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Marburg, Freitag, 1. März 1878

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system, insbesondere seine eingestandene Billigung des Ta­baksmonopols, die liberale Theorie verlassen hat. Man merkt eS dem Minister an, daß er noch immer mit seinem liberalenalten Adam" zu kämpfen hat, allein ein Mann, der so wie er mitten im Centrum der Staatsverwaltung steht, kann stch jedenfalls nicht mehr der Erkenntniß ver­schließen, daß mit diesen liberalen Theorien nicht mehr auszukommen ist. Ein liberaler Parlamentarier, der für nichts anderes zu sorgen hat, als für die konsequente Durchführung und Aufrechterhaltung seiner Theorie und seines Programms und der, wenn der Staats­wagen feststtzt, der Regierung sagen kann, stehe du zu, wie er wieder flott zu machen ist, kommt über alle diese Dinge leicht hinweg. Nicht so ein Minister, auf den die Verantwortung dafür fällt. Gleichwohl wird Herr Eamp« Hausen schwerlich noch lange in seiner Stellung bleiben können. Wenn ein Mann alle seine Theorien unter der Last der Thatsachen zusammenbrechen sieht, so bricht er in der Regel mit zusammen. Und die Thränen des Herrn Camphausen am vorigen Sonnabend sind ihm sicherlich durch die drückende Lage auSgepreßt worden, in welche er sich durch den Conflict zwischen seiner liberalen Theorie und den Forderungen der Wirklichkeit gedrängt sah. Wäh­rend er am Freitage noch vor dem Reichstage das Monopol bekämpft hatte, mußte er am Sonnabend gestehen, daß er dasselbe selbst schon am 17. Februar 1877 in einer Denk­schrift empfohlen hatte. Leute, mit so gebrochener innerer Stellung sind den großen Aufgaben der Zeit nicht ge­wachsen. Wie dieKreuz-Ztg." erfährt, sucht man denn auch nach einem anderen sachkundigen Fachminister, der die finanziellen Reformpläne des Reichskanzlers ausführen solle. Was aber von Camphausen gilt, da- güt auch von. den Rattonalliberalen, seinen Gesinnungsgenossen; nur wollen die Parlamentarier derselben sich das noch nicht ringestehen. Wenn BiSmarck zur Ausführung seiner Re­formpläne einen anderen Finanzminister nöthig hat, so muß er auch einen anderen Reichstag haben. Denn was hilft es, wenn der Camphausen geht, aber die Camphausen bleiben? Will der Reichskanzler wirklich zu einer durch­greifenden Reform unterer unhaltbaren Zustände gelangen, dann wird ihm nichts übrig bleiben, als von dem Volke einen anderen Reichstag zu fordern und wir sind über­zeugt, daß er ihn erhalten wird, wenn er klar und bestimmt sagt, was er will. Die Entscheidung über diese Frage wird wahrscheinlich von der Berathung der Budgellommission über die Steuervorlagen abhängen.

i»n nimmt entgegen: tpeMti»n d.Blatte», .j.Ännoncen-SBureauf N- Dietrich & Co. in § md Hannover; Th.

»schemt täglich außer an den Wecktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage-»«ftrirte» kanntaaShlatt" durch die Srvedition (Äodbftbe Buchdruckern) bezogen 8 t Mark, durch die Postämter bei Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 ®fa

o6r ln der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf,, berechnet.

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MternS, welches in Deutschland im Vergleich mit m Ländern, wie England, Frankreich, Oesterreich, noch i wenig ausgebildet ist. Durch die Vermehrung der ihmen deS Reiches aus Zöllen und Verbrauchssteuern es Reich unabhängig gemacht werden von den Einzel- 8, so daß nicht bloß die Matrikularbeiträge aufge- , oder doch wesentlich vermindert werden, sondern auch Mriche noch namhafte Summen an die Einzelstaaten l werden könnten, um dieselben in den Stand zu setzen, ! Steuern zu ermäßigen oder wie z. B. die Grund- üebäudesteuer den Gemeinden zur Bestreitung ihrer hasse zu überlassen. Aber die liberale Partei ist nach Programme eine Gegnerin der indirekten Steuern

Die lauere Krisis.

* t» Folge der Steuerdebatte im Reichstage am vorigen ag und Sonnabend ist die sogenannte innere Krisis i neues Stadium getreten. Die Verhandlungen, welche Srihnachten zwischen dem Reichskanzler und dem Abg. amigsen stattfanden, sind, wie die nattonalliberalen

. Itr mittheilen, abgebrochen worden, weil eine Einigung glich sei. Der Hauptpunkt, an welchem sie gescheitert . ist die Steuerfrage. Die Nationalliberalen haben sich leben gegen die jetzigen Steuervorlagen, namentlich j die Tabakssteuervorlage, erklärt und zwar nicht bloß ttr jetzigen Form als Erhöhung de« Tabakszolles, j n auch wegen ihrer Bestimmung, den Uebergang zur hrung des Tabaksmonopols zu bilden, wie der Reichs- r in seiner Rede die Vorlage charakterisirte. Der tkanzler hat dann zugleich weiter dargelegt, daß er Steuer-Reform anstrebe auf Grund des indirekten

großer Sinn für das gemeine Wohl und Wehe tistenheit entwickelte sich aus diesen Keimen und die «Verhältnisse der damaligen Welttage gaben ihrem «ne prophettsche Richtung.

?n Verlangen unk den Empfindungen des dem Gange arge zugewendeten GemütheS entsprechend und durch tote Worte des Psalters, der Evangelien und anderer geweckt, entquollen diesem Gemüthe die dunklen, gen Gedanken, die dann zu lichten leibhaften Vor- ar sich entfalteten.

br dem Auftreten Bernhard- von Clairveaux am ' von seiner Kreuzpredigt wurde Hildegard mächtig und trat mit ihm in Korrespondenz. Die Mit- ihrer Gedanken über die künftige Entwickelung deS und der gejammten Christenheit erregten die Auf- Btt des großen Mannes in dem Maße, daß er lAUaßt sch, der damals in Trier tagenden Kirchen- ^lung und dem Papste Eugen III. Kunde davon zu vorauf der Pchst Hildegardes Anschauungen billigte «munterte, auf dem betretenen Wege fortzuschreiten. $e dessen unternahm sie verschiedene große Reisen ^tlchland, um allenthalben in den Klöstern sittliche 6 abWstellen, Frieden zu stiften, um zu einem helligen 3a ermchnen und nach dem Vorbilde des alttesta- ch Propheten Heuoch an die Urweissagung zu er- MDer Herr kommt mit vielen Tausend Heiligen, halten über alles gottlose Wesen, er kommt

Volke hatte sie einen hohen Rus, weil sie

Ä also von dieser Steuer-Reform des Reichskanzlers wissen. Außerdem stellen sie für jede Steuer-Reform ibingung, daß die Parlamente, namentlich der preu- Landtag, zu dem Recht der Bewilligung 5er Aus­ruch das Recht der Bewilligung der Einnahmen A müsse, so daß also die Staatsregierung in jedem ' für die Forterhebung der Steuern an die Bewilli- bes Landtages gebunden wäre, während jetzt nach 109 der preußischen Verfassung die gesetzlich ringe- s Steuern so lange forterhoben werden, bis sie-durch «es Gesetz abgeändert werden. Bennigsen hat vom _J Eanzler die Abänderung dieses Art. 109 verlangt. __ eichskanzler aber hat ihm, wie berichtet wird, geant- l , daß er die Aenderung nicht versprechen könne, da ! höheren Ortes auf Schwierigkeiten stoßen würde, iesem Punkte find die Verhandlungen abgebrochen k- M t Durch ein solche« jährliches SteuerbewMigungs- " " »äre bi» Regierung ganz in der Hand des Parla- gegeben. BewMgt dasselbe die Steuern nicht, so

tat a. M., Berlin, jg. Eöln ic.; Rudolf i m Berlin, Frank- stnt a. M. re.

Meister Eckhardt.

, v;. I des Regierung«« und Bauraths Cuno, gehalten in der _ 25 ^Versammlung des Vereins für Nassauische Geschichte und AlterthumSkunde.*)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube 4 Co in Frankfurt a. M.; Jäger') che Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

Trge-bericht.

Die Ausschüsse des BundeSrachs für Post- und Tele- graphenwesen und für Eisenbahnwesen haben am Mittwoch

Im Jahre 1148 siedelte das Kloster unserer Hildegard, welche inzwischen Meisterin geworden war, vom Dissiboden- berg auf den Ruppertsberg bei Bingen über, wo sie fast 30 Jahre zum Segen deS schönen RheingauS gewattet hat und 74 Jahre alt starb, betrauert von der Menge derer, die bn ihr Trost, Rath und leibliche Hülfe gesucht und so oft empfangen hatten. '

tonrbe von ihr auch die schon mehrfach genannte Elisabeth von Schönau erzogen, welche später in der 5 nordöstlich von Bingen gelegenen Bmedicttner- Abthel Schönau während der Jahre 1141 bis 65 ganz im Geiste ihrer Meisterin wirkte, unterstützt von ihrem Bruder, dem Abte von Schönau. Wie Hildegard war sie eme Rufende in der Wüste, eine prophetische Gestatt, die dem versunkenen CleruS und allen übrigen Ständen mit erschütterter Wahrheit den Spiegel vorhiett, um mit Ernst zur Umkehr zu mahnen. In dem Kampfe Kaiser Fried­rich« L gegen Papst Alexander III stellte sie sich auf dessen Seite für den von ihm designirten Gegenpapft Victor 111.

Sie behauptete eine völlig ebenbürtige Stellung neben Hildegard und fand wie diese große Verehrung im Volke wriches sich besoiiders zeigte, als die Kunde von ihrem Sterben stch verbreitete. Aus ihrem Todtenbette gab sie an leuchtendes Beispiel von Todesfreudigkeit, ermahnte die Umstehenden mit ergreifenden Worten zum Ernst des heiligen Lebens, bat sie alle um Vergebung und als man sie auf- «mge firnen zu nennen, die man zu ihrem Gedachtniß beten wolle, nannte sie den 126. Psalm: Söenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, dann wird uns fern wie den Träumenden" und den 103. Lvbpsalm.

..3n Alter von 36 Jahren starb sie am 18. Juni 1165 vor ihrer Meisterin. ' 10

Der inbirecte Einfluß unserer beiden rheinischen Gei-

steht die ganze Staatsmaschine still und der Staat ist an den Rand der Auflösung gebracht. Bekanntlich war die ftanzösische Republik in diesem Winter nahe an dieser Grenze angelangt, da die Kammer mit der Steuer-Verweigerung drohte, wenn die Regierung nicht ihre Politik ändere. Auch wir glauben nicht, daß der König von Preußen seine Zu­stimmung zu einer solchen Verfassungsänderung geben würde.

Da die Liberalen nicht bloß die vorliegenden Stener- vorlagen, sondern auch die Reformpläne des Reichskanzlers überhaupt verwerfen, so hat dieser von ihnen verlangt, sie sollten nun selbst einen Steuerreformplan zur Aufbringung der Bedürfnisse der Reichskasse anfftellen. Dieselben weisen diese Aufforderung aber zurück, indem sie sagen, solche Pläne aufzustellen sei Sache der Regierung und nicht der parlamentarischen Parteien. Allein diesen Einwand können die Liberalen um so weniger geltend machen, als sie ja alle Vorlagen der Regierung verwerfen und gerade sie das Recht der Mitglieder des Reichstages, also auch der Par­teien desselben, zur Einbringung von Gesetzesvorlagen immer so stark betont haben. Da ziemt es ihnen schlecht, jetzt zu sagen: Steuergefetze vorzulegen ist nicht Sache des Reichs­tages, sondern der Regierung. In der That ist es auch nur eine schlechte Verhüllung ihrer Verlegenheit und Un­fähigkeit zur Aufstellung solcher Vorlagen. Indirekte Steuern vorzuschlagen, verbietet ihnen ihre liberale Theorie, Erhöhung der direkten Steuern, etwa die Einführung einer Reichs-Einkommensteuer, wagen sie auch nicht vorzuschlagen und gegen die Erhöhung der Eingangszölle auf auslän­dische Waaren sträubt sich ihre FreihandelStheorie. Die Ausgaben des Reiches zu vermindern geht auch nicht wohl an; denn gerade die Liberalen sind es, welche durch ihre vielen neuen Einrichtungen zur Vermehrung der Ausgaben im Reiche und in den Einzelstaaten am meisten beigetragen haben. Von einer Aenderung unserer wirthschastlichen Ge­setze, wodurch wieder frisches Leben in die darnieder liegen­den wirthschastlichen Verhältnisse kommen könnte, wollen sie auch nichts wissen, weil sie sich von ihrer unseligen Manchestertheorie nicht loSmachen können. WaSmun machen? Man steht, wir sind in den liberalen Theorien vollständig festgefahren. Hierin liegt der Grund und da« Wesen der inneren Krisis. Und wir kommen auch nicht eher aus derselben heraus, bis wir Mit diesen verderblichen Theorien entschieden brechen. So lange schon müht sich die Regie­rung ab, den Wagen wieder flott zu machen mit Hülfe der liberalen Partei, welche die Mehrheit in den Parla- menten hat. Allein die Erfahrung lehrt, daß das un­möglich ist.

Die Liberalen sind jetzt sehr ergrimmt über den Fi­nanzminister Camphausen, weil derselbe mehrfach, nament- lich auch durch seine Hinneigung zum indiretten Steuer- neben ihrem Blick in die Zukunft zugleich einen tiefen Einblick in da- Naturleben und die Gabe zu heilen besaß und die Nothleidenden zu trösten verstand. Unter ihren Verehrern finden wir die größten Männer ihrer Zeit, die Kaiser Friedrich Rothbart und Conrad III., die Päpste Eugen, Anastasius und Hadrian und viele andere hohe Würdenträger der Kirche und des Staats. Hildegards Einfluß enffprach der gefammten Weltlage ihrer vielbewegten Zett, wo namentlich in der germanischen Welt jener freiere waugelische Geist sich zu regen begann, auS welchem daS Beguinenwesen, die Bildung jener merkwürdigen Frauen- oeretne hervorging, die nur gewisse Stunden der AndachtS- ubung widmend, hauptsächlich das Warten der Kranken, die freie Armenpflege und sonstige LiebeSwecke zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hatten, in deren Kreisen aber auch jebe geistige Arbeit und Anregung hochgehalten wurde wie denn überhaupt in diesen Jahrhunderten des Mittelalters, wo die Männer durch das Kriegshandwerk ganz in An- spnlch genommen waren, die geistige Beschäftigung, die Uebung des LefenS und schreibens den frommen Frauen Überlassen war, welche in ihren einsamen Burgen und Klöstern zurückblieben, während die kampflustigen Ritter den großen Abenteuern nachjagten. ES fehlte dabei ja freilich auch nicht daS förderliche Wirken bedeutender Män­ner; welche jenen großen Frauen in ihrem Streben zu Hilfe tarnen, wie wir gerade an dem Beispiel unserer Hilde­gard und deS heiligen Bernhard sehen. Diese gegenseitige Ergänzung der weiblichen GemüthStiese und der männlichen GeisteSttaft ist offenbar für die Entwickelung unseres höhe­ren deutschen Lebens von entscheidender Bedeutung gewesen und hat namentlich den Bestrebungen unserer deutschen Forscher auf dem Gebiete der philosophischen und theosophi­schen Speculation diejenige Richtung gegeben, welche dem deutschen Geistesleben eine dauerndePräponderan^gesicherthat.