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Str. 66,
JRarßurg, Dienstag, 19. März 1878
xin. Jahrgang.
Lui eigen mannt entgegen: He Expedition d.Blatte«, feiuie d.Annoncen-Burcaux een LH, Dietrich & Co. in Ikaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein * Bögler hl Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
WctMche Zkitiiy.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blattet, sowie d.Annoncen-Bureaur von @. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'iche Buchdandl ung das eldst;
Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Invalidendank in Berlin; 88. TdieneS in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettageu. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (St o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (rxcl. Bestellgebühr). — Jnsertlvnsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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Bberhessischen Zeitung
mit deren Gratisbeilage
IllustrirteS Sonntagsblatt wolle man baldigst bei der nächstgelegeenen Mastanstalt (auf dem Lande bei den Landpostboten machen.
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Trgesvericht.
Aus Berlin wird telegraphisch mitgethnlt: Der Kaiser
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befahl den Fürsten Bismarck auf drei Uhr Nachmittags zum Vortrag und demnächst den Botschafter am Wiener Hofe, Grafen Stolberg. Letzterer verweilte gestern Nachmittag längere Zeit bei dem Fürsten Bismarck. — Aus guter Quelle wird bestätigt, daß die Congreß - Aussichten wesentlich günstig stehen. In Petersburg soll man den Congreß als gesichert betrachten, ihn auch schr wünschen und deswegen England gegenüber zu gewissen Zugeständnissen sich bereit gezeigt haben. Die letzten Eröffnungen illtt, Rußland- wären in London gut ausgenommen wordm.
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Der Leonberger.
Humoreske von A. Oskar KlauSmann.
(Fortsetzung)
Dr. Härtel zuckte zusammen, als habe ihn ein giftiges eptil gebissen. Es war ihm im Augenblick klar, daß der ende, schamlose Scharff geschwatzt hatte. Er wollte eine ftige Antwort geben, aber er biß die Zähne auf einander w plötzlich erhob er sich und ging fort, ohne den znrück- eibenden Wernitz auch nur eimS Wortes oder eines Bli-
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h Jntriguen gegen Ihre Kollegen hergeben würden, wmn an Ihnen dafür ein Aequivalement, vielleicht eine bedeu- ade Geldsumme anbieten würde.
Haben wir denn ein Recht unfern Geburtstag zu 88-a,*etn?
M Mt dieser Frage tritt uns vereint sofort eine zweite ftittgegtn; lautend: Ist es überhaupt ein Glück, geboren kerben zu sein? Die Antworten werden verschiedenartig IN diese Frage bei verschiedenen Menschen aussallen; je
ittrocti Daß der Finanzminister Eamphausm, schreibt die „A.- inb 5 V, bald seine Entlassung erhalten werde, weil er dringend in i« Nauf besteht, wird jetzt auch von den Officiösen zugestan- kme«ben. Nur noch „eine kurze Zeit" werde die Entlassung ,lich« vettagt bleiben. Der Minister deS Innern, Graf Eulen- SeM^rg, ist in Berlin angekommen, und man glaubt, daß
Es bestätigt sich, daß die Bundesregierungen zu Gutachten über da« Tabaksmonopol aufgefordert worden sind. Wie die „National - Zeitung" schreibt, halten sich allem Anschein nach die ablehnenden und zustimmenden Voten das Gleichgewicht; die preußische Regierung ist im Wesent- lichen für das Monopol.
Hebet die weitere Entwickelung der parlamentarischen Verhandlungen hören wir, daß zwischen den drei Präsidenten der jetzt tagenden parlamentarischen Körperschaften dahin ein Abkommen getroffen ist, daß die beiden Häuser
\n des Landtages ihre Verhandlungen während deS Vormittags Rom beginnen, und der Reichstag dann in den späteren Nach- " Mittagsstunden seine Sitzungen abhalten wird. Man glaubt ' auf diese Weise zu ermöglichen, daß alle drei Körper- schäften ihre Arbeiten mit thunlichster Beschleunigung er- *1*'* lebigen können.
unt« „Aber lieber Herr Kollege!" sagte er mit erheuchelter . Th Freundlichkeit, „war soll man von Ihnen glauben? Schon s72Wieder spielen Sie den Menschenfeind und Weltverächter — tzd ziehen sich hierher in die Einsamkeit zurück, während roten draußen in der Gesellschaft die Liebe und die Frmnd- taffel/’ft winken. Wahrlich lieber Kollege, wenn man Ihr ^enSguteS Gemüth nicht kennen würde, wenn man es sicht wüßte, daß in ihrem Herzen kein Falsch ist, man vmte annehmen, Sie benützen die Einsamkeit nur dazu, t die finstersten entsetzlichsten Gedanken zu hegen, um : schwärzesten Pläne auszubrüten. Man könnte vor stten Angst bekommen und schließlich glauben, daß Sie
sein völliger Rücktritt jetzt ebenfalls erfolgen und also auch die Neubesetzung des Ministeriums des Innern stattfinden werde. Als Nachfolger wird der Gras Eulenburg, welcher Oberprästdent von Hannover ist, genannt. Die Anflösung des Reichskanzler-Amtes ist bereits, wie gemeldet wird, in vollem Gange. Die Geschäfte desselben gehen an die einzelnen Reichsämter, namentlich auf das neu zu schaffende Reichsfinanzamt über, welches mit dem preußischen Finanzministerium in eine Hand gelegt wird. Zum Vicekanzler und Viceprästdenten des preußischen Staatsministeriums, als Minister ohne Portefeuille, soll der Graf Stolberg auSersrhen sein, welcher Botschafter in Wien ist. Derselbe weilt gegenwärtig in Berlin. Von Bennigsen ist keine Rede mehr. Nach Erlaß oes Stellvertretungsgesetzes, dessen Publikatton binnen Kurzem bevorsteht, werden für die einzelnen Ressorts deren jetzige Chef«, also u. a. Herr Stephan für die Post und Telegraphie, Herr Friedberg für das Justizwesen, Herr Herzog für Elsaß-Lothringen, zu Stellvertretern des Reichskanzlers ernannt werden. Ebenso der Chef des Reichsfinanzamts, der zugleich preußischer Finanzminister sein wird, für das Finanzwesen des Reichs. Man glaubt, daß für bett letzteren Posten der Ministerial - Direktor Burghardt ausersehen sei. Derselbe soll kürzlich Besprechungen mit dem Reichskanzler gehabt haben.
Die „Köln. Ztg." erhält jetzt von Zeit zu Zeit besondere Mittheilungen aus Berlin über die vorausstchtliche Stellung der Curie zu Preußen-Deutschland; in der neuesten Meldung heißt es sehr vertrauensvoll und zuversichtlich: „Man erhält allmählich einiges Licht über die Art, wie die Curie sich zu benehmen gedenkt, um das gute Einvernehmen mit Preußen herzustellen. Der Anfangspunkt deS Cullurkampfes lag in dem Widerstande der Bischöfe gegen die im Gesetze vom 11. Mai 1873 festgestellte Pflicht, dem Oberpräsidenten die Candidaten zu benennen, welche für geistliche Aemter in Aussicht genommen werden. Der Clerus erklärte das principel für unmöglich, für einen Eingriff in die heiligsten Rechte der Kirche und des Gewissens. Aus der Nichtbefolgung dieser Vorschrift entwickelte sich die Reihe der Gesetze von 1874 ff. Die Curie wird den Bischöfen vorschreiben, ohne Aufheben zu machen, die Anzeige vorzunehmen. Hierin liegt die lhatsächlichste Anerkennung des staatlichen Rechts. Ist man so weit gekommen, dann findet sich die Form und der Weg, um die ihres Amtes entsetzten Bischöfe als Cardinäle oder in anderer Stellung in Rom zu behalten. Man wird dann über die Nachfolger sich schon verständigen und sei es durch birecte Ernennung ober durch Inspiration bett Capiteln Gelegenheit geben, Männer zu wählen, welche ben Frieben mit bem Staate aufrichtig suchen."
Auch bie „Nat.-Ztg." melbet, daß der Papst Sr. Maj.
nach ben Verhältnissen. Wer gerabe einen wüthenden Katzenjammer hat, in Gelbnoth ober Anhänger ber Scho- penhauer'schen Philosophie, wem gerabe sein Herzliebchen ungetreu geworben ist, ber wird ohne Zweifel antworten: das größte und erste Unglück, das einen Menschen betreffen kann, ist ohne Zweifel das: Geboren zu werden.
Wer jedoch gerade einen reichen Onkel ober bito Tante beerbt, wer das große L00S gewonnen ober aus ber Zeitung ersehen hat, baß seine Rentenlebepapiere bebeutenb im Kourse gestiegen sind, wirb ebenso unbebenklich antworten: „Ei es ist ein absonderliches Vergnügen zu ath- men im rosigen Lichte, d. h. zu leben und fürwahr, eine nicht genug zu schätzende Gnade des Himmels ist eS überhaupt, geboren worden zu sein.
Eine Menge Menschen mögen sich jener oben aufgeworfenen Frage gegenüber höchst indifferent verhalten; aus Gewohnheit, Religiosität ober Erziehung neigen sie sich ber optimistischen Anschauung, ohne es zu wissen, zu unb feiern ihre Geburtstage als Festtage.
Auch Härtel, wie ihm bas wohl Jeber bet Leser gönnen wirb, war in ber Lage, einmal im Jahre einen Geburtstag zu haben unb triefen zu feiern.
Doch nicht immer ist eS gut, wenn solch feierlicher Tag vielen Menschen öffentlich bekannt ist, sintemalen auch baS feine Nachtheile unb Unannehmlichkeiten haben tarnt.
Als Härtel an feinem Geburtstage erwachte, befand er sich in einer feierlichen Stimmung, wie es wohl bei jebem Menschen, der einigermaßen denkt und philvsophirt, an solch' feierlichem Tage nicht anders der Fall zu sein pflegt und mit wirklichem sittlichen Ernst ging er an das Geschäft deS Ankleidens.
Er dachte darüber nach, daß er nun schon dreißig Jahre alt geworden und schon so Manches mitgemacht habe und in Folge seiner bedrängten finanziellen Verhältttisse
dem Kaiser in einem Antritts-Schreiben die Besteigung des päpstlichen Stuhles mitgetijeilt habe. Eine authentische Bestätigung der Nachricht fehlt noch. Die „Nat.-Ztg." gibt ihre übrigens gut beglaubigte Mittheilung unter aller Reserve.
Die „Correspondance universelle" schreibt: „Die öffentliche Meinung scheint die Beweise des Wohlwollens, welche zwischen Frankreich und Deutschland ausgetauscht werden, mit großer Reserve aufzunehmen. Nichtsdestoweniger scheint der Minister der auswärtigen Angelegenheiten anzunehmen, daß diese Annäherung im gegebenen Momente führen könne zu einer französisch-deutschen Allianz, welche für unser Land eine sehr große Wichtigkeit haben werbe."
Deutsches Reich.
Berti«, 16. März. Der Budget - Commisston des Reichstags ist eine interessante „Karte von Deutschlands Tabaksbau unb Ernte" zugegangen, bie von dem Regierungs-Feldmesser Knoblauch auf Veranlassung des Königl. Preuß. landwirthschaftl. Museums nach amtlichen Quellen beantwortet worden ist. Die Fragen, welche die Karte in graphischer Darstellung beantwortet, sind folgende: 1. wo wird Tabak gebaut? 2. welcher Prozentsatz der Fläche kommt auf Tabaksbau? und 5. welcher Ernteertrag wurde pro Hektar erzielt? Wie schwierig es war, die Beantwortung der ersten Frage möglichst genau graphisch darzustellen unb welche umfangreiche Korrespondenz dieserhalb mit ben einzelnen Steuerbehörden des Deutschen Reiches geführt werden mußte, geht aus ber der Karte beigegebenen Erläuterung hervor. Zur Beantwortung ber zweiten Frage ist bie Größe ber Kreise resp. ber Hauptsteueramtsbezirke ermittelt unb bemnächst das Verhältniß der mit Tabak bebauten Fläche zu je 1000 Hektare durch 10 verschiedene Schraffirungsanen dargestellt wordm. Der Ernteertrag (3 Frage) wurde durch 6 verschiedene, sich scharf unterscheidende Farbm zur Anschauung gebracht. So sehm wir z. B. den Kreis Danzig in Westpreußen und den Amtsbezirk Mosbach in Baven mit der fünften Schraffirungs- art in brauner Farbe schraffirt und wiffen somit sofort, nachdem wir einen Blick auf die Zeichen- und Farben-Er- klärnng groeorfen haben, daß Danzig im hohen Norden und Mosbach im Westen Deufchlands denselben (Ernteertrag (1500—2000 Kg. pr. Ha) bringen und ein zehn- bis fünf- tausendtel der Fläche mit Tabak bebaut haben. Die ber Karte beigegehene Tabelle gibt bie Fläche unb ben Ernteertrag noch speziell in Zahlen an, so daß das Ganze zu einem für Jedermann leicht übersichtlichen und faßlichen Gesammtbilde bargestellt ist unb nicht nur für bie jetzt schwebenbe Reichstagsfrage, fonbem auch bleibenben Werth wohl noch mancher trüben Stnnbe gewärtig sein könne, aber er zwang seine Gedanken mit aller Gewalt von solch' trüben Gegenständen los; er wollte sich bie Stimmung, in ber er sich befanb, nicht selbst durch Grübeleien verderbm.
Dann erschien das Dimstmäbchen unb brachte ben Morgenkaffee mit einer Gratulation ber Wirthin unb einem, ejtra zu biefem Feste gebackenen, mit einem Blumenkränze gegierten Napfkuchen unb Dr. Härtel wurde ganz gerührt durch diese Aufmerksamkeit.
Seine Rührung stieg noch, als der Briefträger mit einem ganzen Stoß Briefen erschien, die sämmtlich Gratulationen von Verwandten, Freunden und näheren Bekannten enthalten. Auch Stadtpostbriefe waren unter den Angekommenen; auch sie enchielten meistentheils Visitenkarten mit GratulattonS-Vermerken; das letzte Schreiben aber, das Härtel öffnete, enthielt sogar ein Gedicht.
Neugierig laS es Härtel, aber bald verfinsterte sich sein Gesicht und als er mit dem Lesen zu Ende gekommen, ließ er wie erschöpft die Hand mit dem Blatt Papier sinken und murmelte trüb:
»Auch heut noch diese Bosheit, oh eS ist grausam, mich so um daS Bischen Freude und «Stimmung zu bringen!"
In der Thal war jenes Gedicht sehr boshaft unb fast mehr als bas. Es würbe in bentfelben ebenfalls Härtel zu seinem Wiegenfeste gratulirt unb gesagt, man wünsche ihm, er solle noch so viele Jahre leben, als er Thaler Schulden habe. Dann corrigirte sich aber ber Dichter selbst unb sagte, es wäre nicht Recht, einem Sterblichen ein ewiges Leben zu wünschen; er wünsche daher dem Geburtstagskinde noch soviel Jahre, als es Gläubiger habe; gehe dieser Wunsch in Erfüllung, so könne es bequem das Mer Methusalems erreichen.
„Es ist Wernitz!" sagte Dr. Härtel. Er hat sich nicht einmal die Mühe gegeben, seine Handschrift zu verstellen;