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xni. Z-Htzrag.

IRarÖurg, Freitag, 15. März 1878

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Ein guter Schritt vorwärts

in der Reichsverwaltung.

Tagesbericht.

Die Dauer der Nachsession des Landtages veranschlagt dieProv.-Corresp." auf kaum weniger als 14 Tage. An anderer Stelle erwähnt dieselbe den am 11. d. durch Se. Majestät den Kaiser erfolgten Empfang des Minister« Camphausen, dessen Abschiedsgesuch bisher nicht genehmigt worden sei.

Nach den Informationen derD. N." sei alle Ursache anzunehmen, daß die vor einiger Zeit in Umlauf gesetzten Gerüchte über eine Auflösung des Reichstages demnächst in bestimmterer Form wieder auftreten dürsten. Es ist die Möglichkeit näher gerückt, daß man sich in den maß­gebenden Kreisen zu einer Auflösung entschließt, sobald durch die gegenwärtige NeichStagssession eine Verständigung über die Steuerfrage nicht erzielt wird. Alle Aenderungen im Personalbestände dürften verzögert werden, bis die Er­gebnisse der Session seststehen Die alsdann vorzunehmen­den Ernennungen dürften aber entschieden mit den Tra­ditionen der letzten Jahre nicht brechen.

Die orientalische Frage ist eigentlich um keinen Schritt weiter ihrer Lösung zugeführt und der Wortlaut des Frie­densprogramms ist noch immer nicht bekannt, nicht einmal den leitenden Ministern der Großmächte. Erst wenn die Ueberbringer des Friedensmanifestes, General Jgnatieff und Reouf Pascha, die von Odessa aus nach Petersburg abge­reist sind, dem Kaiser Alexander in Petersburg persönlich dasselbe eingehändigt haben, soll der Wortlaut veröffenüicht werden. Inzwischen geschieht auf der Balkanhalbinsel aller­lei, waS die Verhandlungen des beabsichtigten Congresses zu verschieben und zu verwirren, sowie vollendete Thalsachen zu schaffen geeignet ist. Die Russen richten sich in Bnl- gatten wohnlich ein und obgleich der erste Organisator der Verwaltung Bulgariens, Fürst Tscherkaßki, plötzlich durch den Tod ein Schlagfiuß raffte ihn dahin seiner Thätigkeit enttissen worden, geht eS mit der Organisirung und Neueinrichtung des Landes ruhig weiter, und russische«

Handlung der Sache im Reichstage augenscheinlich von großem Gewicht und Einfluß gewesen.

Im voraus konnte es scheinen, als sei die übertriebene politische Tragweite, welche der Vorlage von vornherein ge» geben worden war, durch die jüngst vorhergegangenen Be- rathungen des Reichstages und deren Ausgang für den Augenblick noch gesteigert worden.

Die liberale Partei hatte die Frage und deren wünschens- wetthe Lösung in engem Zusammenhänge mit der Behand­lung der Finanz- und Steuerreform im Reiche und mit den gleichzeitig erstrebten weiteren Organisationsverände- rungen auffafsen zu müssen geglaubt. Als nun die erste Berathung der Steuervorlagen mit einem anscheinend scharfen Gegensätze zwischen den Bestrebungen der Regierung und der Mehrheit des Reichstages schloß, da galt es als unver­meidlich, daß die Parteistellungen bei der Erörterung der Stellvertretungsvorlage zu weiterem und bestimmterem Aus­drucke gelangen würden, um so mehr, als diese in einem wichtigen Punkte allerdings die künftige Behandlung der Finanzsragen des Reiches berühtt.

Um so erfteulicher ist es, daß der Reichstag in seiner großen Mehrheit, ungeachtet mancher lebhaften, politischen Auseinandersetzungen, welche sich an die Berachung knüpften, doch die Vorlage selbst lediglich nach ihrer unmittelbaren praktischen Bedeutung unv Nothwendigkeit ins Auge faßte und sich in seinen Beschlüssen nur von dem Gesichtspunkte leiten ließ, das Zustandekommen des an sich unbedingt er­forderlichen Gesetzes nicht durch den Streit über besondere politische Wünsche zu gefährden.

Dieselben conservativrn und liberalen Parteien, welche durch ihr Zusammenwirken mit der Regierung seit der Gründung des Norddeutschen Bundes alle Fortschritte des Verfassungslebens gefördert haben, sind auch dieSnial fest und geschloffen für die volle Sicherung und weitere Ge­staltung der Reichsverwaltung eingetteten.

Wenn das, was durch das neue RrichSgesetz erreicht ist, hinter den Parteierwartungen zurückbleibt, so ist es doch keineswegs nur einNothbehels", sondern es ist damit zur rechten Zeit geschaffen, was für die Reichsver­waltung dauernd Noth thut.

Das Gesetz giebt nach den Worten eines liberalen Blattes, zunächst die Möglichkeit, den Fürsten Bismarck dem Reiche zu erhalten, ihm eine Schonung seiner Kräfte zu gestatten, welche ihn hoffentlich noch lange Jahre in den Stand setzen wird, in einheitlichem Geiste die Oberleitung des deutschen Reiches zu führen." Das Gesetz ermöglicht überhaupteinen guten Fortgang der Geschäfte und der Entwickelung der Gesetzgebung für die noch vorhandenen Lücken, ohne die harmonische Einheit zu gefährden. DaS Gesetz hat ferner die Schwierigkeiten beseitigt, welche von

Mit jenen überttiebenen politischen Deutungen hing es men, daß man eine Zeit laug annehmen zu dürfen e die Vorlage werde im Bundesrathe auf erheblichen itanb stoßen, und möglicher Weise zu tiefgehenden Irrigkeiten zwischen den verschiedenen Reichsgewalten Diese Voraussicht hat sich glücklicher Weife nicht ißt: die Vorlage ist in ihrer großen prattischen Be­ug von sämmtlichen Bundesregierungen erkannt wor- was sich auch in der Bethettignng der Minister der n Staaten an der Berathung im Bundesrathe belhä- aber das gemeinsame Stteben war alsbald darauf chtet dem als dringend erkannten geschäftlichen Bedürf- eine möglichst vollständige und allseitig wirksame Ab- im Rahmen der bestehenden Reichsversassung zu ge- Daß der Reichskanzler selbst die Frage von vorn ff-Jtin'in diesem Sinne aufgefaßt und behandelt zu sehen Wichte hat er bei der ersten Berathung der Vorlage im "Ächrrage ausdrücklich betont, indem er versicherte, daß A bei derselben der Gedanke, daß daran sich eine Ver- Angsändernng oder die Begehrlichkeit nach einer Ver- Atgsändernng knüpfen könnte, ganz außerordentlich fern Nro habe. .

, Die volle Uebereinstimmnng, welche un Bundesrathe >*k das Wesen und Ziel, sowie über die Gestaltung des reMurf«' im Einzelnen erreicht war, ist auch für die Be-

Der Leonberger.

Humoreske von $1. Qskar tklausmann. iFortsetzuug)

Konstanze einmal in Gegenwatt der ganzen Gesellschaft blos zu stellen. Sie gelten so viel, daß es Ihnen ein Leichtes sein wird, auch sie zu unserer Verbündeten zu machen 1"

Hätte! erröthete heftig, als Scharff den Namen Kon- stanze's genannt hatte; dann rrwiederte er:

Sie sind sehr liebenswürdig Herr Scharff und ich wäre recht gern bereit, Ihnen an Dr. Wernitz eine kleine Rache zu verschaffen, trotzdem er mein College ist und ich an ihm nicht so unchristlich handeln dürfte; aber ich weiß nur nicht, wie Sie sich die Ausführung dieses Racheplän- chens denken oder vielmehr welches eigentlich Ihr Rache­plan ist?"

Ach!" erwiedette Scharff, darüber mache ich mir keine Sorgen, Sie werden schon das Nichtige finden, wenn Sie mir nur helfen wollen. Ach bitte liebster Herr Dottor, versprechen Sie mir beizustehen und ich will Ihnen gern jeden Gefallen thun; sollte er mir noch so schwer fallen und wäre er auch noch so groß. Nehmen Sie hier mein Wott darauf!"

Durch Härtels Kopf zuckte eine Idee.

Ich werde thun, was in meinen Kräften steht," er­widerte erund was Ihr soeben gegebenes Wort anbetnfft, so werde ich mich dessen im gegebenen Momente erinnern und seine Erfüllung von Ihnen fordern!"

Thuen Sie es!" sagte Scharff mit großer Wärme, chun Sie e«, aber recht bald, wenn ich bitten darf, um Ihnen meine Bereitwilligkeit so rasch als möglich zeigen zu können; oh ich wünschte, ich könnte Ihnen jetzt in die­sem Augenblicke einen recht großen Gefallen erweisen."

Härtel war es als höre er Sphärenmusik. Derschöne Wilhelm" war augenscheinlich von dem gütigen Geschick zu seiner Rettung auöerwählt und ihm im Augenblicke höchster Noth gesendet worden. Diese günstige Gelegenheit

Natürlich!" denken e>ie sich, er lachte mich gestern Wend bei Fran von Feldberg ans; daß ich in einem so veralteten Shlips Herumlaufe, erklärte mir, es gäbe eine neue SensattonsfaconTschernajeff", von der ich absolut keine Ahnung habe; ich gerache in die unglaublichste Auf­regung, besonders da er mir droht, heut schon mit dem Shlipse auszugeheu; ich stürzte fort von Frau von Feld­berg. Sie werden doch mein aufgeregtes Wesen bemettt haben."

Allerdings!" bestätigte Dr. Härtel.

Telegraphire noch gestern Abend an meinen Kleider­lieferanten in der Residenz, damit er mir durch umgehende Eilsendung einenTschernajeff-Shlips" zukommen läßt und nun depeschirt er mir heut morgen zurück, es gäbe gar keine neue ShlipsfaconTschernajeff", ich sei wahrscheinlich mystificirt. Denken Die sich diese Bosheit von Dr. Wernitz, ich hätte den Tod von dieser Aufregung haben können. Wenn ich nicht zum Mindesten in eine schwere Krankheit verfalle, so verdanke ich das meiner kräftigen Gesundheit. Oh r« ist über alle Beschreibung boshaft von diesem Wer­nitz, aber ich will mich rächen!"

Wie wollen Sie denn da« aber ansangen, frng Hätte! erstaunt.

Ja das weiß ich vorläufig selbst noch nicht!" erwie- derte Scharff,aber ich hoffe Die werden mir helfen und deshalb komme ich zu Ihnen!"

Zu mir?" frug Hättet erstaunt.

Ja wohl zu Ihnen!" erwiederte Scharff,Sre sind die geeignetste Persönlichkeit, um Dr. Wernitz einmal exem- plattsch für alle seine Boshetten, die n seit Jahren be­gangen, zu züchtigen."

Mir sehr schmeichelhaft, daß Sie diefeS Vertrauen in mich setzen, wenn ich nur wüßte, wie ich eS rechtfertigen soll?"

Dadurch, daß Sie mir helfen Dr. Wernitz bei Frau

Seiten der Verfassung der Schaffung selbstständiger ReichS- verwaltungs-Refforts bisher im Wege standen." Es ist endlich ermöglicht, daß die nothwendige Verbindung zwischen dem preußischen Ministenum und insbesondere dem preu­ßischen Finanzministenum und Vicepräsivium aus der einen und zwischen der Reichsleitung und den Reichsfinanzen aus der anderen Seite hergestellt werde."

So ist denn in der That mit dem Stellvettretungs- gesetzeein guter Schritt vorwättS gethan" für die feste und ersprießliche Organisation der Reichsverwaltung. (Pr.-C.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte«, sowie d.Ännoncen-Bureaux Bon ®. L Daube & Co in Frankfurt a. M.; Jäger'! che Buchbandlunq daselbst; Hermann'sche Buckhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. TdieneS in Elberfeld- E Schlotte in

Bremen

Die Vorlage wegen der Stellvertretung des Reichskanz- k hat" der Gestalt, welche ihr der Bundesrath gegeben tau 1die Zustimmung des Reichstages erlangt, und ist einer Mehrheit von 171 gegen 101 Stimmen ange-

lfl< tzs überlief ihn katt, wenn er daran dachte, tote er blamirt vor ganz RomSlan, verurtheilt von allen m Zungen- dastehen würde und doch, was konnte er : k, um dies zu verhindern?

n< Wäre er in diesem AugeMicke tut Besitz von hundert , timt gewesen, et hätte sich geholfen, aber woher hun- 4-_ t Maler nehmen. ES kam ihm ein großer Gedanke ' konnte sich das Geld borgen! Aber von wem?

Guten Tag Dottor!" sagte in diesem Augenblicke 'schöne Wilhelm." Sie haben mein Klopfen uber- 4, Sie scheinen tief in Gedanken vetsunken zu sein, störe

«rigen nimmt entgegen: StoeMtion ».Blatte«, LjeKilnnoncen-SSurettur g Th. Dietrich & Co. in m und Hannover; Th. ^ichin Frankfurt a.M.; ttatftein & Bögler in etfurt a. M., Berlin, Eg, Mn ic.; Rudolf 3e in Berlin, Frank-

tttoa ?"

».Sh durchaus nicht! Seien Sie willkommen! Ent- «bißen Sie, daß ich Ihr Klopfen überhötte; bitte Sen Sie nicht Platz nehmen?"

Was giebt'S denn?

!Ich finde es ganz unverantwvttlich, unbezeicheubar, en Menschen so zu ärgern, in Angst zu scheu und um 2 le ganze Ruhe zu bttngen; was glauben Sie, ich habe 1 ganz'Macht nicht geschlafen, ich habe mich halb todt V ub hätte die Schande nicht überlebt"

Aber verehrter Herr Scharff, ich verstehe Sie nicht!" ;$itte sehr, Sie werden mich gleich verstehen, Ste wer- t mit mir fühlen, Sie werden verstehen, wie sehr ich hgftigt war, wie ich Grund habe, empört zu fern, ganz litt mir zu sein. Oh, dieser nichtswürdige Wernitz

Ah Wernitz!" sagte Dr. Hättet fast erleichtert, denn I aufgeregte Wesen de-schönen Wilhelm sch-tn ihm Kgstigend,also Wernitz hat Sie so gekränkt?"

, fort a. M. ic

, ^scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSßlatt" durch die Expedition (Koch'fche ' Buchdruckerei- bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr-. Jnsertionsaebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

raten worden.

Die große geschäftliche Wichtigkeit des Entwurfs für Mge Leitung und Entwickelung der gesammten Reichs- $ mar von vornherein überall erkannt worden: auf al nchrn Setten hatte sich an dieselbe freilich, wie der ReichS- lltrier hervorgehoben hat, ein Überraschend gesteigertes « von polittschen Befürchtungen einerseits, von politi- n Wünschen und Hoffnungen andererseits geknüpft.

litt Weder die Vorlage selbst und chre amtliche Begrün- ig, noch auch die Art und Weise der Ankündigung der- yi in der Eröffnungsrede des Reichstages hatten zu ter Beurtheilung Anlaß gegeben: nur dieAusfüllung kr Lücke in dem Wortlaut der Verfassung" war mit n Gesetzentwürfe beabsichtigt, welcherdie Zulässigkeit - Vertretung des Reichskanzlers in der Gesammcheit t'S K Amtsthätigkeit oder in einzelnen Zweigen derselben

dem Recht der Gegenzeichnung außer Zweifel stellen"