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xiii. Jahrgang.

Marburg, Sonntag, 17. März 1878

Nr. «S

GchksWk jfitiiuti

Politische Wochen-Ueberficht.

und auch die seiner Partei grell beleuchtete.

Die 60 Millionen, welche Graf Andrasiy von den Ver- I trrtungen des GesammtstaateS forderte, sind bewilligt wor- | den, obgleich da» Bedürfnis nur Hit der ^Knegsbereit- f Mr" motWM ivmdk. ^"diese'M^MtllMkk!'1t!k?'M

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von ver-

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und

Gewicht der österreichischen Stimme im Congreffe verstärken sollen, ob sie eine „ausgleichende" Maßregel gegenüber den Maßnahmen anderer Mächte sein sollen, oder wirklich zur Vorsorge für den Ernstfall verlangt worden sind?

Dem französischen Senate ist ein Gesetz über den Grneralstab vorgelegt worden, welche« der „Soleil" in fol­gender Weise bespricht: Die Vorlage vereinigt drei werth­volle Eigenschaften: Kürze, Klarheit, Einfachheit. Sie um­faßt nur zehn Artikel, dir in großen Zügen die Umrisse der neuen Einrichtung zeichnen und der Verwaltung die Sorge für dir Details überlassen. Als Grundlage ist darin da« Prinzip de« offenen Genrralstabs angenommen, wie e« von dem Amendement Billot aufgestellt wurde. Sie hebt da« Spezialkorp« auf, da« eine Ordonanz vom 6. Mai 1818 in« Leben gerufen hatte, und ersetzt e« durch einen

mit einander verkettet sind. Ein kompakter und starker griechischer Staat würde unzweifelhaft die beste aller Schran­ken gegen die slavische Fluthwoge bilden. Ja, der größte Jrrthum, der von den Westmächten in ihrer Handhabung der Türkei jemals begangen wurde, war die ursprüngliche Begrenzung de« griechischen Königreichs auf einen Raum, der für die gewöhnlichen Zwecke einer Regierung zu klein war. Sie werden nur Gelegenheit haben, diesen Jrrthum wieder gut zu machen. Oesterreich andererseits verhehlt nicht länger seine Furcht, daß es genöthigt sein dürste, Bosnien, die Herzegowina und selbst weiter südlich gelegenes Gebiet zu besetzen, ungeachtet seine« Widerwillens das Ristco zu laufen, Annexionen machen zu müssen. Oesterreich wie England haben es klar gemacht, daß der Widerstand gegen die blo« ehrgeizigen Pläne Rußlands energisch sein wird. Aber beide Länder sehen auch ein, daß ein Widerstand ver­geblich sein würde, wenn er nicht mit der Voraussetzung beginne, daß die alte Türkei niemals wieder hergestellt werden kann."

g-jieint täglich außer an den Werttagen »ach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wvchenüichen Beilage „JSnftrirteS S»uuta,»dlatt" durch die Expedition ««och'sche Buchdruckerei) bezogen 2} Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 59 Pf« (ejd. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für btt gespaltene Zeile 1® Vf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.

er sich mit der Hand über die Stirn, al« wolle er dort ein böses, sein Haupt umflatterndes Geschick scheuchen. Er dachte nach.

War e« Wirklichkeit, was er gehört, oder träumte

den Dienst versagen.

Schwer läßt sich eine solche Stimmung, wie die, in welcher sich Doctor Härtel befand, schildern, sie laßt sich bester nachfühlen und daß sie eben keine angenehme war, wird man sich lebhaft denken können.

Doch der Becher des Leiden« war für jenen Tag von dem unglücklichen Dr. Härtel noch nicht geleert Plötzlich, wie aus einer Versenkung emporgestiegen, saß Dottor Wernitz, der entsetzliche Wernitz, neben ihm auf der Bank und legte ihm freundschaftlich-zutraulich die Hand auf die Schulter, wahrend sein Gesicht ein teuflisch - boshafte« Lä­cheln zeigte.

(Fortsetzung folgt)

„Daß ihn Frau Konstanze von Feldberg noch immer einladet?!"

„Sie ist wahrscheinlich noch nicht gewarnt worden und e« ist schwer, dies zu thun, da sie anscheinend eine Schwäche für diesen Doctor hat!"

„Ach, Sie machen mich aufs Neue staunen, sollte dieser Mensch e« wagen, seine Augen zu Frau von Feldberg zu erheben, ach unglaublich —"

Die Sprechenden entfernten sich.

Dr. Härtel stand sprach- und regungslos. Wäre in diesem Augenblicke ein Blitzstrahl neben ihm niedergefahren, er hätte es nicht gemerkt, er würde nicht gezuckt haben, er befand sich in einer gewissen Verzückung. Endlich erwachte er wie aus einem schweren Traume und unwillkürlich fuhr

oder war er wahnsinnig geworden.

Mechanisch ging er nach der nächsten Gartenbank ließ sich auf derselben nieder; die Füße wollten ihm schier

Der Leonberger.

Humoreske von 8L QSkar A laus man».

(Fortsetzung)

Dr. Härtel war von dem Vater eines .seiner Schüler mit Beschlag belegt worden, der dringend Veranlassung hatte, sich über Fleiß, Stiftungen, Betragen und Fortschritte seines hoffnungsvollen Sprößlings, bei dessen Ordinarius zu erkundigen. .

Härtel war wirklich stoh, als em anderer Herr der z-sÄlschaft herankam und den sich erkundigenden Vater mit Schlag belegte, sodaß er mit guter Mamer sich entfernen

Einsam schweifte er nun mit Gedanken verschiedenster äUt zwischen den schattigen Bosquets umher, al« er plötz- h-y hinter einer dichten Taxushecke seinen Namen nennen h fr. Unwillkürlich blieb er stehen, um zu lauschen und wir-glauben, daß ihm kaum Jemand diese leicht verzeihliche Xv, yon Neugierde verübeln und verargen dürste.

2atzer sollte sich aber auch hier wiederum daS bekannte -u Schwort vom „Horcher an der Wand" auf das Ecla- bewähren. Die sich Unterhaltendm waren jener □äderige Vater, den Härtel erst vor kurzer Zeit verlassm ater Herr, der sie in ihrer Unterhaltung unterbrochen. Atzt- er sagte soeben zu Ersterem: .

„Ätz ich Sie, lieber Freund, smt Dr. Harte! so erst­er promeniren sah, glaubte ich faftifö, Sre seren tn anihtkr Kefahr und ich beeilte mich, Jh^n zu Huste zu

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’ „War verstehen Sie unter Gefahr?" frag der Andere, anscheinend ganz erstaunt. .. t,

„Nun!" lautete die Erwiederung, „offertbar die Gefahr von Dr. Härtel in frivolster Weise angepumpt zu werden.

Deutsches Reich.

•» Berlin, 15. März. Das Gesetz über die Stell­vertretung des Reichskanzler« wird nunmehr unverweilt publicirt werden. Alsdann soll dem Bundesrath und dem­nächst dem Reichstag ein Nachtrag zum Reichshaushalt wegen Organisation eines Reichsschatzamtes vorgelegt wer­den. Erst auf Grand der Genehmigung des neuen Amtes werden die betreffcnben Persvnalfragen im Zusammenhang mit den anderweitig schwebenden Derartigen Fragen zur Erledigung kommen, man wird jedoch wohl thun, die vor­läufigen Gerüchte darüber mit Vorsicht aufzunehmen. In­zwischen finden innerhalb der Staatsregierung fortgesetzte und eingehendste Erörterungen in Bezug auf die dem Reichs­tag voMlegenden Steuerprojekte, namentlich die Tabaks- fteuer, statt. Es herrscht nach wie vor der entschiedenste und lebhafteste Wunsch, daß es in dieser Session, wenn auch nicht zu einem legislativen Abschluß, so doch zu einer Verständigung über den technisch richtigen Weg kornmm möge, welchen die Steuergesetzgebung zu gehen haben wird. Man ist bestrebt, dem Reichstag noch weitere positive Un­terlagen zu gewähren, um zu einem bestimmten Urtheil über die verschiedenen in Betracht gezogenen Steuerformen zu kommen. Darauf vor Allem Haden sich die wiederhol­ten neueren Besprechungen innerhalb der StaatSregierung bezogen. — Der Minister Friedenthal hat gestern ein großes parlamentarisches Diner, namentlich den Mitgliedern des Herrenhauses, gegeben, zu welchem die Einladungen schon vor seiner Erkrankung ergangen waren. Der Minister nimmt übrigen« schon seit einigen Tagen die Vorträge der

Hnieigen nimmt entgegen: die Expedition b.Blatte«, sowie o.Annoncen-Bureank von G L. Daube & Co. in fttantfurt a. M.; Jägerllche Buchbandiung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Znvalidendant in Berlin; W. TdieneS in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen

DaS peinliche Vorkornmniß bet Reichstagssitzung vom g. d. dürfte kaum dazu beitragen, die Stimmung zu ver- besicrn. ES bleibt eben eine unüberlegte Uebereilung, bafc Herr Lasker seine Replik auf einen im Ganzen doch sachlichen Angriff des Fürsten Bismarck in solche For- mm kleidete, welche den Reichskanzler geradezu in Harmsch bringen mußte. Der Vorwurf, welchen der Reichskanzler Herm Lasker machte, bestand darin, daß er die Collegial- Berfassung der Ministerien befürwortete, eine Verfaffung, die nach der Anschauung de« Reichskanzlers mit Zerfahren­heit und Anarchie gleichbedeutend ist. Unmöglich konnte Herr LaSker, wenn er in ruhiger Ueberlegung handelte, das Wort Zerfahrenheit auf sich beziehen. Es hatte doch wahrlich genügt, wenn LaSker nachgewiesen hatte, daß er nie da« kollegiale System befürwortet oder als practikabel angesehen habe. Fürst Bismarck bezeichnete dieses System M Zerfahrenheit, das war ein etwas schroffer Ausdruck für eine Sache; Herr Lasker aber nannte in seiner ver- rmglückten Erwiderung — Jeden einen „Verbrecher oder Schwachkopf", der die kollegiale Verfaffung der Ministerien fordert. Die Logik hat Herrn Lasker wohl manchmal, doch nie so schmählich im Sttch gelassen, als am 9. März. Ihn sich seine Wirksamkeit in seinem Kreise nicht verküm- mem zu lassen, macht Herr Lasker den Versuch, dem Reichskanzler daS Recht einer sachlichen Logik zu verküm­mern! Was Herr LaSker mit seiner unzeittgen und be- rechtigten Empfindlichkeit für sich erreicht hat, können wir nicht reiffen. Doch es genügt, daß er seine „Wirksamkeit"

Sie befanden sich ihm gegenüber noch dadurch in sehr ge­fährdeter Sage, daß er bet Lehrer unb OrbinarinS Ihres Sohnes ist und Sie ihm also nur schwer seine Bitte hätten abschlagen können!"

„Nein, er hat von mir kein Geld verlangt, wie käme er auch dazu?"

„Hahaha!" lachte der Andere, wie er dazu käme! „aber liebster Freund, thuen Sie doch nicht so, als wären Sie der einzige Fremdling in Rvmslan, der nicht weiß, wie es mit Dr. Härtel steht!"

„Ich verfichere Sie, Sie können einen Menschen zu wirklichem Erstaunen bringen, wenn man daran denkt, daß Sie ein offenkundiges Stadtgespräch nicht kennen. In aller Kürze gesagt, dieser Dr. Härtel hat eine ungeheure, fast unzählbare Menge von Schulden und um sich zu helfen, vergrößert er dieselben dadurch, daß et Jedermann, dessen er habhaft werden kann, ohne Rücksicht des Mets, Ge­schlechtes, der Zeit und der Gelegenheit anpumpt, ohne je an eine Rückzahlung zu denken!"

„DaS ist ja ganz enffetzlich; wodurch ist doch der Mann aber so in Schulden geraden; er scheint doch sonst sehr solide unb gemäßigt zu leben?"

„Diese zur Schau getragene Solidität ist nur der Deckmantel für sein heimliches wüste» Leben; er spielt wahrscheinlich!"

„Nein, da« ist aber großarttg; daS hätte ich dem Manne gar nicht zugetraut. Und der bewegt sich noch mit solch unverschämter Ruhe in dieser Gesellschaft?"

„Ja, diese Unverschämtheit spricht durchaus nicht zu Gunsten dieses Doctor«. Ich begreife e« auch nicht, woher er die Stirn hat, ruhig allen den Leuten entgegenzutreten, von deren Gesichtern er e« ablesen tarnt, tote sie sämmtlich über ihn deckten!"

einfachen Dienst, der den Offizieren aller Waffengattungen offen steht. Alle Jahre finden Prüfungen statt, zu denen zugelaffen werden; 1) die Offiziere aller Waffengattungen, welche au« der Ecole militaire superieure hervorgehen, die fortan den Namen: „Ecole superieure de la guerre“ trägt; 2) die Offiziere aller Waffengattungen, gleichviel ob fie die Oberkriegsschule durchgemacht haben, wenn sie nur zum Mindesten HauptmannSrang haben. Die Offiziere, welche diese Prüfungen siegreich bestehen, erhalten ein GeneralftabS- brevet. Die Einen die sich am meisten auszeichnen, werden für zwei Jahre dem Generalstab des Kriegsministers, die anderen den Generalstäben deS Armeekorps, Divisionen oder Brigaden attachirt. Diese Offiziere werden übrigens ja ihrer Spezialwaffe treu bleiben unb nur außer CabreS gestellt werben. Ihr Verweilen im Generalstab ist nur ein zeitweiliges unb sie müssen ab unb zu zu ihrer Trappe znrücKehren. Hauptsächlich in der Eigenschaft von Com­pagnie-, Schwabron-, ober Batterie- unb auch von CorpS- befehlshabern. Die Leitung de« GeneralstabS-Dienste« wird einem General anvertraut, der, wie Herr v. Molcke — möchte er es diesem auch in Erfüllung seiner Aufgabe gleich thun, — den Titel eine« GeueralftabS-Chef« der Armee annehmen wird. Die« ist die Oekonomie des neuen Plane«. Wie man steht, stellt er das preußische System in seiner gattzen Einfachheit dar."

DaS erste pofittve Ergebniß der englischen Staat«* kunst: die Zulassung Griechenland« zum Congreß fährt fort, von den liberalen Blättern Englands günstig besprochen zu werden. Die „Daily NewS"sagt: „Lord Derby'« Vor­schlag, daß das Königreich Griechenland auf dem euro­päischen Congreffe vertreten sein solle, ist der befriedigenste Schritt, den die Regierung feit dem Beginn des Kriege« gethan. Es mag al« ein Zeichen dafür betrachtet werden, daß die Regierung anfängt einzustheii, daß das Verfahren, ' bie "YMMächsenden National de« Oriente« mit einander zu versöhnen und befreunden, daS richttge ist, welches die englische Politik einschlagen sollte." Die „Times" schreibt: „Es würde nutzlos sein, die Thatsache zu verheimlichen, daß der Vorschlag, Griechenland am Congreffe theilnehmen zu lassen, eine ungeheuere Abweichung von der alten Tra­dition Englands ist. Er bedeutet, daß die Türken aufge­hört haben, die Elemente eine« Staates zu liefern, der hin­reichend groß und ftabil ist, um den Frieden aufrecht zu erhalten. Er bedeutet, daß die christliche Majorität in Epirus, Thessalien und Kreta ein ebenso gutes Anrecht auf Selbstverwaltung hat, als die christliche Majorität in der Bulgare!. Er bedeutet, daß wenn Rußland ein slavisches Bollwerk in der Bulgare! errichten sollte, die westlichen Staaten VertheidigungSwerke in den Provinzen errichten müffen, die durch Verwandtschaft der Race und Kultur

««eigen nimmt entgegen: feie Expedition «.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von Td- Dietrich & Co. in gaffel unb Hannover; Th. Dielrich in Frankfurt a2DL; üaasenstein * Logier in Frankfurt a. M., Berlin, grillig, Edin ec.; Rudolf i Hoffe in Berlin, Frank- ' futt a. M- ic.