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xiil Jahrgang.

Marburg, Dienstag. 26. März 1878

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stellungen dieserhalb erhoben habe oder im Begriffe sei, solche zu erheben.

Wien, 23. März. Der „Pol. Corr." wird aus Athen gemeldet: Minister Delijannis hat competenten Persönlich­keiten gegenüber die Besorgniß geäußert, Griechenland dürfte, weun der Kongreß die hellenische Frage nicht desinitiv löse, durch die Aufregung seiner Bevölkerung in den Krieg ge­trieben werden. Die Regierung ließ als Congreßbehelf werthvolle statistische Daten über die griechischen Bevölke­rungs-Verhältnisse in Macedonien zusammenstellen. — Die Feindseligkeiten zwischen den Pelion - Insurgenten und den Türken bei Aghia haben wieder begonnen. Die Türken brannten mehrere Ortschaften nieder und mafsakrirten die Einwohner. — Eine Meldung der „Pol. Corr." aus Bu­karest von heute dementirt entschieden die gestern aus Pe­tersburg gemeldeten Gerüchte über den angeblichen Aus­bruch von Unruhen in Bukarest. — Bratiano dürfte zum Congresse gehen. — Eine Typhus-Epidemie beginnt, Bu­karest zu verheeren.

Paris, 23. März. Die „Agence Havas" meldet aus Athen: Eine Deputation, bestehend auS den Bürgermeistern von Athen und von Piräus und dem Rector der Univer­sität, überreichte dem englischen Legations-Secretär Tryndham eine Adresse, welche dem Gefühle der Dankbarkeit gegen­über England Ausdruck gibt, welches vorgeschlagen, Griechen­land zu dem Congresse zuzulassen.

Konstantinopel, 23. März. Die Russen haben alle Einschiffungs - Vorbereitungen in San Stefano einge­stellt — In Adrianopel wüthet unter den Russen der Typhus. — Hobart Pascha soll nach Prevesa gehen und in den dortigen Gewässern kreuzen.

: Mächte bedürften, und welche nicht. Darüber solle ver­handelt werden. Rußland habe die Erklärung abgegeben, baß der vollständige Text des Friedensvertrages den Mächten Nach dem Austausch der Ratifikallonsurkunden mitgetheilt

ferenz oder des Congresses im Anfang des Monats März überzeugt, als Rußland der Idee zugestimmt hatte und nun — sind »wir fast am Ende des 'Monats und noch

Deutsches Reich.

△ Berlin, 23. März. Die „innere Lage" gewinnt immer mehr und mehr an Klarheit. Daß Graf zu Eulen­burg das Portefeuille der inneren Verwaltting übernommen, konnten wir gestern schon melden. Heute können wir in gleicher Weise hinzufügen, daß Graf Otto zu Stolberg- Wernigerode in die Uebernahme des Amtes eines Viceprä­sidenten des Staatsministeriums und Vicekanzlers des deut­schen Reiches gewilligt hat. Heute Mittag wurde derselbe in einer längeren Audienz vom Kaiser empfangen und soll sich Graf Stolberg in Folge besten entfchlosten haben, die oben genannten Funktionen zu übernehmen. — Herrn Camp­hausens Entlastungsgesuch ist heute vom Kaiser angenommen worden. Die amtliche Mittheilung davon ging nicht blos den beiden Häusern des Landtages zu, sondern befindet sich bereits in der heutigen Nummer des Reichsanzeigers amt­lich publicirt. Ihm ist der Titel und Rang eines Staats­ministers belassen worden. Und sein Nachfolger? Jeden Tag tauchen neue Kandidaten auf. Gestern waren die Herren Günther und Burkhardt von dem Regierungs- Präsidenten Hoffmann aus Danzig verdrängt und heute gehört auch Herr Hoffmann zu den Beseitigten. Kein Ge­ringerer hat ihn verdrängt, als der Oberbürgermeister von Berlin, Reg.-Rath a. D. Hobrecht, der schon definitiv als der Nachfolger Camphaufens angesehen wird. Minister, welche heute im Abgeordnetenhause über die Wahrheit oder Unwahrheit dieses Gerüchts interpellirt wurden, bestätigen, daß Unterhandlungen mit Hobrecht gepflogen würden, und daß dieselben auch voraussichtlich von Erfolg sein würden. Wer in Berlin hätte sich träumen lasten, daß unser Bür­germeister ein so großes Finanzgenie ist! Herr Hobrecht ist in politischer Beziehung blaß-nationalliberal und zählte fimher zu den Altliberalen. Sein Vater, der, wenn wir nicht irren, in Oppeln Oeconomie-Commistar war, gehörte zu den Steuer-Verweigerern. Der hiesige durch unsere Kanalisation berühmt gewordene Baumeister ist sein Bruder und ein dritter Bruder ist Dampfmühlen- und Ziegelei­besitzer in Rathenow. — Daß das Gerücht von dem beab­sichtigten Rücktritt des Justizministers Dr. Leonhard grund­los iffy, haben wir bereits gemeldet. Dagegen cursirte heute in Abgeordnetenkreisen die Nachricht, der Handels­minister Dr. Achenbach wolle in Folge des heutigen Auf­tretens des Fürsten Bismarck und seiner Aeußeruugen über seine (des Ministers) Geschäftsführung heute noch seine Entlassung erbitten. Wie weit dies Gerücht wahr ist, find wir leider noch nicht in der Lage heute zu beurtheilen. Die nächsten Tage werden uns ja darüber nähere Aufklärung bringen.

Glttzt«, 22. März. Die socialdemokrattsche Bewegung scheint, wie anderwärts, so auch hier fort unv fort neue Anregung erhalten zu sollen. Auf Montag, den 25. ds. Abends 8 Uhr wird nämlich nach längerer Unterbrechung

werden solle. Es sei aber eine weitere Frage entstanden, über welche bis jetzt noch keine Verständigung erzielt wor­den sei, nämlich die, ob es zugegeben sei, daß alle Bestim­mungen des Vertrages dem Congresse zur Diskussion vor­gelegt werden sollten. Die englische Regierung habe an die russische die Anfrage gerichtet, ob Rußland damit ein­verstanden sei, daß die Mittheilung des Vertrags in seiner Gesammtheit an die verschiedenen Mächte als eine Vorle­gung des Derttages für den Congreß angesehen werden solle, damit der Verttag geprüft und erwogen werden könne. Eine allgemeine Regel sei es, daß auf den Congressen keine Abstimmung vorgenommen werde, daher könne auch nicht von einer Majorität oder Minorität die Rede sein und so­mit könne Rußland nicht aufgefordert werden, alle Fragen der Entscheidung der Majorität der Mächte zu unterbreiten; ein solches Verlangen wäre überhaupt unbillig. England verlange nur, daß sämmlliche Artikel des Friedensvertrages dem Congresse zur Diskussion und zwar nur zur Diskus­sion zugehen sollten, denn nur so sei es möglich, zu ent­scheiden, welche Arttkel das europäische Arrangement be­träfen welche nicht. Mau muß gestehen, daß in dieser langathmigen Erklärung nun doch immer noch nicht Alles klar ist. Rußland hat schon längst erklärt, daß es auch der Ansicht sei, jede an dem Congreß theiluehmende Macht behalte ttotzbem volle Freiheit der Aktion; es hat ferner dm einzelnen Mächten den Wortlaut des Friedensverttages von San Stefano mitgetheilt und man begreift es unter diesen Umständen, wenn ein Mitglied des Unterhauses eine Anfrage an den Minister angekündigt hat darüber, ob England verlange, daß der Vertrag den Mächten allen zu­sammen nun noch aus dem Congreß vorgelegt »erben solle und worin der praktische Unterschied und was für ein prak­tischer Unterschied es sei, ob der Vertrag jeder einzelnen Macht ober ob er bem Congreß im Ganzen von Rußlanb mitgecheilt werbe. — Das Ganze macht roieber einmal für den Laien den Einbruck ächt englischer Nörgelei und in bett maßgebenben Kreisen muß man sehr von ber Unbe- beutenbheit bieser „Vorfrage" überzeugt sein; denn von Petersburg, Wien unb Berlin wird nach wie vor ber leb­haften Ueberzeugung Ausdruck gegeben, baß es gelingen werde, binnen Kurzem den Congreß zu Stande zunbringen.

Telegraphisch wird gemeldet:

Berlin, 23. März. Die „N. A. Z." bespricht den Friedensvertrag unb sagt: Was ber Reichskanzler von der Convention von Adrianopel gesagt, gilt auch von dem Vertrage von San Stefano. Deutsche Jnteresfen sind darin nicht berührt. Der von Deutschland verlangten Freiheit der Wasserstraßen ist durch die Schleifung aller Donau-Festungen sowie durch die auf die Dardanellen bezüg­liche Bestimmung des Vertrages vollkommen Rechnung ge­tragen.

Wien, 23. März. Die ,,Wiener Abendpost" schreibt mit Bezug auf die augenblickliche Lage: Das britische Ca- binet verlangt die Erklärung Rußlands, daß die Mitthei­lung des Friedensinstrumentes an die Mächte mit der formellen Vorlegung desselben im Congresse gleichbedeutend sei, während das russische Cabinet seinen internationalen Pflichten mit jener Mittheilung genügt zu haben glaubt unb sich zu der ausdrücklichen Vorlage an den Congreß um so weniger verstehen will, als es bereits durch die Bekanntgabe der Friedensbedingungen jeder einzelnen Macht die MöAichkeit geboten hat, die einzelnen Bestimmungen des Vertrages zum Gegenstände der europäischen Berathung zu machen. Eine Verständigung ist bis jetzt nicht erfolgt, und so lange dies nicht der Fall ist, muß auch das Schick­sal des Congresses als ein noch unentschiedenes betrachtet werden.

Petersburg, 23. März. Der „Golos" meint bei Besprechung des Friedens-Vertrags, die volle und endgül- ttge Befreiung der Christen sei dadurch nicht erreicht, und glaube er, daß der Vertrag das russische Volk nicht be­friedige.

London, 23. März. „Standard" und „Daily Tele­graph" sind der Ansicht, der Friedens-Vertrag von San Stefano sei für Europa unannehmbar unb müsse früher ober später durch die Diplomatie ober vermittelst strengerer Methobeu abgeänbert werben. „Mvrning Poft", zweifelt, ob der Congreß die Forderungen Rußlands und^CuropaS mit einander vereinbaren könne. „Daily News" und „Times" urteilen weniger absprechend.

London, 23. März. Ein hier vorliegendes Telegramm aus Petersburg 22. d. besagt: Das Gerücht, Rußland habe verlangt, daß die britische Flotte unverzüglich das Marmara-Mcer räumen solle, sei übertrieben; dem Gerüchte liege nur die Thatsache zu Grunde, daß Rußland Vor-

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zum Abdruck kommen.

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Verwerfung, sondern damit erwogen werden könne, welche Üb.soM ^ikel ber Annahme oder Zustimmung der verschiedenen

gnjeigen nimmt entgegen: hie Expedition d.Blatt es, sowie b-Annoncen-Bureaux t,on Th. Dietrich & Co. in jtaffel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Laasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rubolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. Bl. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.Blattet, sowie b Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co in Frankfurt a. M.; Jägers che Buchdanblung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl- daselbst; Znoalidendank in Berlin; W. Tdienes in Elberfeld - C Schlotte in Bremen

Tagesbericht.

Ueber die Stellung, welche die Fraktionen des Abge­ordnetenhauses zum Nachtragsetat einnehmen, wird berichtet: Die nattonalliberale Frattion will denselben im Ganzen . ablehnen und der Regierung bloß den Gehalt des Vice- Präsidenten des Staats-Ministeriums (36,000 M.) zu­sprechen. Die Fortschrittspartei bekämpft den Entwurf schlechtweg unb will am liebsten zu nichts sich verstehen. 'Das Zentrum tritt zur Vorlage in eine ähnliche Stellung. Die Parteien nach rechts hin werden bemüht sein, der Regierung möglichst viel zuzuwenden, aber es scheint fast, als werde schließlich doch nur ber Vice-Präsident des Staats- Ministeriums übrig bleiben; es kursirte daher in Abgeord- netenkreisen gerüchtweise, der Kanzler werde den Nachtrags- Etat znrüchieheu und den Schluß ber Session aussprechen.

Bekanntlich hatte bie Berner Regierung an alle euro­päischen Staaten die Aufforderung gerichtet, auf einer ge­meinsamen Conferenz eine allgemeine Regelung des inter­nationalen Frachttechts vorzunehmen. Wie wir hören, sind von allen Staaten zu diesem Vorschläge zustimmende Er­klärungen eingegangen und soll die Conserenz im Mai b. I. in Bern abgehalten werben. Von ber beutschen Regie­rung werben voraussichtlich bie HH. Geh. Rath v. b. Leyen vom Reichseisenbahnamt unb Geh. Rath Meyer vom Reichs- Zuftizamt als Bevollmächtigte zu dieser Conferenz entsendet werden.

Erscheint täglich außer an den Werk'agen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für bas Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS SonntagSblatt" durch bie Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr». — Jnsertwnsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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ilbrci* land den Congreß beschicken werde, habe er am 13. d. M. MüS »n den Grafen Beust geschrieben, daß, bevor England zum __. Congreß gehe, es genau festgestellt sein müsse, daß jeder

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In ber orientalischen Frage nehmen bie Verhandlungen mtn - über den Zusammentritt des Congresses eine verzweifelte * Ähnlichkeit an mit dem Charakter der Operationen in dem tehcnd« s nunmehr beendeten Kriege zwischen Russen und Türken, rt «eil - Kaum begonnen, schien letzterer nach dem unerwartet schnel- itssh l' , lm Uebergang über die Donau und über den Balkan nur d neb innige Wochen dauern zu sollen; es kam aber anders. • »• $ Ebenso war alle Welt von dem Zusammentritt der Con-

—" nicht getroffen. Nachrichten ans Wien lassen erkennen, daß man dort mit großer Zuversicht auf das Zustandekommen 1 Kaff des Congresses hofft; man muß dort also überzeugt sein, daß ihm von Seiten Oesterreichs keine Schwierigkeiten ge- s macht werden und daß sich auch die Differenz zwischen England und Rußland werde ausgleichen lassen. Mit dieser __$j englischen Forderung ist es eine eigenthümliche Sache. Im Parlament, wo diese Fragen ja täglich berührt werden, gab eine Bemerkung eines Lords dem Minister Derby Anlaß, ;ber«< erklären, daß England für den Fall eines Krieges voll- ftänbig vorbereitet sei, denselben sofort aufzunehmen. Er sagte bann: Hinsichtlich ber Bedingungen, unter denen Eng-