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Maröurg, Dienstag, 9. April 1878

xni. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: Me Expedition d.ivlatte», sowie d-Äunoncen-Bureaur von Th- Dietrich L Co. in

Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein L Bögler in Frankfurt a- M., Berlin. Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

OchlWr Zkitmiz.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.lvlattr», sowie d. Annoncen-Bureaur von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'! che Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

Srscherm täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen BeilageJInftrirteS S»N«taa»blatt" durch die Expedition lAock'fche Buchdruckeret) bezogen Sh Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pf». lexcl. Bestellgebühr». Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf« Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf,, berechnet.

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378.

N^efteKtMgen auf das zweite Quartal der

Oberhesfifchen Zeitung und das II- lußrirte Sonntugsbtatt werden noch von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpost­boten) angenommen.

England und Rußland.

Die Opposition der englischen Regierung entfaltet eine große Rührigkeit, um der Regierung noch in der letzten Stunde große Schwierigkeiten zu bereiten und die Kriegs­erklärung zu verhindern. Die Führer derselben im Ober- und Unterhaus«: Lord Granville und der Marquis von Har­rington empfingen am 3. April im Westminster Palace- Hotel eine Deputation, die erschienen war, um sich zu Gunsten der Erklärung des Friedens auSzu- sprechen. Die Deputation, in welcher 120 Städte vertreten waren, wurde von Mister John Bright mit einer kurzen Rede eingeführt. Lord Granville bemerkte sehr richtig: Kriege sind in der Regel durch die Klugheit der Regie­rung und nicht durch die Opposition abgewendet worden. Wir würden uns, Europa und insbesondere Rußland täu­schen, wenn wir vergäben, daß wir die Macht besitzen, die Regierung daran zu hindern, unser Land in einen Krieg hinein zu schleppen, für den keine klare Rechtfertigung vor­handen ist.'

Der Marquis von Hartington begrüßte das von Lord Salisbury erlassene Rundschreiben mit einiger Befriedigung, weil es da» erste Mal ist, daß die Regierung ein wirklich klares und verständliches, obwohl unvollständiges Bild ihrer Ansichten über die orientalische Frage veröffentlicht hat. Denn wenn einmal die Ansichten der zwei Regierungen vollständig und klar ausgedrückt worden sind, dürste es nicht unmöglich gefunden werden, zu irgend einer Verständigung betreffs derselben zu gelangen. Selbst der erfolgreichste Krieg gegen Rußland kann unserem Lande keinen Gewinn bringen. ES ist demnach die Pflicht der Opposition, irgend einer übereilten und übel erwogenen Aktion der Regierung nach Kräften Hindernisse zu bereiten."

Die Regierung in ihrer jetzigen Zusammensetzung wird jedoch leider auf die Demonstrationen dieser Friedenspartei ein sehr geringes Gewicht legen. In der Thal ist es schwer abzusehen, wie der Krieg nur vermieden werden soll. Wie aus St. Petersburg gemeldet wird, läßt der dortige eng­lische Botschafter Lord Loftus alle Sachen der englischen Botschaft verpacken, und hält man dort dessen Abreise von St. Petersburg für demnächst bevorstehend. Fürst Gort- schckoff soll die Circulardepesche des Lord Salisbury dahin beantwortet haben, daß in der jetzigen Phase ein Congreß

sbote.

Der alte Schärtlin.*)

Novelle von Ernst Eckstein.

(Fortsetzung.)

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hier.

378.

ritt 4 Ab.88,

Während ich daS mit fieberndem Eifer hin und her überlegte, ertönte plötzlich ein Schuß, und gleich darauf jagte ein stattlicher Nehbock, von kläffenden Hunden ver­folgt, dicht an den beiden Reitern vorüber, um auf der andern Seite des Weges im Dickicht zu verschwinden. Das Pferd der jungen Dame, auf diesen Zwischenfall nicht vor­bereitet, stieg in die Höhe' machte nach einigen unbändigen Manövern Kehrt und jagte in gestrecktem Galopp auf mich ju. Die Reiterin hatte sich mit bewundernswürdiger Geistes­gegenwart im Sattel gehalten; doch gelang cs ihr nicht, br» erschreckten ThiereS Meister zu werden. Ihr Begleiter sprengte ihr nach und gab ihr in französischer Sprache Verhaltungsmaßregeln, während er das Pferd am Zügel lu fassen suchte, was ihm indeß nicht gelang, da er bei der Schwierigkeit des Weges und. den ost bis auf Manns­höhe herabhängenden Zweigen fortwährend darauf Acht ge­ben mußte, selbst keinen Schaden zu leiden.

Mein Eutschluß war augenblicklich gefaßt. Schneller, Äs ich'S erzähle, sprang ich in die Mitte des Weges. Den Blick starr auf das heransausende Thier gerichtet, wartete ich den entscheidenden Moment ab, um dem Flüchtling in ®it Zäume zu fallen. Ich wurde zwar wohl an zwanzig Schritte weit mit fortgeschleppt und nicht übel zurechtge- lloßcn, aber meinen Willen hatte ich doch durchgesetzt: das Pfrrd stand.

Bis dahin hatte die Reiterin ihre volle Fassung be- ivahrt: jetzt, nachdem die Gefahr vorüber war, sah ich,

-) Nachdruck verboten. Mit Genehmigung der Verlag-Handlung au- dem bci _ .> Richartz Eckstein in Leipzig erschienenen Werke ,,L turmnach t", Arne "o-

*** m Ernst Eckstein (» starke Väade. Preis «r. 9) entlehnt.

die Streitfrage wegen des Frieden- von St. Stefano zu lösen nicht mehr geeignet sei.

Inzwischen werden in Konstantinopel alle Anstrengungen gemacht, um die Türkei auf die Seite Rußlands zu bringen. Die WienerPolit. Corr." stgnalistrt einenwahrschein­lich nahe bevorstehenden Umschwung im kaiserl. Palais zu Gunsten Rußlands, welchem die englischen Einflüsse dort zu. unterliegen scheinen. Osman Pascha, der nach seiner Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft als entschiedener Anhänger der russischen Allianz gilt, soll Kriegsminister werden.

Aehnliches schreibt auch das Londoner Regierungsblatt Standard". Dem Blatte wird nämlich aus Konstantinopel gemeldet, daß Nelidoff fortfährt in die Pforte zu dringen, mit Rußland ein Schutz- und Trutzbündniß gegen Eng­land zu schließen, daß aber bis jetzt kein Uebereinkommen erzielt worden sei.

Die Reise des Generals Jgnatieff nach Wien betraf wohl kaum ein besonderes Bündniß mit Oesterreich. Ruß­land wird vielmehr in einem Augenblicke, wo eS von Eng­land mit Krieg bedroht ist, nur darnach trachten, die Zahl seiner Gegner möglichst einzuschränken. General Jgnatieff wird in Wien gewisse beruhigende Erklärungen abgegeben haben und darauf mit der Antwort Andrassy's beehrt wor­den sein. Die Aufmerksamkeit Rußlands gegen Oesterreich hat auf die öffentliche Meinung in Oesterreich einen sehr günstigen Einfluß ausgeübt. Die Vorwürfe gegen den Grafen Andrassy sind verstummt, man fürchtet nicht mehr, daß die Regierung etwas zum Heile des Landes versäumt habe. Dieser Erfolg ist^denn auch dem Grafen Andrassy herzlich zu gönnen. Sollte indessen der Friede erhalten bleiben, dürfte die allseitige Vermittler-Rolle des deutschen Reichskanzlers nicht gering anzuschlagen sein, und die wieder auftauchende Vorkonferenz könnte zunächst als sein Versuch zur friedlichen Lösung der obschwebenden Differenzen anzu­sehen sein.

TogeOdericht.

Der Bundesrath hat beschlossen, im Laufe des Monat April bis Juni d. I. sowie im Laufe der Jahre 1879 und 1880 wiederholt eine Bekanntmachung betreffend den Aufruf und die Einziehung der (grünen) Eiuhunbertmark- noten der Rostocker Bank vom 1. Januar 1874 zu erlassen Die Einlösungsfrist wurde bis zum 1. Juli 1878 festge­setzt und sollen nach diesem Tage die mit der Firma der Rostocker Bank umlaufenden Noten aufhören, Zahlungs­mittel zu sein, sie behalten jedoch die Kraft einfacher Schuld­scheine und werden als solche bei der Casse der Rostocker Bank bis zum Schluffe des Jahres 1880 eingelöst. Nach dieser Frist sind sie auch als einfache Schuldscheine präkludirt. wie sie erblaßte. Aus ihren Augen traf mich ein zweiter Blick, der mich noch tiefer und leidenschaftlicher bewegte als der erste. Dann sagte sie mit bebender Stimme, ich möge ihr die Hand reichen nnd ihr vom Pferde helfen.

Ihr Vater überhäufte mich inzwischen mit DankeS- worten und fragte, ob der tolle Renner mich nicht verletzt habe.

Ich sagte Nein, fühlte jedoch in demselben Augenblick, daß ich log, denn mein rechter Fuß schmerzte erbärm­lich, und als ich jetzt aufzutreten versuchte, mußte ich mich an den Bug des Pferdes halten, um nicht zusammenzu­brechen.

Es scheint doch, daß Sie nicht ohne Schaden da­von gekommen sind, sagte der Herr in dem Jagdcostüm. Sie haben uns einen großen Dienst geleistet: wir sind also verpflichtet, allermindestens das wieder gut zu machen, was der Unfall Ihnen Mißliches eingetragen. Können Sie reiten?

Ich denke wohl, sagte ich schüchtern.

So versuchen Sie, ob Sie im Stande sind, sich in den Sattel zu heben. Mein Name ist Tarnow. Ich kann den Weg bis drüben nach meinem Landhause schon zu Fuße zurücklegen. Sie schicken mir dann den Revlock mit der ersten Gelegenheit zurück, oder noch besser, ich lass' ihn durch meinen Stallburschen abholen. Darf ich fragen, mit wem ich die Ehre habe . . . ?

Ich heiße Heinrich Schärtlin, antwortete ich er- röthend, und bin Studiosus der Mevicin. Meine Woh­nung ist dicht am botanischen Garten, 192 im obersten Stock.

Aber Papa, sagte die junge Dame, ich finde das eigentlich recht unpraktisch. Der Herr hat zwar sehr viel Muth und Unerschrockenheit bewiesen, aber wenn er oaS Reiten, nicht gewohnt ist, wie es den Anschein hat, so

DiePost" brachte die Nachricht, daß eine Deutsche Panzer-Flotille sich anfangs Mai nach dem Orient, begeben werde. Die Nachricht ist an sich richtig, indeß würde eS eine mißverständliche Auffassung sein, wenn man die Ent­sendung der Flotille mit der politischen Entwickelung im Orient in Verbindung bringen wollte. Es wird bekanntlich alljähr­lich ein Uebungs-Geschwader versammelt, dem nebenbei auch eine politische Aufgabe zugetheilt wird.

In den politischen Kreisen Berlins ist man der Mei­nung, daß sich in den Differenzen zwischen Oesterreich und Rußland in der allerneuesten Zeit eine friedlichere Wendung vollzogen habe, und daß man nunmehr mit größerer Aus­sicht auf Erfolg auf einen friedlichen Verlauf der Dinge rechnen darf. Nicht wenig Verdienst an dieser Wendung wird dem Deutschen Reichskanzler zugeschrieben, der seine vermittelnde Stellung alsehrlicher Makler" in den letzten Tagen in hohem Maße zur Geltung gebracht haben soll. Der offizielle Telegraph soll sich in den letzten Tagen so­wohl nach London als auch nach Petersburg hin in un­ausgesetzter Thätigkeit, befunden haben. Die durch einige Zeitungen verbreitete Version, welche den Namen des Staatssekretärs v. Bülow mit Veränderung int Botschafter- Posten in Wien in Zusammenhang bringt, entbehrt jedes thatsächlichen Anhalts.

Eine Londoner Correspondenz derNationalzeitung" spricht den Glauben aus, eine friedliche Lösung der russisch- englischen Spannung wäre zuversichtlicher zu erwarten, wenn die Leitung der russischen Politik den Händen, die fie in die Sackgasse geschoben hätten, entzogen und einem StaatSmanne anvertraut würde, der, mehr noch als durch ungewöhnliche Begabung, durch aufrichtige Friedensliebe das Vertrauen der englischen Staatsmänner sich zu erwer­ben gewußt. Die Zeitung fügt hinzu, in Petersburg rich­teten sich inmitten 6er politischen Unbehaglichkeit die Blicke ebenfalls auf den Grafen Schuwaloff.

Die Commission zur Vorberathung des Gesetzentwurfs Über die Verfälschung der Nahrungsmittel hat in ihren beiden Sitzungen von Freitag Abend und Sonnabend Vor­mittag folgende Beschlüsse gefaßt: Die Reichsregierung zu er­suchen, baldigst eine Mittheilung über die in den einzelnen Bun­desstaaten bestehenden gesetzlichen und sonstigen allgemeinen Verordnungen über den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Ge­nußmitteln und Gebrauchsgegenstäildeu der Commission zu machen." 2) Den § 1 folgendermaßen zu fassen:Der Berkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und mit Gegenständen, welche zur Haushaltung oder häuslichen Ein­richtung bestimmt sind, sowie der Verkehr mit Spielwaartn könnte der welle Weg nach der Stadt doch fein Bedenkli­ches haben, zumal sich das Pferd von keinem Andern reiten läßt als von Dir. Wär' es nicht besser, wenn wir Herrn Schärtlin mit nach dem Schloß nähmen, und ihn von dort aus mit dem Wagen zur Stadt brächten? Ich ge­traue mich so wie so nicht wieder auf diese verrätberische Alma, denn wenn mich ein Thier einmal erschreckt, so ist- aus mit meiner Freundschaft. Aber Herr Schärtlin könnte sich ohne alle Besorgniß in meinen Sattel setzen. So wurde auch fein Fuß am besten geschont, und Du nähmst dann die Alma am Zügel. Ich gehe recht gern nebenher, denn das Reiten ist mir wirklich für lange Zell hinaus verleidet.

Sie sah so unbeschreiblich schön aus, als sie da« sagte, daß mir das Herz in der Brust aufjauchzte vor Seligkeit und sich gleich darauf wieder zusammenfchnürte, al- ob der Tod daran pochte. Ich kam mir dieser gra­ziösen Hoheit und Vornehmheit gegenüber so arm und bedeutungslos vor wie ein Bettler. Früher hatte ich von der Eleganz unserer jungen Cavaliere herzlich wenig ge­halten, ja gewissermaßen mit einer überlegenen Gering­schätzung auf sie herabgeblickt. Jetzt aber hätte ich zehn Jahre meines Lebens darum gegeben, wenn ich die Tour- iiürc eines Grafen Gallas oder eine- Freiherrn von Win­disch besessen hätte. So heißen nämlich die beiden Haupt­matadoren der Universität, junge, stattliche Leute von überaus einnehmenden Manieren und hohen gesellschaftlichen Ta­lenten. Sie würden dem schönen Fräulein von Tarnow ganz anders imponirt haben als ich mit meiner linkischen Giitmüthigkett und ihr zu gefallen, auf sie den Ein­druck ber Kühnheit und Ritterlichkeit zu machen, da- schien mir in diesem Augenblick Dai höchste Glück im Him­mel und auf Erden. Ich vergaß völlig, daß meint Hand­lungsweise von vorhin gar nicht ungeeignet «ar, eine