gegend
>ig be-
hlr.tz ilr. 6. aver-
Mr. 83.
Marburg, Sonnabend, 6. April 1878
xiil. Zahrgaaz.
Hningen nimmt entgegen: bie Expedition d.Llattes, sowie d-Ännoncen-Bureaux p,n Th- Dietrich & Co. in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; haasenstein 4 Vogler in Zrankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Wo sie in Berlin, Frankfurt a. M- rc.
GttlfkMcht >itinig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. TdieneS in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonutagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 3*t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf», (excl Bestellgebühr). — "Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf-. berechnet.
k und ihriges, keifen
/716.
«E
N^estell««ge» auf das zweite Quartal der vberhesfische» Zeitung und das It- lukrirte Sonntagsblatt werden noch von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpost
boten) angenommen.
’ahrt
Die Bevölkerung der Balkanhalbinsel.
h
93,9|.
Da- irbier.
raffel 1878
machten Erfahrungen theilweise bereichert, beziehungsweise berichtigt. Nach der Nationalität thellen sich die Völker der europäischen Türkei und der tributpflichtigen Fürsten- thümer Rumänien und Serbien in solgmde Stämme, Völ- kerfamilien ober Raren, und zwar:
1) Indo-germanische Familie: a) Deutsche, h) Zigeuner.
2) Pelasgischer Stamm (Graco-Romanen) a) Griechen, b) Skipetaren (Arnauten oder Albanesen), c) Rumänen, d) Zinzaren.
3) Slavische Famllie: a) Serben, b) Bulgaren, c) Russen, d) Polen.
4) Semitische Race: a) Araber, b) Juden.
Die zahlreichen blutigen Kriege, deren Schauplatz die Balkanhalbinsel seit dem Verfalle des großen Römer-Reiches bis auf unsere Tage war, trugen alle mehr oder weniger den Charakter des Religion«- und Racen-KampfeS und arteten demnach zumeist in förmliche Vernichtungskriege aus. Besonders die älteren Kriege hatten häufig die Vertreibung der besiegten Völkerschaften aus ihren Wohnsitzen und die Ansiedelung der siegendm Heere in den hiedurch entvölkerten Gegenden zur Folge. Häufig folgten auf solche Kriege, in Folge der Bedrückung durch die neuen Herren, freiwillige Massenauswanderungen von Seite der früheren Bewohner So entstanden beispielsweise erst in diesem Jahrhunderte — in Folge der russisch-türkischen Kriege — die Bulgaren- Colonien in Bessarabien, ferner die Ansiedelungen der Tar- taren und Tscherkessen in den Ländern südlich der Donau. Auch der diesjährige Krieg hat schon ähnliche Erscheinungen, wenn auch nicht in so ausgedehntem Maße, wie dies in älteren Zeiten der Fall war, zu Tage gefördert. So z. B. die vor wenigen Monaten erfolgte Auswanderung von
Ich versuchte eine schüchterne Gegenrede, aber der vtoij blieb unerbittlich. Traurig schlich ich nach Hause. Mein Zimmer kam mir wie auSgestorben vor. Drei Tage lan8 trug ich es noch; dann wandte ich mich an den Car- jcerbiener, ber meinen Freund hinter Schloß und Riegel
Der alte Schärtlin.*) Novelle von Ernst Eckstein. (Fortlitzung.)
Herr Schärtlin machte bei dieser Erzählung die Gesten des Rauchens und Nickens so eifrig, daß ich lächeln mußte.
— Nicht wahr, sagte er, das klingt komisch; aber uns Beiden war eü heiliger Ernst, wenigstens mir, das kann ich beschwören. Ich hatte zu Pyl ein unbegrenztes Vertrauen und em Gefühl der Hingebung, das sich nicht schil- btrn läßt. Einmal saß er drei Wochen lang auf dem Car- «r. Ich verging fast vor Sehnsucht, und schon nach acht Tagen hielt ich's nicht länger auS; ich verfügte mich zu öem Universttätsrichler und bat um die Erlaubniß, den Freund auf eine Stunde besuchen zu dürfen. Der Prinz, »s nannten wir den selbstgefälligen Justttiarius, fragte °üch ganz verwundert, was ich denn so WichttgeS mit dem Condernnaten zu verhandeln habe, und als ich ihm Nte, ich Jet von Dem Verlangen getrieben, einen alten Frmnb wiederzusehen, da lachte er mir grimmig ins Erficht und meinte, ich werde mich wohl noch vierzehn Tage gedulden können, dann komme der Pyl wieder herunter — und zwar, wie man zu Gott hoffen wolle, gewitzigt und gebessert. Pyl hatte nämlich einem mißliebigen Professor bie Fenster eingeworfen und einen Pedellen geprügelt.
tnisse :eben- Re- ressen ‘itnng
>. F. [863 jeder
Stellen [430 u, :n.
•) Nachdruck »erbeten. Mit Genehmigung der Berlagghandlung «ul dem bet "Utzatd tickftem in retyzig erschienenen Werke „S t u r m n a ch t". Neue No« een » r » ft Sckftetu (X starke Bande. Preis Mk. 9) entlehnt.
ohne so. — etour- preise mpfer igiere. ischer Igent ag-el [3193
[859 taufen.
circa 30,000 abchasischen Familien und die Ansiedelung derselben in Klein-Asim, ferner die freiwillige Räumung der durch die kaiserlich-russischen Truppen ocmpirtm Theile Bulgarims von Seite der mohamedanischen Bevölkerung. _____ Durch derlei Umwälzungen wurde die europäische Türkei ist ein iu einem so polyglotten Staate, daß es selbst neueren nmern Forschem nicht gelungen ist, die ethnographischen Verhält- [884 "isse auf der Balkan-Halbinsel vollends auszuklären. Die
nachfolgenden Daten sind zumeist auf die Angaben Lejean'S bafirt, wurden jedoch durch die von nmeften Reisenden ge-
mmer
n auch
69.
284, Dit die lt be> [915 nethen [916 rb. Igute he zu eines lablen allen erden
5) Türkische Race: a) Osmanli, b) Tartaren, c) Tscherkessen.
6) Magyarm.
7) Armenier.
Die BrvölkemngSziffer in den sämmüichen „unmittelbaren Ländem" der europäischen Türkei beläuft sich auf ungefähr 10,628,500 Seelen, wovon jedoch aus die herrschende osmanische Race nur 1,055,000 Seelen entfallen, nach der Religion vertheilt sich die Bevölkemngözahl folgendermaßen, und zwar:
Bekenner der orientalischen Kirche der
griechischen und armenischen 5,803,500 Seelen,
Bekenner des Islam 4,000,000 „
Bekenner der römischen Kirche 600,000 „
Juden 125,000 „
Sonstige Glaubens-Genossen 100,000 „
Zusammen 10,626,500 Seelen.
DaS Fürstenthum Rumänien hat eine Bewohnerzahl von circa 4,500,000 Seelen, wovon auf die rumänische selbst etwa 4,050,000 Einwohner entfallen. Nach der Religion entfallen auf die:
Anhänger ber orientalischen Kirche 4,290,000 Seelen,
jene der römischen Kirche 70,000 „
Juden 125,000 „
Mohamedaner und sonstige Glaubens-
bekcnner 15,000 „
Zusammm 4,500,000 Seelen.
Die einzelnen Nattonen bewohnen nicht jeoe für sich ein abgegrenztes Gebiet, sondern mehrere derselben — wie bie Osmanli, Tartaren, Tscherkessen, Armenier, Zigeuner, Zin« garen Juben unb größtentheilS auch bie Griechen — sinb zwischen ben beiden zahlreichsten Nationen den Serben und Bulgaren angestedelt, indem sie entweder eigene Dörfer haben, oder mit anderen Nationm zusammen eine und dieselbe Ortschaft bewohnen.
Tagesbericht.
Der „Reichsanzeiger" meldet: Das Unwohlsein Stt Maj. deö Kaisers nimmt einen normalm günstigen Verlauf gestattet jedoch Sr. Maj. noch nicht, das Zimmer zu verlassm. — Eine deutsche Panzerflottille wird sich Anfang Mai nach dem Orimt begeben, und, wie es heißt, am 6. Mai ihre Fahrt antreten.
Wie unterrichtete Kreise verfichem, ist man in der Reichsverwattung augenblicklich mit der Ausarbeitung hervorragender wirthschaftlich polittscher Gesetze beschäftigt. Man glaubt, baß bie,"eiben noch in ber gegenwärtigen Session dem Reichstage zur Berathung zugehen werden.
hatte und versprach chm einen blanken Thaler, wenn er mich bei Nacht und Nebel zu dem Verurtheitten eintaffe. Der Mann erwiderte, Geld dürfe er eigentlich nicht nehmen, und es geschehe auch wahrhaftig nicht um des schnöden Mammons willen; aber er sehe, da er mir einen Gefallen thun könne, so wolle er ein Paar Flaschen Ingelheimer auf mein Wohl^ trinken und mich von acht bis zehn Uhr hinauflassen. L>o geschah es denn auch. Pyl war über ben unverhofften Besuch nicht wenig erstaunt. Sein Weichselrohr stteß ganze (Solennen wirbelnder Dunstmaffen aus, unb brei-, viermal drückte er mir die Hand, eine Verschwendung von Zärtlichkeiten, die er sich nur bann zu erlauben pflegte, wenn fein Blut ganz besonders in Wallung war. 'Mein Budget hatte den Thaler, den ich dem Carcerdiener gegeben, schwer zu büßen, aber das Herz freute sich des durchgesetzten Willens.
Herr Schärtlin nahm einen bedächtigen Schluck aus der großen Kaffeetasse mit den gemalten Tricoloren. Sein Blick streifte dabei die halbverblichene Zeichnung. Nachdenklich nickend setzte er die Tasse wieder auf die Schale zurück.
— Das ist wohl gar ein Andenken von diesem Pyl? fragte ich im Ton eines Menschen, der sich einer scharfsinnigen Kombination bewußt ist.
— Die Tassen da? Nein, o nein! entgegnete der Alte mit einem bittem Lächeln; die stammen von einem jungen Botaniker, der eine verlorene Wette dadurch einlöste. Wir waren nur wenig bekannt, aber wie es zu gehen pflegt, die schmächtigsten Bande halten oft am längsten, und fo hab' ich denn diese Tassen mit mir herumgeschleppt auf allen Pfaden unb Wanderungen, weshalb weiß ich selber nicht, bis ich hier oben wieder in den Hasen meiner Dachstube einlief.
— Und von Pyl haben Sie 'Nichts ?
Durch die Zeitungen läuft in ben letzten Tagen eine Nachricht, welche nach der „Leipziger VolkSztg." die Geburts- Anzeige reproducirt, welche der Vater des gegenwärtigen Reichskanzlers Herr Ferdinand von Bismarck am 2. April 1815 bei der Geburt feines Sohnes des gegenwärtigen Fürsten Otto v. Bismarck erlaffen haben soll. Berliner polttische Kreise halten diese Mittheilung für apocryph und halten sie für eine müssige Erfindung irgend eines sozialdemokratischen Humoristen.
In verschiedenen Blättem wird Fürst Hohenlohe-Langen- burg als einer der Kandidaten für den Botschafterpoften in Wien bezeichnet. Aus glaubwürdiger Quelle kann bie „Post" verfichem, baß dieses Gerücht jeder Begründung entbehrt.
Die 13. Commission des Reichstags, welche zur Vor- berathung deS Gesetzentwurfs, betreffend den Verkehr mtt Nahmngsmitteln, Genußmitteln unb GebrauchSgegenstänben gewählt worben ist, besteht auS folgenben Abgeordneten: Dr. Hamier (Vorsitzender), Gras v. Lupburg (Stellvertreter des Vorsitzenden), Dr. Brüning (Schriftführer), Staudy (Stellv, des Schriftführers), Baer (Offenburg), Dr. Braun, Dr. Buhl, Stmckmann, v. Winter, Dr. Zinn, Fürst von Pleß, v. Bethmaun-Hollweg, Dr. Mendel, Dr. Nieper, Franffen, Lang, Reich, Dr. Erhard, Graf v. Galen, Dieben, Graf v. Fugger-Kirchberg.
Die »M. D -R.-C.« schreibt: Graf Otto zu Stolberg- Wemigerobe wirb voraussichtlich, wenn die diplomattichen Verwickelungen in der orientalischen Frage, Dank der Bestrebungen Englands, noch länger anhatten, in den nächsten Wochen noch nicht seine Funktionen als Vicekanzler deö deutschen Reiches und Vicepräsident des preußischen Staats- minifteriumS antreten können. Die Verhältnisse haben in den letzten Tagen in Folge des Vorgehens des englischen Ministeriums eine derartige Gestalt angenommen, daß ber deutsche Reichskanzler eS vorziehen muß, zunächst Diejenigen diplomatischen Kräfte, welche seither die Interessen des Reiches bei den auswärtigen Höfen vertreten, an ihrem Platze zu taffen, an welchem sie durch neue Personen, bie nicht so vollständig eingewerht sind in bie bisherigen Bahnen ber deutschen Politik, wohl schwerlich ersetzt roeroen können. Unter diesen Verhältnissen ist eS unter allen Umstänoen wohl angezeigt, daß die inneren Fragen vor den äußeren zurück- treten und ber bisherige deutsche Botschafter in Wien bis zur Klärung der augenblicklich schwebenoen polüischen Verwickelung einftroeilen auf seinem Posten noch verbleibe. Wenn in einzelnen Blättem bie 'Nachricht ausgetaucht ist, baß der Staatssecretär v. Bülow als Ersatz für den Grafen
— Höre nur zu, versetzte er abwehrend; wenn ich in der Ordnung bleiben foC,Jo darf ich meiner Geschichte nicht vorgreisen.
Er stand auf und machte sich am Ofen zu thun, obgleich das Feuer sehr luftig brannte unb noch vollauf Nahrung hatte. Er wollte mich nicht merken lassen, baß es ihm einige Mühe kostete, seine Geschichte so zurecht zu legen, wie er sie |oem an Jahren uno Interessen so sehr von ihm verschiedenen Freunde am Füglichsten vortragen konnte.
AIS er sich wieder gesetzt hatte, fuhr er mit etwas abgekämpfter Stimme folgendermaßen fort:
— Ich war am Schluffe meines sechsten Semesters angelangt, als Pyl sein Dvctvrexamen machte. Er übernahm sosvrt bie Stelle eines Assistenten bei Jem dirigiren- ben Arzt einer Thüringischen Heilanstalt, bie, inmitten ber köstlichsten Tannenhügel unb Wiesengründe gelegen, einen beneidenswerthen Aufenthalt bot Sein erster Brief schilderte mir diese Vorzüge zwar ohne jeden Hauch von Be- geifterung, aber doch so treffend und sachlich, baß sich zu meiner Sehnsucht nach dem entfernten Freunde ein geheimes Verlangen nach dem Zauber der Berglandschast gesellte. In langen einsamen Betrachtungen genährt, steigerte sich dieses zwiefache Verlangen zu einer Art Schwärmerei.
Wenige Monate später schrieb mir Pyl, baß er sich mit ber einzigen Tochter des Direttors verlobt habe. Der Brief, der diese Nachricht enthielt, war im Gegensatz zu der gutmütigen Frische seines ersten sehr kalt unb geschäftsmäßig gehalten; ja, es schien mit, al« blicke zwischen ben Zeilen eine leise Ironie hervor. Ich schloß baraus, Pyl habe Das, waS er gelegentlich als ein Axiom feiner Lebensweisheit hinzustellen pflegte, praktisch befolgt uno eine Ver- nunftheirath geschloffen, beren Motive nicht schwer zu er- tathen waren. Obgleich ich wußte, daß Pyl hinter seinem