Marburg, Dienstag, 26. Februar 1878
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Tagesbericht.
und nur und Die ein- er-
* nimmt entgegen: Edition d.BlatteS, Annoncen-Bureaux Dietrich & Co. in Kd Hannover; Th.
mußte ihm doch deutlich sagen, daß er fich mit der Majorität des Reichstages nicht mehr in Einklang befinde. Die Verweisung der Vorlage an die Budgetcommisston mußte ihm eine weitere Bestätigung dieser Differenzen sein. Wird nun Hr. Camphausen, getreu seinen constitutionellen Doctrinen, die er noch Sonnabend Nachmittag offen in alle Welt hinausrief, bei seinem Rücktritt verharren? Das ist die große Frage des Tages, der man allgemein mit Spannung entgegenfieht.
Verwaltung des Reiches befindlichen Amtszweige vorzusehen. Unter diese Bestimmung fallen die Verwaltung der auswärttgen Angelegenheiten, die Marine-Verwaltnng, Post und Telegraphen, die Verwaltung der Reichslande, einschließlich ihrer Justiz und der dorttgen Eisenbahnen; endlich sind hierzu die Finanzen des Reiches zn zählen, insoweit sie sich in der ausschließlichen Verwaltung desselben befinden. Die Uebertragung der Stellvertretung innerhalb der gedachten Verwaltungszweige an die Vorstände der dem Reichskanzler untergeordneten obersten Reichsbehörden empfiehlt sich schon aus dem Reichsgedanken an sich, sowie
gt a. 3R., Berlin. , Eöln ic.; Rudolf i$ Berlin, Frank» d a. M. ic
Antons Gesicht glänzte buchstäblich vor Freude und er war eben im Begriff, dem alten Mols ein herzliches Wort zu sagen, als der Bediente anklopste und die Mitthettung machte, daß der junge Mynheer Mols durchaus seinen Vater sprechen müsse.
„Aber," sagte der Bediente naiv zu de Grootens, „der junge Herr ist jetzt durch die Thür herein gekommen, Mynheer!"
Mynheer de Grootens befahl den jungen Herrn ein- treten zu lassen und Anton, welcher meinte, daß nun die Sonne auch voll und ganz scheinen müsse, schlich sich weg, um Marianne zu holen.
Der ungezogene Karl aber legte seine Rechte auf die Schulter von de Grootens und seine Linke auf diejenige Mols' und spottete lustig:
„Das hätten die Herren sich wohl auch nicht träumen lassen, so auf einmal Schwiegerväter zu werden. Nun, wenn Ihr mich auf der Hochzeit haben wollt, müssen die jungen Leute sich beeilen, denn ich gehe in zwei Monaten wieder nach Indien zurück."
„Und Du bist kaum in Holland!" sagte de Grootens erstaunt.
„Ich finde die Menschen hier gar zu ernsthaft, Kassian!"
„Und ich finde sie hier vielmehr zu leichtsinnig," flüsterte Mols in Karls Ohr.
Da kam Anton triumphirend mit Willem an der einen und Marianne an der andern Hand herein, indem er fröhlich rief: „Hier habe ich die Uebelthäter!"
Willem war nicht verlegen, dafür hatte er sich schon zu viel Lebenskenntnisse erworben. Die Freude kam ihm aber doch so unerwartet, daß er kaum Worte finden konnte, um Mynheer und Mevrouw de Grootens für die Erfüllung feiner liebsten und höchsten Wünsche zu danken.
De Grootens war gerührt, als er das junge Paar so
AuS den Mottyen der Stellvertretungsvorlage ist nur die Spezialbegründung als neu hervorzuheben. Dieselbe lautete: Der vorliegende Gesetzentwurf bringt daher in §. 1 die Zulässigkeit einer Vertretung des Reichskanzlers für Fälle der Behinderung desselben zum Ausdrucke und bestimmt zugleich in §. 2 den Umfang, in welchem die Stellvertretung Platz greifen kann. In dieser Beziehung ist zunächst Fürsorge getroffen, daß ein Stellvertreter des Reichskanzlers für die Gesammtheit seiner Amtsthätigkeit ernannt werden kann. Im Weiteren enthält der §. 2 des Entwurfes die Bestimmungen bezüglich der Stellvertretung des Reichskanzlers für einzelne AmtSzweige, wobei von folgenden Erwägungen ausgegangen wird. Die Reichsverfassung hat im Artikel 4 eine erhebliche Zahl von Gegenständen der Beaufsichttgung Seitens des Reichs der Gesetzgebung desselben überwiesen. Dagegen ist eine begrenzte Anzahl von Angelegenheiten in die eigne unmittelbare Verwaltung des Reiches übergegangen. Einrichtung einer besonderen Stellverttetung auf alle zelnen im Arttkel 4 bezeichneten Angelegenheiten zu strecken, ist durch den Gesetzentwurf nicht beabsichtigt. Derselbe schließt jene Geschäftszweige, bei welchen es sich in der Hauptsache nicht um eine Verwandlung des Reichs handelt, sondern der Schwerpunkt in dem Recht der Aufsicht und Gesetzgebung liegt, von der besonderen Stellver- eretung aus und beschränk sich daraus, eine solche Stellvertretung bezüglich der in der eignen und unmittelbaren
I Ein Rcfidenzdermsgen.
t Erzählung von Johann Gram.
ptfaffer autorisiere Uebertragung au# dem Holländischen j von Joseph Schratteaholx.
s (Schluß.)
prf ich —", frag er dann zögernd, „noch eine röt Sie richten?"
kvviß, Mynheer Mols," antwortete de Grootens F«f), aber sehr kühl, „nichts wird mir angenehmer
Mn nehme ich mir ein He^," sagte Mols, Karl Mck zuwerfend, „und bitte Sie für meinen Sohn k Hand von Juffrouw Marianne."
Mr Frage verwundert mich nicht," lautete die katte F, obgleich jeder scharfe Zuhörer bemerken konnte, F äußere Ruhe innerlich schlecht gewahrt wurde, sich in unserem Gartenhause Ihren Sohn und meine F.ht solch einer zärtlichen Unterhaltung überrascht R es unnöthig, mein Kind darüber auszuforschen. Rrau und ich stimmen der Verbindung bei."
Ft unterwerfen uns dem Unvermeidlichen!" fügte
r® hätte ich nicht erwartet!" rief Mols ftoh aus. stvird mein Sohn glücklich sein. Nun, er geht einer kZuknnft entgegen, Willem wird einer unserer ersten Ftt werden."
F hoffe," sagte de Grootens majestättsch, „daß er r'tt erinnern wird, einen Schwiegervater zu haben, ^höherer Beamttr eines Departements der öffentlichen Mheilen ist."
M ich," sagte Karl laut, „füge den Wunsch bei, daß e daran denke, daß sein Vater durch eigene Kraft es 6 Spracht hat."
Die Stenervorlage«.
wir schon vor Beginn der Debatte über die Steuer- andeuteten, ist bereits theilweise eingetteten: eine ta der Stellung des Finanzministers Camphausen, PH in der Freitagsdebatte zunächst ein Widersprach | den Auslassungen des Hrn. Camphausen und des ^Steuerdirectors Burghard, so folgten derselben am | noch Aeußerungen des Finanzministers und des ßMzlers, welche auch gerade nicht sehr harmonisch zu K standen. Das weitere erwartete man nun von Unabends-Debatte, und es war deshalb gar nicht zu ver- 6, wenn an diesem Morgen bei Beginn der Verhand- j daS Gerücht im Plenum die Runde machte: Hr. bufen habe seine Demission gegeben und sei auch ^dieselbe nicht zurückzuziehen. AlS nun im weiteren e der Debatte zunächst Richter (Hagen) in seiner tat durchaus unzarten Weise die Camphausen'sche politit angriff, und daraus Lasker ihm ganz unver- M verstehen gab, wenn er mtt den Ansichten des Kitzlers nicht übereinstimme, daß er dann besser thäte, Dlatz zu räumen, da konnte Hr. Camphausen seine Anf- l nicht mehr unterdrücken. In höchst erregter Weise t er, daß er bereits wiederholt dem Reichskanzler |) zurücktreten zu wollen, und daß er es als seine ! erachte, dies zu thun, wenn er sehe, daß er mit der flöt des Reichstages nicht im Einklang stehe. Man v Minifter die Erregung im Gesicht an, als er nach Worten sich auf seinen Platz setzte, und es war | Balsam auf die ihm geschlagenen Wunden als der Mler das Wort nahm und dem gekränkten Finanz- f bestätigte, daß er wiederholt derarttge Erklärungen len, und dann noch weiter erklärte, daß zwischen den tarn des Herrn Camphausen und den feurigen ein pto nicht vorhanden sei. Die Thräzzen ber JÄuf= \ welche vorher an den Wangen des MnisterS herab- \ versiegten und Herr Camphausen vermochte sogar ^wieder ganz heiter zu lächeln. Die ganze Scene ter doch so eigenchümlicher Natur, daß diejenigen, lit verfolgt, nicht recht daran glauben wollten, daß stuptete Harmonie in der Thal zwischen den beiden fciänntrn bestehe. Der Abg. Windthorft konnte dem- ! auch nicht umhin, in seine Rede die boshafte Betz einfließen zu lassen: „Ob die Scene, welche wir tot, eine Scene der Versöhnung war, ist mir noch fast gebliebm. Es scheint noch ein kleiner Haken kn zu sein." Der Abg. Windthorft hegte am Schluß itzung diese Gedanken nicht allein. Was aber wird k. Camphausen thun? Die allgemeine Verurtheilung, seine Gesetzvorlage bei allen Frakttonen gefunden,
Anzeigen nimmt entgegn: die Expedition ».Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt a. SW.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendanl in
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im Interesse der Stabllttät der GeschäftSleituug innerhalb der betreffenden Ressorts. Der 3 des Entwurfs beabsichttgt festzustellen, daß der Reichskanzler, als der fortwährende erste Lenker der Reichsgeschäfte, auch während der Dauer einer Stellvertretung jede Amtshandlung selbst vornehmen kann, und es ist hierbei insbesondere auch an die Wahrnehmung der Aufsichts-Rechte des Reiches gegenüber den Einzelstaaten gedacht, deren Ausübung jederzett dem Reichskanzler selbst oder seinem Gesammtvertreter offenste- halten bleiben soll.
Der BundeSrath hat in seiner Sitzung am 22. v: M. beschlossen, daß vom 1. Februar d. I. der in den Apotheken oder pharmazeutischen Laboratorien nach den Vorschriften der Phannacopoea Germanica bereitete, einer Gährung nicht unterworfene Malzextrakt (extractus malti) der Staufteuer nicht mehr zu unterwerfen sei, vorbehaltlich ledoch einer allgemeinen Aussicht zur Verhütung von Mißbräuchen.
Der Großherzog von Baden, welcher am Freitag mit dem Großherzog von Oldenburg und dem Prinzen von Wales den Tabackssteuerverhandlungen des Reichstages beiwohnten, erschien am Sonnabend wiederum in dem Reichstage und verfolgte mtt sichtlichem Interesse den weiteren Verlauf der Debatte.
Im Reichs-Eisenbahnamt ist man, wie wir hören, ge- genwärttg mit der Ausarbeitung eines Entwurfes eines internationalen FrachtrechtS beschäftigt. Bekanntlich wurde die Anregung zu dieser Frage vom Schweizerischen BundeSrath gegeben; die Reichsregierung hat dieselbe sofort aufgefaßt und ist derselben näher getreten. Wie wir weiter erfahren wird im künftigen Sommer, wahrscheinlich in Süddeuffchkaud eine. Versammlung m tzisenbahnlechnikern stattfinden, in welcher der im Reichseisenbahnamt auSge- arbettete Entwurf einer eingehenden Berathung unterzogen werden wird. Die Einladungen zu dieser Conferenz würden, wie wir erfahren von dem Schweizerischen BundeSrath auSgehen.
Die Justtzcommisston des Herrenhauses hat auch am Sonnabend chre Berathung sortgesetzt und gelangte bis zum § 35 des GerichtsverfassungSgesetzes. Von gefaßten Beschlüssen ist namentlich der zu § 25 bemerkenswerth: welcher 8 sich auf den Sitz der Amtsgerichte bezieht. Die Commission hat beschlossen in diesem § zu bestimmen, daß der Sitz der Amtsgerichte durch königliche Verordnung festgesetzt werden soll; vom 1. Oktober 1882 aber jede Abänderung durch Gesetz bestimmt werde. ES ist dies bekannttich der vor sich sah. Was zog in diesem Augenblick nicht alles an seinem Innern vorüber. Wie viel theure Illusionen wurden ihm nun plötzlich zerstört.
„Es hat mich viel gekostet," sagte et mit einem tiefen > Seufzer, „aber da nun alles überwunden ist, hoffe ich, daß Ihr einander glücklich machen werdet."
Marianne wechselte mit Willem einen Blick, welcher diesem die beruhigende Gewißheit gab, daß es an ihr dabei nicht fehlen solle und Willem versicherte seinem zukünftigen Schwiegervater einfach aber herzlich, daß er alle« für diesen Zweck aufbieten werde.
Nun umarmte Marianne ihre Eltern, welche das liebe Kind, wie es sagte, mit ihrer Zustimmung so überrascht hatten. Da« Mädchen wat wirklich außer sich vor Freude und drückte Jedem gerührt bie Hand.
Abermals wurde die Thür geöffnet und der Bediente meldete Baron van Gaalderen an. Der Junker hatte augenscheinlich nicht geahnt, eine so zahlreiche Gesellschaft zusammen zu finden, behielt aber seine volle Contenance.
Nachdem er auf die zierlichste Weise sein Entree genommen hatte, frag er de Grootens ganz ungezwungen:
„Ich störe doch nicht in einer Familienzusammenkunft?" „Durchaus nicht, Baton, durchaus nicht!" antwortete Mevrouw verwirrt.
„Da Sie so viel Interesse für die Familie zeigen," sagte Karl ironisch, „wird Ihnen mein Bruder eine sehr überraschende Neuigkeit mitthellen. Nicht wahr, Dolf?"
De Grootens stimmte durch ein sonderbares Nicken bei und versetzte gezwungen:
„Darf ich die Ehre haben, Ihnen meinen zukünftigen Schwiegersohn, Mynheer Mols, vorzustellen?"
Nun war es an van Gaalderen, verwundert aufzuschauen.
„Mynheer Mol« und Juffrouw de Grootens!" sagte