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JRarßurg, Sonnabend, 16. März 1878
xni. Jahrgang.
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Tagesbericht.
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8.
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tyetgen nimmt entgegen:
A Expedition b. Blatte«, ‘ «sie d.Annoncen-Bureaur ulh ggg Th. Dietrich & Co. in beit jtafel unb Hannover; Th.
aus diesem Grunde näher an die Küsten des Marmara- meeres und des Bosporus gerückt. — Ein Pester Corre- spondent der Kölnischen Zeitung hat zum Theil die Interessen der österreichisch-ungarischen Monarchie, wie Graf Andrassh sie in der ungarischen Delegation desinirte, in Erfahrung gebracht. . Andrassh formulirte sie in sieben Punk- ten. Die ersten sind: „Sofortige Räumung der Bulgarei bis auf die bulgarische Küste, autonomer tributärer Staat nur bis zum Balkan, der zweite bulgarische Staat bleibt unter der Pforte, für den Fall einer Revolution erhält Oesterreich das Recht der Besatzung in Serbien, Bosnien und der Herzegowina. Die drei anderen Punkte sind noch unbekannt."
schien auch jetzt, nachdem Härtel seine Rede beendet, totr nicht Worte genug gefunden zu habm, denn ieg beharrlich.
Der Leonberger.
Humoreske von A. Oskar Klausmann.
(Fortsetzung)
4.
Man pflegt die Fama, die Göttin, Bewahrerin und Beschützerin der Klatschsucht, hundertzüngig zu nennen und mtt vollem Recht; man behauptet außerdem, sie habe unzählige Ohren und Augen und diese Ansicht glauben wir bckämpfen zu müssen. Wer jemals von unseren lieben Mit- und Nebenmenschen in der traurigen Lage war, die Bekanntschaft jener interessanten Dame in passiver Weise zu machen, der wird uns vollkommen Recht geben, wenn wrr behaupten, man könne sich die Fama wohl mit hun- dert Zungen, aber nebenbei einäugig und schwerhörig vor- ftellen, denn darin beruht ja eine der Spezialitäten der
und den Klerus einen viel größeren Nachtheil hat als für den Staat, welcher im Besitze aller Mittel der Abwehr ruhig warten kann.
Der Congreß bildet selbstverständlich in den polittschen Kreisen Berlins den Mittelpunkt des Gesprächs und selbst die innere Frage, die letzte Audienz deö Finanzministers beim Kaiser und die Differenz zwischen dem Fürsten Bismarck und oem Abg. Lasker werden dadurch in den Hintergrund gedrängt. Bon allen Seiten richtet man die Frage was nui^auö der Conferenz werden solle; aber Niemand ist im Stande schon jetzt einen definitiven Aufschluß zu geben. Es heißt man müsse abwarten, bis bei den auswärtigen Mächten eine definitive Einigung erzielt wäre, und Niemand weiß anzugeben, wo hinaus das Alles zum zum Schluß führen wird. So viel steht wohl posittv fest daß die deutsche Regierung den Anfragen des Grafen An- drassy gegenüber sich nicht nur bereit erklärt hat, den von Oesterrerch-Ungarn angeregten Congreß zu beschicken, sondern daß sie sich auch bereit erklärt hat, dem Congreß in den Mauern der Haupsstadt des deutschen Reichs, eine Zufluchtstätte zu gewähren. Alle anderen Meldungen, sofern sie über diese Grenzen hinausgehen, sind als Combi- nationen zu bezeichnen und widersprechen den thatsächlichen ■ -rhaltmssen. Namentlich ist aber demjenigen Gerücht ent- schreden entgegen zu treten, welches der Annahme Verbreitung girbt, daß die deutsche Negierung bereits an die Großmächte habe Einladungen ergehen lassen. Bevor die deutsche Negierung sich zu einem derartigen Schritt veranlaßt sieht, find noch so viel einzelne Vorverhandlungen zu erledigen, daß eine derartige Nachricht mindestens als verfrüht bezeichnet werden muß. Trotzdem aber sind die mit dem Auswärtigen Amte in Verbindung sichenden polttischen Kreise der Reichshauptstadt der MeinuG daß die scheinbar noch vorhandenen Schwierigkeiten in der allernächsten Zeit zwischen den betreffenden Großmächten ausgeglichen sein werden und daß dann dem Zusammentritte des Congresses kein Hin- derntß mehr im Wege steht.
Die Bewegung der russischen Streitkräfte näher nach der türkischen Hauptstadt zu, sowie die Bewegung der enq- lischen Flotte im Marmara-Meer, ferner die in Aussicht gestellte Verstärkung der in den Dardanellen postirten Ab- thetlung der englische Flotte sind geeignet, Befürchtungen zu erwecken und der Situation wieder einen unfreundlicheren Charakter beizulegen. Bis jetzt fehlt jeder Anhalt für Re Beurtheüung der Veranlassung zu diesen Maßnahmen Em Telegramm aus Pera, vom 12. d./ meldet, daß ein Thetl der russischen Infanterie sich alsbald nach Odessa emschiffen werde; vielleicht sind die russischen Truppen
„Wollen Sie die Freundlichkeit haben?" frua ihn abermals Härtel. * 1 9 v
„Gewiß, gewiß!" antwortete Scharff, „gewiß, wie können Sie nur zweifeln? Es wird mir selbstverständlich ^-.^^rordentlicheS Vergnügen sein, Ihnen diese kleine Gefälligkeit zu erweisen, aber ich muß Ihnen leider gestehen, daß ich im Augenblicke, so leid es mir timt, nicht iss der Lage bin, Ihnen das Geld geben zu können. Sie wffsen,. die Geschäfte gehen außerordentlich schlecht, selbst iöir größeren Kaufleute können uns nur durch die bedeutendsten Opfer über Wasser halten; es ist daher gefährlich, eine so bedeutende Summe wie dreihundert Mark auf einmal aus dem Geschäft zu ziehen, was ich aber thuen müßte, da ich das Geld wirklich nicht disponibel habe. Aber ich werde Ihnen später einmal, wenn die Zeiten erst wieder besser werden, gefällig sein können, bis dahin bitte ich Sie mich zu entschuldigen. Ich empfehle mich Ihnen bestens' War mir sehr angenehm! Adieu!"
Mit auffallender Hast, als fürchte er eine drohende Gefahr, entfernte sich Scharff.
Härtel blieb mit unbeschreiblichen Gefühlen zurück.
Man erzählte es sich, natürlich immer unter dem Siegel der höchsten Verschwiegenheit, daß Dr. Härtel der Ver- zwnflung nahe sei, weil er von seinen Gläubigern dermaßen gedrängt werde, daß ihm eigentlich nicht mehr die eigenen Haare auf dem Kopfe gebörten; daß Dr. Härtel doch eigentlich_ ein sehr unsolides Leben führen und ein heim- licher Spieler, Schlemmer, Zecher und Wüstling sein müsse, dmn sonst sei es doch ganz und gar undenkbar, wie der Mann zu Reser immensen Menge von Schulden gekommen stm könne; man erzählte es sich, daß die Moral und der Charakter Dr. Härtels keineswegs unangeft-essen und makellos sein muffe da er in frivolster Weise jeden Menschen, dessen er habhaft werden könne, anpumpe und nicht an Rückzahlung denke, so daß es gefährlich sei, ihm anders
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.Blatte«, sowie b Ännoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co in Frankfurt a. M.; Jägers che Buchhandlung bafelbft; Hermann'sche Vuchhanbl. ♦ bafelbft; Invalibenbank in
Berlin; W. Tdienes in
Elberfeld • C Schlotte in
. ----- Bremen
M. m u. «Wit«» >. ss*au *»" s»"'«
Dietrich in Frankfurt a.M.; Msenstein & Vogler in ranlfurt a. M., Berlin, chzig, Cöln rc.; Rubols loffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
tt lDie Meldung der Agenzia Stefani, Leo XIII. beabsich- (. f einen Spezialgesandten nach Berlin zu senden, um l6flpi eines besseren Verhältnisses der Kurie mit Preußen 3 jAterhandeln, eilt den möglichen Thatsachm ein gutes ’' F Weges voraus. Bisher hat eine förmliche Anzeige ^Thronbesteigung" von päpstlicher Seite nicht stattge- wohl aber hat der neue Kardinalstaatssekretär hcsMi in einer Weise Anknüpfungen einzuleiten versucht, ygM der Erwartung Raum geben, es werde ein modus von päpstlicher Seite gefunden werden, um einem Mde ein Ende zu machen, der für die römische Kirche
Herr Scharff!" brachte mühsam Härtel hervor, 1 er consequent in eine Zimmerecke sah, „ich muß es aufrichtig gestehen, daß ich mich in außerordentlich tt Verhältnissen befinde und daß meine finanzielle fast eine verzweifelte ist. Meine Schuld ist es nicht; 'e als gänzlich mittelloser Mensch meine Studien ■ eil Ken und fortsetzen müssen und jetzt, nachdem ich erst ni# w einkömmliche Stellung gelangt bin, sangen mich eil« Gläubiger in fürchterlichster Weise zu quälen an. jtti lichte, wenn ich sie nichi befriedige, in die schlimmsten
i stnheiten zu gerathen und doch wäre mir für den [$ kbiick geholfen, wenn ich dreihundert Mark zu meiner Mon hätte. Herr -scharff, es fällt mir sehr schwer, L*. Kot diesen Gefallen zu ersuchen, aber wollten Sie Wirklich aus meinem Kummer reißen und mir diese «e, die ich Ihnen durch monatliche Wschlagszahlungen ,i «statten will, vorstrecken, ich würde Ihnen Seit £ 5 Lebens dafür dankbar sein!"
' »durch, daß Härtel in feiner Verlegenheit fortwährend tr, Zimmerecke gestarrt und nicht ein einziges Mal Honen Wilhelm" angesehen hatte, war es ihm voll- »t entgangen, daß seine Rede in dem Antlitz des eine gewaltige Veränderung hervorgerufen hatte.
Rn, Bestürzung und Verlegenheit matten sich ab- R in demselben.
TeulscheS Reich.
•• Berlin, 14. März. Die „Vosstsche Zeitung" von gestern behauptet, eine vom literarischen Bureau ausgehende Correspondenz habe erklärt, Re Annahme, daß Herr von Bennigsen der Nachfolger Camphausen's werde, stütze sich nach wie vor aus die Voraussetzung, daß derselbe der Mann sei, die Steuervorlagen zu einem guten Ende zu fuhren; dagegen ist zu bemerken, daß ein solcher Satz in keiner vom literarischen Bureau ausgehenden Corresponoenz gestanden hat, daß überhaupt diese Corresponvenzen nie-' mals die Möglichkeit und die Aussichten einer Bennigfen'schen oder anderen Minister - Eandidatur erörtert haben. Was unsere frühere Angabe betrifft, daß augenblicklich Personalveränderungen nicht unmittelbar bevorftänden, so scheint inzwischen eine Entscheidung insofern näher gerückt, als der ^manzminifter Camphausen dringender als zuvor auf seinem Abschied besteht; während bis daher angenommen werden Rirfte, daß dersette, nachdem fein Entlassungsgesuch vom Kaiser nicht bewilligt worden, jedenfalls die Berathung der Steuervorlagen in der Budgetkommiffion erwarten werde, scheint Camphausen seitdem durch einzelne parlamentarische Anzeichen, welche die Möglichkeit seines Bleibens in Frage stellen, zu dem Wunsche einer schnelleren Erledigung feiner Angelegenheit bestimmt worden zu sein. Da es jeooch aus naheliegenden Gründen erwünscht sein mag, die Entschließung über die Neubesetzung des Finanzministeriums nn Zusammenhang mit anderweitigen noch ausstehenden Personal-Entscheidungen zu fassen, so bleibt immerhin möglich daß die Gewähr der Entlassung des zeitigen Finanz- MlNlsterö noch eine kurze Zeit vertagt bleibt. Wie man sich erinnert, läuft der dem Minister des Innern, Grafen Eulenburg, ertheilte Urlaub int Monat April ab, der Wiedereintritt desselben steht nicht in Aussicht, somit ist demnächst auch über die Neubesetzung des Ministeriums des Innern die definitive Entscheidung zu treffen. — An Göttin, daß sie falsche Nachrichten in Folge mangelnder Kenntnlß oder mangelnder Beobachtung verbreitet.
^.Bekannt ist es ferner ebenfalls genugsam, daß es gewöhnlich unmöglich ist, die Spuren eines plötzlich entstandenen Gerüchtes zu ergründen; daß es unmöglich ist die Quelle zu entdecken, aus der der trüb dahinfließende, vergiftende Bach persönlicher Verläumdung enfftand.
ri^S°fto-?rVabtnn aw$> Ding vollkommener Unmöglichkeit festzustellen, wie m Nomslau das Gerücht entstan-
Jc*' das man sich als offenbares Geheimniß zurauute: nämlich das Gerücht, daß Dr. Härtel so entsetzlich viel Schulden habe und in solcher Geldverlegenheit sich befinde, daff selbfi der bekannte Dalles, an dem der Beherrscher der Gläubigen, der eultan, zu leiden pflegt, nur eine Kleinigkeit dagegen sei.
a Dr. Härtel ahnte es nicht, daß überhaupt dieses Thema hntter semem Rucken das Tagesgespräch bilde; er ahnte noch weniger, m welcher Art und Weise dieses Theama dlscutlrt wurde. v
Der Reichskanzler hat dem Bundesrath eine Denkschrift qehen lassen über das Vorkommen der Rinderpest in wtschland während der Jahre 1872—1877 und über • t bei den Maßregeln zur Abwehr der Seuche gemachten E rfahrungen, die Denkschrift zerfällt in vier Abschnitte. I it gi-bt eine Darstellung der Rinderpest-Invasionen wäh- nb der Jahre 1872—1877, wendet sich dann zu einer i iatiftlk der Verbreitung der Rinderpest und der durch fttre herbeigeführten Viehverluste und verursachten Kosten, io tam ju einer Betrachtung über die Einschleppung der inberpeft in Deutschland und Verbreitungswege derselben d endlich zu einem Hinweis über die Verwendung und Jfr Währung der Maßregeln gegen die Einschleppung, sowie fm die Weiterverbreiterung der Mnderpeft. Aus bei mkschrift geht u. A. hervor, daß die Ausführung des jktzes vom 7. April 1869 bis zum 1. April 1877 dem 7" He einen Baaraufwand von zusammen 3,701,965 Mk. .2? »sacht hat, also durchschnittlich im Jahre 462,475 Mk.
i t durch die Rinderpest verursachten Verluste belaufen jährlich mindestens auf 2'/2 Mill. Mk. Am besten Abwehr der Pest haben die Represstvmaßrcgeln sich ährt. Die Unterdrückung der Seuche ist selbst unter Mstigen Verhältnissen immer binnen furer Zeit ge- jttt. Daun heißt es u. A.: „Wo die vorgeschriebenen ßregeln energisch und mit Umsicht durchgefüyrt sind, ist Tilgung der Seuche immer schnell gelungen, als sehr hchenswerth hat sich herausgestellt, daß die Leitung des
ilvaMugsversahrenS immer in die Hand von besonderen 131 Missarien gelegt und daß namentlich die Einwirkung 1. tzialischer Behörden möglichst beschränkt wird, um Verjüngen der nothwendigeu Anordnungen zu verhindern.
—। in überall beim Ausbruche der Seuche schnell und enex- uL ein eschritten und namentlich die AuMhr von ver- ägem Vieh verhindert wird, bann sind Einfuhrbeschrän- Nm zwischen den einzelnen Bundesstaaten niemals er- ^ßerlich."