sprossen sind, un» lehrt, daß eS zum größten Verderben gereicht, wenn man die wirthschaftlichen und sozialen Verhältnisse von den religiös-sittlichen GesichtSpuntten, Grundsätzen und Forderungen gänzlich absondert und sie lediglich unter die wirthschaftlichen Markt- und Naturgesetze stellt. So nöthig auch eine Reform der Zoll- und Steuergesetzgebung ist, so werden dadurch die großen wirthschaftlichen und sozialen Fragen der Zeit nicht gelöst. Eine solche Lösung kann nur durch eine einheiüiche Politik gebracht werden, welche sich fest aus den Boden der christlich-sittlichen Weltordnung stellt, und mit den sich von da au» ergebenden Gesichtspunkten und Grundsätzen im lebendigen Znsammenhang mit den realen Bedürfnissen de» praktischen Lebens, unter voller Berücksichtigung und Werthschätzung von Menschen und Dingen eine Reform unserer vielfach verfehlten wirthschaftlichen Gesetzgebung anstrebt. Wer der Nachfolger CamphausenS wird, ob die Regierung noch einmal den freilich vergeblichen Versuch machen wird, mit dem LiberaliSmu» weiter zu regieren, läßt sich noch nicht be- sttmmt sagen. Gestern Abend bezeichneten einige Blätter den früheren Präsident der Seehandlung, jetzigen Oberpräsidenten von Posen, Hernr Günther als CamphausenS Nachfolger. Heute aber heißt eS, von demselben sei gar nicht die Rede. Die „Nat.-Ztg." thut heute so, al» fänden noch immer Verhandlungen über die Durchführung der Steuerreform mit Herrn v. Bennigsen statt und hätte derselbe also auch noch Aussichten CamphausenS Nachfolger zu werden. — Wie e« auch werden mag, daö steht fest: in der bisherigen liberalen Weise kann's nicht weiter gehen. DaS Latein der liberalen Theorie ist zu Ende.
Trge-bericht.
Die „Nordd, Allgem. Ztg." schreibt: An die gegrn- wärttge Besprechung im Ministerium deS Innern über die Einführung der Kreis- und Provinzial-Ordnung für Posen werden sich unmittelbar gleicharttge Conferenzen, welche Schleswig-Holstein und die übrigen einzelnen LandeStheile betreffen, anschließen, hinsichtlich deren nach ihrer Eigenart mit Berücksichtigung ihrer abweichenden Gesetzgebungen und ihrer verschiedenartig entwickelten communalcn Zustände, eine gesonderte legislatorische Behandlung erforderlich erscheint. — Der „Reichs-Anzeiger" schreibt: Bei Besprechung der Zukunft der Reichssteuer-Vorlagen hätten viele Blätter Aeußerungm des Reichskanzlers zu Gunsten des TabakS- MonvpolS ein Gewicht beigelcgt, welches dieselben thatsäch- lich gehabt haben könnten. Der Reichskanzler habe zwar seine Ueberzeugung von der Zweckmäßigkeit deS Monopols mit der Erwägung begründet, das dasselbe die Cosumenten weniger belaste, als irgend eine Steuer gleich hohen Er-
die menschliche Natur ist der Vervollkommnung fähig und soll dazu geführt werden. Aus den Führer kommt e» an, auf seine Weisheit, die über dem, daß sie den Baum zu veredeln sucht, nicht vergißt, ihn zu nähren. Er sagt: „Soll man nicht lehren ungüehrte Leute, so wird niemals Jemand gelehrt. Darum lehret man die Unwiffenden, damit sie aus Unwissenden Wissende werden. Dazu ist der Arzt da, daß er die Siechen gesund mache. Johanne» schreibt sein Evangelium allen Gläubigen und auch den Ungläubigen und doch beginnt er mit dem Höchsten, was kann der Mensch dafür, der das Wort, das richtig ist, lehret. Sind Johannis Worte und sind des Herrn Worte nicht auch unrichtig gefaßt wordm?"
In diesem Sinne stellt sich Eckhardt die Aufgabe, mit seiner geistlichen Tochter die wichtigsten Lebensfragen der Menschheit zu besprechen und sie über die Weise zu belehren wie sie den Lebenskampf richtig bestehen kann. Er räth ihr, sie soll lassen, waS sie besitzt und zufrieden sein mit dem Nothdürftigen: „Brunnen, Brod und Rock". Wenn man sie weder zur Beichte annehmen, noch ihr das Abendmahl geben will, soll sie sich nichts daraus machen. „Also lange al» Dich daS berührt, daß Dich alle Menschen verschmähen, daß Dich Niemand Herbergen, daß man Deine Beichte nicht hören will, so lange Du Dich noch schämst, mit dem Apostel Paulus zu der Seite gezählt zu werden, der an allen Enden wiedersprochen wird, so wisse, daß Du dem rechten Tode fremd bist."
Mit vollen Händen streut Eckhardt in solcher Weise die Früchte seiner mystischen Speculaüon unter seine Schule wie unter das Volk. Er hat die deutsche Sprache für das spekulative Denken erst geschaffen, er hat auf den Wegen in die Höhen und Tiefen seiner Spekulation kaum einen Vorgänger in deutscher Zunge und nur wenige Begleiter. Wir haben es mit einem Geiste der
träges; er habe aber in keiner Weise die Absicht ausgesprochen, Bestrebungen nach höheren Erträgen ohne da» Monopol entgcgenzutretm, wemr letztere» nicht angenommen werde. Dies geht mit voller Bestimmtheit aus den wörtlichen Citaten und einer Auslassung des Reichskanzlers hervor, welche der „Reichs-Anzeiger" hierauf anführt. — Die „Nat.-Ztg." meldet: Die Entschließung Sr. Maj. de» Kaisers gegenüber dem Entlassungs-Gesuche de» Finanz- Minister» Camphausen ist gutem Vernehmen nach dahin ergangen, daß zur Zeit ein Grund für daS Entlassung«- Gesuch nicht vorliege und der Minister zunächst die Beschlüsse de« Reichstage» gegenüber den Steuervorlagen abwarten möge.
Die Nationaheitung konstattrt, daß die Verhandlungen über die Durchführung der Steuerreform wieder ausgenommen worden sind oder thatsächlich noch gar nicht abgebrochen waren, eit schreibt: „Daß die nationalliberale Fraktion ihrerseit» die von ihr al« unabweisbar erkannten Aufgaben unsere« StaatSleben« zu fördern vor wie nach bereit ist, zeigt ihr seitherige« Verhalten. Sind wir gut unterrichtet, so ist die Möglichkeit einer Durchführung der Steuerreform in einer oder der anderen Gestalt noch fortwährend Gegenstand der Verhandlung und läge dieser Verhandlung die erfolgte Rückkehr de« Herrn v. Bennigsen au« Hannover nicht fern." Uebrigen« spricht das Blatt an einer andern Stelle nicht mehr von konstitutionellen Garantien, sondern von konstituttonellen Ergänzungen, welche für die Steuerreform nöthig seien.
In Betreff der Wiederaufnahme der Verhandlungen de» preußischen Landtage» hört man, daß man sich jetzt dahin schlüssig gemacht hat, daß dieselben etwa mit dem 13. d. Mt«. beginnen und bann ungefähr 10 Tage andauern werden. Der Reichstag würde sich bann für den Zeitraum vom 12. bi» 24. vertagen.
Nach einer Meldung der Corresp. Stefani hatte Piu» IX. kurz vor seinem Tode alle Kardinäle aufgefordert ihm ihre Meinung über die Streitigkeiten des heiligen Stuhls mit der deutschen Regierung schriftlich mitzutheilen. Auch der Kardinal Pecci (jetzt Papst Leo XIII.) gab sein Gutachten, e« gefiel aber dem Papst durchaus nicht, weil jener da« Verfahren de» heiligen Stuhl« gegen die deutsche Re- gieruug getadelt und eine Versöhnung mit derselben auf Grund der deutschen Gesetze vorgeschlagen habe. Diese« Gutachten des Kardinals Pecci ist in dem pästtichen Archiv aufgewahrt.
„Bis zur Stunde ist eine Bestättgung der Nachricht
schärfsten, feinsten und zugleich kräftigsten Jutuitton zu thuu.
Das Große in Eckhardt« ganzer Auffassung ist, daß sie die Gegenwart so unmittelbar auf die Ewigkeit gründet und da« an die Tradition gebundene Geistesleben in kräftiger Weise befreien HUft, daß sie mit solcher Energie die höchsten Probleme de« denkenden Geiste« sich stellt und daß ihr in der Hauptsache wenigstens eine befriedigende Lösung gelingt.
Hier bewährt sich da« Wirken unseres Meister« Eckhardt auch mit dem Streben der andern großen Geister seiner Zeit, welche ihre Gedanken für die Mit- und Nachwelt zu verkörpern, bemüht waren, welche die Ideale der Geiste»- nerven in ihren herrlichen Bauwerken gleichsam sichtbar dargestellt haben, wie früher an dieser Stelle in den Vorträgen über den Gral-Dom und über den Meister Albrecht Dürer nachgewiesen wurde.
Die Meister Erwin von Steinbach und Gerhard von Köln, die Schöpfer de» Straßburger Münster» und des Kölner Domes, lebten und webten in derselben Geistes- Atmosphäre wie Bernhard von Clairveaux, Theodorich von Freiburg, Albertus Magnus und Eckhardt von Köln. Sie legen mit ihren Werken auch der späten Nachwelt noch Zeuguiß ab von dem großartigen, die weitesten LebenSkreise beherrschenden Einflüsse, welchen jene Männer grübt haben. Daß dieser Einfluß auch unter unS noch zu spüren ist, wird dem aufmerksamen Beobachter bald klar, wenn man bedenkt, daß Meister Eckhardt die christliche Philosophie eigentlich begründet hat, daß seine Mystik der Morgenröthe gleicht, welche Zeinen neuen Tag in der Geschichte deö Geistes ankündigle. In der von ihm angebahnten Richtung sehen wir einige Jahrhunderte später die Männer der Reformation ihr Werk beginnen, ferner den berühmten philosophus teutonicus Jakob Böhm seine üefen Geistesblicke in da«
Marburg, Dienstag, 5. März 1878
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Meister Eckhardt.
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— nt Auflösung de» Reichstag» halten wir deshalb nur 50 h str eine Frage der Zeit, wie wir neulich schon an» litten. Wie wir heute hören, wurde denn auch gestern
— t Zeit entsprechendes, dem Volke verständliche« Programm Gellen! — Wir möchten aber dabei auf ein« Hinweisen.
i > ist natürlich, daß bei der jetzigen wirthschaftlichen Noth- Pf st die wirthschaftlichen Fragen und Gesichtspunkte in den — irbtrgrunb treten; aber man vergeffe dabei ja nicht, daß -'J Är die Manchesterperiode, der diese Nothstände ent-
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I Die innere Lage
I durch die nunmehr wirklich erfolgte Einreichung de» EüaffungSgesuch« deS Finanzminister» Camphausen in ein Ee« Stadium getreten. Dieser Schritt de« Herrn Camp- m'm war ja vorauszusehen. Seine Stellung war den «gaben der Zeit gegenüber unhaltbar geworden. DaS t aber nicht sowohl an seiner Person, als an den libe- Em WirthschaftSgrundsätzen, welchen er huldigte, und mit Em ihn die realen Aufgaben, welche in seinem Amte mit Echt an ihn herantraten, in Konflikt brachten, wovon Ee Haltung in der neulichen Steuerdebatte einen drastischen ■wi» gab. Delbrück ist gegangen und nun wird auch Enphausen gehen, und beide sind gegangen, weil ihre Ethschastliche Richtung den Aufgaben der Zeit nicht mehr Wachsen war. Die eigentlichen Vertreter de» Liberalismus ■ wirtschaftlichem Gebiete scheiden aus dem Schooße ■ Regierung aus. Damit ist daS System selbst gefallen, Eche« sie vertraten und eS ist nun die Fragt: wie langt | -Vertreter bt ft eiben in den Parlamenten noch die Mehr- Dl besitzen werden? Daß diese« System fallen mußte unter M Wucht der dagegen zeugenden thatsächlichen Folgen deS- «n, war schon lange sicher; nunmehr aber dieser
Anzeigen nimmt entgegen: die Ur>etzM»n »Blatte», fewie bAnuoncen-Bureaux A 1. Lende 4 6e. in
Frankfurt a.R.rJäger'sche
Buchhandlung daselbst;
Hermann'sche Buckdandl- ♦ daselbst; Iuvalidendank in
Berlin; L. Lbiene« in Elberfeld: L. Lcklotte in
Bremen.
uben, weil sie von ihrer Unentbehrlichkeit noch immer trjeugt find und sich einbilben, die Mehrheit de« Volke« h hinter sich zu haben. Aber eS wird gut sein, diese ntn daran zu erinnern, auf wessen Namen sie gewählt
ingen nimmt entgegen: ttpcMtien ».Blatte», ?1( d.Annoncen-Bureaux । II), Dietrich 4 So. in ft[ and Hannover; Tb. mich in Krankst»« a.M.; «senstein 4 Bögler in ntffurt a- M., Berlin, Fjig, Köln k.; Rudolf Fe in Berlin, Frank
furt a. M- ic
< Fortsetzung >
Kern Ding mag sein ohne seine Natur. Es mag auf selbst nicht verzichten. Die Persönlichkeit ist nur auf Grunde ihres Wesens zu denken. Die Person schlägt bie Natur ein, 'gibt sich in ihrer Besonderheit auf, um der Gesammtheit deS Wesen« sich zusammmen zu fassen. Entäußerung der Person an die Natur ist zugleich Sichgrüuden in sich selbst, ein Sichfassen in der . it.
Nit der weiteren Ausführung dieser Sätze hat Eckhardt Pantheismus der Neuplatoniker und des noch unter Herrschaft stehenden Dionysius und Erigene speculativ Kunden und er ist damit der Vater der christlichen Philo- t geworden, bas ist seine epochemachenbe Bedeutung. -Nher hierauf einzugehen, insbesonbere seine ttefsinnigen Hauungen über ba« Wesen unb die Bedeutung ber dir nb Leiblichkeit, über bie Stellung be« Menschen Lanzen Schöpfungs-All, unb Erlösungswerk be« Göttchen, welches in ber Wiederherstellung und Verklärung Kosmos sich vollenden soll, ist uns hier nicht gestattet, verlohnt sich aber der Mühe, einen tieferen Blick in ktrtffenben Abhandlungen zu thun.
.Hier sei nur noch die kleine Eckharb'sche Schrift: fester Kattrei Meister Eckhardt- Tochter von Straß- V erwähnt, welche für uns in sofern ein ganz beson- 3 Interesse hat, al« sie eine thatsächliche Beantwortung Frage enthält und e« wohlgethan sei, hohe speculattve Mnr vor dem Volke auf der Kanzel zu besprechen.
bejahet diese Frage und nicht ohne Grund, denn
Reich«tag«kreisen mit Bestimmtheit die Nachricht von Pf. er bevorstehenden Auflösung des Reichstages verbreitet. 25 a bie Nationalliberalen wollten natürlich nicht baratt
b unb daß sich feit Erlaß ber Aktien-, Wucher-, Gewerbe-, Hank-, Theater-, Zug- unb anberer liberaler Freiheiten wirthschaftlichen Leben und in ben Anschauungen be« >lke» gar Manche« geinbert hat. Die Lasker- unb Sam« Per-Periode ist vorüber! Will bie Regierung einen an- 50 ttn Reichstag haben, so kann sie ihn bekommen. Aber — mt sie baS will, bann muß sie auch ein den Aufgaben
— I im Schooße der Regierung erfolgt ist, kann ber Fall Parlament nicht ausbleiben. Wir sind beshalb fest erzeugt, baß, wenn Camphausen gegangen ist, auch bald liberale Mehrheit be« Reichstages wird gehen müssen.
Pf ttteg be« Regierung«» unb Baurath« Cuno, gehalten in der 25 btral-Persammlung de« Vereins für Raffauische Geschichte unb AlterthumSkunbe.
»scheint täglich außer an ben Werktagen nach Eonn- unb Feiertagen. Preis für ba« Quartal mit ber wSchentlichen Beilage ,,-Iuftrirte» Sauutag»hlatt" burch bie Sroebition (Koch'sche Buchbruckerei) bezogen 2^ Stark, burch bie Postämter be« Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr». — Jnsertionsaebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pfa.
Für in der Expedition zu ertheilenbe Auskunft unb Annahme von Adressen werben 25 Pfg. berechnet.