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xni. Jahrgang.

JHacßurg, Sonntag, 7. April 1878

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Politische Wocheu-Uebersicht.

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zu vertiefen. Dann Hub er wieder an, indem er das Auge scheu auf die alte Schatulle richtete:

Die r erste Zeit der Trennung war für mich reich au trüber Vereinsamung. Doch fand ich mich schneller in bas Unabänderliche, als ich erwartet hatte. Selbst als der Freund mich nach einem halben Jahre auf seiner Hochzeits- rrife besuchte und nach dreitägigem Aufenthalt weiterzog, Um nie im Leben wieder hierher zurückzukehren, faßte ich ^as Alles auf wie eine Nothwendigkeit, an der sich nicht rütteln läßt. Der Verlust deS treuen Hausgenossen war «n für allemal verschmerzt, und nur daS warme , ruhige Gefühl vertrauender Freundschaft geblieben. DieS aber wurde in Folge der äußeren Entbehrung nur um so tiefer

Niger in Worten, als in der ganzen Weise ihres Benehmens äußerte.

Und schien Pyl Ihnen glücklich zu sein? forschte ich weiter.

DaS ist schwer zu beantworten. Die Wahrheit zu reden, war er völlig unverändert. Seine Frau behandelte er aufmerksam und, zuvorkommend, auch war er stets guter Dinge und in seiner Weise behaglich, bis auf einen eigen- thümlichen Zug von Unbeftiedigthett, der um seine Mund­winkel spielte. Ich war indeß nicht berechtigt, hieraus einen Schluß zu ziehen, denn das konnte in seiner Phy­siognomie liegen. Ich hatte ihn nie anders gekannt, und gerade dieser Zug verlieh feinem Antlitz etwas überaus Fesselndes.

Besitzen Sie kein Bild von ihm? fragte ich mit steigendem Interesse.

Laß mich nur weiter erzählen, sagte er ausweichend. Du mußt mir ohnehin zugute halten, wenn ich weit­schweifig werde. DaS ist der unvermeidliche Fehler des Alters, sobald es sich um halbvergessene Erinnerungen handelt.

Ich erwiderte ihm, daß gerade diese Einzelheiten be­sonderen Werth für mich hätten. Er drückte mir freund­lich die Hand und nahm den Faden seiner Erzählung wieder auf:

So standen die Dinge, sagte er, als ein Ereigniß in mein Leben trat, das mein ganzes Wesen umgestaltete. Ich habe Dir schon angedeutet, daß ich jede freie Stunde benutzte, um durch Feld und Wald zu schweifen und den Herzschlag der Natur zu belauschen. ES war im Juni, so recht mitten im Frühling denn der Mai ist bei uns zu Lande gar zu oft nur dem Namen nach Wonnemonat. Auch damals hatte er uns Sturm und Regen int Heber* maße gebracht und erst kurz vor seinem Scheiden eine

scharf dargelegt hat. Der Versuch Rußlands, durch die Entsendung Jgnatteff's zum wiener Hof eine Annäherung der beiden meistbetheiligten Mächte im Orient zu Hinter­treiben, muß als gescheitert betrachtet werden. Oesterreich scheint ein ziemlich umfangreiches Gegenprogramm aufge­stellt zu haben, das als Gegengewicht gegen die von Ruß­land geleitete Bulgarei näheren Anschluß Bosniens, Alba­niens, Serbiens und Montenegros an die habsburgische Monarchie, die Durchführung einer Eisenbahnlinie nach Salonichi, den Verzicht der Bulgarei auf die Küste des Aegäischen MeercS, die Sicherstellung des der Türkei noch verbleibenden Besitzes und eine dirette Regelung dieser An­gelegenheiten zwischen Oesterreich und der Pforte verlangt. Jgnatteff ist am 31. März von Wien abgereist und am 2. April wieder in Petersburg eingetroffen. Die Aussich­ten des Congresses sind durch die letzten Ereignisse wieder ein wenig gestiegen, da man annimmt, daß Rußland ein Nachgeben in dem von England geforderten Pmttte zum mindesten noch einmal in Erwägung ziehen werde, ehe eS seine bisherigen Erfolge den Wechselfällen neuer und un­übersehbarer Verwicklungen preiSgebe. Dem Sultan ist inzwischen die Ehre zweier Zusammenkünfte mit dem Groß­fürsten Nikolaus nicht erspart geblieben. Da er sich durch­aus nicht nach San Stefano begeben und dem Russen auch nicht in dessen Botschaftspalast den erwarteten Gegen­besuch abstatten wollte, so hatte man das Auskunftsmittel gefunden, daß der Großfürst für kurze Zeit in einem Schloß an der asiatischen Seite des Bosporus Wohnung nahm.

freundlichere Miene angenommen. Jetzt stand Alles in vollster, üppigster Lenzespracht. Drüben der Forst, den sie seitdem zum großen Theil abgeholzt oder traurig gelichtet haben, war damals noch eine Art Urwald mit dicht an einander gedrängten Riesenstämmen und mannshobem Strauchweä, durch das nur hier und da ein mühsam gebahnter Fußweg oder eine holperige Vicinalstraße führte. Dieser Wald war mein Lieblingsort, und an dem Tage, von dem ich reden will, hatte ich früh Morgens die Bücher bei Seite geschoben und war, die Botanisirbüchse auf der Schulter, hinaus gewandert, um erst mit ein­brechender Dunkelheit wieder den Heimweg anzutreten. Ich schwelgte in der kösttichen Frische der stolzen Buchenge­wölbe, die nur selten ein blitzendes Stückchen Himmels­blau hindurch ließen, und legte mich nach kurzem Hin- und Herschweifen am Rande eines grün überwucherten Pfades nieder. Von süßer Schläfrigkeit übermannt schloß ich die Augen. Schon verwob sich mir die reizvolle Wirk­lichkeit mit allerlei Phantasiegebilden zu einem abenteuer­lichen Halbtraum, als ich plötzlich durch herannahende Husschläge aus meiner Betäubung emporgeschreckt wurde. Ich richtete mich auf und gewahrte in einer Entfernung von etwa hundert schritten zwei vornehme Gestalten, die aus schnaubenden Pferden gegen mich heransprengten. Es war ein Herr und eine, Dame. Der erstere, in elegantem Jagdkostüm, den Kopf von einem grauen runden Hute mit Spielhahnsedern bedeckt, mochte etwa fünfzig Jahre zählen. Seine ganze Erscheinung hatte etwas Martialisches und Trotziges. Die Dame war jung und von überraschen­dem Liebreiz, ganz so wie man sich eine jugendliche Rei­terin im einsamen Forste zu denken pflegt. Ihr blauer, farbiger Schleier wehte im Wind, als gäbe ihr ein Stück von dem Himmel, der oben durch die Zweige funkelte, das Geleit. Das schwane, eng anschließende Gewand mit

Die Pause, die zwischen dem Rundschreiben Salisburys und den von Oesterreich aufgestellten Bedingungen einer­seits und den zu erwartenden Entschließungen Rußlands andererseits liegt, wird von allerhand Kombination und Kommentaren ansgesüllt. Aus allen Kundgebungen tönt heraus, daß England und Oesterreich sich genähert haben. Nach der Nat.-Ztg. sucht Deutschland in Wien zwischen Oesterreich und Rußland zu vermitteln; der Gedanke, einen Kongreß mit verändertem Programm abzuhalten, wird viel­fach ventilirt und werden scheinbar Anstrengungen gemacht, um ihn zu verwirklichen.

Käst [ 1871 s D >arbie

scheinlichkeii. Neuerdings hat der Cardinal-Staatssecretär Franchi die preußische Bischöfe aufgefordert, über die Lage ihrer Diöcesen, die Ausführung der Maigesetze und andere auf den Kirchenzwist bezügliche Dinge Bericht zu erstatten.

Die französischen Kammern haben die Arbeiten ihrer Wintersession in keiner gemächlichen Stimmung been- aber die Mehrheit der Deputirtenkammer hielt es für zeit­gemäß, den Streit über die Grenzen des Budgetrechts des Senats nicht zu einem neuen Conflicte werden zu lassen, sondern nachzugeben. Auch zu dem vorn Senat gründlich umgeänderten Preßamnestiegesetze wurde gute Miene ge­macht. Nach diesen Triumphen hat der Senat sich am Dienstag bis zum 29. April vertagt. Die Depmirtenkam- mer hielt am Mittwoch ihre Schlußsitzung vor den Oster­ferien, die um so nöthiger sind, weil 150 Senatoren und 280 Deputirten zugleich Mitglieder der Generalräthe sind, deren Frühlingssession bevorsteht. Am 29. April treten die Kammern wieder zusammen, um bei der Eröffnung der Weltausstellung eine Rolle zu spielen.

Die englische Negierung hat angesichts der russischen ablehnenden Antwort auf die Forderung daß die Veröffent­lichung deS Vertrages von San Stefano als gleichbedeutend mit der Vorlage vor dem Congreß bezeichnet werde, er für nothwendig erachtet, weitere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um von keinen Ereignissen überrascht zu werden. Das Cabinet beschloß deßwegen, der Königin die Einbe­rufung der Reserven vorzuschlagen; von allen Mitgliedern des Ministeriums konnte sich nur Lord Derby mit dieser Maßregel nicht befreunden, und reichte durch Vermittlung des Premiers Beaconsfield der Königin seine Entlassung ein, welche sofort angenommen wurde. An seine Stelle trat der bisherige Staatssecretär für Indien, Lord Salis­bury, der fein Portefeuille an den Kriegsminister Hardy, welcher unter dem Namen Slaphlehorst in den Pairsstand erhoben wurde, abgab, während Oberst Stanley, der Sohn Lord Derby's, in das Kriegsministerium berufen wurde. Durch diese Personalveränderung ist die Einigkeit im Cabinet wieder hergestellt, und der neue Staatssecretär für das Auswärtige hat sofort Gelegenheit ergriffen, um in einem ausführlichen Rundschreiben den englischen Standpunkt bar* zulegen.

Die durch Rußlands Weigerung, den ganzen Frie­densvertrag der Begutachtung des Congresses zu überliefern, ohnehin schon so gespannte Lage der orientalischen Ange­legenheit hat sich in der verflossenen Woche noch wesentlich verschlimmert. Der russischen Antwortnote folgte die Ein­berufung der englischen Reserven, der Rücktritt des fried­liebenden Derby und seine Ersetzung durch Lord Salisbury, der denn auch sofort in einem Rundschreiben an Englands Vertreter im Auslande den Standpunkt der Regierung

gLestell«»ge« auf das zweite Quartal der

Lberhesfische« Zeitung und das II- lußrirle Sonntugsvlatt werden noch von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpost-

Der alte Schärtli«. *)

Novelle von Ernst Eckstein.

(Fortsetzung.)

Tagesbericht.

Die Redaction einer Berliner Zeitung hat gestern durch Extrablätter die Sensationsnachricht verbreitet, daß eine theilwcise Mobilmachung des deutschen Heeres beschlossen sei; diese ganze Angabe ist vollständig erfunden, für keinen Theil des deutschen Heeres sind irgend welche Mobilisirungs- Maßregeln in Aussicht genommen.

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Anzeigen nimmt entgegen: bit Expedition d.vlatteS, sowie d-Aunoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Saffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cvln re.; Rudolf Rosse in Berlin, Frank­furt a. M. re.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatteS, sowie d.Anuoncen-Bureaux von ®. L. Daube X Co in Frankfurt a. M.; Jüger'iche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Znoalidendank in Berlin; W. TdieneS in Elberfeld 6- Schlotte in Bremen.

und heiliger . . .

Und Pyl'S Gattin? warf ich ein, als Herr Schärtlin eine Panse machte.

O, die war ein stilles, einfaches Geschöpf, von ban sich nur sehr wenig sagen ließ. Stelle Dir eine stvmdliche, nicht gerade schöne Blondine vor, mittelgroß, «it graublauen, sinnigen Augen, schüchtern, und wie ich glaube ohne besondere Anlagen. Sie liebte ihren Mann 77"HHdeß aufrichtig, und da sie wußte, wie ich mit Pyl stand, schenkte sie auch mir gleich von der ersten Stunde un- ^Bekanntschast ein inniges Wohlwollen, das sich we- ie) Nachdruck verboten. Mit Genehmiqunq der Berlaq-handlung au- dem bei Ward Eckstein in Leipzig erschienenen Werk?LkurmuaH t", Neue No- MV von Erlist Eckstein (8 starke Bände. Preis Ml. S) eutteynr.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für las Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtes SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. iexcl. Bestellgebühr». Jnsertionsgebühr sür die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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906. boten) angenommen.

teile» i Herr Schärtlin hielt einen Augenblick inne. Es war, H3S ob eS ihm eine besondere Genugthuung gewähre, sich

--in jene Simmung seiner jugendlichen Unerfahrenheit recht

Unser Kaiser leidet seit Samstag an einer leichten Er- .... fältung, die ihn bisher nöthigte, das Zimmer zu hüten, , um ohne ihn weiter in seinen Lebensgewohnheiten zu beschrän- mtet ken. Der Reichskanzler beging am Montag (1. April) z bei seinen 63. Geburtstag und empfing wiederum zahlreiche 51-1 briefliche und telegraphische Glückwünsche. Nachdem der tt n Landtag fein Pensum abgewickelt und am vorigen Sonn- abend im Auftrage des Königs durch den Justizminister geschlossen wurde, erfolgte Anfang dieser Woche die amtliche Verkündigung der Minister-Ernennungen, des Grafen Botho v. Eulenburg für das Innere, des Unter - Staats- SecretärS Maybach für den Handel und des Ober-Bürger- meisterS Hobrecht für die Finanzen. Die Ernennung des Grafen Otto Stolberg-Wernigerode, des deutschen Bot­schafters in Wien, zum Vieeprästdenten des preußischen Staatsministeriums ist noch nicht amtlich verkündet, des­halb nicht, wie es heißt, weil derselbe vorläufig auf seinem Posten in Wien wegen der schwebenden Verhandlungen zur orientalischen Frage größere Dienste zu leisten vermag als in Berlin, wo der Reichskanzler noch für einige Zeit zu verweilen und persönlich die Geschäfte seines Amtes zu führen geben«. Der Deutsche Reichstag hat vor Begiim des Quartals eine Regierungsvorlage angenommen, durch welche die Geltung deS Reichshaushaltsetats von 1877 78 bis zum 1. Mai d. I. verlängert wird. Der Streithandel zwischen dem Deutschen Reiche und der Regierung des Freistaats von Nicaragua hat, wie eine Depesche aus Panama vom 31. März meldet, vor Anwendung der deutscherseits vorbereiteten Zwangsmaßregeln seine friedliche Beilegung gefunden, indem Nicaragua die deutschen For­derungen angenommen und die Gewährung der verlangten internationalen Genugthuung zugesagt hat.

Das österreichische Herrenhaus hat das Budget, das Finanzgesetz und die Verlängerung des Ausgleichs­provisoriums bis Ende Mai ohne Debatte in zweiter und britter Lesung angenommen und die 80-Millionensrage an die Ouotendeputation verwiesen.

DaS Antwortschreiben Kaiser Wilhelm's an den Papst ist in Rom eingetroffen und übergeben worden. Die Aus­sichten aus eine kleine Schwenkung der Curie in ihrem Verhältniß zum Staat gewinnen immer mehr an Wahr-