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Marburg, Donnerstag, 28. März 1878

XIII, Mkgttg.

Z«m Tabak-Mouopol.

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Der baierrsche Finanzrath Mayr, welcher kürzlich eine Broschüre über das Tabak-Monopol geschrieben hat, ist neulich nach Berlin berufen worden und arbeitet nun als Hülfsarbeiter im preußischen Finanzministerium. Derselbe hat das Monopol lebhaft befürwortet. Von der sächsischen Regierung behauptet ein Berliner Correspondent der „Weser- Ztg." im Widerspruch mit Dresdener Blättern, daß dieselbe sich ebenfalls dafür ausgesprochen habe. Wir haben uns früher schon dahin ausgesprochen, daß wir — man mag sonst über das Monopol urtheilen wie man wolle — es für sehr bedenklich halten würden, in unsere jetzige wirth- ichaftliche Nothlage auch noch die Einführung des Tabak- Monopols und die Aufhebung der Privatindustrie hinein zu werfen. Wenn man die jetzt beantragte Untersuchung ganz ohne Voreingenommenheit anstellt und nicht von vorn­herein mit der Absicht daran geht, das zu suchen, was man finden möchte, so glauben wir, daß man von der Ein- fihmng des Monopols Abstand nehmen wird. Unsere deutsche Tabaksindustrie ist dazu viel zu ausgebreitet und entwickelt. Und der Staat muß doch auch fragen: was »wd aus meinen Bürgern, denen ich diesen Erwerbszweig nehme? Es wäre doch schlimm, wenn vor den Steuer­fragen alle anderen höheren Rücksichten schweigen sollten. Tie Tabaksfabrikanten und Händler würden zwar entschädigt »erden; ob freilich so, daß die Entschädigung ihnen das Geschäft ersetzt und ob sie mit der Entschädigung einen

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blattet, sowie o Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in

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BuKuckkr^ Dku?chen°Re?^ e»n«taB«Watt- durch die Expedition (flod,’f*e

güt '» d-r Expedition zu -rth-il-nd- Auskunft TnbVna^ »ie gespaltene Zeile 10 Pfg.

Ernst Eckstein eine neue höchst spannende Novelle

Der alte Schüttlin zum Abdruck kommen.

wolle man baldigst bei der nächstgelegenen Uost- anstatt (auf dem Lande bei den Landpost­boten) machen. Im Feuilleton wird gleich Anfang des zweiten Quartals von dem sehr liebten Roman- und Humoresken-Schriftsteller

Wellungen;u878 ber,roeite Duar*°

Bberhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage

JIlustrirtcS Sonntagsblatt

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Frankfurt a. M.; Jägerliche

Buchdandlung daselbst;

Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Invalidendank in

Berlin; W. TbieneS in

Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Welchen Ereignissen werden wir noch entgegengehen? Wird unser Volk, werden unsere Kinder die Früchte der ehrlichen unablässigen und treu ausbarrenden Arbeit ihrer Voreltern genießen? Aehnlich mochten die Fragen sein welche die jugendlichen Eltern in Erwartung und im An­blick des Neugeborenen an sich und das Schicksal stellten. Wenn auch die Krone noch nicht auf ihrem Haupte ruhte, so fühlten sie doch schon die Bürde ihrer Verantwortung. Der König war krank — seine Tage schienen gezählt. Dazu war der innere Halt in der königlichen Familie er-

T rlC zersetzenden Ideell des Jahrhunderts machten sich überall bemerkbar — im Heere, in der Verwaltung — m allen Zweigen des öffentlichen Lebens, und am meisten Das kronprinzliche Palais erschien wie das Eiland, nach dem die Blicke des Volkes wie nach Trost und Hoffnung ausschauten. Das war die Lage, in welcher unser Kaiser am Tage, wo im Kalender Frühlingsanfmig verzeichnet war, zum ersten Mal das Licht der Welt schautet Wenn inmitten von Sorgen, Kummer, Betrübniß und ein Kind für Eltern ein Trost, eine Erhebung sem kann, so war es seine Geburt. Kurz vorher hatte seine Mutter ihren Geburtstag gefeiert. Die Kron-

Sr.U?tc ba8 Kind noch in Gedanken daran. Ahnte die Mutter wohl, daß nach so und so viel Jahren dieser Tag vom Memel bis an die Mosel, von der Nord- See bis zum Schwäbischen Meere wie ein Freudentag, als ein Fruhlmgswehen deutscher Nation durch die Lande gehen würde?

Zu Berlin war auch diesmal an den beiden Vortagen viel von Kaisers Geburtstag zu merken. Die Hoswagen fuhren in verschiedensten Richtungen nach den Bahnhöfen, um die fremden Fürstlichkeiten abzuholen, und mit der Tageszeit wuchs auch die Menschenmasse, die sich vor dem Palais und Unter den Linden sammelte. Ein geübtes Berliner

was aber in sehr vielm Fällen nicht mehr der Fall sein wird, überhaupt noch die Erlernung eines anderen Ge­schäftes möglich ist, bezweifeln wir. Allein, wenn auch die Fabrikanten und Händler entschädigt werden, so muß man doch fragen: wer entschädigt die Tabaksarbeiter, von denen ^nsthrung des Monopols höchst wahrscheinlich die Halste überflüssig würde? Was sollen die Arbeiter welche von Jugend auf nichts anderes gelernt und ge­trieben haben, als Cigarren zu machen, im späteren Alter noch anfangen, wenn die Tabaksfabrik des Ortes, in welcher sie ihr Brot verdienten, zugeschlossen und in einer fernen Stadt eine Staatsfabrik angelegt wird? Diese Fragen wurden m vielm Gegenden in Bezug auf halbe Dörfer gestellt werden müssen. Und diese Fragen sind wahrlich wichtig genug, sehr emstlich, auch von der der Berechttgunqs- Sette erwogen zu werden. Aus dem bloßen Satz: Das Reich braucht höhere Steuern, und weil es sie am leichtesten durch das Tabaks-Monopol finden kann, so muß es einge- fuhrt werden" — läßt sich doch schwerlich der Rechtstitel dazu herleiren, eine ganze Industrie für den Staat einzu­ziehen. Man dmke doch an die soeialistischen Consequm- zen, welche m einem solchen Verfahren auch für andere Gewerbe lagen, falls der Staat später noch mehr Steuern nothig hatte. Endlich aber muß man doch auch bedenken daß durch das Monopol alle die, welche sich bisher von der Tabaksindustrie und dem Tabakshandel ernährt haben eine schwere Schädigung an ihrem Vermögen erleiden wür­den. Selbstverständlich würben sie bann auch weniger «steuern zahlen können und außerdem würde der Staat auch die Einkünfte aus dem Tabakshandel (Zoll) und der Tabaksindustrie (Gewerbesteuer) verlieren. Soviel ist also ledenfalls gewiß, daß die Tabak-Monopol-Frage eine sehr ernfte ist, bei der viel auf dem Spiele steht, eine Frage bte es werth ist, baß man sie sich dreimal überlegt und d,e man nicht bloß nach der Frage beurteilen darf: Wie bekommen wir hinreichende Einkünfte für das Reich? — sondern bei der man der Frage: Ist es recht und human und billig, eine ganze Industrie für den Staat in Beschlag N °$ne ,man im Stande ist, dm geschädigten Volksklaffen einen wirklichen Ersatz zu bieten? — näher treten muß. In Bezug auf die weitere Frage: Wie steht sich der Consummt (der Raucher) beim Tabaks-Monopol? schreibt die „Wes. Z." Folgendes: P

»Her, stnb es besonders zwei Vorzüge, welche die Mo- nopolfchwarmer nicht genug zu rühmen wissen. Der eine ift dw Unverfälschtheit des Regieproductes, der andere die angebliche Abstufung der Verkaufspreise nach dem wirklichen Werthe, wobei dann die Pfeife des armen Mannes als Beweismittel für das Monopol angezündet wird. Der erste

eine Verfälschung nicht vornehmen. Andererseits ist richttq, daß beim freien Verkehr der Reiz zur Verfälschung mit ber höheren Besteuerung des Rohproducts wächst. Wenn ledoch mcht die rohe Waare, sondern das fertige Fabrikat besteuert wird, so ist jeder in der höheren Steuer liegende Verfälschung gleichfalls verschwunden, da das gefälschte Fabrikat wie das ächte besteuert werden müßte. Der Vorzug der Unverfälschtheit der Waare ist somit bei dem amerikanischen System der Fabrikatsteuer gleichfalls vorhanden. Was dagegen bett zweiten Vorzug der Rela- tivitat der Verkaufspreise beim Tabaksmonopol anlangt, so ist derselbe nur theoretisch vorhanden. Soll die Regie einen ordentlichen finanziellen Gewinn machen, so muß sie das Kraut der großen Masse der Consumenlen, der weniger Bemittelten, in erster Linie treffen. Dieser Regel folgend zieht bte Regte in Frankreich beim auch über 9U pCt ihrer Gesammteinnahmen aus ben Cigarren a 5 Cent, unb bent ordinärsten Rauch- unb Schnupftabak. Der Aufschlag auf diese ordinären Sorten beträgt in Frankreich bis nt 8d8% (beim ord. Schnupftabak) ber Probuctionskosten ber Waare, wahrend auf bte Herstellungskosten aller Regiefabrikate zu­sammen nur 430 pCt. Steuer aufgeschlagen wirb. Die Pfeife bezw. die Nase bes armen Mannes wirb somit nicht besonders glimpflich behandelt und ber Vorzug der Rela- tlvitat ber Verkaufspreise ist ein Phantom. Ganz anberg pt es dagegen mit ben Nachtheilen ber Consumenlen. Die- Mben stnb sehr greifbarer 'Natur. Eine Regie kann sich schwerfälligen Natur zufolge nicht barauf eiu- lassen, ber tnbtvtbuellen Geschmacksrichtung bes Consumett- ton entgegen zu kommen. Sie würbe sich, wie bies in Frankreich der Fall ist, auf bie Fabrikation weniger Sor- ten verlegen — schon um bent Schmuggel wirksam ent- gegenzuarbetten, ist bie größtmögliche Einfachheit in biefer Beziehung nöthtg — und ben Geschmack so lange biscivli- rlrer,JHit na$ Möglichkeit unisormirt ist. Ein berar- ^^?^/ahren ist gewiß alles anbere eher, als angenehm. In Deutschland, wo bte Verschiedenartigkeit ber Geschmacks­richtungen beim -Tabak größer ist, als irgendwo sonst, fDt.^cr Zwang gewiß besonders empfindlich sein schließlich wurde sich allerdings auch der deutsche Consu- n*nt an Ct^en Zwang gewöhnen, aber gewiß nicht ohne bedeutende Einschränkung seines Bedarfs. 9

ÄÄS ?E-'enheit vieler Fremden erkennen. Die S $T@a,te' ,Cn?eit ,le am Bahnhofe nicht vom Kaiser selbst empfangen rourben, fuhren vor bent Palais vor um d 7/"'^.-4"-5uswartung zu machen, bann folgten te Gegenbesuche des Kaisers, bann sah man den hohen Herrn m seinen hellgrauen Pelzmantel gehüllt wieder an offenen 2°$ter' ber ^r°ßherzogln von Baden, im offenen Zweispänner nach dem Thiergarten hinaus fahren

«„-in i„ H--M kJSE ,aä aus der Strecke vom Schlosse nach den Linden und Se\T$ b-Cm Thiergarten fast nur noch Gala-Equi- Trittbrette Et den üblichen zivei Lakaien auf dem i btC "u Innern des Wagens immer einen deutschen souveränen Herrn bedeuten. Im Schlosse im Hosmarschallamt und im Privatsekretariat des Kaisers in der Behren,traße war ein unaufhörliches Auf- und Ab- gehen. Es kamen schon bie Geschenke an, welche Privat- personen dem Kaiser darzubieten sich erlauben. Eines der ersten war vom Rhein von August Gerber in fffiin nqtaeö Medaillonbild des Kaisers von einem Lorberkranr umgeben mit der Kaiserkrone darüber hüblcb -in» fräftJ SM ®“i( ? T**

Jn a£ten formen und Ausschmückunaen Handarbetteii meistens mit einem Lorberkränzchen umgeben Es geschieht deren nur Erwäbnuna um ch™ Bit w G-bu-I-sch d-s Saifer« im Hielte refl ei„S «Ä ,M°di-s-lche S-cL schicke». Lm sicherlich von keinem andern persönlichen Interesse als hem ta uuu9 ta Berchmn, 9-,li,l Di-L7L.» L stellen haben aber auch ben Befehl, nichts zurückzuwetten Kaisers imT ®e^cnfe «m Geburtstag des

Umm r ^auen Vortragszimmer, das an sein Arbeits- junmtr stoßt, ausgestellt. Die Ersten, die ihre Glückwünsche darbnngen, sobald der Kaiser seine innern Gemächer vkr-

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[822 Erwerbszweig ergreifen können, auch wenn ihnen,

-r »..Mit jeder Wiederkehr des Tages, an welchem Kaiser 178 J rt^eIm ietzt vor 81 Jahren das Licht der Welt erblickt hat, »haht sich daö Bewußtsein der Bedeutung dieses Tageö, die Stimmung feierlicher und die Feier äußerlich um' "llttidcr Und innerlich bewegter. In Berlin sowohl als ® ganzen Lande — im Reiche darf man sagen. Wenn Kind und Harum eben, weil es ein Fürstenkind war, Jtor äußerlich ungünstigen Constellationen das Licht ber «It erblickte, so war es der zweitgeborme Sohn des ba= ’füigen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und der Kronprin- Wn Luise, ter am 3. April 1797 in der heiligen Taufe

5tre.uq7) ® Namen Friedrich Wilhelm Ludwig erhielt, lieber das - - europäische Staatsgebäude war der Krach gekommen '' u Er bis dahin als fest erkannten politischen Verhältnisse en‘ ”ttn ins Wanken geraten — das scheidende Jahrhun-

1 u ' das mit Krieg begonnen, schien auch mit Krieg zu n,01- Fredrich Wilhelm II., der - Großvater des neuge- Kaffet ernten Prinzen, hatte sich mit dem Baseler Frieden, ftei-

7. mrt Aufopferung wichtiger Reichsinteressen, einen Aus- ... 'Mezuftand der Ruhe erkauft, der sich durch die spätem i ^Elgmsse als ein großer politischer Fehler erwies, aber “9« um das Gehege, ht welches der König mit seinem hronn- & ”nem unberechtigten quietistischen Drange nachgebend Äii'ick«. ^ckzog, zitterte der Boden unter den eisenklirrenden 'Wten des Sohnes ber Zeit, in besten Heeren bie Ideen neuen Zeit gezogen kamen. Der Baseler Friebe war ' Dinte geschrieben, unb bie Zeit schrieb mit Blut; er Ruhe gegeben zu haben, unb seine Frucht war Um rt7«t Wie lange wird Preußen im Genüsse dieses f^ju theuer erkauften Friedens verharren können?

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