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xni. Jahrgang.

Marburg, Mittwoch, 20. März 1878

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frug Wernitz weiter.

„Welches Geschenk sollte das sein?" frug Härtel

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meine derangirte Lage geschildert? O nein, so boshaft ist Kvnstanze nicht. Mag es mir genügen, daß sie )o aus-

Der Leonberger.

Humoreske von #. Oskar NlauSmann.

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beängstigt.

„Haben Sie denn nicht von Frau v. Feldberg prachtvollen Leonberger erhalten?"

„Allerdings!" erwiederte Härtel etwas betreten; woher reiften Sie —"

„Woher ich das weiß?" unterbrach ihn Dr. Wernitz; „das ist nicht schwer zu finden. Sie verdanken dieses theure Geschenk einzig und allein meiner Freundschaft. Frau von Feldberg war so freundlich, mich um Rath zu fragen, was sie Ihnen zu Ihrem Geburtstage schenken solle und ich stand nicht an, ihr zu einem solch' prächtigen Thiere zu

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des Schmuggels an der Grenze der preußischen Provinz Schlesien gegen Oesterreich; dort liefern namentlich die Märkte zu Oswiezin das Kontingent des einzuschmuggelnden BieheS. Bei der großen Verschiedenheit der Viehpreise diesseits und jenseits der Grenze, sowohl gegen Rußland, als auch gegen Oesterreich-Ungarn ist der Schmuggel für alle Betheiligten ein lohnendes Geschäft. In der Provinz Schlesien hat sich für den Schmuggel ein förmliches Taxsystem herausgebildet, welches sich nach dem Maße der zu überwindenden Schwierigkeiten abstuft. Bei Beuthen wird für daö Einbringen je eines Stückes aus Rußland der geringe Betrag von 2 Mark gezahlt, während für das Einschwärzen des VieheS vom Markte Oswiezin bedeutend höhere Prämien gewährt werden. Letztere schließen allerdings gleichzeitig eine Versicherungsgebühr in sich, indem die Schmuggler bei Uebernahme des Viehes den Kaufpreis erlegen und denselben erst nach glücklicher Ein­bringung nebst einer Prämie von 9 bis 12 M. für das Stück zurückerhalten.

Nach dem „Memorial diplomatique" hat die englische Negierung folgende Propvsition unterbreitet: Sofortige Mittheilung des Vertrages von San Stefano in seinem vollen Wortlaute. In dem Fall daß Fürst Bismarck den Vorsitz im Cvngreß ablehnen, oder sein Gesundheitszustand es ihm nicht erlauben sollte, in zwei oder drei Sitzungen zu präsidiren, soll der Präsident erwählt werden. Bis zu der durch den Cvngreß getroffenen Entscheidung sollen die russischen Truppen sich mindestens dreißig Meilen von Konstantinopel zurückziehen. Vertretung Griechenlands auf dem Kongreß; dieselbe Frage bleibt Vorbehalten in Bezug auf Rumänien, Serbien und Montenegro. Das Protokoll soll den neutralen Staaten Portugal, Spanien, Schweden, Dänemark, Belgien und Holland behufs Unterzeichnung und Beitritt milgecheittlvrtden. Die Dauer des Congrefte» soll auf 6 Wochen beschränkt werden.

Zwischen Rußland'und der Türkei ist der Friede nun geschlossen, die Ratifikations-Urkunden sind in St. Peters­burg ausgewechselt worden, die russischen Truppen, die vor Konstantinopel lagern, rücken mehr an das Meer und den Bosporus heran, um sich nach der Heimalh einzuschifsrn, so lauten die neuesten Nachrichten. — Inzwischen bringt die Augsburger Allg. Zeitung folgendes trübe Stimmungs­bild unterm 9. März vom Bosporus: Die Physiognomie der Hauptstadt ist eine sehr düstere, die Stimmung eine schwüle. Tag und Nacht durchstreifen Patrouillen die Straßen, weil ein Aufstand befürchtet wird. In den Re­gierungskreisen ist man vollständig willenlos und an dem Punkt angelangt alles über sich ergehen zu lassen. Der

rathen, well ich eS für selbstverständlich hielt, daß auch Sie eine Vorliebe für jene schönen Hunde haben würden!"

„Ah!" sagte Härtel mit außerordentlich gemischten Gefühlen; also Ihnen verdanke ich dieses Geschenk.

„Jawohl!" erwiderte Dr. Wemitz; „nur mir. Ich war einen Augenblick zweifelhaft, ob ich Ihnen zu einem solchen Exemplar verhelfen sollte, da ich daran dachte, daß die Unterhaltung eines solchen Hundes mit außerordent­lichen Kosten verknüpft sei, aber ich dachte an Ihr solides Leben und Ihre geordneten Verhältnisse und kam zu der Ueberzeugung, daß es für Lie eine Kleinigkeit sei, die Futterkasten für das Thier aufzubringen. Guten Morgen, Herr Kollege!"

Als Härtel bei seinem Mittagessen im Hotel, bei dem auch Nero theilnahm, sah, welche Quantitäten das Thier vertilgte und wie wählerisch es, in Bezug auf die Speisen, sei, warf er einen verzweifelten Blick nach oben, denn es war ihm klar geworden, daß ihm Wernitz habe ein^Danaer- Geschenk zukommen lassen; er sollte durch den Hund pe­kuniär ruinirt werden.

6.

„Wohlthätig ist der Presse Macht, „Wenn sie der Staat bezähmt, bewacht."

Ohne uns mit dem Inhalt dieser Verse irgendwie ein­verstanden zu erklären, citiren wir dieselben nur darum, um zu conslattren, daß die Presse eine Macht sei; nennt man sie doch durchaus nicht mit Unrecht: „die siebente Großmacht."

Da wir selbst vom Handwerk sind, könnte es uns übel vermerkt werden, wenn wir jetzt einen begeisterten Dithy­rambus auf die Presse, ihre Macht und ihre segensreichen Wirkungen anstimmen würden; man würde vielleicht die Absicht merken und verstimmt werden.

Wir begnügen uns daher bei unfern Lesern, die Kennt,

Kalkigen nimmt entgegen: Mt Expedition b.Blatte», Eie b.ännoncen-Bureaur gon Th. Dietrich 4 Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.'JB.; Haasenstein 4 Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, jjtipiig, Cöln ic.; Rudolf ■ytgfle in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.Blattei, sowie d Annoncen-Bureaux von S- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. TbieneS in Elberfeld; E Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werk agen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Souiltagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2‘3 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr». — Jnsertionsaedühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet

Spfl- Wollte Sie mir damit anbeuten, daß ich mit meinen

—™ Verhältnissen auf den Hund gekommen sei, weil man ihr

Der Gesetzentwurf, betr. Zuwiderhandlungen gegen die zur Abwehr der Rinderpest erlassenen Vieh-Einfuhrverbote, lautet im Wesentlichen wie folgt: 8 1- Wer den auf Grund des Gesetzes erlassenen Beschränkungen der Verbote der Einfuhr lebender Wiederkäuer vorsätzlich zuwider handelt, wird mit Gefängniß von einem Monat bis zu zwei Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. 8 2. Wird die Zu­widerhandlung in der Absicht begangen, sich oder einem Anderen einen Vermögensvortheil zu verschaffen oder einem Anderen Schaden zuzufügen, so tritt Zuchthausstrafe bis zu fünf Jahren ein. 8 3. Wer den Beschränkungen der Verbote aus Fahrlässigkeit zuwider handelt, wird mit Geld­strafe bis zu sechshundert Mark oder mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft. Bei Personen, welche nicht weiter als fünfzehn Kilometer von der Grenze entfernt ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben, ingleichen bei Personen, welche mit den durch die Beschränkungen ober Verbote betroffenen Thieren gewerbsmäßig Handel treiben, insbesondere Fleischern und Viehhändlern, sowie den Ge- hülfen dieser Personen, ist die Unkenntniß dieser Beschrän­kungen oder Verbote als durch Fahrlässigkeit verschuldet anzunehmen, wenn sie nicht den Nachweis führen, daß sie ohne ihr Verschulden durch besondere Umstände verhindert waren, von denselben Kenntniß zu erlangen. 8 4. Ist in Folge der Zuwiderhandlung Vieh von der Seuche ergriffen worden, so ist in dem Falle des 8 1 auf Gefängniß von

drei Monaten bis zu fünf Jahren, in dem Falle des 8 2

auf Zuchthaus bis zu zehn Jahren, in dem Falle des 8 3

auf Geldstrafe bis zu zweitausend Mark oder auf Gefängniß

bis zu einem Jahre zu erkennen. Die Motive enthalten folgende interessante Darlegung. Nach dem Ergebnisse der in den benachbarten russischen Gouvernements angestellten Ermittelungen finden in verschiedenen, der diesseitigen Grenze nahe gelegenen Ortschaften regelPästige, zahlreich besuchte Viehmärkte statt, deren Frequenz vorzugsweise darauf be­ruht, daß deutsche Händler auf denselben ihre Einkäufe für den Schmuggel machen. Solche Märkte werden z. B. ab­gehalten in Bendzin (jeden Mittwoch), Czelady (alle 14 Tage), Siewierz (desgl ), Rypin rc. Die deutschen Händler übergeben das gekaufte Vieh an Bauern der russischen Grenzbörfer, welche dasselbe in ihren Ställen behalten, bis die Einschwärzung erfolgen kann. Letztere geschieht je nach den Terraiuverhättnisseil der Grenze in verschiedener Weise. Wo die Weideländereien an einander stoßen, geschieht sie einfach dadurch, daß die auf beiden Seiten weidenden Heerden einander genährt und im geeigneten Augenblicke die einzn- schmuggelnben Stücke in die diesseitige Heerde ausgenommen werden; wo die Grenze sich durch waldiges Terrain hin­zieht, erfolgt die Einschwärzung bei Dunkelheit _ und auf Schleichwegen. Aehnlich ist die Organisatton

Als dieser aber seine zwei Stunden abgearbeitet hatte und soeben das Gymnasialgebäude verlassen wollte, trat der Satan in Gestalt bes Kollegen Dr. Wemitz zu ihm und Härtel, das Opfer, ahnte sofort, daß ihm wahrschein­lich nichts Gutes bevorstehe.

„Guten Morgen Herr College!" sagte Dr. Wemitz mit jenem so oft beschriebenen Lächeln, da« den gutmüthigsten Menschen in Hämisch bringen konnte. „Guten Morgen Herr Kollege, ich glaube nur, es schuldig zu sein, Ihnen gegenüber eine. Schuld, eine freudige Schuld abzutragen, nämlich die schuldigen Glückwünsche, die jeder Ihrer Be­kannten an diesem fröhlichen Feste Ihnen schuldet. Ent­schuldigen Sie, wenn ich erst jetzt mich dieser unschuldigen Schuld entledige."

„Ich danke!" sagte Härtel waffenlos gegen diese Bos­heit und als er die Hand seines Kollegen zur Bekräftigung seines Dankes drückte, wünschte er lebhaft, er hätte Wer- nitz's Hals, nicht die Hand, in seiner Hand; er hätte mit unsägbarem Vergnügen fest zugedrückt.

„Sie sind hoffentlich bereits im Besitz des Geschenkes, da» Sie meiner collegialifchen Freundschaft verdanken?"

na m noniianze iiuyi. — p r* —।

KW merksam war, mich mit einem Geschenke zu beehren, wozu 878 stn ick mick mit Gedanken darüber quälen, weshalb Sie

Der deutsche Botschafter zu Wien, Gras Otto zu Stol- ! berg-Wernigerode, ist vorn Fürsten Bismarck nach Berlin ' Hemsen worden und auch bereits daselbst eingetroffen. Un­terrichtete Kreise wollen reiften, daß die Anwesenheit des Grafen mit den neueren Formationen innerhalb der Reichs­verwaltung in Verbindung steht und der Graf vom Fürsten Bismarck für den Posten eines Vieekanzlers in Aussicht genommen sei. Dieselben Kreise berichtm auch, daß zwischen dem Bosschaster und dem Reichskanzler bereits diesbezüg­liche Verhandlungm gepflogen feien, und wenn auch der Graf Stolberg bis jetzt noch keine definitive Zusage ge­macht habe, bas neue Reichsamt übernehmen zu wollen, so doch unzweifelhaft schon anzunehmen sei, daß die Ver­bandlungen zu einem günstigen Resultat führen werden. Graf Stolberg, so erzählt man in diesen Kreisen weiter, »erde nicht in den preußischen Staatsdienst, sondem aus­schließlich in den Reichsdienst eintreten. Als Nachfolger des Finanzministers Camphausen, dessen Entlaftungsgesuch jetzt als definitiv angenommen gilt, wird noch immer in erster Linie der Oberpräsident Günther genannt, während für die Präsidentschaft des neuen Reichsfinanzamls neben dem Direktor Dr. Michaelis auch der Steuerdirektor Burg­hardt genannt wird. Was die Candidatur des Grasen Otto zu Stolberg für die Vicekanzlerschaft anbetrifft, so wirb es wohl angezeigt sein, darauf hinzuweiseu, daß schon ecr Jahren, alö zum ersten Mal das Gerücht sich ver­breitete, der Reichskanzler sei der Geschäfte müde und gehe mit der Absicht um, sich vom Amte zurückzuziehen, grabe Graf Stolberg als diejenige Person bezeichnet wurde, die m Reichskanzler selbst zu seinem Nachfolger ausersehen sei. Von damals hieß es, daß der Wiener Botschafter­sten nur als ein Durchgangsstabium für den damaligen Öderpräsidenten der Provinz Hannover zu den Funktionen des Reichskanzlers anzusehen sei und es würde ans diesem Grunde das jetzt in Aussicht genommene Stellvertreter-Amt nur als eine weitere Stufe für die hohe Ausgabe, welche dem ebenso energischen als begabten und nebenbei in pe- njetl cuniärer Beziehung unabhängigen jungen Staatsmann zu 3j erachten sein. Graf Stolberg wird am 30. Oktober d.J. Nais sein 41. Lebensjahr beenden. — lieber den Schluß des xs i Landtages ist man in maßgebenden Kreise« der Meinung, s6S datz derselbZam künftigen Sonnabmd erfolgen könne. Das Abgeordnet^hauS wird voraussichtlich dm hauptfächlichstm Beschlüssen Herrenhauses bezüglich des GerichtSverfas- sungsgesetzes zustimmen und man erwartet, daß das Herren­haus in den übrigen Punkten dm Beschlüssen des Abge­ordnetenhauses nachgeben werde.

soll ich mich mit Gedanken darüber quälen, weshalb Sie i (nptir Nero geschenkt.

Er zog den Zettel wieder änS feiner Brusttasche und betrachtete ihn lange und innig und seine Gedanken waren anscheinend auf Reisen. Sie schienen aber gar sehr schone Iboiö und herrliche Gegenden zu passtren, denn Harteis Gesicht jöchst «ahm einen recht freudig - glücklichen Ausdruck an und em tat d sanftes Lächeln spielte um seine Lippen.

'' n Doch die Stunde rief ihn in den Dienst und zur Pflicht die darin bestand, daß er aus Quintanern Menschen rna- -hen solle. '

Neue Ueberraschungm harrten feiner.

Die Quinta, die sonst aus einer Heerde der mchtswur- bigften und ungezogensten Bengel bestand, saß heute bei fernem Eintritt mäuschenstill und als er, verwundert über it.-1 die ungewohnte Erscheinung, auf dem erhöhten Katheder- n' &e Platz genommen, traten zwei merkwürdig auSfeheude Bengel vor und einer von ihnen hielt eine GratulattonS- 8tebe, an deren Schluß der andere tm Mmm der Klaffe einen werthvollen Cigarren - Kasten nebst gutem Inhalt , Dr^ Härtel war ganz befangen durch diese Aufmerk­samkeit und brachte mit Mühe eine stotternde Dankrede ün die aufhorchenden Knaben zu Stande. ©eprugelt toiute Jttt diesem Morgen in der Quinta von Dr. Hanei nicht.