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Marburg, Mittwoch, 13. März 1878
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gesunden, auch dieser Erleichterung entbehrt für >ßen der Uebergang. Nur die Betrachtung, daß dem »Sgerichte, weil ihm die höchste Rechtssprechung im m Gebiete des deutschen Reiches gebührt, eine um-
Finanzkasse zur Zeit als eine fast übermächtige dar. Wollte England neue Anleihen machen, so könnte es schon aus der Wiedereinführung der Zuckerzölle die Zinsen für 3 Milliarden Mark aufbringen. Leider wirst die Ermittelung des Herrn Giffen kein Licht auf die Vertheilung des gestiegenen Nationalvermögen» auf die verschiedenen Klassen der Bevölkerung.
Die englische Regierung läßt die Behauptung, daß Verhandlungen über eine englische Occnpation Egypten» stattfinden, energisch dementiren. Soweit wir indeß die Tagespresse übersehen können, ist etwas derarttges nicht behauptet worden. Dagegen wird die Vorliebe Englands für die Occupation Egyptens wohl kaum bestritten werden können.
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je des Halses!"
„£) mein Gott, sollte ich mir einen Fleck in das Che- Re gemacht haben, ich wäre außer mir!" Dabei verte er verzweifelt unter sein Kinn zu sehen, waS ihm «rlich nicht gelang.
Tratsches Reich.
•• Berlin, 11. März. Die Ministerlisten, die stch in ziemlicher Anzahl in den heutigen Blättern finden, entbehren sämmtlich jedes Grundes. Es ist in diesem Augenblick von Personalveränderungen überhaupt nicht die Rede, so lange nicht die schon erwähnten ReichstagSsesfionSvor« lagen, nämlich das Stellvertretungsgesetz, die Schöpfung
Der Leonberger.
Humoreske von A. Oskar Klaus mann.
(Fortsetzung)
Tagesbericht.
Mr meldeten vor mehreren Tagen daß der Gesund- ustand des Reichskanzlers gegenwärtig so angegriffen daß derselbe baldigst sich wieder auf das Land zurück- n werde. Wie wir jetzt hören, soll Fürst Bismarck Absicht haben, schon am Mittwoch oder Donnerstag (in wieder zu verlassen. Der Fürst wird sich mit der ilie nicht nach Varzin, sondern zunächst nach Friedrichs- begeben, und von dort nach etwa 14 Tagen wieder in (in eintreffen, um die Berathung der mehr erwähnten tischen Conferenz der europäischen Großmächte zu leiten.
Der Präsident des Reichstags will dem Abgeordneten- se nur bis zum Dienstag der nächsten Woche Zeit zu rthungen lassen, und dann wieder täglich unausgesetzt ungeu halten. Herr von Bennigsen dagegen beansprucht die Landtagssitzungen wenigstens die ganze nächste Woche. Abgeordnetenhause harrt das Justizausführungsgesetz Berathung, während dem Reichstage das Gerichtskostenunterbreitet worden ist. Dasselbe muß schleunigst erster Lesung berathen werden. Die Beschlußfassung über erfolgt am Mitttvoch.
Noch ein Gedanke, verkaufen Sie mir diesen neuen Shlips, ich zahle Ihnen jeden Preis, Doktor!"
„Nicht um eine Million ist er mir seil! Auf Wiedersehen, morgen mit dem neuen Shlips!"
Er wandte sich und ging, Scharff verzweifelnd zurücklassend, der mit dem herzzerreißenden Seufzer „Tschernajeff" in da» Fauteuil zurück sank
Dr. Wernitz aber fühlte stch schier erleichtert, daß er diesen Modegecken so gekränkt und ging neue Opfer zu suchen. Ein solches war bald in dem melancholischen Rittmeister Pietsch gefunden, der noch immer neben dem musikalischen Jammerkasten saß und noch immer Thee mit Rum resp. Rum mit Thee trank. Er sah noch melancholischer aus als sonst und glich einem leidenden Märtyrer. Fast hülfeflehend blickte er sich um, als er den entsetzlichen Wernitz auf sichzukommen sah; aber Niemand eilte herbei.
„Nun so melancholisch mein lieber Herr Rittmeister?" begann Wernitz; „so melancholisch heut am Freudeutage?"
„Freudentage?" srug matt Rittmeister Pietsch.
„Allerdings Freudentage; haben Sie da» Militär- Wochenblatt nicht gelesen?"
Rittmeister Pietsch sah so rührend traurig aus und hatte so gläserne Augen, daß jeder andere Mensch auf diesen Zustand Rücksicht genommen hätte; aber Wernitz reizte das erst recht.
„Habe ich mich doch sogar gefreut," fuhr er fort, „daß Ihre beiden Freunde, von denen Sie uns soviel erzählt und mit denen Sie zusammen Fähnrich gewesen, von Lü- deritz und von Spomer, zu Oberstlieutenants befördert worden sind. Ich denke, das macht doch jedem Freude, Leute, mit denen man zusammen seine Karriere begonnen, Fortschritte machen zu sehen!"
Pietsch schwieg, dieser Bosheit gegenüber, die ihn in so rücksichtsloser Weise daran erinnerte, daß er wiederum
für die Preußischen Landesangehörigen eine beruhigende und versöhnende Ausgleichung anzubähnen. Aber wenn einmal im Wege der Landesgesetzgebung der höchste Gerichtshof aufgehoben werden muß, dann wäre zu verlangen gewesen, daß zur Ausübung seiner nicht auf das Reichsgericht übertragenen Funktionen in dem Gesetze sofort die neuen Organe eingesetzt würden. Wer soll die von den Ober- tribunalsräthen wahrgenommenen Funktionen bei dem Dis- ciplinarhofe, dem Gerichtshöfe für kirchliche Angelegenheiten, dem Gerichtshöfe zur Entscheidung der Kompetenzkonflikte ferner wahrnehmen? Welcher Gerichtshof soll künftig in letzter Instanz in Disciplinarsachen gegen richterliche Beamte, in Landeskultursachen, in den zur Zuständigkeit des Geheimen Juftizraths gehörigen RechtSstreitig- keiten entscheiden? Weil die Schwierigkeiten für die Neuorganisation groß sind, wird die Regelung aller dieser Verhältnisse späteren Zeiten und späteren Gesetzen Vorbehalten. Die jetzt vorliegenden Bestimniungen erweisen stch noch als lückenhaft. Es bleibt dies zu beklagen, aber von Seiten der Landesvertretung nicht zu ändern. Sie muß sich in das Unvermeidliche schicken.
Ueber den Reichthum Englands schreibt die deutsche volkswirthschaftliche Correspondenz: Wem es noch ein Ge- heimniß war, daß England der Riesenschwamm ist, welcher seine freihändlerisch unterworfenen Provinzen — zu denen auch Deutschland gehört — finanziell aufsaugt, dem wird die Richttgkett dieser Thatsache sofort einleuchten, wenn er einen Blick auf die Zahlen wirst, welche der englische Statistiker Giffen über die Zunahme des Nationalvermögens in Großbritannien ermittelt hat. Diesen Zahlen gemäß hat stch in den 10 Jahren von 1865 bis 1875 das Nationalvermögen Englands im Ganzen um 48 Milliarden 700 Millionen Mark oder durchschnittlich pro Jahr um fast 5 Milliarden Mark dem Geldwerthe nach vermehrt. Die bedeutendste Steigerung zeigt sich in dem Besitze ausländischer Fonds und in sonstigen ^Belegungen im AnSlande mit mehr als 12 Milliarden Mark (um 223 Procent), während die Zunahme des Werthes de» Grundbesitzes und des laudwirthschaftlichen Kapitals noch keine 4 Milliarden Mark erreichte und nur 8 pCt. betrug. Der Besitz inländischer Staatsschuldscheine ist außer Berechnung geblieben. Das Verhältniß zwischen dem Nattonalvermögen und den Nationalschulden stellt sich so dar, daß das Erstere ca. den elffachen Betrag der Letzteren ausmacht. Bon dem Ge- sammtvermögen von ca. 170 Milliarden Mark bilden ca. 150 Milliarden produktives Kapital, während nur 20 Milliarden unproduktiv bleiben. Die Staatsausgaben Englands werden gegenwärttg viel leichter getragen, als vor mehreren Jahrzehnten; überhaupt stellt stch die britische
Formell ist die Abhaltung des Kongresses in Berlin nunmehr beschlossene Sache, doch scheint die Haltung Englands, welches erst ein Programm aufstellen und den ganzen Friedensvertrag dem Kongreß vorgelegt wissen will, immer noch einen Strich durch die Rechnung machen zu können. Der Vorschlag, die Grundlagen des Kongresses erst in diesem selbst aufzustellen, würde über die gegenwärtige schwierige Situation bei allseitigem guten Willen Hinweghäfen können. Aus London wird gemeldet: „Morning Post, Daily Telegraph, Daily News und Standard billigen die von Derby bezüglich der Theilnahme an der Konferenz gemachten beiden Vorbehalte. Die Times macht einen Unterschied, ob der Gesammtvertrag dem Kongresse zur Genehmigung oder ob bloS die neuen Beziehungen Rußlands zur Türkei zu voller Kenntnißnahme gebracht werden sollen. Die Vorbehalte des britischen KabinetS erschienen jedenfalls bei letzterer Auffassung von offenbarer Klr^hett Der Standard nimmt an, Lord Derby werde außer diesen erwähnten Vorbehalten auf den Abschluß der Meerengenstage von den Kongreßberathungen bestehen. Daily Telegraph drängt wiederholt darauf, daß Rußland vor dem Beginne des Kongreffes seine Truppen aus der unmittelbaren Nähe Stambuls und des Bosporus zurück- zieheu müsse. Der Gesammtton der Preffe lautet wenig sanguinisch für den Kongreß."
„Allerdings ist es ein Fleck," sagte Dr. Wernitz mit dem boshaftesten Lächeln, „aber nicht auf Ihrem Oberhemde, sondern auf Ihrem Rufe als Kenner und Träger der Mode!"
„Wie meinen Sie das?" frug Scharff erbleichend. '
„Wie können Sie noch mit dieser Shlipsfacon Herumlaufen, seitdem in der Residenz die neueste Facon „Tschernajeff" soviel Effekt macht?"
„Ich beschwöre Sie Herr Doktor, woher wissen Sie das? Mein Kleiderhändler in der Residenz hat den strengen Befehl, mir jede erscheinende Modenovität sofort zuzusenden. Ich wüßte nicht, was ihn abhalten- könnte, es auch diesmal zu thun. Täuschen Sie sich nicht, Doktor? O es wäre entsetzlich, eine neue Shlipsfacon „Tschernajeff" und ich wüßte nichts davon? Täuschen Sie sich auch nicht?"
„Ich täusche mich nie, am allerwenigsten in so ernsten Angelegenheiten, überzeugen von der Wahrheit meiner Worte können Sie sich morgen. Ich habe bereits einen Shlips „Tschernajeff", den ich morgen zum ersten Male tragen werde!"
Mit dem Ausdruck des fürchterlichsten Entsetzens erhob sich Scharff.
„Doktor," stieß er hervor, „das werden sie nicht thun!?"
„Ich wüßte nicht, wer mich daran hindern sollte; gewiß werde ich eS thun!"
„Ich beschwöre Sie, ich bin verloren, mein Ruf, stets die neuesten Sachen zuerst zu haben, ist dahin, Dottor!"
„Das will ich ja nur; ich will den erstaunten RomS- taueru zeigen, daß es auch noch andere Modekenner neben dem „schönen Wilhelm" giebt!“
Der „schöne Wilhelm" stöhnte leise, Wernitz glänzte vor boshaftem Behagen. _
„Doktor," begann Scharff wieder, „thuen ^ie mir das nicht an, ich will Ihnen zeitlebens dankbar dafür sein.
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.teigen nimmt entgegen: jegfliebtttett d.Blatte», Klee- eiebSnnoncen-®ureaui -Mre w Th. Dietrich & Co. in J ” jifel und Hannover; Th.
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^E^glichere und höhere Autorität als dem Gerichte letzter nüberManz in einem Partikularstaate beiwohnen wird, vermag
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte», sowie d.Lnnoncen-Bureaux von ». 8. Daube & Co. in Frankfurt a. R.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; W. TbieneS in Elberfeld; C- Schlotte in
Bremen.
(aschetj Der von dem Grafen zur Lippe verfaßten Berichte der izkommission des Herrenhauses bemerkt über die Aus- ng des Obertribunals: Es muß für die Landesver- g im höchsten Grade schmerzlich sein ans politischen mden, deren Prüfung ihre Kompetenz nicht unterliegt n Beschluß zu fassen, der nicht allein die erheblichsten (stände für den ganzen Umfang der Monarchie her- rt, sondern auch zu einer ceremonieloser Bestattung vom gerechten Stolze und der höchsten Ehrfurcht der ion getragenen Institution zwingt. Die höchste Spitze jenügafc Preußischen Rechtssprechung wird dem Untergang ge- >r beqi iht; in Preußen werden die Erkenntnisse in der letzten iUigltc lstanz nicht mehr int Namen des Königs von Preußen te W sprechen werden, die Justizhoheit des Preußischen Staates [6t $t am letzten Ende an das Reich über. Nicht einmal Rarbui t Sitz des höchsten Gerichtshofes bleibt innerhalb des - ttußischen Staatsgebietes, der so berechtigte Gedanke, '•'W iß her deutsche Reichsgerichtshof der Hauptsache nach der • chtsnachfolger des Preußischen Obertribunals sein wird, ll einen den realen Verhältnissen entsprechenden Ausdruck
iCtUMtaafenftein & Vogler tn ' kantfurt a. M., Berlin, tiyig, Mn ic.; Rudolf
E Es war Abend und die Gesellschaft in dem größten ^idings reich möblirten Zimmer, das den prunkenden nen Saloü führte, versammelt. Man nahm den Thee Musik und belegten Butterbrödm. Rittmeister Pietsch in der Nähe,des jammernden Pianino'S und machte verzweifeltste Gesicht von der Welt, in seinem welt- lerzlichen Vergessen sehr viel Thee, mit großartigen intitäten Arrak gemischt, trinkend. Der „schöne Wil- t" hatte sich in eine Ecke geflüchtet, um dort in Ruhe Muße etwas Nahrung zu genießen; denn auch er U KOTTOigte dem weisen Grundsätze, daß nur das Essen ge- 1878Mich fei, bei dem der Geist am wenigsten angestrengt 1 'de. Wilhelm aber sollte sich in seiner Ruhe bald ge- t fühlen, denn Dr. Wernitz, der mit einem Gesichte erging, als plante er drei Giftmorde auf einmal, hatte „schönen Wilhelm" in einer Ecke entdeckt und nun trte er direkt auf ihn los.
„Ei, weshalb denn so einsam," frug er höhnisch, „wes- i zeigt sich AdoniS nicht dem erstaunten Volle? WeS- ' schmollt unser „schöner Wilhelm" der Weiberberücker, t Herr Scharff, was sehe ich an Ihrer Toilette?" „Wie? Was? Toilette?" frug ängstlich Scharff und h sich von oben bis unten; „was haben Sie entdeckt?" „Ach da unten müssen Sie nicht suchen, oben, in der
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