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Marburg, Donnerstag, 28. Februar 1878
xiil Iahrgiig.
tilgte.
Pnt «eigen nimmt entgegen: [5« Erpedttion d Blatte», t- ficb.tinnonccn-'Pureauf ' , II). Dietrich & Co. in
>1jel und Hannover; Th. [ritt, eirich in Krankfurt a.M.;
1 ufenftein 4 Bögler in Oflfr wksurt a. M., Berlin, tzzig, Cöln :c.; Rudolf 'tovsch ^e in Berlin, Frank- , furt a. M. ic
OklWschk Jcitinig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d Ännoncen-Bureaux von ®. L. Daube 4 Co. in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. TdieneS in Elberfeld • 6. Schlotte in Bremen.
ift,
erscheint tä^rch außer an den SBerttagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrlrteS LonntauSblatt" durch die Ervedition t«ock'kcke Buchdruckerei- bezogen 1\ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (e?cl. Bestellgebühr) - Jnsertionsgebübrsürdie gespaltene Zelle 10 «kn
Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.990
auf dir Titel VII der Gewerbeordnung und bezieht
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wlung darzulegen, darf ich mir die Schwierigkeiten
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tet werden kann, erklärt, indem sie auf die Steueren und ihr negatives Resultat zu sprechen kommt: begreift sich, daß auf dem Boden einer solchen Situ- eine Reformarbeit, wie sie in den letzten Monaten ert worden, nicht unternommen werden kann. Die r der nationalliberalen Partei sind entschlossen, und R dies auch, wie wir hören, in Uebereinstimmung mit gesammten Fraktion bereits kundgegeben: solange die chnen für nöthig gehaltenen konstitutionellen Garantien t ausdrücklich zugestanden sind, sich weder auf persön- tnoch auf sachliche Engagements einzulassen." — Hebet historischen Verlauf deS Scheiterns der Verhandlungen ien dem Reichskanzler und Herrn von Bennigsen theilt Köln. Ztg. mit: „Herr von Bennigsen begab sich (am »abend) zum Reichskanzler und erflätie ihm offen, er "seine Freunde könnten sich unmöglich entschließen, dem he große Steuern zu bewilligen und die Reichsregierung Hängig zu machen ohne konftituttonelle Garantieen. müßten fordern, daß die Volksvertretungen ein wirk- ® Steuerbewilligungsrecht erhielten in den Staaten, sie es noch nicht hätten, also namentlich in Preußen. ' Artikel 109 der preußischen Verfassung müsse mithin 'bett werden. Der Reichskanzler antwortete, er könne ■ Aenderung nicht versprechen, indem er darauf hinwies, diese Verfassungsänderung höheren Orts auf. Schwielen stoßen würde. Unter diesen Umständen verstän- -n sich eide Herren in freundlicher Weise, daß ihre andlungen für jetzt als gebrochen angesehen werden Iteu." (Vergl. auch unten Artikel *» -Berlin.)
Die Sozialdemokraten Liebknecht und Hasenclever haben
Wenn die Deutschen ein Volk von Denkern genannt kn, wenn die Nachbarvölker vor der deutschen Specu- k und Gedankentiefe von jeher besondere Achtung ge- haben, so lieget es uns nahe, nach den eigentlichen *■ Rdursachen dieses Verhältnisses zu forschen und uns
[ je» tnschaft darüber zu geben, wie im deutschen Volks-
SleÜ \ jene Gemüthstiefe sich entwickelt hat, aus welcher
[4 tiefe der modernen Anschauungen erwachsen ist, auf
6 die deutsche Spekulation eigentlich beruht. Daß wir Ramenttich in unserem herrlichen Rheingebiete, in dem
vmlande der deutschen Kultur, zu unserer Orientirung M nach dem Kreise jener großen Männer umsehen, M auf diesem Boden gearbeitet und gerungen haben, I ebenso nahe. Hervorragend in jenem Kreise aber ist W^Meister Eckhardt, der große Lehrer der Deutschen, V*. in Straßburg, Frankfurt und Köln gerauft und W seine großartige Auffassung des Verhältnisses von -! J \ünb Natur nicht nur seiner Zeit, sondern allen deut- i eü» ^Forschungen der folgenden Jahrhunderte jenes geistige i ^8C gegeben hat, dem wir die Achtung der Welt ver- . k- Indem ich an den Versuch herantrete, den Enl-
"kngsgang eines so reichen Menschenlebens vor dieser
aus die gewerblichen Arbeiter (Gesellen, Gehülfen, Lehr- ze und Fabrikarbeiter) und auf die §§ 146, 147, 148, . i I, 150 und 154 der Gewerbeordnung, das zweite Gesetz nfft die Einsetzung von Gewerbegerichten und auf die s inchtung und das Verfahren vor denselben. Beide Ge-
,, ^rhehlen, welche einem solchen Unternehmen entgegen» * aber ich vertraue dabei auf eben jene Gemüthstiefe, $ie_ beifällige Aufnahme, welche ein früherer Vortiax des 1 . EsafferS gefunden, veranlabt uns, mit freuudl. Gestattung _■' a^ch ben gegenwärtigen unfern Lesern mitzulheilen.
Anm. d. Red.
~‘ !, deren Wortlaut bereits in der Presse als Entwurf
*' den Bundesrath mitgetheilt wurden, sind vom Bundes-
* Meister Eckhardt.
M des Regierungs» und Pauraths Cuno, gehalten in der 4,ft »al-Bersammlung des Vereins für Nassauische Geschichte und
■l Alterthumskunde.*)
chstage zugegangen. Es sind dies ein Gesetz betreffend i f ! Abänderung der Gewerbeordnung und ein Gesetz be= simd die Gewerbegerichte. Das erstere Gesetz bezieht
I unverändert genehmigt worden. Sie sollen mit dem Januar 1879 in Kraft treten.
ors. | Die Nattonalliberale Korrespondenz, welche als Organ ärztliG sogenannten rechten Flügels der nattonalliberalen Partei
ßLp Tagesbericht.
Die Novellen zur Gewerbegesetzgebung sind jetzt dem
den Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: den Reichskanzler aufzufordern: bei der preußischen Regie- rnng dahin zu wirken, daß der zu Leipzig inhafttrte Reichstagsabgeordnete Bebel während der Dauer der Reichstagssession aus der Haft beurlaubt werde. Ferner wolle der Reichstag beschließen: den ersten Absatz des Artikels 31 der Verfassung des deusschen Reiches wie folgt zu fassen: „Ohne Genehmigung des Reichstags kamt kein Mitglied desselben während der Sitzmtgsperiode verhaftet oder in Strafhaft gehalten ober wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung zur Untersuchung gezogen werden. Ausgenommen allein ist die Verhaftung eines Mitglieds, welches bei Ausübung der Thal ergriffen wird; doch ist in diesem Fall ohne Verzug dem Reichstag Kemttniß zu geben und seine Genehmigung einzuholen.
Deutsches Reich.
** ©erlitt, 26. Febr. Die nationalliberalen und fortschrittlichen Blätter beeilen sich die Combination eines Eintrittes nationalliberaler Abgeordneten in die Regierung, welche seit Monaten so vielfach besprochen wurde, als gescheitert und zwar auf Grund der letzten Steuerdebatten gescheitert darzustellen. Man wird aus diesem Ausgang zunächst den Schluß zu ziehen haben, daß die betreffenden Verabredungen niemals soweit gediehen gewesen sein können, wie man sich den Schein gegeben hat, und daß auf nattonal- liberaler Seite jedenfalls über die Vorbedingungen der betreffenden Combination ein schwerer Jrrthum geherrscht haben muß. ES ist vor dem Beginn der letzten Steuerdebatten darauf hingewiesen worden, daß die Besprechungen und Voraussichten der ikationalliberalen Blätter über die von den eteuerbebatten zu erwartende Klärung der Lage einen wichtigen Punkt, offenbar den Hauptpunkt außer Acht ließen. Es war nämlich in den bezüglichen Ausführungen niemals die Rede von der unerläßlichen Einigkeit der nattonalliberalen Partei über ein positives Ziel der Steuer- Reform. Unsererseits wurde damals bemerkt, es müsse eine Mehrheit vorhanden sein, „welche neben der etwaigen Uebereinstimmung in der Negation auch eine feste Gemein- schäft positiven Wollens und Könnens zur Lösung der dringenden wirthschaftlichen Fragen erkennen läßt." Es bedarf keiner Mühe, um zu erkennen, daß die Debatte, wie sie am vorigen Freitag ober Sonuabenb von ben Liberalen geführt wurde, einen lediglich negativen Charakter hatte; denn die drei Hauptsätze, welche jetzt als angeblich posittve Forderungen in den Vordergrund gestellt werden: eine Vermehrung der Reichseinnahmen, sogenannte konftituttonelle Garantten, mit andern Worten Einsühmng des unbeschränkten Steuerbewilligungsrechts in ben Einzelstaaten; welche den Deutschen eigen ist und namentlich noch immer sich bei unseren Frauen findet, auf deren Mitwirkung das deutsche Volk bei der Erfüllung seines welthistorischen Berufes stets angewiesen war.
Schon die Römer berichten ja von der prophettschen Kraft der deutschen Frauen, unser Nibelungen-Lied gibt lebendiges Zeugniß von dem mächtigen Eingreifen beS weiblichen Wesens in bie erste Entwickelung unseres Volkslebens unb wenn wir hinein blicken in ben inneren Zusammenhang jener Lebensverhältnisse, aus welchen unser Meister Eckhardt hervorgegangen ist,' so treffen wir gerade in unserem nächsten Bereiche auf wunderbare Frauengestalten, welche den geistigen Boden der deutschen Lande vorbereiten halfen, dem später so köstliche Früchte entwachsen sollten.
Es ist zunächst die Prophetin Hildegrad von Bingen, die Freundin Bernhards von Clairveaux, welcher wir bei dieser historischen Umschau in unserem Rheingau selbst begegnen, ferner Elisabeth von Schönau, die Schülerin der Hildegard, und Mechtilde von Magdeburg, die geistige Nachfolgerin jener beiden großen Frauen, deren tiefsinnigen Einblicken in die Geisterwelt der große Dante den Grundstoff seiner »divina comedia« entnommen hat, welche noch heute unsere Bewunderung und unser Staunen erregt. Die intuitiven Gedankenblitze dieser und ähnlicher deutscher Frauen waren es, welche unseren Vätern die ersten Anregungen zur Durchbrechung der scholastischen Schranken ihrer geistigen Arbeit gaben, wie sich dies historisch nachweisen läßt, und ich halte mich daher verpflichtet, zunächst auf das Leben und Wirken der oben genannten Frauen einzugehen.
Deutschlands Erwachen zu selbstständigem geistigem Leben beginnt mit der Zeit, in welcher Gregors VII rücksichtsloses und einschneidendes Eingreifen in bie kirchlichen unb politischen Zustände eine allgemeine unb tiefgehende
Organisation der Reichsbehörden, mit andern Worten Einführung von verantwortlichen ReichSministerien, diese.Punkte sind in ihrer Allgemeinheit nur scheinbar positive. Was die Regierung zu erwarten berechtigt war, war etwas ganz anderes. Man konnte voraussehen, daß die Regierungsvorlage über die Tabakssteuer abgelehnt werden würde, dafür aber eine entschiedene Tendenz auf daS Tabaksmonopol, eine unzweideutige Erklärung zu Gunsten desselben hervortreten werde. Die Steuerungen des Reichskanzlers am Freitag lassen erkennen, wie sehr derselbe eine Gemeinschaft auf diesem Boden gewünscht und gehofft habe. Statt dessen trat ihm theilS die entschiedenste Verneinung von Seiten des Fortschritts, theilS eine völlige Zersplitterung auf Seiten der nationalliberalen Partei entgegen, daneben wurde gleichwohl bie Forberung konstitutioneller Concessionen der etngreifenbften Art festgehalten. Daß ber Fürst Bismarck ein unbebingteS SteuerberailligungSrecht nicht znge- stehen würbe unb nicht zugestehen konnte, barüber bürsten bie Führer ber Partei doch schwerlich in Zweifel gewesen sein. Wäre diese Forderung als bie unerläßliche Vorbe- bingung ber Verständigung von Anfang an bezeichnet roor= ben, so hätten alle Illusionen ber letzten Wochen gar nicht auftommen können. — Heute finbet im Ministerium des Innern unter Vorsitz des. Ministers Friedenthal die Eröffnung einer Konferenz von Sachverständigen aus der Provinz Posen statt, um über bie Einführung ber Kreisordnung in der dortigen Provinz zu berathen. — Am 28. Februar wird im Landwirthschaftlichen Ministerium unter Vorsitz deS Ministerial-Direktors Marcard die dritte Plenar-Versammlung der technischen Deputation für daS Veterinärwesen abgehalten. Auf der Tagesordnung steht die Be- rathung eines Normal-Lehrplans für tierärztliche Unterrichts- Anstalten, ber Entwurf einer Taxe für bie nichtamtlichen Geschäfte ber Thierärzte unb ber Entwurf eines Reichsgesetzes betr. bie Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen. — Nach der Berliner Bürgerzeituug soll der österreichische Hofrath Max Maria v. Weber in die Eifenbahnabtheilung deS Hanbelsministeriums als bortragenber Rath berufen sein unb biefe Berufung im Zusammenhang stehen mit ber Errichtung einer Generalbetriebsdirektion ber preußischen Eisenbahnen. Diese Mittheüung ist irrthümlich, wie ähnliche frühere. Herr v. Weber wird nicht jetzt, sondern später in einer freien Stellung dem Handelsministerium seine Dienste widmen, ein Rang ist dabei nicht vorgesehen. Die Angabe von einer Errichtung einer Generalbetriebs- birection ist völlig unrichtig. — Nachbem burch Allerhöchste Orbre bestimmt ist, baß bie kirchliche Feier ber halben Feiertage mit Genehmigung deS Oberkirchenraths aufgehoben werden kann, hat der letztere die Genehmigung zu dieser Aufhebung in allen Gemeinden ertheilt, wo sie bean-
Aufregung hervorrief, am tiefsten und nachhaltigsten in den Rheinländern Der mächtige Strom begünstigte lebendigen Verkehr, an seinen Ufern begann ein nach Freiheit strebendes Bürgerthum sich zu entfalten; Heinrich's IV. Streit mit den Sachsen, mit dem Papste unb seinem eigenen Sohne würbe vornehmlich in ben Rheinlanden entschieden. Hier war der Herd ber fürstlichen Opposition gegen ben Kaiser, hier fanb biefer toieber Hilfe bei ben Stäbten, hier endlich entschied sich das Geschick des Kaisers im Kampfe gegen seinen Sohn Heinrich V. Dazu kam die geistige Bewegung, welche, von Frankreich ausgehend, die ersten Kreuzzüge veranlaßte und aus Oberitalien eine große Zahl tief erleuchteter Männer über die Alpen führte, unter diesen die in den Vorjahren hier besprochenen Commaccoi, die Väter unserer großen Dombaumeister.
Der Sinn für bas Ungewöhnliche unb Außerorbent- liche würbe unter Hefen Verhältnissen sehr angeregt unb gerade in dieser Zeit wurde unsere Hildegard, die Tochter eines ritterlichen DienftmanneS des Grafen von Sponheim zu Böckelheim, im Nahethal um's Jahr 1104 geboren von der frommen Gräfin Jutta von Sponheim erzogen und schon sehr ftühe in das Kloster Dissibodenberg gebracht, wo ihr starkes Innenleben, ihr ber tieferen Naturbetrachtung zugewendeter Sinn, ihre insttncttve Erkenntniß ber heilenben ober schädlichen Naturkräfte, ihr Eifer für wahrhaft frommes Herzensleben reiche Nahrung fanb. Ihre Theilmchme an ben großen Ereignissen ber Zeil, an den schweren Schaben bes öffentlichen Lebens wurde schon in ihrer Kindheit angeregt, da ber Kaiser Heinrich IV. als Gefangener seines Sohnes auf Schloß Böckelheim der Obhut ihres Vaters auvertraut war und die zartfühlende junge Hildegard in rührender Weise bemüht war, dem vielgeprüften Greise die dunklen Tage seiner Gefangenschaft zu erheitern. (Forts, folgt.)