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Rr. 75.

Marburg, Freitag, 29. März 1878

xni. Zahrgaig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte-, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & So. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein 4 Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cvln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte«, sowie d.Annoncen-Bureaur von G. L. Daube <£ Co. in Frankfurt a. M.; JLger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; StB. Tbienes in Elberfeld' C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Reilaae ~ . ..

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gür in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet. 9 5 V-

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Bberhessilchtn Ztttung

mit deren Gratisbeilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt wolle man baldigst bei der nächstgelegenen anstatt (auf dem Lande bei den Landpost­boten) machen. Im Feuilleton wird gleich im Anfang des zweiten Quartals von dem sehr be­liebten Roman- und Humoresken-Schriftsteller

Ernst Eckstein

eine neue höchst spannende Novelle Der ulte Schnrtlin zum Abdruck kommen.

Die innere Lage.

Lange schon stand das Themadie innere Lage" wie , ein Wetter am Horizonte, und man wußte noch nicht, wo­

hin es sich wenden und wie es sich entladen werde. An-

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fangs wehte der Wind von der Seite der Nationalliberalen, und es schiene, als wolle er das Wetter in Bewegung sehen; aber plötzlich schlug er um, wie das oft bei Gewittern der Fall ist. In der Reichstagssitzung, in welcher Lasker seine Angriffe auf den Minister Camphausen -machte und Fürst Bismarck seine Steuerreformpläne in den Reichstag warf sammt seiner Stellderttetungsvorlage, als in dieser Stunde die ersten Blitze aus dem dunklen, geheimnißvollen Schooß des schwarzen Gewölks niederfuhren, schlug der Wind um. Statt der liberalen Herren Bennigsen und Forckenbeck wur­den die conservativm Herren Grafen Eulenburg und Stolberg ins Ministerium berufen. Aber so lange ein Gewitter am Himmel steht, läßt sich noch nicht mit Klarheit erkennen, woher eigeMlich der Wind weht; es gibt da oft noch Wir­belwinde, welche die Grundrichtung verwischen. Das gilt

Jauch von unserer jetzigen inneren Krisis. Neben den kon­servativen Grasen ist gleichzeittg der liberale Oberbürger- , meister von Berlin ins Ministerium berufen. Man hat ten seither gemeint, es sei die Absicht Bismarcks, die einzelnen ^Kefsortministerien mehr mit Fachmännern zu besetzen. Ho- brecht aber ist nichts weniger als ein Finanzmann von Fach, und die Entwicklung der Berliner Finanzen unter seiner Stadtverwaltung ist keineswegs eine solche gewesen, welche seine Berufung zum Finanzminister mit besonderen Hoff-

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Auf Hofstaat zunächst

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Des Kaisers Geburtstag am Hofe.

(Schluß.)

der einen Seite des Saales befand sich der Civil- mit dem Grafen Redeni an der Spitze, und ihm

ber Minister des königlichen Hauses, Staats-Mi­nister Frhr. v. Schleinitz. An der andern Seite stand der Militärische Hofstaat, vorn der General-Feldmarschall Frei­herr v. Manteuffel, weiterhin die General-Adjutanten, die Generäle ä la suite, die Flügel-Adjutanten, und bann der -Hof ber Kaiserin, die Oberhofmeisterin Gräfin Perponcher, r ein die Palastdame Gräfin Adelhaide v. Hacke, Gräfin Oriolla, finde tic dicnstthuenden Hofdamen, der Oberhofmeister Graf estcr Nesselrode und die Kammerherren der Kaiserin. Der

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gebil Empfang der Generalität, an deren Spitze der General- ft er Feldmarschall Graf Moltke'sprach, geschah in den Ge- [84< Dächern des Kaisers, und zwar im Fahnenzimmer. Hier wurden auch die Chefs der Leibregimenter empfangen, die

. Botschafter mit Ausnahme des türkischen, der bekanntlich abwesend ist, und das Staatsministerium. Als dessen Haupt ^schien Fürst Bismarck in seiner Cuirassier - Uniform, von Später folgten als Repräsentanten des Reiches und des Landes die Präsidien des Reichstages intb ber beiben ?äuser des Landtages. Die Auffahrt der Boffchafter und Mrsten hatte vor dem Palais eine unzählige Zuschauer- renge angelockt. Die Gala - Equipagen mit den verschie- uaftigen farbigen, reichen Livreen der Kutscher und Skaten boten ein anziehendes Bild dar. Die geschmack- vllfte Livree war wohl die der Leute des italienischen

1 Botschafters; sie trugen weiße Röcke mit silbernen Tressen, allen Nähten mit einem himmelblauen Vorstoß, und <öm gelbe Unterkleider. Der Herzog von Ratibor fuhr p Selber Livree auf, die mit den Wappenborten des Hauses

nungen für die preußischen Finanzen erfüllen könnte. Die Schulden der Stadt und die Communalsteuern haben sich in dieser Zeit enorm vermehrt. Was also der Beweggrund für seine Berufung zum Finanzminister gewesen ist, läßt sich noch nicht beurtheileu. Man glaubt, er sei ein Freund der indirekten Steuern und habe sich wohl dazu erboten, dem Reichskanzler zur Ausführung seiner Steuerreform­pläne die Hand zu leihen. Soweit man sehen kann, hat diese Annahme die meiste Wahrscheinlichkeit für sich. Je­denfalls hat Bismarck das, was chn von Camphausen trennte, die Steuerfrage, dem neuen Finanzminister zur Grundbedingung gemacht. Wenn also Hobrecht nicht eigent­lich ein selbstständiger Fachmann im Finanzwesen ist, so wird er doch in sofern als technischer Minister anzusehen sein, als er die finanziellen Reformpläne des Reichskanzlers auszuführen haben wird. Es soll dem Reichskanzler sehr schwer geworden fein, einen Finanzminister, wie er ihn wünscht, zu finden. Es werden folgende 8 Personen ge­nannt, mit denen er deshalb unterhandelt habe: Gencral- steuerdirector Burghardt, Regierungspräsident Hoffmann, Bundeskanzleramts-Präsidents Hofmann, Bankpräsident De- chend, Generalpostmeister Stephan, Minister Friedenthal und zuletzt auch Minister Achenbach bis er endlich Herrn Hobrecht fand, der, wie ein Blatt sagt, seinen Bekannten als sein Programm entwickelt habe: Vermehrung der in­direkten Steuern und Krieg gegen die Privatbahnen. In Bezug auf die Zollpolitik habe er, Hobrecht, sich gegen Bismarck als Freihändler bekannt, worauf Bismarck be­merkt habe, daß auch er kein Schutzzöllner sei.

Auch der Handelsminister Achenbach hat nunmehr seinen Abschied eingereicht. Wer an feine Stelle treten wirb, ist noch zweifelhaft. Man nennt Maybach; allein bisher hieß es, derselbe sei für das neue Eisenbahn - Ministerium in Aussicht genommen. Da aber das Abgeordnetenhaus neu­lich keine Lust zeigte, die Errichtung eines solchen Ministe­riums zu genehmigen, so hat vielleicht ber Rücktritt Achen- bach's bie Wirkung, daß Bismarck vorläufig noch darauf verzichtet, wenn Maybach das Handelsministerium über­nimmt, weil Maybach der Eisenbahnpolitik Bismatck's zu­stimmt, was Achenbach nicht that. Mehrfach hieß es auch, der Kultusminister Dr. Falk und der Justizminister würden zurücktreten. Man schloß das aus Aeußerungen des Reichs­kanzlers, der Falk sowohl als den Justizminister alskranke Minister" bezeichnet hatte, welche gehen wollten. Der Justiz­minister ist bekanntlich schon lange leidend und Falks Stel­lung glaubt man erschüttert einerseits durch einen anderen Wind, der jetzt aus dem Vattcan weht, andererseits durch die Ernennung des Grafen Stolberg zum Vicepräsidenten des Staatsministeriums. Allein neuerdings heißt es, Graf Stolberg und Dr. Falk hätten sich verständigt und Falk Hohenlohe, den Leoparden auf silbernem Felde, besetzt waren.

Der prächtigste Raum, groß und ideal in seiner Fonn und Ausführung, ist das Treppenhaus des königlichen Palais. Ganz in weißem Marmor, mit den edelsten Kunstwerken der Plastik, auf der mittleren Treppenstufe die kolossale Büste des Größten des königlichen Hauses, Friedrich's des Einzigen, oben durch hohe Spiegelscheiben die grüne Palmenpracht des Wintergartens in diese Mar­morwelt schauend wo könnte es einen großartigeren Aufgang zu einem König und Kaiser geben! Und nun denke man sich in dieser Treppenhalle die Fülle und Man­nigfaltigkeit der Gestalten von Herren und Damen, die in den prächtigsten Toiletten, in dm malerischen Gala-Unifor- men in dieser weißen Marmorpracht auf- und uicderwan- deln! Von den inländischen Fürsten, bie oben im Balkon­saal empfangen wurden, fehlte fast keiner. Von Baden war der Fürst von Fürstenberg gekommen; die Reihe ber Fürstinnen eröffnete bie Fürstin Bismarck; es waren bie Herzogin von Sagau anwesmb, bie Fürstinnen v. Hatzfeld, v. Radziwill, Fürstin Pleß. In früheren Jahren war in den Toiletten das Kornblau vorherrschend, in diesem Jahre hatte man sich in Rücksicht auf bie Hoftrauer, in ber man sich befand, für gedämpfte Farben entschieden.

Die vielbeschäftigtsten Leute an diesem Tage waren die Cabinetsbriefträger und der Telegraphist des königlichen Palais. Briefe und Telegramme famen stoßweise. Das ging so bis in den Nachmittag. Um 4 Uhr fuhren der Kaiser und die Kaiserin in einem Galawagen zur Familien­tafel bei den kronprinzlichen Herrschaften. Das ist seit Jahren so Sitte, daß der Kronprinz und seine Gemahlin an diesem Tage die kaiserlichen Eltern, die königliche Fa­milie und die fürstlichen Gäste bei sich zu Gaste sehen.

In früheren Jahren empfing die Kaiserin am Abend

werde bleiben. Dasselbe wird vorn Justizminister gesagt. Von Achenbach hieß es, er sei zum Oberpräsidenten von Westpreußen beftimmt; neuerdings aber taucht das Gerücht auf, er werde lieber eine Stellung in seiner Heirnath, am Rheine, ober in Hannover annehmen unb nach Westpreußen werbe ein Verwaltungsbeamter kommen, ber mehr Erfah­rung im Verwaltungsfache besitze als Achenbach, weil bie Einrichtung des neuen Oberpräsidiums in Westpreußen eine erfahrenere Kraft erfordere. '<So bringt jeder Tag eine Reihe neuer Gerüchte. Sie wehen wie ein Wirbel­wind durch einander, das eine verschlingt das andere und kein Mensch kann noch sagen, wie die innere Lage auSsehen wird, wenn das Gewitter der Krisis ausgetobt haben wird. Daß sie ein anderes Aussehen haben wird als bisher, darf als gewiß angesehen werden. Das verlangt die Lage der Dinge im Lande. Welchen Cours aber das Staatsschiff bann nehmen wirb, muß man abwarten. Neue Männer werben an bie Ruder treten, aber auf dem Staatsschiff sitzt auch die große Schaar der Abgeordneten in Land- und Reichstag, und es fragt sich, ob die neuen Minister mit den alten Abgeordneten wirklich einen neuen Cours ein­schlagen können. Wir sind deshalb immer noch ber Ansicht, daß, wenn das Ministerium erneuert ist, auch eine Er­neuerung ber Parlamente nöthig werben wirb. Denn bas steht uns unzweifelhaft schon lange fest, baß bas Staats­schiff einen neuen Cours einschlagen muß, wenn es in ben stagnirenben Gewässern unserer wirthschastlichen, socialen, sittlichen unb kirchlichen Nolhstänbe nicht verfaulen soll. Mag die Erneuerung der Personen immerhin zuerst vor- genommen werden, so muß doch die Erneuerung der Politik nachfolgen. Es wäre nur zu wünschen, daß man schon bei ber Wahl ber neuen Männer sich recht klar barüber wäre, welchen Cours man steuern will. Im liberalen Fahrwasser können wir unmöglich weiter fahren, bas ist nachgerabe allen einsichtigen Leuten klar geworben. Also wohin? Das ist die Frage, auf bie Alle« ankommt. Wenn bas Schiff an ber bisherigen Stelle liegen bleibt, werben auch bie neuen Minister bald abgewirthschaftet haben.

Tagesbericht.

Die neuesteProv. Corr." bestätigt unsere Mittheiluug, baß ber Kaiser balb nach bem Osterfest einen mehrwöchent- licheutlichen Aufenthalt in Wiesbaden nehmen wirb. Eben­so bestätigt bie Korrespondenz bie Nachricht, baß Minister Achenbach seine Entlassung erbeten mit bem Hinzufügen, daß die Allerh. Ernennungen zur Vervollständigung des Ministeriums in allen Beziehungen unverweilt erfolgen wüssten. In Bezug auf die Friedensfrage bemerkt das offiziöse Blatt:Ob und wie balb es zu ben vorbehaltene^

beö Geburtstages bei sich im Palais eine größere Gesell­schaft, mit der sie ben Kaiser gleichsam überraschte Mit einem Cercle fing der Abend an, bann folgte eine brama- ttiche Unterhaltung, ben Beschluß machte daS Souper. Da aber bie Gesellschaft des Hofes mit jedem Jahre wächst, und da bet Adler-Saal, in bem man früher Theater spielte nicht für eine größere Anzahl der Gäste ausreicht, so wurde

r-m vorigen Zähre die Gesellschaft im köiiiglichm Schlosse gegeben, im vorigen Jahre in ber Bildergalerie, m biescm im Weißen Saale, ber auch schon 1842 bet Schauplatz des Hoffestes von Ferrara war. An ber Ca­pellenseite waren ein Theater unb ein Orchester errichtet unb bavot befanben sich in einem Halbkreise bie Sitze für ben Hof unb bie Gesellschaft. Letztere war vor bem Be- ginn bes Theaters in ber Bildergalerie versammelt, an deren beiden Seiten unter Blumen und Gewächsen ver­goldete Gobelins, Svphas, Tische und Fauteuils aufge- ltellt waren. Die Majestäten und die fürstlichen Herr- schaften versammelten sich in ben am Ritter - Saale ge­legenen Gemächern. Vor bem Aufbruche nach bem Wei­ßen L>aale erschien bie Kaiserin in ber Gesellschaft, um t^re Gäste zu begrüßen. Die hohe Fran trug an biefem Jlbenb eine weiße Robe, bie mit Goldstickerei bedeckt war; grünes Blätterwerk unb gelbe Blumen bilbeten ben Besatz, und Diamanten um ben Hals unb auf bem Haupte unb das Band des Schwatzen Adler-Ordens den Schmuck dieser eben so reichen als geschmackvollen Toilette. Die Kaiserin gab zum Eintritt in ben Weißen Saal btm König von Sachsen ben Atm, ber König trug bie Uniform seines Ost- preußischen Dragoner - Regiments Nr. 10, ber Kaiser bie Parade-Uniform des Regiments bet Garde du Corps, den rotheit Rock, hohe Stiefel und darüber das blaue Band des sächsischen Heinrichs-Ordens mit der Decoration, die allein und einzig für ihn geschaffen worden ist. Der hohe