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Marburg, Donnerstag, 21. März 1878
XIII. Mrg-Ig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes. sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Lasse! und Hannover; Th. Diettich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatteS, sowie d.Annoncen-Bureauk von ®. L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jäger'! che Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. TbieneS in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2« dHark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Vf»
Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Tagesbericht.
Von allen Seiten wird bestätigt, daß Papst Leo XIII. an Seine Majestät den Kaiser Wilhelm ein Schreiben gerichtet hat, welches durch Vermittelung des Königs von Baiern an unfern Kaiser gelangte. Es wird ohne Zweifel eine Annäherung, wenn nicht eine Versöhnung mit dem Deutschen Reiche versucht.
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thums entnommen. Wir stünden nach diesen Vorzeichen
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Herr Müller!" begann sie stockend und zögernd, „Sie
Nein, nein! um Himmelswillen nicht!" ertoieberte
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Das neue Reichskanzlerpalais in Berlin wird durch das Diner zu Kaisers Geburtstag eingeweiht werden. Gewiß ein sehr schöner Akt der Einweihung der neuen Räume. Zu der am darauf folgenden Sonnabend stattfindenden parlamentarischen Soiree werden dem Vernehmen nach Einladungen ergehen an die Mitglieder des Reichstags, Herrenhauses und Abgeordnetenhauses.
Ueber die Verhandlungen mit dem Grafen zu Swlberg- Wernigerode bemerkte die „National-Zeitung": Die Nachrichten, daß mit dem Grafen Stolberg-Wernigerode wegen dessen Eintritts in die Reichsregierung unterhandelt werde, treten mit solcher Bestimmtheit und so vielfach auf, daß sie als auf die politische Tagesordnung gesetzt betrachtet werden müssen. Auch fehlt es in der That nicht an Anzeichen, daß die Nachrichten keineswegs unbegründet sind. Ueber die Stellung, die eventuell dem Grafen Stolberg-Wernigerode zugedacht wäre und über die Ergebnisie der geführten Verhandlung lauten die Mittheilungen allerdings weniger zuversichüich; es wird vielfach angenommen, daß es sich um die allgemeine Vertretung und um einen Ministerplatz ohne Portefeuille mit der Vicepräsidentschaft des Minifte- ttums handele, ähnlich wie die Stellung des Fürsten von
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Der Leonberger.
Humoreske von A. Oskar Klausmann.
-Fortsetzung.)
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1878.
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°on der Presse schuldig bin!" t Das Backfischchen verschwand.
„Das ist eine günstige Gelegenheit," murmelte Müller, »Am mir bett Bürgermeister zum Freunde zu machen und
am Anfang einer Entwickelung mit ausgeprägt antiparla- ”»l Militärischem Charakter, was allerdings ein seltsames Er- Rgt» gebniß der Versuche wäre, Regierung und parlamentarische „rÄ Körperschaften einander mehr zu nähern." „Außerparla- ; brat mentarisch", der Ausdruck möchte zutreffen; „an tiparlamen- ieseÄ lausch" braucht das Ergebniß deshalb nicht zu sein, „Par- |73H lamentarische" Ministerien haben wir bisher überhaupt nicht -ß gehabt; damtt sollten wir nach der Absicht der „National- | § Zeitung" und ihrer Freunde (offenbar nicht ganz in Ueber-
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i shohenzollern in dem Ministerium der liberalen Aera war.
Weder darüber was ein Eintreten des Grafen Stolberg- ... Wernigerode pvlittsch-bedeuttnwürd'e, Mch darüK^T^velche' - Mittel er mitbrächte, um die Schwierigkeiten der Lage zu überwinden, können wir uns irgendwie eine Vorstellung machen. Daneben blieben die Fragen der Besetzung der wichtigsten Ministerien offen; die Namen, die bis jetzt genannt wurden, sind dem Kreise des preußischen Beamten-
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—-Nehmen es wohl nicht Übel, wenn ich Sie ersuche, diese ^^Medichte hier zu prüfen, vielleicht finden Sie irgend eines vn würdig, um es in ihrem Blatte abzudrucken!" Schüchtern' brachte sie ans ihrer Kleidertasche einen wzen Manuskriptband heraus, den sie in die Hände Müllers erlegte; dieser schmunzelte vergnügt.
„Ich werde Ihren Wunsch recht gerne erfüllen," sagte „und ich bin überzeugt, daß alle Gedichte vollkommen druckreif sind; darf ich dieselben mit Ihrem werthen Namen veröffentlichen?"
ängstlich das Mädchen.
„Dann werde ich nur die Anfangsbuchstaben Ihres , Berthen NamenS nehmen!"
„Aber bitte, bitte! Nicht war es erfährt doch Niemand, bai bie Gedichte von mir sind? Nicht wahr, ich kann mich at „ M ihre Diskretton verlassen?,
l „Ganz gewiß mein Fräulein! Strengste Diskretion ist *ei uns Redakteuren die erste Pflicht. Sie werden es jüngst meinem Blatte gelesen haben, wie einige Kollegen von ____j «ir sich lieber selbst einige Monate einsperren ließen, als 78. sie das Redakttonsgeheimniß brachen. Bei mir, gnä- Fräulein können Sie ebenso fest auf Verschwiegenheit Rechnen. Ich weiß es, was ich meiner Stellung als Mann
einstimmnng mit den Absichten des Fürsten Bismarck) erst beschenkt werden. Daraus ist nun vorläufig nichts geworden, und das Netto-Resultat bleibt in dieser Beziehung einstweilen, daß die Liberalen den einzigen Minister, der sich hier und da als „parlamentarisch" gerirte, zum Abgang genöthigt haben. Im Uebrigen würde ein Ministerium Bismarck mit dem Grafen Stolberg nicht „parlamentarischer" oder „anttparlamentarischer" sein, als das bisherige Ministerium.
Es bestätigt sich, daß im Jahre 1880 in Berlin eine Gewerbe - Ausstellung stattfinden wird. Es sind bisher unter Ausschluß der Oeffentlichkeit Anfragen an hervorragende Industrielle gerichtet worden, welche eine über Erwarten beifällige Aufnahme gefunden haben. In Folge dessen scheint das Central - Comits demnächst einen allgemeinen Aufruf erlassen.
Das Bureau Hirsch bringt folgende Depesche: London, 19. März. Dem „Manchester Guardian" zufolge wird in Berlin eine Präliminar-Conferenz stattfinden, auf welcher festgestellt werden soll, welche Fragen dem Congreffe vorzulegen seien. Fürst Gortschakoff trifft in Berlin am 28. März ein, die Konferenz beginnt am 31. 'März, der Con- greß ist in der zweiten Woche des April.
Teutsches Reich.
** 6erlitt, 19. März. Die ultramontane Presse nimmt zu dem ersten Schritt des Papstes zur Anknüpfung der Beziehungen mit der deutschen Regierung eine sehr verschiedene Stellung ein. Die „Germania" kommt darauf nur im Briefkasten zu sprechen.-und sucht jede Bedeutung eines solchen Schrittes in AKtede zu stellen. Die „Schle- Ilsche Volkszeitung" räth dagegen der Regierung, während das Blatt die Nachricht von dem Schreiben des Papstes nicht einmal kennt oder nicht erwähnt, die von ihr vorausgesetzte Friedfertigkeit und Versöhnlichkeit des Papstes zu benutzen, um einen modus vivendi zu vereinbaren. Das Blatt fügt hinzu: „Wir Jesuiten und Unversöhnliche erklären im Voraus, wir werden in Allem, was die Religion betrifft, dem heiligen Vater demüthigst gehorsam sein." In derselben Zeitung wurde vor Kurzem bei Lebzeiten Pins lX. noch jeder Gedanke an einen modus vivendi schroff zurückgewiesen. — Heule hat im Abgeordnelenhause eine Sitzung des Staatsministeriums stattgefunden. Der Finanzminister Camphausen hat an derselben nicht theilge- nommen, worin eine Bestätigung zu finden, daß fein Rücktritt als ausgemacht gitt, obwohl die Gerüchte, daß seine Entlassung bereits allerhöchster Seits vollzogen sei, ver-
von ihm möglichst viel Inserate zu erlangen. Werden die Gedichte günstig ausgenommen, so verdankt er den Ruhm seiner Tochter mir und meinem Blatte; werden sie ungünstig ausgenommen, so hängt von meinem Schweigen über die Verfasserin vieb ab; in jedem Fall ist mir der Bürgermeister zu großem Danke verpflichtet. Herein!"
Drei junge Leute, denen man den Bäckergesellen auf weite Entfernung ansehen konnte, näherten sich dem Heilig- chume des Redactionsbureau'S.
Da alle Drei gleichzeitig möglichst unverständliches Zeug redeten, war es selbstverständlich, daß Müller länger als eine halbe Stunde brauchte, um zu erfahren, um was es sich eigentlich handele. Endlich hatte er es heraus, daß jene drei Personen eine Deputation der vereinigten Bäckergesellen Romslau's sei, zu dem Zwecke abgesandt, um ein geharnischtes Inserat gegen die Gesellen der Tischler-Innung, die sich einer Beleidigung des edlen Bäckergewerbes schuldig gemacht, zu veranlassen.
Willig opferte Müller noch eine halbe Stunde der Abfassung des Inserates, das an deutlicher Grobheit und Klobigkeit nichts zu wünschen übrig ließ, empfing darauf die baare Bezahlung der Jnserttonsgebühren und die Deputation ttollte sich.
Wiederum lachte Kollege Müller vergnügt:
Natürlich antworten die Tischlergesellen auf dies Inserat und dann erwiedern die Bäckergesellen und dann wieder die Tischlergesellen, das bringt ein ganz hübsches Stück Geld. Ich wünschte, die Gewerke lägen sich fortwährend in den Haaren, ich kann dabei nur verdienen. Herein!"
Kollege Müller erstaunte wirklich, als er in dem Hereintretenden Wernitz erkannte.
Sie standen mit einander keineswegs auf freundschaftlichem Fuße; denn Dr. Wernitz hatte sich über die Re- dacttonsthätigkeit Müller'» und über Werth und Druck-
früht sind. Der Ministerrath dürste sich allerdings mit den Fragen beschäftigt haben, welche mit dem zu erwartenden Rücktritt im Zusammenhang stehen. — Morgen findet im Reichskanzleramt eine Sitzung des Bundesraths statt. Auf der Tagesordnung steht unter anbernt der Entwurf eines Gesetzes wegen statistischer Erhebungen über die verschiedenen Arten der Tabakssteuererhebung. Dieser Entwurf, der bereits im Drucke vorliegt, ist, wie wir gemeldet hatten, eine Ermächtigungsvorlage und nur insofern eine Credittorlage, als die Summe von 200,000 Mark zur Deckung der Kosten der stattstischen Erhebungen als einmalige Ausgabe in den Reichshaushaltsetat nachträglich eingestellt werden soll. Die Frage, welche wunderlicher Weise aufgeworfen, weshalb die Reichsregierung zu sta- ttstischen Erhebungen einer gesetzlichen Ermächtigung bedürfe, hatte eigentlich schon Camphausen am 22. Februar im Reichstage beantwortet. Die Motive des jetzigen vorliegenden Entwurfs fassen die Antwort folgendermaßen: „Es ist deshalb nölhig, den betreffenden Gewerbtreibenden die Verpflichtung zur Ertheilung wahrheitsgemäßer Auskunft vorzulegen und für unrichtige Angaben eine Strafe anzudrohen, auch zugleich die Gewerbtreibenden zu verpflichten, eine amtliche Prüfung ihrer Angaben zu gestatten." Außerdem führen die Motive aus, daß bei statistischen Erhebungen über den Umfang der Tabaksgewerbe die Gefahr nahe liege, unrichtige Angaben zu erhalten, weil die Betheiligten vermuthen möchten, daß nach diesen Angaben eine etwaige Entschädigung werde bemessen werden. Wenn übrigens verschiedene Blätter behauptet haben, die Mehrzahl der großen Bundesregierungen habe sich auf eine Anfrage der Reichsregierung gegen Einführung des Monopols ausgesprochen, so verweisen wir auf die Motive, in denen es am Schluß heißt: „Auf Grund der in Aussicht genommenen ErheblUWN sollen demnächst weitere Erwägungen stattfinden, um dem Reichstag in der nächsten Session eine Vorlage zu machen, welche je nach den Ergebnissen der Ermittelungen entweder die Einführung des Monopols oder eine annähernd den gleichen Erfolg versprechende Besteuerung des Tabaks beantragt." Außerdem bemerken die Motive gleichfalls, daß es sich empfehle, die amerikanische Fabrikatssteuer in ihrer Einrichtung und Wirkung an Ort und Stelle durch eine Kommission beobachten zu lassen. Für die Deckung der bezüglichen Kosten sei jedoch in dem vorliegenden Gesetz keine Vorsorge getroffen, die Kosten würden vielmehr aus den laufenden Mitteln des Etats zu decken sein.
Frankfurt a. d. 19. März. In dem Proceß gegen die Grünoer der Wrede'schen Spritbank erachtete es das Appellationsgericht nicht für festgestellt, daß die Aktien- zeichner bei Kenntniß des wirklichen Kaufpreises nicht ge* fehler des „Romslauer Anzeigers" schon öfter die frivolsten Aeußerungen öffentlich erlaubt, die natürlich zur Kenntniß des Verhöhnten gelangt waren.
.Jnoeß verschwand aller Zorn und alle Bosheit bei Müller, als ihn Dottor Wernitz mit den Worten anredete:
„Verzeihen Sie, verehrter Herr Redakteur, wenn ich Ihre kostbare Zeit in Anspruch nehme!"
Diese ehrenvolle Behandlung hatte Müller gar nicht erwartet; fein Erstaunen wuchs indeß immer mehr, als sich ihm Dr. Wernitz ohne weitere Umschweife zum Mitarbeiter ohne jegliches Entgeld anbot und ihm einen naturwissenschaftlichen Artikel über die Hausthiere, speziell über die Hunde, anbot, den Müller natürlich mit bestem Dank accepttrte.
Wernitz empfahl Müller noch besonders auf die Vermeidung von Druckfehlern zu achten und ging.
Als am nächsten Tage die neueste Nummer des „NomS- lauer Anzeigers" erschien, gab es keine kleine Aufregung. Die Nummer enthielt auch nichts als atarmirenbe Artikel wenigstens Artikel, die gerechtfertigtes Aufsehen erregten' Im Jnseratentheil war die Abfertigung der Tischlergesellen, in einem Tone, der die Entrüstung sämnttlicher RomS- lauer Gewerke hervorrief. Im Feuilleton waren erstens zwei schauerliche poetische Leistuugrn, mit den Buchstaben A. F. gezeichnet, die zu den gewagtesten, aber auch unrichtigsten Verrnuthungen über den Verfasser, oder richtiger Verbrecher Veranlassung gaben. Außerdem aber enthielt daS Feuilleton einen Artikel über Hunde und Hundebe- besitzer, den die wenigsten Einwohner in der Stadt überhaupt verstanden. Die Wenigen aber, die ihn verstanden, waren die bei Frau von Feldberg verkehrende Gesellschaft; denn jener Artikel war direkt gegen Dr. Härtel und indirekt gegen Frau von Feldberg gerichtet.
(Fortsetzung folgt.)