- t vorn L sich in ihren dunklen Umrissen so liebreizend wider ft gesucl frische Grün des Forstes ab, daß mir alle Sinne nltttttui Riten. Ich hatte um so mehr Muße, mich in den be» -----— enden Zauber ihrer Erscheinung zu »erliefen, als Herr Kytff 18 Tarnow mir zur Tröstung für den erlittenen Scha- nne lange Jagdgeschichte erzählte, die mit meinem Unfeine gewisse Ähnlichkeit hatte. Trotz meiner Schweig-
9. Mitt, steit bemerkte er nicht, daß mich weit wichttgere Dinge "fügten, als das Interesse für seine waidmännifchen
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.. Schärtliu öffnete die messingbefchlagene Scha- e. Das Kästchen enthielt eine Anzahl loser Papiere
beiter. *1 Nachdruck eerbote». Mit Oenebmiaung ber Berlagehandlung au» dem bet * Setpein in eetpjig erschienenen Werte „s t n r n n a d) t", xexe Wo-
- Wn s r m ft S < P c i » (t Parte Bande. Preis 1ÄL 9) entlehnt.