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Marburg, Freitag, 5. April 1878.

XIII. Iahrgiig.

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(Olirrlicffifdir Leitung

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae n ... _ ,

Buchdruck-re») bezogen U Mark, durch die Postämter des Deiltschen Reiches 2 Mark 50 ff«. (*ÄSeÄÄri-SÄÄSä?iiÄta*1*' ______________________________________Für 'n der Expedition zu -rth-ilend- Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Btt 3 10 *f,

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vtatte», sowie d.Amwncen-Bureauk von G. L. Daube & 6o. in Frankfurt a. M.; Jäger'! che Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buch Handl- daselbst; Jnvalidendant in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: »ie Expedition d.vlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux een Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Reffe in Berlin, Frank­furt a. M. re.

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auf das zweite Quartal der

Oberhefstsche» Zeitung und das II- lustrirte Sonntagsölatt werden noch von allen

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Rechnung der gegenwärtigen MajoritätSverhältniffe die con-

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der Commission und im Plenum des Reichstages über den Gegenstand gepflogen wurden, haben die Bundesregierungen veranlaßt, dem gegenwärtig versammelten Reichstag einen (Gesetzentwurf über die Lehrlingsfrage, die Arbeitsbücher And Gewerbegerichte vorzulegen, eine Frucht jenes Antrages M deutschen Conservativen. Der Bundesrath hat in Be-

ervativer Seite sich genöthigt sieht, abermals Anträge zu teilen, deren Zweck es ist, durch die bevorstehmde Revision

Postanstalten (auf dem Lande von den Landpost- doten) angenommen.

echterhallung desPrincips der Gewerbefreiheit" Zuge- ländnisse gemacht, die so weit gehen, daß man von con-

Meister, Geselle und Lehrling.

Ws im vorigen Jahre die Fraction der Deutsch-Con- servativen im Reichstage durch einen selbstständigen Antrag der sich auf das Lehrlingswesen und die Arbeitsbücher be­schränkte, die Frage einer Revision der bestehenden Gewer­beordnung anregte, wurden hierdurch unmittelbar zwei ent­gegengesetzte lebhafte Bewegungen hervorgerufen. Die Handwerker begrüßten das Vorgehen der Antragsteller aufs Lebhafteste und zwar ohne jede Rücksicht auf sonstige poli­tische Parteisteüung; diese Kreise behandelten die Frage eben als das, was sie wirklich ist, als eine rein praktische! Andererseits erhob sich unter den Mitgliedern der liberalen

1 gute m Gewerbeordnung nun auch wirklich einen praktischen he zu Wutzen zu stiften. Soll wieder eine feste Form und Ord- eines Mn9 in das Berhältniß des Meisters zu Lehrling und :ablen Gesellen kommm, so muß nicht in Abweichung vom allen .Princip der Gewerbefreiheit", sondem im eigensten Jnter- erdeo fle der Betheiligten überhaupt erst wieder für Meister ;r de- sstrgt werden, d. h. für Handwerker, die den Nachweis tnisse ^ren können, daß sie ihr oder ein verwandtes Gewerbe leben- überhaupt erlernt haben. Mit diesen muß der Lehrling

Re. inen schriftlichen Vertrag machen, der ihn bindet nicht ressen tott allen Umständen, wohl aber, soweü sein Lerninter- ütunß le und die Sicherheit des Meisters erfordert. Es wird ». F.

Fractionen des Reichstages ein gewaltiger Lärm gegen die dorgeschlagene Revision; diese Kreise behandelten die Frage als ein Gegenstand des Parteiinteresses, das natürlich hinter ten öm schreienden Bedürfnissen des praktischen Lebens nicht zurückstehen darf! Die Berathungen, welche damals in

servativen Vorschläge nicht zu den (einigen gemacht, hat -g^" der von den Liberalen ausposaunten Forderung der Auf-

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Laß nur, mein Bester, sagte er wehmüthig lächelnd, ch bin freilich nicht älter als mancher Andere, der noch ötge nicht ans Sterben denkt; aber das Leben zählt nicht ach Jahren allein. Wenn ich's so recht bedenke was u' ich noch auf der Welt? Der gute Kanzleirath, mein

Der alle Schärtlin. *) Novelle von Ernst Eckstein. (Fortsetzung.)

tr in dieser Klause verbracht habe, gehören zu den schönsten v - , uines Lebens und nie, nie werde ich vergesien, was Sie "e kir gewesen sind.

1878. tzr sah mich starr an. Die Thränm traten ihm in ! (zua t Augen.

, Ja, ja, Du bist eine ehrliche Seele, murmelte er ^ührt vor sich hin; aber .das Hilst Alles Nichts. Ich töt doch das Gefühl, als sähen wir uns heute zum letz- Da u Aal, und je mehr Du mir dagegen redest, um so trbier her setz' ich mir's in den Kopf. Steckst Du erst einmal recht in Deinem neuen Bems drin, so hält es zunächst toer, sich loSzureißen; zwei, drei Jahre vergehen im vtdumdrehen und wenn Du bann wiederkommst und hier tSo g e winkelige Treppe heraufsteigst, um nach Deinem alten .80,81 tounb zu sehen, so wird es heißm: Der liegt seit lange

L*) di«chdru<Mveiboikn. Mil OerteSiniyiug der Berlag-Haiidlunz auf tem bei B*rb Nifteln in Leipzig erfchienenen WerteS l u r m n » ch l", üeue N»- fette «ende. Preis Ml. »> entlehnt.

[863

: noch Gut«

. Studiengeyosse, ist vor drei Wochen begraben worden, iethen. 66 Wildem gehe ich Nachmittags nicht mehr aus; und " * to hast auch Du Dich fern im Norden angesiedelt und _ . chst Dir über kurz oder lang eine Frau nehmen und dir biutt Querung an den alten Schärtlin flott über Bord werfen. ("892 Wir mögen Sie so reden, versetzte ich fast ärger« -i ch, indem ich feine Hand faßte. Die Stunden, die ich

deshalb auch eine Behörde für zuständig erklärt werden müssen, streitige Fälle derartig zu entscheiden. Was die Führung der Arbeitsbücher betrifft, so soll dieselbe nach den erwähnten Anträgen für alle Gesellen, Gehülfen und Fabrikarbeiter durch das Gesetz vorgeschrieben werden. In diesem Punkte zeigt sich so recht, wie die Liberalm vor Angst um ihre Fractionsinteressen im Parlament sich zu den erstaunlichsten Wunderlichkeiten hinreißen lassen. Eine derarttge gesetzliche Vorschrift soll die persönliche Würde des Arbeiters verletzen I Wir sehen ganz ab von dem Un­sinn einer solchen Behauptung, der ost genug und für jeden verständigen Menschen als solcher gekennzeichnet worden ist; wir wollen uns wieder blos an das praktische Leben halten. Die alle Sicherheit des Handwerksbetriebes untergrabmden Verhältnisse haben ja in den verschiedensten Theilen unseres Vaterlandes schon von selbst dazu geführt, daß sich ganze Gewerkschaften und Innungen zusammen gethan und sich verpflichtet haben, keinen Gesellen und Arbeiter ohne genügende handweris- mäßige Segitimation mehr anzunehmen. Und nicht eine einzige Klage über verletzte persönliche Würde ist ans den Kreisen solcher Verbände bisher taut geworden; im Gegen­teil bezeugen alle von denselben ergehenden Berichte, daß sich die Maßregel trefflich bewähre, auch von den Arbett Suchenden und selbstverständlich zumeist von den tüchtigen durchaus gut aufgenommen wird. In Bezug auf praktische Dinge soll mau aber beim praktischen Leben in die Schule gehen und nicht in der Klause einer Fractionsberathung grübeln und tüfteln; denn da kommen schließlich sehr oft nur Redensarten heraus, welche darauf berechnet sind, die Wähler bei guter Laune zu erhalten. Das praktische Leben giebt nun aber in diesem Fall den Fingerzeig für die Rich­tung, in welcher allein die Hülfe zu suchen ist. Die In­nungen haben, wie gesagt, hier und da bereits angefangen, ben Versuch der Selbsthülfe zu machen, wo sie die durch Gesetz festgestellten Einrichtungen des Staates im Stich lassen ober vielmehr, wo sie ber Staat ohne alle festen Einrichtungen läßt. Wer barum helfen will, der soll sich entschließen, hier zu helfen und die Innungen, bereit Blü- thezeit bereinft zusammenfiel mit ber Blüthezeit unseres Handwerks und unserer Kunstindustrie, so zu organisiren, daß sie den Verhältnissen ber Zeit, in ber wir leben, ent­sprechend die Fehler der Vergangenheit vermeiden und doch dem Handwerk ein festes Bollwerk seine« Wiederauflebens werden. Mit glücklicher Hand, wie uns scheint, haben die Antragsteller sich in der schwierigen Frage den Weg gebahnt zwischen drückendem Zwang und schrankenloser Ungebunden- heit, wie sie jetzt besteht. Nach ihren Ansichten dürfen jeder Innung nur Leute angehören, welche im Besitz ber bürget« lichen Ehrenrechte sinb unb freie Verfügung über ihr Ver- draußen am Feldberge unter den Weiden des Kirchhofes. Nicht wahr, Fritz, dann scheust Du den Weg nicht und kommst hinaus ... Es hat für mich etwas Tröstendes, zu wissen, daß wenigstens Eine Seele nach mir fragt, wenn ich nicht mehr bin.

Aber woher diese trüben Gedanken gerade heute, wo Sie vergnügt sein sollten, daß Ihr Schützling Sie wieder einmal Heimsucht?

Er schien meine Worte zu überhören. Ohne Erwide­rung fuhr er fort:

Siehst Du, Fritz, dort die Bücher und die Bilder und der Schreibttsch, das Alles.gehört Dir. Ich hab' Dir testamentarisch vermacht und wenn es an sich nicht viel werth ist, so denk' ich, Du sollst es dennoch in Ehren halten, weil es von Deinem alten Freund kommt. Die übrigen Möbel und was dazu gehört, verschreibe ich der Wirthschafterin, die sich recht treu und ehrlich bewährt hat, bis auf das Kaffeekochen.

Er, ließ den Blick durch das Zimmer gleiten.

Plötzlich zuckte es übet fein Gesicht wie ein fernes Wetterleuchten.

Und hier, fuhr er fort, die Schatulle da, die be­kommst Du auch. Höch Du, Fritz? Ich wollte sie erft verbrennen mitsamt Dem, was barinnen ist, aber ich konnte es nicht über« Herz bringen. In brei Wochen ist mein fünfunbsechzigster Geburtstag; da will ich noch einmal ben Inhalt durchlesen und ihn dann ins Feuer wersm. Es ist lange, lange Jahre her, seit ich bas Kästchen nicht ge­öffnet habe, unb es war gut so. Man soll bie Verstor­benen ruhen lassen.

Ich schaute ihm fragenb ins Antlitz. Seine Worte klangen so sellsam unb geheimnißvoll unb boch hatten sie für mich eine ganz bestimmte Bedeutung.

Herr Schärttin zog die Brauen zusammen und bear«

mögen haben. Die Statuten jeder Innung können für deren Mtglieder, chre Gesellen unb Lehrlinge Meister- und Gesellenprüfungen vorschreiben. Ferner steht den Innungen zu: 1) die Aufsicht übet das Gesellen- und Lehrlingswesen, insbesondere über die Arbeitszeit und die Führung der vor« geschriebenen Legitimationen, 2) die Aufsicht über die Ge­sellen- und Meisterprüfungen, 3) die Verwaltung ber bet Innung zugehörigen Kranken-, HülfS- und Sparkassen, 4) die Fürsorge für bie Wittwen und Waisen ber JnnungS- genossen. An ben letztgenannten beibeit Geschäften kann ben Gesellen eine entsprechende Theilnahme eingeräumt wer­den. Zur äußerlichen Sicherung der Innung soll ihnen da« Recht verliehen werben, JnnungSbeittäge und Geld­strafen im Verwaltungswege exekuttvisch beitreiben zu lassen; unb zwar soll die Verleihung diese- Rechtes ber Gesetzge­bung jebeS einzelnen Staats im Reiche Vorbehalten bleiben. In diesem Rahmen bewegen sich die Anträge ber beut« schm Conservativen. Man wird bet unbefangener Prüfung ohne Zweifel zugeben müssen, baß bieselben nur solche Be­stimmungen enthalten, welche unerläßlich sinb, um in bie Verhältnisse des Handwerks wieder so viel Ordnung unb Sicherheit zu bringen, daß dasselbe in solider Weise über­haupt wieder bestehen kann. Der Meister wird dadurch erst wieder darüber beruhigt werden, daß seine Arbeiten nicht jederzeit durch Dritte beliebig unterbrochen werden können; ber tüchtige unb solibe Geselle wird in seiner Legiti- mation stets ein Mittel besitzen, sich ohne Weiteres zu em­pfehlen; der Lehrling wird gegen mißbräuchliche Verwen­dung unb schlechten Unterricht, der Meister gegen Böswil­ligkeit unb Leichtsinn geschützt sein. Unb so werben alle Thetle burch Einfügung in eine gewisse Ordnung wieder gewinnen, was sie, völliger Schrankenlosigkeit preisgegeben, verloren haben: Die Stettgkeit ber Entwickelung des Hand­werks, den Stolz der treuen unb gewissenhaften Arbeit und den wohlverdienten Lohn derselben in gesichertem Erwerbe!

Tagesbericht.

Als künftiger Ober-Bürgermeister von Berlin wird neuerdings Achenbach genannt. lieber die Mission Ja- natieff's nach Wien schreibt dieProv.-Corr.": Die Be­handlungen schienen dahin geführt zu haben, daß die öster- reichi;che Regierung ihre Auffassungen und Forderungen bezüglich chrer eigenen und der europäischen Jnteressm gegenüber dem Friedens-Verträge bestimmter ausgesprochen ba.de- ~ In dem Verleumdungs-Prozeß gegen Herrn v. Diest-Daver erkannte das Obertribunal aus 8urückweisuna der Nichtigkeits-Beschwerde des Angeklagten; die in dm unteren Instanz gegen denselben erkannte Strafe von drei Monaten Gefängniß ist somit rechtskräftig geworden.

beitete mit seinen welken Fingern die Armlehne des Sessels. Er schien nut sich zu kämpfen. Nach einer Weile hob er ben Blick und sah mich an, als wollte er das Innerste Fttmc,L^.ede durchforschen. Dann plötzlich schienen sich seine Blicke zu verklären. Er stand auf, drückte mich stumtlsch an feine Brust und küßte mir wie segnend die Sttme.

Nein, Fritz, flüsterte er in tiefer Gemüthsbeweguna. es Ware undankbar,-wollte ich Dir länger verhehlen, was das dunkle Verhängniß meines Lebens ausmacht. Du hast Ansprüche auf mein Vertrauen, und ich selbst 0 »te frei und leicht werde ich mich fühlen, wenn es endlich einmal von der ächzenden Seele herunter ist. Dem Kna­ben, dem jugendlichen Studenten konnte ich mein Herr nicht erschließen: aber jetzt wäre es selbstmörderische Thor- ffidSTA*4 Mrgr.un6f5.ft

verzrchten wollte. '

Wwder in ben Lehnsessel und nahm das Kästchen vorsichtig von dem Schreibttsch herunter. Mtt zitternder Hand drehte er dm verrosteten Schlüssel um ohne indeß bett Deckel zu öffnen. Dann begann er wie folgt

3$ »ar nicht immer ber weltscheue, griesgrämige Sonderling, dessen Rolle ich jetzt feit mehr denn dreißig Jahren spiele. Im Gegenthest, es gab keinen frischem, fröhlichem Gesellen als den jungen Heinz, und wenn vom Gebtrg zum Meer ein Mensch existtrte, der an Alles Gute, Schone und Edle glaubte unb fein Herz im Taumel be^ gluckender Illusionen wiegte, so war ich es. Nicht einmal ber Umstand, daß ich in sehr beschränkten Verhältnissen lebte , konnte mir die rosige Laune trüben. Ich war der ärmste und zugleich ber lustigste Student der Universität, und wenn das kärgliche Stipmdium, das ich bezog, auch kaum ausreichte, um mir das Nothdürfttgste zu ge-